Ära Klumpp geht zu Ende

KMD Gerhard Klumpp, Geislingen

Wer den immer noch jugendlich frisch wirkenden und Begeisterung ausstrahlenden Bezirkskantor am Dirigentenpult oder auf der Orgelbank erlebt, mag kaum glauben, dass jener Kirchenmusikdirektor Gerhard Klumpp nun das Ruhestandsalter erreicht hat und zum Jahresende 2010 sein Amt an seinen Nachfolger Thomas Rapp abgeben wird. Freilich wird die Mehrzahl der Gemeindeglieder die Musik in der Stadtkirche gar nicht anders kennen als in Verbindung mit dem derzeitigen Amtsinhaber, denn es ist nun schier unglaubliche 36 Jahre her, dass Gerhard Klumpp in Geislingen seinen Dienst
angetreten hat!

 

Als jüngstes von vier Kindern in einer musikbegeisterten Familie im Geislinger Stadtteil Seebach aufgewachsen, hat der begabte Junge Klavier- und Orgelunterricht bekommen, hat nach dem Abitur die Kantorenausbildung
an der Stuttgarter Musikhochschule absolviert und seine erste Stelle als Bezirkskantor in Öhringen angetreten. Dieser Aufenthalt im Hohenlohischen fand bald in Ende, als Klumpp sich um die freigewordene Kantorenstelle in seiner Heimatstadt bewarb und von den zuständigen Gremien gewählt wurde.

Im Jahr 1974 war er also wieder daheim, und zwar als Nachfolger seiner ehemaligen Lehrer Helmut Walz und Hermann Rau. Zunächst traf er allerdings eine Baustelle an, denn die Stadtkirche wurde zu jener Zeit einer sehr aufwändigen Innenrenovierung unterzogen. Doch schließlich durfte er die
neue Orgel jubeln lassen und die deutlich vergrößerte Empore mit Chören
und Orchestern füllen. Der Neue konnte natürlich auf Vorhandenes aufbauen, doch er schuf auch Neues und sorgte für ein reichhaltiges musikalisches
Gemeindeleben.

 

Wenn es um seine musikalischen Anliegen ging, erwies sich Gerhard Klumpp als wahrer Menschenfischer, dem es immer wieder gelang, gute Musiker an seine
Seite zu holen, durch Fluktuation entstandene Lücken aufzufüllen und insbesondere die Jugend an sich zu binden. Und seine Fantasie kannte fast keine Grenzen, wenn es galt, mit Kantorei, Jugendkantorei und Instrumenten festliche Gottesdienste auszugestalten.

 

Er richtete die Reihe der beliebten Adventsmusiken ein, gestaltete Kantatengottesdienste, sorgte mit unzähligen Orgelvespern für die Finanzierung der Chororgel, war Co-Produzent der von Liebhabern geschätzten Reihe "Wort und Klang" und organisierte mit seinem katholischen Kollegen Wolfgang Pelz Ökumenische Kirchenmusiktage, an denen Chöre aus dem ganzen Kirchenbezirk zusammenkamen.

 

Zu diesen öffentlichkeitswirksamen Tätigkeiten kamen Ausbildung und
Beratung nebenamtlicher Musiker, Organistenkurse, C-Kurse für Organisten und Chorleiter sowie die Beratung der Chorleiter, Organisten und Pfarrer
des Bezirks. Außerdem war Gerhard Klumpp Landeskirchlicher Orgelsachverständiger für die Kirchenbezirke Blaubeuren, Geislingen, Göppingen und Ulm und beriet die Kirchengemeinden in allen Fragen des Orgelbaus und der Orgelpflege.

Ein Künstler von hohem Rang, der dennoch nicht über den Wolken schwebte,
gibt das Szepter an der Stadtkirche aus der Hand, und für seinen langjährigen
Dienst gebührt ihm großer Dank. Dass Gerhard Klumpp damit seinen musikalischen Impetus verlieren könnte, ist freilich kaum vorstellbar. So bleibt zu wünschen, dass er künftig nicht nur an der häuslichen Orgel aktiv sein wird, sondern seine Unternehmungslust behält und gesund bleibt, um bei noch vielen Gelegenheiten die Menschen mit seiner Musik erfreuen zu können!


Neben diesen amtlichen Verpflichtungen brachte Klumpp viele weitere Veranstaltungen mit meist überregionaler Ausstrahlung in die Stadtkirche:
Geistliche Oratorien mit Singkreis und Kammerchor sowie hochrangige Ensembles mit Barock oder Renaissancemusik, die er als Vorsitzender des
Kulturvereins verpflichtet und gelegentlich auch dirigiert hat. Für seine herausragenden Leistungen, ermöglicht durch Fleiß, Hingabe, Einsatz und Können, wurde ihm vor zwanzig Jahren von der evangelischen Landeskirche
der Ehrentitel eines Kirchenmusikdirektors verliehen.

Kirchenmusikdirektor Gerhard Klumpp verabschiedet sich am 26. Dezember um 16.30 mit einer Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium Teil 1-6 in der Stadtkirche.

 

Ulrich Schlecht