Trauercafé

 
Trauercafé in Geislingen
 
Die Erfahrung bestätigt: Trauern braucht Zeit – oft mehr als die nähere Umgebung verstehen kann. Viele Menschen, die mit einem Verlust leben müssen, fühlen sich in ihrer Trauer allein gelassen.
 

  • Das Trauercafé bietet einen geschützten Raum und lädt Menschen in Trauer ein,
  • miteinander ins Gespräch zu kommen,
  • sich auszutauschen,
  • zu erfahren: ich bin mit meiner Trauer nicht allein.

 
Das Trauercafé ist ein Angebot für alle, die nahe stehende Angehörige oder Freundinnen und Freunde verloren haben, unabhängig von ihrer Konfession und Herkunft. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass  Besucherinnen und Besucher mehrfach kommen können.
 
Das Trauercafé findet statt im Kaffeehaus der Diakonie in der Moltkestraße 23 in Geislingen. Es freut sich an folgenden Terminen auf Ihren Besuch
jeweils am Mittwoch von 18.00 Uhr bis ca. 20.00 Uhr
 
07. März 2012
25. April 2012
23. Mai 2012
20. Juni2012
18. Juli 2012
26. September 2012 
 
Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
 
 
Es freuen sich auf Ihren Besuch
Gertraude Reich-Bochtler, Pfarrerin und Trauerbegleiterin,
Günter Alius, Bildungsreferent,
Dr. Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer
 
Mehr Informationen gibt:
Günther Alius
Bildungsreferent
Bahnhofstraße 75
73312 Geislingen
Tel. (07331) 30 70 97 31
Email:  Bildungswerk.Geislingen.HdB@dont-want-spam.elk-wue.de


Wenn meine Trauer Worte findet

Trauercafe Geislingen

Trauercafe Geislingen


Pfarrerin Gertraude Reich-Bochtler
 
Das Geislinger Trauercafé bietet Gespräch und Beratung

 
Ein Mensch ist gestorben. Sein Platz ist leer. Er hinterlässt eine Lücke - sichtbar und spürbar. Je enger das eigene Leben mit der verstorbenen Person verbunden war, desto deutlicher der Verlust.
Anfangs ist die Betroffenheit groß. Wer einen nahen Angehörigen verloren hat, wird in den ersten Tagen mit Anteilnahme regelrecht überschüttet. Viele schreiben, drücken ihr Beileid aus. Durchaus ernst gemeint ist das Angebot: „Wenn ich irgend etwas für dich tun kann, lass es mich wissen!“
Und dann kehren alle in ihren Alltag zurück. Der Arbeitsplatz wird einem Nachfolger zugeteilt. Auf den Stammplatz beim Seniorentreff sitzt ein Anderer. Die Lücke beginnt sich zu schließen.
 
In der Trauer allein
 
Aber da, wo der Verstorbene zu Hause war, fehlt er nach wie vor. „Wenn ich die Haustür aufschließe, rufe ich oft noch aus lauter Gewohnheit: ‚Ich bin wieder da!‘ Erst wenn keine Antwort kommt, fällt es mir wieder ein: Er wird mir nie mehr antworten.“ erzählt eine Frau, deren Mann vor zwei Jahren gestorben ist.
Die nahen Angehörigen müssen lernen, mit der Lücke zu leben. Das braucht Zeit - viel mehr, als ihnen unsere schnelllebige Gesellschaft geben will. „Jetzt ist der Vater schon ein halbes Jahr tot, und du trauerst immer noch“, sagt der Sohn zu seiner Mutter. „Wann wirst du wieder normal? Geh doch mal unter die Leute!“ Viele Menschen, die mit einem Verlust leben müssen, fühlen sich in ihrer Trauer allein gelassen.
Andere werden mit sich selber ungeduldig. Sie möchten niemanden aus ihrer Umgebung an dem teilhaben lassen, was sie umtreibt. Mit der berühmten Schere im Kopf sagen sie. „Ich kann doch meinen Freunden und den Kindern nicht dauernd mit meinem Schmerz auf die Nerven gehen! Wie sollen sie auch verstehen, wie es mir geht!“
Oft sind im Gefolge der Hospizgruppen Angebote für Trauernde entstanden. Kontakt und Austausch mit anderen Betroffenen in einer ganz ähnlichen Situation sind eine von vielen Möglichkeiten, Trauernde zu unterstützen und hilfreich zu begleiten. Junge Menschen nutzen das Internet. Ältere haben diese Möglichkeit oft nicht. Für sie gibt es Angebote mit direkter Begegnung, in angeleiteten Trauergruppen oder den etwas unverbindlicher ablaufenden Gesprächen mit Kaffee, Saft oder Tee.
Seit Jahresbeginn öffnet in Geislingen das Trauercafé. Einmal im Monat besteht die Gelegenheit, sich mit ähnlich Betroffenen auszutauschen. Das Kaffeehaus der Diakonie in der Moltkestrasse ist ein idealer Platz dafür. Es ist gut zu erreichen, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Um 18 Uhr können auch Berufstätige dazu kommen, und es ist noch nicht zu spät für Ältere, die abends nicht mehr so gerne ausgehen. Weil zu dieser Zeit keine anderen Gäste mehr bewirtet werden, finden die Besucher einen geschützten Raum vor, der leicht zu erreichen ist.
 
Begleitung durch engagiertes Team
 
Günther Alius von der evangelischen Erwachsenenbildung hatte die Idee aus Esslingen mitgebracht, wo Angebote für Trauernde häufig und gerne angenommen werden. Es fanden sich drei Mitstreiter, Pfarrer Dr. Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer und die Pfarrerinnen Claudia Kupfer-Feine und Gertraude Reich-Bochtler, die ist auch ausgebildete Trauerbegleiterin ist. Von der Hospizgruppe aus Göppingen kam viel Unterstützung durch Tipps und bewährtes Material für die Treffen. Weil alle noch sehr neu im Kirchenbezirk Geislingen sind, war Gudrun Müller von der Samariterstiftung als Spezialistin für die Verhältnisse vor Ort eine große Hilfe.
 
Tränen dürfen fließen
 
Das Trauercafé ist ein Angebot für alle, die nahestehende Angehörige oder Freundinnen und Freunde verloren haben. Auch wenn es von der evangelischen Kirche getragen wird, steht es allen offen, unabhängig von ihrer Konfession und Herkunft. Man kann regelmäßig daran teilnehmen oder bei Bedarf, genauso wie man ein Café aufsuchen würde. Die Getränke haben einen moderaten Preis, und für die sonstigen Aufwendungen gibt es ein Spendenkässchen.
Jedes Treffen beginnt mit einer Befindlichkeitsrunde, in der alle zu Wort kommen, die das wünschen. Dann wird ein Thema besonders besprochen. Die unterschiedlichen Erfahrungen in der Trauer, aber auch das, was eine Trauernde aktuell beschäftigt, sollen zur Sprache kommen. Meistens liegt dieses Thema schon in der Luft, wenn alle einmal etwas gesagt haben. Festtage oder die Frage, wie der Urlaub dieses Jahr geplant werden soll, beschäftigen alle gleichzeitig. Anderes ist vielleicht gerade so bedrängend, so verletzend gewesen, dass es sich aufdrängt, darüber zu sprechen. Dann tragen beispielsweise alle ihre Erlebnisse mit ehemaligen Freunden oder dem hilflosen Nachbarn zusammen, der lieber auf die andere Straßenseite wechselt, als ein Gespräch anzufangen. Gut ist es, wenn Tränen fließen dürfen, ohne dass es die Anderen verlegen macht.
 
Und manchmal wird auch wieder gelacht
 
Wer einen nahen Angehörigen, den Lebens- oder Ehepartner verloren hat, muss oft mit zwei Herausforderungen kämpfen. Einerseits gilt es, mit dem Verlust leben zu lernen ohne die Leere einfach zu überdecken. Andererseits kommen fast auf alle wesentlich mehr Aufgaben zu. Die Frauen sind plötzlich damit konfrontiert, dass sie sich um die Umwälzpumpe im Haus oder die Steuererklärung kümmern müssen. Das war oft die Aufgabe ihres Mannes gewesen. Ein Witwer muss sich jetzt um den Haushalt kümmern, den vorher seine Frau besorgte. Was zwei Leute gemeinsam erledigt haben, muss nun eine Person oft allein schaffen. Da ist es gut, wenn unter ähnlich Betroffenen Experten sind, die man um Rat fragen kann. Der Mann, der stolz darauf ist, wie er inzwischen mit dem Haushalt zurecht kommt, fragt in die Runde: „Kann mir mal eine von den erfahrenen Hausfrauen sagen, wie oft ich meine Kaffeemaschine entkalken sollte?“
So gibt es auch nach der angeleiteten Gesprächsrunde noch viel Anlass, um sich auszutauschen. Und manchmal wird dabei auch zum ersten Mal wieder gelacht.
 
Gertraude Reich-Bochtler ist Pfarrerin in Aufhausen und Trauerbegleiterin