Bezirkskirchentag in Geislingen

Die Kirchengemeinden des Geislinger Kirchenbezirks feierten den 2. Bezirkskirchentag am Samstag, 12. Juli und Sonntag, 13. Juli 2014.

 

Ort des Bezirkskirchentages war die Stadtkirche Geislingen und die Stadtbücherei.

 

Am Samstag hatten Organistinnen und Organisten die Möglichkeit, bei Professor Hans Martin Corrinth eine Fortbildung mitzumachen.

 

Im Anschluss an diese Fortbildung war zu einem Improvisations-Konzert mit Professor Corrinth eingeladen. Auf Zetteln konnten Wunschlieder geschrieben werden, die Professor Corrinth dann spielte. So waren sonst wenig auf der Orgel zu hörende Werke auf dem Programm. Von Yesterday über Greensleaves zur kleinen Nachtmusik und viele weitere Musikstücke.

 

Der Samstagabend gehörte dem Kabarett. "Die Vorletzten" waren gekommen. Der Stuttgarter Stadtdekan Sören Schwesig und Citypfarrer Peter Schaal-Ahlers aus Esslingen zeigten Szenen aus der Kirchengemeinde und Befindlichkeiten von Männern, Frauen und Kindern, die alle "zu Herzen gingen".

 

Am Sonntag begann um 9.30 Uhr ein Festgottesdienst zum Bezirkskirchenrat in der Stadtkirche.

Dekanin Gerlinde Hühn predigte.

 

In der Matinee im Anschluss sprach die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens zum Thema "Als Christin in der Politik" sprach.

 

Parallel dazu waren Kleine und Große eingeladen zum "Radieschenfieber".

 

 

Gottesdienst zum Bezirkskirchentag 2014
in der Geislinger Stadtkirche

Dekanin Hühn predigt

Die Predigt von Dekanin Hühn im Gottesdienst beim Bezirkskirchentag am 13. Juli 2014:

 

Predigt zu "Bekenntnis"

Großer Gott wir loben dich

Unter Leitung von Bezirkskantor Thomas Rapp spielen und singen das Bezirksbläserteam des Geislinger Kirchenbezirks und Chöre aus den Kirchengemeinden im Bezirk  den Choral im Gottesdienst zum Bezirkskirchentag

„Alles, was Sie wirklich wollen, ist auch richtig“!

„Alles, was Sie wirklich wollen, ist auch richtig“!

Unter dieses von Professor Hans Martin Corrinth geprägtes Zitat lässt sich der Kurs für Liturgisches Orgelspiel  in der Stadtkirche Geislingen stellen.

 

Zehn Organistinnen und Organisten, darunter Vertreter des Kirchenbezirks Geislingen wie Gäste aus anderen Dekanaten lernten und probierten Formen und Tonsprachen, die umgehend Mut zum eigenen Spiel vermitteln.

 

Eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Führung des Gemeindegesangs beschrieb Professor Corrinth, sei es manualiter oder pedaliter, drei- oder vierstimmig, mit variantenreicher Harmonisierung, mit der Melodie in Tenor oder Bass.

 

Neben der Gemeindebegleitung wurde auch die Vielfalt des freien Spiels thematisiert: Die Teilnehmer bekamen sowohl Improvisationsübungen aus der Feder des Referenten als auch Corrinths komponierte liturgische  Orgelmusik (Ortus-Verlag) an die Hand. „Der Organist“ sei  „das gute Gewissen der Gemeinde“, so Corrinth. Ansporn zum Improvisieren und Freude am liturgischen Orgelspiel vermittelte der Seminartag an der Oesterle-Orgel in Geislingen an der Steige.


Der Kurs und das abschließende Konzert des Referenten eröffneten zugleich den Kirchenbezirkstag Geislingen. Die Themen, über welche Hans Martin Corrinth improvisierte, reichten vom Beatles-Song über Mozarts Nachtmusik bis zu beliebten Kirchenliedern.

Als Christin in der Politik

MdB Heike Baehrens

Ihre christlichen Wurzeln waren deutlich zu erkennen. In der Matinee im Anschluss an den Gottesdienst beim Bezirkskirchentag ließ Heike Baehrens die Zuhörenden einen Einblick an den Grundlagen ihres Handelns und Tuns nehmen.

In einem christlichen Elternhaus erzogen, ausgebildet zur Diakonin, beruflich tätig im Vorstand des Diakonischen Werkes Württemberg ist Heike Baehrens seit 2013 Mitglied im Deutschen Bundestag. Gewählt ist sie im Wahlkreis Göppingen-Geislingen.

 

Dem Vortrag von Heike Baehrens wurde interessiert zugehört. Es schloss sich eine rege Diskussion an. Nachgefragt wurde zu hochaktuellen Themen: Vom bei der Bundeswehr geplanten Einsatz der mit Waffen bestückten Drohnen zur Situation der Flüchtlinge über die Lage der Hospizarbeit und Sterbebegleitung. 

Heike Baehrens hatte große Sachkenntnis und zeigte ihre Haltung zu den einzelnen angesprochenen gesellschaftlichen Themen deutlich. Sie sprach als Christin in der Politik.

 

 

Dekanin Hühn begrüßt die Kabarettisten

Kabarett zu Allmachtsfantasien im Sekretariat

STEFANIE SCHMIDT 
Geislinger Zeitung,
14.07.2014

 


Das Pfarrerduo "Die Vorletzten" sorgte am Samstagabend beim Bezirkskirchentag in der Geislinger Stadtkirche für die heiteren Töne. Die Geistlichen nahmen verschiedene Herzenszustände unter die Lupe.
 

 
Der Stuttgarter Stadtdekan Sören Scheswig und Peter Schaal-Ahlers, Citypfarrer in Esslingen, sind "Die Vorletzten". Etwa 200 Zuhörer unterhielten sie am Samstagabend in der Geislinger Stadtkirche mit ihrem Kirchenkabarett. In ihrem Programm "Und nimm mein Herz mit" nehmen sie in Sketchen, Vignetten und Liedern Begebenheiten aus der Kirchengemeinde auf die Schippe und beschäftigen sich mit religiösen und vor allem Herzensfragen. Sören Scheswig gibt sich dabei eher feinsinnig und nordisch dezent, Peter Schaal-Ahlers eher deftig-schwäbisch und auch mal "bruddelig".



Ist das Herz nur ein Muskel, der sich rhythmisch zusammenzieht und wieder erschlafft? Diese biologische Erklärung reicht dem Duo nicht. Deshalb nimmt es verschiedene Herzenszustände genauer unter die Lupe. Die Pfarramtssekretärin mit Allmachtsfantasien steht für das "gute Herz". Sie führt drei Telefongespräche gleichzeitig und schafft es dabei, gleich mehreren Personen den Tag zu verderben oder gar das Leben zu ruinieren. Sie vermiest der Vikarin die Lehramtsprobe, verhindert einen Karrieresprung ihres Chefs und findet nebenbei noch Zeit für Klatsch und Tratsch - ein Musterbeispiel für gelungenes Multitasking und Rechtschaffenheit. Wenn schon das "gute Herz" eine solche Zerstörungskraft in der Gemeinde entfaltet, was richtet dann das "grausame Herz" an?


Besondere Grausamkeiten haben "Die Vorletzten" bei einer Untergruppe ihrer Schäfchen ausgemacht, die eigentlich besonders gehegt werden will: den Ehrenamtlichen. "Die Jungen machen nichts", heiße es oft bei den "Alten", die sich schon lange engagieren. Aber wehe, eine der "Jungen" bietet bei Vorbereitungen zum Seniorenabend ihre Mithilfe an. Sie kann nur alles falsch machen - so lange, bis die Tränen fließen. "Hilf Herr meiner Tage, dass ich nicht zur Plage meinem Nächsten bin", kommentieren "Die Vorletzten" huldvoll singend dieses aggressive Territorialverhalten langgedienter Unterstützter.
Ausgesprochen schwer hat es auch das "wankelmütige Herz", das sich mit den vielen Optionen, die die moderne Welt bereit hält, schwertut. Überall die Qual der Wahl - vom Warenangebot im Supermarkt bis zur passenden Religion. Soll man aus der Kirche austreten? Einen Buddha im Baumarkt kaufen? Oder sich gar beschneiden lassen. "Ich möcht so gern, aber ich weiß nicht was", lamentiert das Duo.

 


Als Herausforderung, die sich dem "großen Herz" stellt, hat das Pfarrer-Duo die Treue ausgemacht. Ist der Mensch einfach ein triebgesteuertes Säugetier und die Treue eine menschheitsgeschichtliche Ausnahme? Oder ist die Treue die größte Errungenschaft der Zivilisation? Ein Gesamturteil maßen sich die Pfarrer nicht an. Schließlich habe man selbst Treuekarten von fünf verschiedenen Bäckern im Portemonnaie.

 


Für die Besitzer furchtsamer Herzen, denen vielleicht nur mittelmäßige Fähigkeiten in die Wiege gelegt wurden, haben "Die Vorletzten" einen Rat: Einfach das Beste geben! Dass das Mittelmaß vielleicht sogar in der Kirche das Maß aller Dinge sein könnte, deuten die Pfarrer nur an. Denn die eigene Zunft wird an diesem Abend weitgehend vor kabarettistischen Spitzen verschont. Dabei sollten eigentlich auch die Hirten und Oberen der Evangelischen Landeskirche genügend Material für ein abendfüllendes Programm bieten.

Peter Schaal-Ahlers und Sören Schwesig sind die "Vorletzten"

Geislinger Bezirkskirchentag mit Kindertheater

STEFANIE SCHMIDT
Geislinger Zeitung, 14.
07.2014


In der Stadtbücherei ist am Sonntag das "Radieschenfieber" ausgebrochen. Puppenspieler Matthias Jungermann stellte beim Bezirkskirchentag biblische Geschichten dar. Die Protagonisten: Obst und Gemüse.
 
 
Eine Ananas und zwei Bananen, eine Ingwerwurzel und ein Glas Essiggurken oder drei Wollknäuel und einen Korb - mehr Requisiten braucht der Puppenspieler Matthias Jungermann nicht, um biblische Geschichten kindgerecht darzustellen. Mit überbordender Kreativität und mal hintersinnigem, mal anarchischem Humor gelang es ihm gestern mühelos, sein Publikum, bestehend aus etwa 100 Kindern und Eltern, über eine Stunde mit seinem Programm "Radieschenfieber" zum Lachen zu bringen.


Die Hauptdarsteller in Jungermanns ungewöhnlichem Puppentheater sind keine Marionetten oder Handfiguren, sondern Obst, Gemüse und Alltagsgegenstände. Nur die titelgebenden Radieschen fehlen auf der aus einem Tisch bestehenden Bühne. Die liegen krank im Bett, schließlich haben sie Fieber, erklärt Jungermann den Kindern. Doch auch aus seiner Zweitbesetzung lässt der Puppenspieler lebhafte Figuren mit Charakter entstehen, die Gleichnisse aus der Bibel lebendig werden lassen.

 

Warum lässt sich Jesus mit Leuten ein, die von anderen gemieden oder als Verlierer und Außenseiter abgestempelt werden? Die Geschichten vom verlorenen Schaf und vom verlorenen Sohn sollen Licht ins Dunkel bringen. Einige Knäuel aus "original Schafwolle" werden zur Schafherde. Die Wollknäuel-Schafe sind verfressen, manchmal zickig, müffeln ein bisschen und pupsen häufig. Aber trotzdem hat der Hirte sie lieb und lässt seine ganze Herde allein, um ein verlorenes Herdenmitglied, das schwarze Schaf Heinrich, zu suchen. Nach der dramatischen Rettungsaktion lädt der Hirte alle zum großen Freudenfest ein.



Dass dort auch Lammkeule serviert wird, dürfe man theologisch nicht zu Ende denken, warnt Jungermann die Erwachsenen im Publikum. Noch größere Sorgen macht sich der Vater des verlorenen Sohns. Dargestellt wird er von einer großen Ananas. Denn die ist groß, stark, manchmal ein bisschen kratzig, hat eine schicke Frisur und man kann sich eine Scheibe von ihr abschneiden. Die Söhne werden von Bananen dargestellt. Einer von ihnen lässt sich sein Erbteil - eine Tüte Bonbons - ausbezahlen und verprasst es prompt. Er wirft die Bonbons ins Publikum und hat auf einmal ganz viele Freunde. Von denen allerdings niemand mehr da ist, als die Bonbons weg sind und von der Banane nur noch eine leere Schale übrig geblieben ist. Der Vater nimmt den Sohn trotzdem wieder bei sich auf und schlachtet zur Feier des Tages eine Gurke.
Den guten Samariter stellt Jungermann mit einer Essiggurke dar. Niemand will sich mit den Samaritern einlassen, denn sie sind, grün, pickelig, leicht schleimig und riechen irgendwie streng. Doch gerade dieser merkwürdige grüne Kerl kommt einem Reisenden - gespielt von einer Ingwerwurzel - zu Hilfe. Er wurde im dunklen Wald aus Sellerie und Staudensellerie überfallen und fast tot geprügelt. Der Samariter hilft ihm und lässt ihn auf eigene Kosten in einer Herberge - dargestellt von einem Essiggurkenglas - gesund pflegen.

 

Wie im Nu ging die Vorstellung in der Stadtbücherei vorbei. Um den Abschiedsschmerz zu lindern, hat Jungermann noch einen letzten Trumpf im Ärmel: Das Publikum darf die Darsteller aufessen.


Radieschenfieber begeistert Jung und Alt