Tag des offenen Denkmals - die eindrucksvollen Fenster der Stadtkirche Geislingen

Chorfenster Stadtkirche Geislingen

Mit dem Abschluss der Sommerferien in Baden-Württemberg findet der „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 14. September, statt. Er steht bundesweit unter dem Motto „Farbe“. Das Motto lenkt den Fokus auf einen Denkmalaspekt, der zwar oftmals wahrgenommen, aber in seinem Facettenreichtum vielfach unterschätzt wird. In der Bau- und Kunstdenkmalpflege begegnet Farbe dem Betrachter auf Schritt und Tritt – auch in Geislingen. So bei den Wandmalereien in der Siechenkapelle, aber auch bei den eindrucksvollen bunten Fenstern in der Stadtkirche.


Letztere stehen am 14. Septemberin Geislingen im Mittelpunkt. Die evangelische Stadtkirche, erbaut in der relativ kurzen Zeit von 1424 bis 1428, hat nicht nur ein wertvolles Chorgestühl des Ulmer Holzschnitzers Jörg Syrlin d. J. (von 1512) und den Choraltar des Ulmer Meisters Daniel Mauch (um 1520) aufzuweisen, sondern verfügt auch seit der Renovierung 1975/76 über Chorfenster von Hans Gottfried von Stockhausen, die den Raum in das gedämpfte Licht ihrer transparenten Farben hüllen. Die Geislinger Stadtkirche besaß wohl von Anfang an in allen Fenstern, sowohl im Chorraum als auch in den Seitenschiffen, farbige Glasbilder. Sie sind leider zerstört. Die letzten Reste waren 1880 noch vorhanden; an einem Fenster des nördlichen Seitenschiffes las man die Inschrift 1450 und in einem Chorfenster waren mehrere Wappendarstellungen erhalten, die in die Zeit des Chorbaues zurückreichen dürften. Es ist kaum anzunehmen, dass die mittelalterlichen Glasfenster den Bilderstürmern zum Opfer fielen; diese hatten mehr die Skulpturen und Tafelbilder beseitigt. Eher ist an kriegerische Wirren, einen gewandelten Zeitgeschmack, Witterungseinflüsse oder den natürlichen Verfall zu denken. 1879/80 erhielt die Stadtkirche neue Chorfenster. Bei der Renovierung von 1975/76 beauftragte man den Glasmaler Hans Gottfried von Stockhausen mit einem neuen Bildprogramm. Der renommierte Künstler hat in zahlreichen Kirchen des In- und Auslandes gearbeitet, u. a. auch im Ulmer Münster.
In ihrer theologischen Thematik sind die Kirchenfenster aufeinander abgestimmt. Das linke Fenster stellt die sieben Tage der Schöpfung dar. Das Mittelfenster, in dessen Zentrum Christus steht, hat die Erlösung zum Inhalt. Das rechte Fenster zeigt die Erneuerung der Welt als das Werk des Heiligen Geistes.

(Quelle: „Das Licht als Baumaterial“; Karlheinz Bauer; Die Geislinger Stadtkirche – Architektur und Kunst).

Es wird von der Stadtkirchengemeinde ein Flyer aufgelegt,
der für einen geringen Obolus erworben werden kann. Für sachkundige Erläuterungen steht Dekanin i. R. Gerlinde Hühn, zur Verfügung. Sie empfiehlt den Besuchern, ein Opernglas oder Ähnliches mitzubringen, um die einzelnen, oft etwas überraschenden Motive noch genauer betrachten zu können.


Es ist davon auszugehen, dass auch in diesem Jahr der Tag des offenen Denkmals auf großes Interesse stößt. Die bunten Fenster der Stadtkirche sind vielleicht vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein Begriff – haben Sie sich aber auch schon mal intensiver damit auseinandergesetzt?

Am Sonntag, 14. September, besteht von 14 bis 18 Uhr Gelegenheit dazu.