Neues Verfahren bei der Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer ab 2015

Oberkirchenrat Dr. Martin Kastrup


Derzeit informieren die Banken und Finanzinstitute ihre Kunden über den ab 2015 automatisierten Ablauf der Einbehaltung der Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer. Diese häufig sehr allgemein gehaltenen Informationen führen immer wieder zu Verunsicherungen und Nachfragen seitens der Bankkunden und Kirchensteuerzahler. Wir möchten daher das neue Verfahren nochmals kurz erläutern:


o Grundsätzliche Steuerpflicht von Kapitalerträgen


Auch bereits vor Einführung der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge (Kapitalertragsteuer) unterlagen Kapitalerträge der Einkommensteuer und bei Kirchenmitgliedern auch der Kirchensteuer. Durch die Einführung der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge im Jahr 2009 hat sich an der Steuerpflicht nichts geändert. Die Abgeltungsteuer ist keine neue oder zusätzliche Steuer, sondern nur ein neues Erhebungsverfahren. Abgeltungsteuer und Kirchensteuer fallen nur an, soweit die Kapitalerträge den sogenannten Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 801 Euro (bei Alleinstehenden bzw. Einzelveranlagung) bzw. 1.602 Euro (bei Verheirateten und Zusammenveranlagung) überschreiten. Liegen die Kapitalerträge unter dem Sparer-Pauschbetrag, fällt bisher und auch künftig keine Kirchensteuer an. Auch wenn eine sogenannte NV-Bescheinigung (Nichtveranlagungs-Bescheinigung) des Finanzamts bei der Bank vorgelegt wird, fällt keine Abgeltungsteuer an.


o Bisherige Regelung seit 2009


Damit Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer einbehalten werden kann, war es seit 2009 notwendig, dass Kirchenmitglieder einen Antrag auf Einbehaltung der Kirchensteuer bei ihrer Bank stellten. Wenn kein Antrag auf Einbehaltung gestellt wurde, mussten die Kapitalerträge im Rahmen der Einkommensteuererklärung erklärt werden und die Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer wurde vom Finanzamt nacherhoben.


o Neues Verfahren ab 2015 bringt Vereinfachung für alle Beteiligten


Das bisherige Verfahren wird nun wesentlich vereinfacht. Ab 2015 ist kein besonderer Antrag mehr bei der Bank erforderlich, damit die Kirchensteuer auf Abgeltung-steuer einbehalten werden kann. Der Kirchensteuerabzug erfolgt künftig in einem automatisierten Verfahren. Die Banken erhalten vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) das für die Erhebung notwendige Religionsmerkmal aus einer Datenbank. Das Religionsmerkmal wird der Bank verschlüsselt auf elektronischem Wege unter Beachtung der hohen Anforderungen des Datenschutzes nur als sechsstellige Kennziffer übermittelt. Für die Bankmitarbeiter ist die Religionszugehörigkeit nicht einsehbar. Auch in den Kundenstammdaten der Bank wird sie nicht ausgewiesen. Die Weiterverarbeitung dieser Ziffer erfolgt in einer gesicherten und geschützten Umgebung.


o Widerspruch gegen Datenübermittlung


Der Bankkunde kann der Weitergabe des Religionsmerkmals an die Bank ausdrücklich widersprechen und beim Bundeszentralamt für Steuern einen Sperrvermerk setzen lassen. Dafür stellt das BZSt ein amtliches Formular unter www.bzst.de zur Verfügung. Wenn ein Sperrvermerk gesetzt wurde, sind die Kapitalerträge im Rahmen der Steuererklärung gegenüber dem Finanzamt zu erklären. Das zuständige Finanzamt erhält daher vom BZSt eine Mitteilung über den Sperrvermerk. Personen, die keiner steuererhebenden Kirche angehören, zahlen selbstverständlich keine Kirchensteuer und brauchen auch keinen Sperrvermerk setzen zu lassen.


o Auskünfte


Für weitere Fragen und Auskünfte steht das Fachreferat Steuern im Evangelischen Oberkirchenrat mit dem Kirchensteuer-Servicetelefon unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 - 7137137 gerne zur Verfügung. Außerdem ist eine entsprechende Information auf der landeskirchlichen Homepage www.elk-wue.de, Suchbegriff „Abgeltungsteuer“, eingestellt. Bitte verweisen Sie interessierte oder verärgerte Kirchenmitglieder auf diese Möglichkeiten, sofern Sie den Eindruck haben, dass Sie den weitergehenden Informationsbedarf nicht selbst abdecken können.


Dr. Martin Kastrup
Oberkirchenrat

Die Kirche und das Geld - hätten Sie es gewusst?

Die können doch gar nicht richtig mit Geld umgehen – sagt der Banker.
Die haben die Zeichen der Zeit verschlafen – sagt der Journalist.
Die sind doch reich – sagt der Mann auf der Straße.
Wir haben nicht genug, um allen Erwartungen zu entsprechen – sagt der Bischof.

 

Ja, was denn nun?! Wer hat recht bei diesem Thema, zu dem jede und jeder was zu sagen weiß? Dazu im Folgenden einige Informationen:

Kirchensteuer – 8 % von der Einkommens- bzw. Lohnsteuer
Die wichtigste Einnahmequelle der Kirchen ist die Kirchensteuer.Knapp acht Milliarden Euro Kirchensteuern zahlen die 52 Millionen Mitglieder der evangelischenund der katholischen Kirchen. 14 Milliarden Euro Tabaksteuer zahlen die 17 Millionen Raucherim Land. Was ist viel, was ist wenig?

Staatsleistungen – nur zwei Prozent der Einnahmen
Eine andere Einnahmequelle – die z.Zt. wieder einmal groß in die öffentliche Diskussion gekommen ist – sind die sogenannten „Staatsleistungen“ an die großen Kirchen in Deutschland. Sie betragen insgesamt etwa 450 Millionen Euro pro Jahr, also deutlich weniger als die Kirchensteuereinnahmen. Die Staatsleistungen haben ihre Grundlage darin, dass immer wieder in der Vergangenheit kirchliche Güter und Besitzungen enteignet bzw. verstaatlicht wurden.

 

In besonders großem Ausmaß geschah dies am Beginn des 19. Jahrhunderts, im sogenannten Reichsdeputationshauptschluss des Jahres 1803. Damals übernahmen die Landesherren die Verpflichtung, die Besoldung und Versorgung der Pfarrer – sofern erforderlich – sicherzustellen. Es handelt sich also um eine Art von Pachtersatzleistungen und nicht um irgendwelche Zusatzzahlungen, sie sind durch Artikel 140 des Grundgesetzes verfassungsrechtlich verbürgt.

 

Die Staatsleistungen machen übrigens nur etwa zwei Prozent der gesamten kirchlichen Einnahmen aus. Im Grundgesetz und bereits gleichlautend in der Weimarer Reichsverfassung wird gefordert, dass die Staatsleistungen an die Kirchen gegen eine angemessene Entschädigung aufgehoben werden. Deswegen gibt es die Staatsleistungen wohl noch immer, denn der Staat scheut eine erhebliche Einmalleistung und zahlt lieber Jahr für Jahr weiter.
Alle öffentliche Polemik, die Kirchen sollten von sich aus ersatzlos auf die Staatsleistungen verzichten, entbehrt jeder Grundlage. Das wäre so, als wenn ein Mieter (in diesem Fall der Staat) einem Besitzer (in diesem Fall den Kirchen) lange Miete zahlt und auf einmal behauptet, das Haus gehöre ihm, ohne das Haus kaufen zu wollen.

 

Die beiden großen Kirchen haben aber immer wieder gesagt, dass sie zu Gesprächen über eine Ablöse bereit sind. Bisher haben staatliche Stellen diesen „Ball“ aber nicht aufgenommen.

Kostenerstattungen für öffentliche Aufgaben
Achtung: Nicht zu den Staatsleistungen gehören Kostenerstattungen an die Kirchen für die Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben, zum Beispiel den Betrieb von Kindergärten, Altenheimen und Krankenhäusern. Solche Leistungen erhalten alle Wohlfahrtseinrichtungen, nicht nur die Kirchen.

Was geschieht mit den kirchlichen Geldern?
Wer bestimmt, was mit dem Geld der Kirche geschieht? Wer verwaltet es? Wer kontrolliert das? Gewählte Gremien wie die Landessynode, Bezirkssynoden und Kirchengemeinderäte sind dafür zuständig.

Weitere Antworten gibt es unter www.kirchenfinanzen.de, einer Website, die das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eingerichtet hat.

Quelle: Gemeindebrief.de, 3/2012

Neue Regelung ab 2009:
Abgeltungssteuer und Kirchensteuer

Ab 2009 wird die Besteuerung der Kapitaleinkünfte durch Einführung einer Abgeltungsteuer neu geordnet und vereinfacht. Bisher mussten die Einkünfte aus Kapitalvermögen in der Einkommensteuererklärung detailliert angegeben werden.
 
Darauf wurden dann Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer erhoben. Künftig werden die Kapitaleinkünfte gleich an der Quelle mit einer 25%-igen Abgeltungsteuer und der darauf entfallenden Kirchensteuer belegt. Einschließlich Solidaritätszuschlag ergibt sich ein Steuerabzug von insgesamt 28,5%. Die Abgeltungsteuer und die darauf entfallende Kirchensteuer werden anonym von den Banken abgeführt. Für den Steuerzahler ist damit alles erledigt. Diese Kapitaleinkünfte brauchen nicht mehr in der Steuererklärung angegeben zu werden. Damit die Bank die Kirchensteuer auf die Abgeltungsteuer richtig einbehalten kann, ist es notwendig, dass der Anleger der Bank seine Konfession mitteilt. Dazu verschicken die Banken zur Zeit entsprechende Antragsformulare. Falls ein Steuerzahler der Bank seine Konfession nicht mitteilt, bleibt es beim bisherigen alten Verfahren: Die Einkünfte aus Kapitalvermögen, von denen die Abgeltungsteuer einbehalten wurde, müssen dann nochmals in der Einkommensteuererklärung angegeben werden, damit die Kirchensteuer festgesetzt werden kann.

Durch die Mitteilung seines Religionsmerkmals an die Bank erleichtert der Steuerzahler sich und der Finanzverwaltung die Arbeit. Die Kirchensteuer kann gleich aus dem pauschalen Steuersatz der Abgeltungsteuer einbehalten und korrekt abgeführt werden. Alle bisherigen Möglichkeiten der Steuerfreistellung (z. B. Nichtveranlagungsbescheinigung, Sparerpauschbetrag, Sonderausgabenabzug der Kirchensteuer, Steuerbescheinigung) gelten auch bei der Abgeltungsteuer. Falls der persönliche Steuersatz unter 25% liegt, besteht über eine Einkommensteuererklärung die Möglichkeit einer „Günstigerprüfung“ zugunsten des Steuerzahlers. Zuviel einbehaltene Steuerabzugsbeträge werden dann erstattet.
 
 
Kostenloses Kirchensteuer-Service-Telefon

Für alle Fragen zum komplexen Thema Kirchensteuer und Abgeltungsteuer hat die Evangelische Landeskirche in Württemberg ein kostenloses Kirchensteuer-Service-Telefon eingerichtet. Unter der Rufnummer 0800 7137137 können sich Kirchenmitglieder – auch anonym – von Steuerfachleuten beraten lassen. 
 
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