Martin Breitling verlässt Geislingen

Pfarrer Martin Breitling

Nach 10 Jahren als Pfarrer in Altenstadt an der Markuskirche verlässt Martin Breitling Geislingen.

In dieser Zeit hat er mit seiner Kreativität viel Neues in der Gemeinde angestoßen. Sehr geschätzt sind seine klaren Predigten.

Auf 1. September 2015 fängt er auf seiner neuen Stelle in der Kirchengemeinde Kohlstetten, Dekanat Bad Urach-Münsingen, an.

 

 

In der Geislinger Zeitung schrieb er im Juli 2015 folgende Gedanken zum Sonntag:

 

Zurzeit befinde ich mich in der „zum letzten Mal“-Phase. In den Sommerferien wird der Möbelwagen kommen. Also, zum letzten Mal im Seniorenkreis „frohes Alter“ zu Gast in der vergangenen Woche. Zum letzten Mal die Vorbereitungen fürs Sommerfest in der Gemeinde treffen. Zum letzten Mal Gottesdienst hier in der Gemeinde feiern. Und bald dann wohl zum letzten Mal mit dem Bike hinauf zur Schildwacht.


Es ist seltsam. Die Dinge sind wie immer. Aber die Tatsache, dass ich sie bewusst zum letzten Mal erlebe, verändert sie doch. Ich begegne Menschen, denen ich schon oft begegnet bin. Aber nun weiß ich: das ist jetzt das letzte Mal.

 

Im Grunde weiß jeder, dass alle Dinge begrenzt sind. Der Liedermacher Gerhard Schöne singt:

Irgendwann siehst du zum letzten Mal Schnee.
Irgendwann trinkst du den letzten Kaffee,
streichelst den Hund, tanzt durch den Saal,
alles, alles gibt's ein letztes Mal.

 

Es ist gut, dass man nicht immer im Voraus weiß, ob etwas zum letzten Mal ist. Sonst könnten wir vieles nicht unbeschwert genießen. Aber diese „zum letzten Mal“-Phase ist auch eine ganz intensive Zeit. Was lange so selbstverständlich war, wird plötzlich zu etwas ganz Besonderem. Menschen, Begegnungen, schöne Feste.

 

Man muss nicht umziehen, um das wahrzunehmen. Wir stoßen auf vielfältige Weise an die Grenze, hinter die wir nicht blicken. Jeder Abschied trägt die Frage in sich: Was ist am Ende der Zeit? Und was war am Anfang? Natürlich kennt niemand die Antwort, denn wir leben in der Zeit. Aber das ist noch kein Trost.

Im Buch Kohelet in der Bibel lese ich: Genieße jeden Tag mit dem Menschen, den du liebst, solange das Leben dauert, das Gott dir unter der Sonne geschenkt hat, dieses vergängliche und vergebliche Leben. Denn das ist der Lohn für die Mühsal und Plage, die du hast unter der Sonne.
Wenn sich dir die Gelegenheit bietet, etwas zu tun, dann tu es mit vollem Einsatz. Denn du bist unterwegs zu dem Ort, von dem kein Mensch wiederkehrt.

 

Das trifft gut, was mir mein Abschied vor Augen führt. Ich bin unterwegs. Ich suche. Ich habe keine Antworten aus dem „Jenseits“. Aber ich habe den Trost, dass dieser Weg mich dermal einst an ein Ziel führt. So lange will ich die Schönheit auf diesem Weg wahrnehmen und genießen. Mit Humor und manchmal ausgelassen. Oder schweigend von einem Felsen schauend.

 

Jeder Moment ist einmalig und mir von Gott geschenkt. Darauf vertraue ich. Die schönen Momente machen mich dankbar. Andere machen mich nachdenklich: Ist es das wirklich wert, dass ich diesen einmaligen Moment damit zubringe, mich zu streiten um ganz unwichtige Dinge?

 

So können wir weitergehen auf unserem Weg. Ernsthaft und fröhlich zugleich. Oder, wie es Dietrich Bonhoeffer gedichtet hat: Behütet und getröstet wunderbar.

 

Pfarrer Martin Breitling

Pfarrer Martin Breitling

Abschieds-Gottesdienst für Pfarrer Martin Breitling mit viel Humor und Wehmut
 
Zehn Jahre war Martin Breitling Pfarrer in Altenstadt, jetzt wechselt er nach Kohlstetten auf die Uracher Alb. Dass die Geislinger ihn vermissen werden, wurde am Sonntagmorgen deutlich.
 
CLAUDIA BURST, Geislinger Zeitung
 
„Für mich ist das ein Trauer-Gottesdienst heute, weil wir einen so guten und tiefgründigen Pfarrer verlieren“, sagte ein Gemeindemitglied der evangelischen Kirchengemeinde Geislingen-Altenstadt am Sonntagvormittag, noch bevor der Abschieds-Gottesdienst für Martin Breitling in der Markuskirche begann.
Dass viele so dachten, wurde im Lauf des bewegenden, aber dennoch humorvollen Vormittags deutlich, zu dem weit über 200 Gäste und Gemeindemitglieder kamen.

 

Breitling selber hielt die Predigt – immerhin ist der Pfarrer noch bis 19. August im Amt. Dann erst folgt der Umzug für ihn und seine Familie ins kleine Dorf Kohlstetten im Dekanat Bad Urach-Münsingen. Seine 50-Prozent-Pfarrstelle wird danach nicht wieder neu besetzt. Sie fällt dem Pfarrplan zum Opfer, in dem die Stelle bis spätestens 2018 zur Streichung vorgesehen war.

 

Nach dem Gottesdienst erst folgte der offizielle Abschied mit warmherzigen Reden und einem anschließenden Büfett und Sektausschank. Schnell zeigte sich, dass der 44-Jährige in den zehn Jahren seines Wirkens viele Herzen für sich eingenommen und sich viel Respekt verschafft hatte. „Ungern – sehr ungern lassen wir dich gehen“, meinte etwa Anita Gröh, die als Vertreterin der Landeskirche sprach und in diesem Zusammenhang betonte: „Solche Pfarrer brauchen wir – auch in Kohlstetten auf der Alb.“

 

Dekan Martin Elsässer bezeichnete Breitling als „beweglicher und andere in Bewegung bringender Pfarrer“, den er als „kreativ, integer und mit kollegialer Grundhaltung“ erlebt habe. Er dankte dem Diakoniepfarrer, Notfallseelsorger und Kirchenbezirkspfarrer für seinen Dienst, seinen Einsatz und seine Glaubenskraft, bevor er ihm einen Gutschein für zwei Hühner überreichte. „Diesbezüglich habe ich einen heißen Tipp von jemandem bekommen, der Sie gut kennt“, erklärte der Dekan mit einem Schmunzeln sein Geschenk.

 

„Wie sollen wir das verkraften, wenn der schönste Pfarrer von Geislingen geht“, fragte sich Marlene Wahl, die Stellvertretende Vorsitzende der Kirchengemeinde Sankt Maria als Vertreterin des ökumenischen Arbeitskreises, dem Breitling angehört hatte. Sie bezog sich damit auf eine Aussage aus dem GZ-Porträt über Breitling und erntete Beifall und Gelächter mit diesem Einstieg. Sie bekannte, dass „wir alle Ihre liebenswerte, ruhige und besonnene Art vermissen werden sowie Ihre neuen, oft frischen Ideen wie etwa die Nacht der offenen Kirchen, den Martinsritt oder den Kanzeltausch.“

Weil Breitling sich nicht nur als “schönster“ sondern auch als „radelnder“ Pfarrer in Geislingen einen Namen gemacht hatte, bekam er von ihr einen Rucksack überreicht.

„Geh weiter deinen Weg mit dem Blick nach oben“, wünschte Willi Weid, der Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Geislingen seinem Freund Martin, dem er bescheinigte: „Du hast immer die Menschen am Rande gesehen, die Orientierung suchten“.

 

„Dass du uns ein guter, weil freundlicher, empathischer, solidarischer, kooperativer und kritischer Kollege warst“, dafür bedankte sich Pfarrerin Maren Pahl im Namen aller Pfarrer des Kirchenbezirks und bezeichnete die gemeinsamen WMF-Abendgebete und Mahnwachen über Wochen hinweg als „Sternstunden“ miteinander. Weil der Seelsorger immer ein guter Zuhörer gewesen sei, bekam er vom „Tombola-Team“ der Gemeinde, Monika und Bernhard Metz sowie Irene Brandhorst eine Vase mit großem Ohr überreicht. Die gesamten zweieinhalb Abschiedsstunden waren geprägt von viel Musik des Posaunenchors, des Markus-Chörles, der Organistin Raisa Laib, des Kantors Seiichi Komaya am Klavier, des Gitarristen Inge Ronnabakk und des Geigers Gerhard Schönle.

 

Zum Abschluss und nach dem Grußwort der Vorsitzenden Isabella Rapp sang der Kirchengemeinderat der ganzen Familie Breitling noch ein selbst gedichtetes Abschiedsständchen. „Leichten Herzens gehen wir nicht“, bekannte am Ende  Martin Breitling in seinem persönlichen Abschiedsgruß.

Verabschiedung von Pfarrer Martin Breitling mit Familie