Die Evangelische Kirche richtete Neujahrs-Empfang aus

Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Geislingen hat am Donnerstag, 14. Januar 2010 im YOMA-Zentrum Geislingen, Steingrubestraße 4 (ehemaliges Martin-Luther-Haus), den Geislinger  Neujahrsempfang ausgerichtet.

 

Der Kultusminister von Baden-Württemberg, Helmut Rau, hat über das Thema: "Bildungs- und Zukunftschancen für alle Kinder" gesprochen.

 

Der Neujahrsempfang hatte folgenden Ablauf: 

Begrüßung durch Dekanin Gerlinde Hühn

Vortrag und Gespräch, Kulusminister Helmut Rau

 

Bei allem kam das zwanglose Gespräch und die Begegnung bei einem kleinen Imbiss nicht zur kurz.

 

Der Neujahrs-Empfang wurde musikalisch umrahmt von der Gruppe "Moanin' Three".

 

 

 

Kultusminister Helmut Rau und Dekanin Gerlinde Hühn

Rede von Kultusminister Rau beim Neujahrsempfang

"Zukunfts- und Bildungschancen für alle Kinder - unter besonderer Berück-sichtigung der Kinder mit Migrations-hintergrund."

Geislingen/St., 14. Januar 2010, 18.30 Uhr
 
[Anrede]

 

Dem Anfang eines Neuen Jahres wohnt die Chance inne, uns darüber klar zu werden, wo wir stehen und wohin wir uns bewegen wollen - oder sollten?
Insbesondere Politik und Politiker werden dabei einer kritischen Betrachtung unter-zogen; dabei spielen auch die Kirchen als kritisch Fragende keine unwichtige Rolle, wie wir erst jetzt wieder erfahren haben.

 

Für einige meiner Kolleginnen und Kollegen scheint es bei dieser Evaluation durchaus ruppig zuzugehen: Wenn man so manchen Meldungen glauben darf, wird da eine "Kanzlerin in die Zange genommen", wird ein "designierter Ministerpräsident in die Mangel" gezwungen und - so habe ich es auch einmal gehört - ein "künftiger EU-Kommissar" sogar "durch den Fleisch-wolf" gedreht.

Zuständig für Bildung könnte ich jetzt versucht sein, über den Gebrauch von Metaphern in der politischen und medialen Sprache zu reden - aber ich erinnere nur an Herta Müller, die einmal gesagt hat:
"Sprachbilder sind diebisch" - am Ende nehmen sie Dimensionen an, die gar nicht gewollt waren.

 

 

Ich freue mich sehr, dabei eben nicht einer schmerzhaften Prozedur unterzogen zu werden, sondern in diesem sehr angeneh-men Rahmen von mir aus darüber sprechen zu dürfen, was mir im nächsten Jahr wichtig sein wird und worin ich eben un-sere Chance sehe, noch besser zu werden.

 

 

Und ich meine damit nicht gute Vorsätze wie: "Öfter in die Kirche gehen!" oder "Mehr Sport!" … Als Kultus- und Sport-minister - und als Mensch, der in Südba-den lebt - habe ich genug Erfahrung, um zu wissen, dass derlei Vorsätze allzu schnell in den Papierkörben der Vergan-genheit landen - so wieder ein Sprachbild, diesmal von Erhard Bellermann.

 

 

Vielmehr möchte ich Ihnen aufzeigen, welche gesellschaftlichen Güter mir so wichtig sind, dass wir sie nach meiner Überzeugung für die Zukunft bewahren sollten:

 

Jahreswende der Freiheit
An der Wende vom Jahr 2009 zum Jahr 2010 erinnern wir uns an den "Triumph der Freiheit" (H. Kohl): Vor 20 Jahren er-rangen die Menschen im östlichen Teil Deutschlands die gleiche Freiheit, die wir im Westen seit 1949 wieder genießen dür-fen. Freiheit: Ich glaube, dass sie eines der höchsten Güter ist, die wir bewahren müssen.

Freiheit ist sicher oft Freiheit "von etwas" - Freiheit etwa von Diktatur, von Bevormundung und von Enge; erst recht natürlich Freiheit von totaler Abhängigkeit, Knechtschaft und Gefangenschaft.

 

Aber Freiheit ist vor allem Freiheit "zu etwas": der Mensch braucht Freiheit zur Entfaltung seiner Persönlichkeit. Er braucht Freiheit zur Verwirklichung von Potentialen, er braucht Freiheit, sich als Mensch zu entwickeln. Das bedeutet:

 

Freiheit ist Chance!

 

Freiheit als Herausforderung
Nun hat aber jeder Mensch als Mensch - und als Geschöpf Gottes - ein Recht auf die Entfaltung seiner Persönlichkeit, auf die Verwirklichung seiner Potentiale und einfach auf ein Leben in Würde.

Schon darum sehe ich es als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben, dafür zu sorgen, dass jedes Glied dieser Gesell-schaft, selbst das schwächste Glied, auch die Freiheit dazu und damit diese Chancen bekommt. Insbesondere jedes Kind muss seine Persönlichkeit entfalten können, muss seine Potentiale verwirklichen kön-nen und muss sich als Mensch entwickeln können.

Denn jedes Kind, das unfrei und mit we-niger Chancen aufwächst, läuft Gefahr, sich bald "ausgeschlossen" zu fühlen oder sogar tatsächlich zu den "Ausgeschlossenen" dieser Gesellschaft zu gehören - je-nen, die nicht mehr dazugehören.

 

 

Der Soziologe Heinz Bude hat es in sei-nem Buch "Die Ausgeschlossenen" ein-drücklich und nachdrücklich beschrieben, was einer Gesellschaft droht, wenn sie es zulässt, dass eine größere Anzahl ihrer Mitglieder den Anschluss an die Mehrheit und ihre Standards verliert, wenn die Gesellschaft zerbricht in Partikular- oder Parallelgesellschaften, wenn sie auseinanderfällt in Mehrheitsgesellschaft und Ausgeschlossene.

 

 

Es wäre für uns alle verheerend. Wir müssen darum alles tun, um zu verhindern, dass Kinder, dass Menschen zu Ausgeschlossenen werden.

Schwierig bleibt diese Aufgabe, weil es  immer wieder Fesseln gibt, die Menschen, insbesondere junge Menschen, unfrei machen und ihnen so Chancen nehmen.

 

Allerdings glaube ich, dass in Deutschland auch heute noch die wirtschaftliche Lage davon der geringste Faktor ist. Bei uns ist trotz aller ökonomischen Schwierigkeiten der allgemeine Wohlstand in den letzten Jahren nicht gesunken, sondern schlimmstenfalls weniger stark gestiegen.

Hingegen gibt es aber andere Faktoren, die mir wesentlich bedeutsamer dafür scheinen, dass prozentual immer mehr junge Menschen davon bedroht sind, un-frei aufzuwachsen so ihrer Chancen be-raubt zu werden:

Da ist etwa die demographisch-soziale Entwicklung. Die Geburtenzahl in den bürgerlichen und traditionell bildungsnahen Schichten stagniert schon längst auf einem dramatisch niedrigen Niveau.

 


Verhältnismäßig mehr Kinder werden dagegen in sozial schwächeren und bil-dungsfernen Milieus geboren; nicht nur, aber auch in Migrantenfamilien.
Es ist mir wichtig, gleich hier festzuhalten: Problematisch ist in der Regel nicht der "Migrationshintergrund" selbst, auch wenn kulturelle, bisweilen auch religiös-kulturelle Einflüsse eine verstärkende Rolle spielen mögen.
Problematisch ist bei vielen Migranten wie bei Deutschstämmigen das soziale Milieu und damit die Umstände, unter denen Kinder aufwachsen:
Gibt es überhaupt eine Familie oder so etwas wie ein Elternhaus, das Geborgen-heit ausstrahlt? Gibt es einen geregelten Tagesablauf mit gemeinsam eingenom-menen Mahlzeiten? Gibt es Gespräche zwischen den Generationen? Wachsen die Kinder in einem kulturellen Kontext im weitesten Sinne auf - d. h. wird ab und zu gesungen, gelesen oder vorgelesen, werden Geschichten erzählt?

 


Wird im weitesten Sinne auf Erziehung und Bildung Wert gelegt?
Die traurige Tatsache ist, dass der Anteil der Kinder, für die man immer mehr die-ser Fragen verneinen muss, in unserem Land prozentual ansteigt. Und zwar leider unabhängig davon, wie viel Geld den ver-antwortlichen Erwachsenen zur Verfügung gestellt wird.

 

 

Ein weiterer Faktor, der sich auf Freiheit oder Unfreiheit - und damit auf die Chancen - eines jungen Menschen auswirkt, ist die Fähigkeit zum Umgang mit den Medien. Wird ein Kind zu denjenigen gehören, die bestimmen, in welche Richtung die Medienwelt sich entwickelt und welche Informationen wie verbreitet werden? Oder  wenigstens zu denjenigen, die selektiv, ja aktiv und zu ihrem Nutzen mit der Informationsflut umgehen und die neuen Medien zu ihren Gunsten nutzen können? Frei?

 


Oder aber wird ein Kind zu denen gehören, die rein passiv überflutet werden und die von den Medien eher beherrscht werden als umgekehrt? Unfrei?

 

 

Freiheit - Chancen durch Bildung
Wenn wir - von der materiellen Existenz-sicherung abgesehen - dafür sorgen wollen, dass möglichst alle Kinder die Freiheit erleben, die sie brauchen, um ihre Persönlichkeit zu entfalten, ihre Potentiale zu verwirklichen und sich zu den Menschen zu entwickeln, die sie sein können, dann haben wir nur ein Mittel - aber wir haben ein Mittel:

Es heißt Bildung - Bildung in einem umfassenden Sinne.

Bildung in einem Sinne, der die ganze Persönlichkeit einschließt, also auch die sogenannten personalen, kommunikativen und sozialen Kompetenzen.

Bildung auch und gerade für die Kinder, die beim Eintritt in die Schule solche Kompetenzen kaum mitbringen. Die etwa nicht ausreichend fähig sind, mit anderen Kindern in sozialen Kontakt zu treten. Oder die nicht ausreichend sprachfähig sind. Oder die sich ihrer eigenen Person nicht sicher sind. Oder die keinen geregelten Tagesablauf kennen. Oder die schon von ungebremstem Mediengebrauch, ja -missbrauch gezeichnet sind - kurz: Bildung auch und gerade für die Kinder, die in der Gefahr stehen, ausgeschlossen zu werden.

Auch diese Kinder sollen möglichst früh die Bildung bekommen und eine kulturelle Prägung erfahren, die es ihnen ermöglicht, mit anderen Menschen in sozialen Kontakt zu treten. Die es ihnen ermöglicht, zu kommunizieren und Informationen aufzu-nehmen. Die sie als Personen stärkt und ihnen hilft, ihren Tag zu strukturieren. Die ihnen auch die Kraft gibt, eine aktive Rolle zu spielen und Verantwortung zu übernehmen.

 

 

Bildung in einem solchen ganzheitlichen Verständnis kann nur durch die gesamte Gesellschaft erbracht werden, sie ist und bleibt daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

 

 

Bildung als Aufgabe des Staates
Dabei versteht es sich, dass der Staat als Repräsentant dieser Gesamtgesellschaft Verantwortung für den professionellen, den koordinierten, den standardisierten Teil der Bildung übernimmt - in den Kindergärten, Schulen, Hochschulen und vielen anderen Bildungseinrichtungen.

Baden-Württemberg tut aber weit mehr, indem es alle anderen gesellschaftlichen Kräfte und Gruppen, die Bildung bieten, unterstützt.

Ich will Ihnen skizzieren, wie das Land Baden-Württemberg jungen Menschen hilft und helfen wird, die Freiheit zu erhalten und damit die Chancen zu geben, die sie brauchen, um sich zu entfalten, zu verwirklichen und zu entwickeln:

 

 

Bildung in Kindergärten und Schulen
Da ist etwa der Orientierungsplan für Kin-dergärten und Kindertagesstätten, der im vergangenen Jahr nach einer Überarbei-tung nochmals veröffentlicht wurde.
Da ist die Sprachstandsdiagnose mit anschließender Sprachförderung, die dazu verhelfen soll, dass alle Kinder bei Eintritt in die Grundschule sprachfähig in einem möglichst umfassenden Sinne sind.
Da sind Programme wie das "Kinderhaus 3-10", mit dem eine noch bessere Verzahnung zwischen Kindergarten und Grund-schule erreicht wird.
Da ist die deutliche Ausweitung des Ganz-tagsangebots an allen Schularten des Landes.

 

Da ist die gesamte "Qualitätsoffensive Bildung" mit einem Volumen von etwa 530 Millionen Euro, die seit 2009 schrittweise umgesetzt wird.

 

Da ist die Weiterentwicklung der Hauptschulen zu Werkrealschulen als Element der Qualitätsoffensive, wodurch noch mehr jungen Menschen die Chance auf ei-nen mittleren Bildungsabschluss gegeben wird.

 

Da ist das vielfältige und differenzierte Schulsystem in Baden-Württemberg ins-gesamt, denn es bietet nach jedem Abschluss den passenden Anschluss. Nur so ist es erklärlich, dass in Baden-Württemberg fast die Hälfte aller Hoch-schulzugangsberechtigungen nicht auf allgemein bildenden Gymnasien erworben werden.

 

 

Da sind - nun mit besonderem Augenmerk auf die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund - unsere Bemühungen, die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund deutlich zu erhöhen. Zusammen mit den jeweiligen Konsulaten wollen wir für das Berufsziel Lehrer werben. So sollen die jüngeren Kinder mit Migrationshintergrund noch mehr erwachsene Vorbilder haben, die sich erfolgreich in die Mehrheitsgesellschaft integriert haben.

Da ist unser Modellversuch zum Islamischen Religionsunterricht in der Grund-schule. Damit haben muslimische Schülerinnen und Schüler ein Signal des Landes bekommen, dass sie als Muslime in unseren Schulen willkommen sind und mit ihrem muslimischen Glauben einen Platz in unserer Gesellschaft finden können.

 

Das Modellprojekt, das im Schuljahr 2006/07 startete, wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Die Evaluation des Modellprojektes zeichnet ein überaus positives Bild und die Erwartungen an das Modellprojekt wurden voll erfüllt:

Seitens der Schüler und Schülerinnen wird der Islamische Religionsunterricht sehr gut akzeptiert und in den Rückmeldungen der Eltern wird Lob und Anerkennung zum Ausdruck gebracht. Ebenso anerkennend sind die Rückmeldungen aus den Lehrerkollegien. Die Schülerzahlen sind im Laufe der drei zurückliegenden Pro-jektjahre stetig angewachsen und haben mit knapp 900 angemeldeten Kindern in diesem Schuljahr 2009/10 alle unsere Er-wartungen übertroffen.

 

Ich würde es sehr begrüßen, wenn wir in absehbarer Zeit die Möglichkeit hätten, den Modellversuch auch auf die weiterführenden Schulen auszuweiten oder einst ein ordentliches Unterrichtsfach "Islamischer Religionsunterricht" einzurichten.

Doch die Hürden dorthin kann die Regie-rung nicht alleine überspringen:
Religionsunterricht wird von unserer Verfassung -  zu Recht! - in die gemeinsame Verantwortung von Staat und Religions-gemeinschaften gelegt. Der Staat muss und darf dabei nur die äußeren Rahmen-bedingungen für das Unterrichtsangebot schaffen. Für den Inhalt, also die Bildungspläne, Lehrinhalte und -materialien sind die Religionsgemeinschaften verant-wortlich.
Deshalb brauchen wir als Gegenüber in dieser Verantwortung eine solche "Religionsgemeinschaft" des Islam im Sinne der Verfassung. Also eine Gemeinschaft von Gläubigen, die sich der Ausübung und Pflege der Religion sowie religiöser Bil-dung schwerpunktmäßig widmet. Sie muss dem Land Baden-Württemberg als dauerhafter Ansprechpartner theologisch autorisierte Inhalte und Leitlinien für Leh-re und Ausbildung formulieren und ent-sprechend wissenschaftlich qualifizierte Personen in dieser Bildungsverantwortung entsenden können.

 

Ich kann die Muslime nur zu weiteren An-strengungen auf dem Weg zur Bildung ei-ner Religionsgemeinschaft im Sinne des Religionsunterrichts-Artikels 7 Abs. III des Grundgesetzes ermutigen.
Solange wir allerdings auf muslimischer Seite noch keinen konstanten und theologisch auskunftsfähigen Ansprechpartner für die Lehrinhalte haben, können wir das Modellprojekt fortsetzen und auf weitere Grundschulen ausweiten.

 

 

Erlauben Sie mir zu den Bildungsleistun-gen in unseren Kindergärten und Schulen eine wichtige abschließende Bemerkung:

In den letzten Jahrzehnten beobachten wir, dass die professionellen Bildungseinrich-tungen immer mehr Bildungs- und Erzie-hungsaufgaben übernehmen mussten, die zuvor fast ausschließlich in den Familien oder im außerschulischen Umfeld der Kinder verortet waren.

Wenn solche Aufgaben gerade der Bil-dung in sozialen und personalen Kompe-tenzen sich in professionelle Einrichtun-gen verlagern, dürfen wir eines nicht ver-gessen:

 

Die Bildungs- und Erziehungsmöglichkeiten in Kindergärten und Schulen sind und bleiben begrenzt.
Darum kann auch der Auftrag für diese Bildungseinrichtungen nicht beliebig aus-geweitet werden.

Nicht zuletzt deshalb ist uns, ist mir die Bildungsleistung, die außerhalb der Schu-len erbracht wird, so wichtig.

 

 

Bildung außerhalb von Kindergärten und Schulen
Für das, was hier getan wird, nur drei Bei-spiele:

Als erstes nenne ich die Eltern. Für mich ist eines ganz klar: In Fragen der Bildung und Erziehung dürfen wir die Eltern nicht aus ihrer Pflicht entlassen. Zumal der allergrößte Teil der Eltern dieser Pflicht mit höchster Sorgfalt und Liebe nachkommt, aber auch weil - wie gesagt - nicht alle Versäumnisse außerhalb der Familien ab-gefedert werden können. Schulen sind nicht soziale Reparaturbetriebe.

 

Das heißt: Denjenigen Eltern, die Schwie-rigkeiten bei der Erziehung haben, müssen wir helfen - und wir tun es.
Denn nur so können wir die Gefahr des "Ausgeschlossenwerdens" verringern oder das verhindern, was Wilhelm Busch (des-sen kritische Gesamtausgabe vor genau 50 Jahren erschien) pointiert so beschrieben hat:
"Zwar man zeuget viele Kinder, doch man denket nichts dabei, und die Kinder wer-den Sünder, wenn's den Eltern einerlei."

 

Im Orientierungsplan und in den Bildungsplänen ist die Aufgabe der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit der Bildungseinrichtungen mit den Eltern im Sinne einer Bildungs- und Erziehungs-partnerschaft verbindlich verankert.
Die gemeinnützige Elternstiftung Baden-Württemberg ist hierbei für die Kindergär-ten und Schulen ein wichtiger Kooperati-onspartner. Die inhaltliche Elternarbeit an den baden-württembergischen Kindergär-ten und Schulen wurde durch die Projekte der Elternstiftung neben der gesetzlich formalen Mitwirkung gezielt gestärkt.

 

Wir werden künftig noch mehr über die Eltern und mit den Eltern arbeiten müssen.

 

 

Aber jenseits von Elternhaus und Schule - oder zwischen Elternhaus und Schule - gibt es noch eine Vielzahl von Menschen und Institutionen, die Kindern und Ju-gendlichen "Bildung" vermitteln - sie alle werden vom Staat unterstützt. Sportverei-ne, Musikvereine, Musikschulen, kirchli-che und andere religiöse Einrichtungen - oder, als ein Beispiel, über das ich zwei-tens ein paar Worte verlieren möchte, die gesamte außerschulische Jugendarbeit:

 

 

Mit der Unterzeichnung einer "Vereinbarung für ein Bündnis für die Jugend" zwi-schen dem Land Baden-Württemberg und den fünf größten Dachorganisationen der Jugendverbände im Jahr 2007 hat sich das Land zu einer verbandlichen, offenen und kulturellen Jugendbildung bekannt. Der Bündnistext nennt zentrale Entwicklungsbereiche, darunter auch die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und von Jugendlichen mit Be-nachteiligungen.

Im Mittelpunkt stehen hierbei durchaus Jugendliche mit Migrationshintergrund im Umfeld der Migrantenvereine sowie Führungspersonen solcher Vereine. Ich glaube, dass wir Migrantenvereine und ähnli-che Gruppen, von Menschen "die es ge-schafft haben" und die anderen Menschen helfen, ganz besonders unterstützen müs-sen. Überhaupt haben wir in Baden-Württemberg eine hoch entwickelte Kultur des Ehrenamts: Die Bildungs- und Integ-rationsarbeit, die in unzähligen Vereinen vor allem durch Ehrenamtliche geleistet wird, ist unendlich viel mehr wert, als die gleichwohl hohe Unterstützung, die das Land dieser Arbeit zukommen lässt.

 

 

Als drittes möchte ich noch die "Bildungs-regionen" nennen - das sind Netzwerke auf regionaler Ebene, zu denen sich alle zusammenschließen, die in irgendeiner Weise Bildung für Kinder und Jugendli-che anbieten. Institutionen, Behörden, Un-ternehmen, aber auch Private. Das Land unterstützt natürlich auch solche Netzwer-ke logistisch und finanziell.

 

 

Nicht zuletzt durch solche Bildungsnetzwerke kann es wieder einer breiteren Öf-fentlichkeit bewusst werden:
Bildung geht uns alle an - und wir können und müssen alle auf die sich ändernden Herausforderungen reagieren.

 

 

Bildung schafft Freiheit und damit Chancen
Bildung muss und wird auch in Zukunft Freiheit und damit Chancen schaffen.

 

Albert Camus hat einmal gesagt:
"Freiheit ist nichts anderes als die Chan-ce, noch besser zu werden."

Wir als Gesamtgesellschaft sind frei und haben alle Chancen, zusammen noch bes-ser zu werden - für unsere Zukunft, für unsere Kinder. Das war gemeint, als ich zu Beginn sagte: die größte Aufgabe eben nicht nur der Politik oder der Verantwor-tungsträger in Wirtschaft, Kirchen oder anderen Gruppen, sondern der gesamten Gesellschaft wird es im nächsten Jahr und im nächsten Jahrzehnt sein, Kindern und Jugendlichen durch Bildung Freiheit und damit Chancen zu schaffen und zu erhal-ten.

 

 

Ich bin zuversichtlich für das Neue Jahr und für das kommende Jahrzehnt:

Wir haben - um mit Camus zu sprechen - die Freiheit und damit die Chance, noch besser zu werden. Um damit unseren Kindern ihre Freiheit und ihre Chancen zu er-halten.

Kultusminister Helmut Rau

Gäste beim Neujahrsempfang im Yoma-Zentrum

Dekanin Hühn bei der Begrüßung

Prälatin Gabriele Wulz im Gespräch