Die Evangelischen Kindergärten
„Angenommen du würdest verhaftet, weil du Christ bist: Gäbe es genügend Gründe, dich zu überführen?“ Diese Frage, über die es sich nicht nur als Jugendliche nachzudenken lohnt, lässt sich auch auf die evangelischen Kindergärten übertragen: „Angenommen, jemand kommt in einen evangelischen Kindergarten. Gäbe es genügend Merkmale, diesen als evangelischen Kindergarten zu „überführen“? Anders gefragt: Was ist evangelisch am evangelischen Kindergarten? Wenn evangelische Kindergärten nämlich sind wie die anderen, wer braucht uns dann?
Evangelisch heißt ja auch protestantisch und das heißt sein eigenes, unverwechselbares Gesicht zum Ausdruck bringen.
Entscheidend ist dabei nicht, uns von anderen abzugrenzen, sondern uns klar zu machen, warum wir „aus gutem Grund“ evangelische Kindergärten betreiben und brauchen. Was evangelisch meint, lässt sich an den vier Grundeinsichten der Reformation durchbuchstabieren: allein Christus (solus Christus) – allein durch Gnade (sola gratia) – allein durch den Glauben (sola fide) – allein die Schrift (sola scriptura). Was können sie für die evangelische Kindergartenarbeit, die qualifiziert öffentliche Bildungsverantwortung übernimmt, bedeuten?
Allein Christus
Das heißt: Wer wissen will, wie Gott ist, muss auf Christus schauen, der uns Gottes Wesen zeigt. Die Zuwendung Jesu zu den Kindern ist Grundlage evangelischer Kindergartenarbeit: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes!“ (Markus 10, 13). Die Zuwendung Jesu zu den Kindern bietet keine beschauliche Kinderidylle, sondern steht in krassem Gegensatz zum Umgang mit den Kindern in der antiken Welt, wo Kinderhandel und -sklaverei verbreitet waren. Die Haltung Jesu, der die Kinder in die Mitte der Jünger - und damit in die Mitte der Gemeinde – stellt und segnet, bietet ein konkretes Gegenmodell zur ausbeuterischen gesellschaftlichen Praxis damals. Ein Gegenmodell zur heutigen gesellschaftlichen Praxis könnte demzufolge sein, Kinder nicht als „Humanressourcen“ zu sehen, in die man „für die Zukunft“ „investiert“, sondern sie so zu sehen, wie es das Leitbild der evangelischen Kindergärten in Geislingen/Steige formuliert: „Jedes Kind ist ein von Gott geliebtes und gewolltes einzigartiges und einmaliges Geschöpf. In einer Atmosphäre von Vertrauen und Geborgenheit erfahren die Kinder, dass sie von Gott bedingungslos angenommen und geliebt sind und dass sie unter Gottes Schutz und Segen stehen“. Damit ist die zweite reformatorische Grundeinsicht bereits angesprochen:
Allein durch Gnade
Das heißt: Gottes Liebe gilt allen Menschen ohne Vorbedingungen. Diese Liebe Gottes soll im Kindergarten erfahrbar werden, in den Beziehungen zwischen Mitarbeiterinnen, Eltern, Kindern und Trägern. Sie soll erfahrbar werden im Umgang mit den Geschöpfen, der Natur, den Tieren, den Ressourcen und der Erde, aber auch in den Krisen und Störungen, in denen das Gespräch miteinander und Hilfen zur Bewältigung gesucht werden. Sich selbst als Gottes Ebenbild angenommen und geliebt zu wissen, ermöglicht auch andere Menschen anzunehmen, offen auf sie zuzugehen und auch Andersgläubigen mit Respekt und Achtung zu begegnen. Die Zuwendung Jesu zu den Kindern ist Teil seiner Zuwendung zu den Schwachen. Die Solidarität mit den Armen und Schwachen gehört daher zu den Wesensmerkmalen evangelischer Kindergartenarbeit. Sie drückt sich nicht zuletzt auch in solidarischen Kindergartengebühren aus.
Allein durch Glauben
Die Grunderfahrung, angenommen und geliebt zu sein, ist die Voraussetzung für Eigenständigkeit und Gemeinschaftsfähigkeit, dem Bildungsziel aller Kindergärten. Weil Menschen Gottes Liebe als Grund ihres Daseins erfahren, hängt ihre Würde und Anerkennung nicht von ihren Leistungen, ihrem Können und Wissen ab. Das ist auch wichtig im Hinblick auf die zunehmende Verschulung der Kindergartenarbeit, der Tests und „screenings“, die auf Defizite starren, Kinder immer mehr zu Förderobjekten degradieren und auch Eltern immer stärker unter Druck setzen. Erst wer sich bedingungslos angenommen weiß und sich bewusst ist, dass nicht alles von der eigenen Leistung abhängt, kann seine Fähigkeiten voll entfalten. Die evangelische Kindergartenarbeit macht darum Angebote im spielerischen und spirituellen Bereich, die den Totalansprüchen der Konsum- und Leistungsgesellschaft entgegenwirken.
Allein die Schrift
Eigenständigkeit und Gemeinschaftsfähigkeit braucht eine Wurzel, eine Quelle, aus der sie schöpft. Diese Rückbindung (re-ligio) finden wir im Glauben an Gott, wie er uns in der Bibel begegnet. Dass Gott liebt, befreit, hilft, vergibt und segnet, erfahren Kinder in verlässlichen Beziehungen, aber auch in Geschichten, Liedern, Ritualen und Festen, in denen sie einer Weltsicht und einem Raum begegnen, in dem man sich bergen kann. Kinder brauchen Ausdrucksformen gelebter Religiosität, Freiräume für religiöse Erfahrungen und Deutungen, Menschen, die mit ihnen über die großen Fragen des Lebens ins Gespräch kommen. Dort, wo von Gott die Rede ist und wo es Ausdrucksformen gelebter Spiritualität gibt, kann ein Kind seine eigene Theologie entwickeln. Staatliche Kindergärten, die weltanschaulich neutral sein müssen, können keinen öffentlichen Raum für solche Orientierungen und Ausdrucksmöglichkeiten bieten. Die Aufgabe evangelischer Kindergärten ist es, Lebensorientierung, Vertrautheit und Beheimatung im christlichen Glauben und für Kinder anderer Religionen Begegnung mit dem Christentum und seinen zentralen Elementen wie Nächstenliebe, Verantwortung, Respekt, Vergebung und Versöhnung zu ermöglichen. Eigene Religiosität zu leben, eigene Identität zu entwickeln, ermöglicht auch einen respektvollen Umgang mit anderen Formen gelebter Religion.
Fazit
Evangelischen Kindergärten leisten religiöse Erziehung nicht durch eine „Extrastunde“ irgendwann in der Woche, sondern durch eine eigene Kultur, einen eigenen Geist, der sich in allen Entwicklungsfeldern (Körper, Sinne, Sprache, Denken, Gefühl und Mitgefühl) entfaltet und der sich bis in das Gebet vor dem Essen, der Achtung der Schöpfung, den Festen des Kirchenjahres und in den respektvollen Umgang mit den Muslimen hineinzieht.
Pfarrerin Yasna Crüsemann
Beauftragte für die Evangelischen Kindergärten in Geislingen/Steige

In der Stadtkirchengemeinde:
Oberlin-Kindergarten
Kirchplatz 3, Telefon (07331) 41878
Leiterin: Edeltraud Hellmann
1 Gruppe
Öffnungszeiten
8.00 – 12.00 Uhr Mo-Fr
14.00 – 16.30 Uhr Mo-Do
Zusatzbetreuung
7.45 – 8.00 Uhr Mo-Fr
12.00 – 12.15 Uhr Mo-Fr
Mehr Informationen unter:
http://www.oberlin-kindergarten.de/

Oberlin-Kindergarten
In der Martinsgemeinde:
Wölk-Kindergarten
Seitenstraße 29, Telefon (07331) 67557
Leiterin: Renate Jakobs
2 Gruppen
Gruppe mit Regelöffnungszeiten
8.00 – 12.30 Uhr Mo-Fr
14.00 – 16.00 Uhr Mo-Do
Zusatzbetreuung
7.30 – 8.00 Uhr Mo-Fr
Gruppe mit verlängerter Öffnungszeit
7.30 – 13.30 Uhr Mo-Fr
Jugendheim-Kindergarten
Friedensstraße 44, Telefon ((07331) 64400
Leiterin: Ulrike Leinenbach-Sauer
2 Gruppen
Diese Einrichtung hat Plätze für Kinder ab 2 Jahren.
Regelöffnungszeiten
8.00 – 12.30 Uhr Mo-Fr
14.00 – 16.00 Uhr Mo-Do
Zusatzbetreuung
7.30 – 8.00 Uhr Mo–Fr
Gruppe mit verlängerter Öffnungszeit
7.30 – 13.30 Uhr Mo-Fr

Jugendheim Geislingen
In der Paulusgemeinde:
Paulus-Kindergarten
Hohenstaufenstraße 35, Telefon (07331) 64441
Leiterin: Stefanie Vetter
2 Gruppen
Gruppe mit Regelöffnungszeiten
8.00 – 12.00 Uhr Mo-Fr
13.30 – 16.00 Uhr Mo-Do
Zusatzbetreuung
7.30 – 8.00 Uhr Mo-Fr
12.00 – 12.30 Uhr Mo-Fr
Gruppe mit verlängerter Öffnungszeit
7.30 – 13.30 Uhr Mo-Fr
In der Markusgemeinde:
Niemöller-Kindergarten
Liebknechtstraße 73, Telefon (07331) 61651
Leiterin: Andrea Eberhard
2 Gruppen
Diese Einrichtung hat Plätze für Kinder ab 2 Jahren.
Regelöffnungszeiten
8.00 – 12.30 Uhr Mo-Fr
14.00 – 16.00 Uhr Mo-Do
Zusatzbetreuung
7.30 – 8.00 Uhr Mo-Fr
Gruppe mit verlängerter Öffnungszeit
7.30 – 13.30 Uhr Mo–Fr
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Paulus-Kindergarten und Niemöller-Kindergarten
Evang. Landesverband für Kindertagesstätten