Beichte

In der Beichte können wir sagen, was unser Gewissen uns vorhält - vielleicht aus längst vergangener Zeit -, und Gott um Vergebung und Frieden bitten; wenn die Vergebung ausgesprochen ist, dann ist die Schuld ausgestrichen. Eine gemeinsame Beichte gehört zu vielen Abendmahlsfeiern.

Eine Einzelbeichte (die Pfarrerinnen und Pfarrer stehen dafür zur Verfügung, doch andere vertrauenswürdige Menschen kommen ebenso in Frage) gibt Raum zum Gespräch und gemeinsamen Überlegen; ein Vorteil deswegen, weil die Dinge des Lebens oft vielschichtig sind und unsere innere Stimme uns eine Schuld manchmal nur einredet. Ob gemeinsam oder einzeln: Beichte entlastet und heilt.
 
Gerne dürfen Sie auf Ihre Pfarrerin oder Ihren Pfarrer zukommen.
 
 


Umkehr befreit

Pfarrerin Ulrike Knapp

Pfarrerin Ulrike Knapp


„Gell, Frau Knapp, bei uns Evangelischen gibt es doch keine Beichte?“ So fragten mich letzte Woche einige Schüler. Doch zur Antwort konnte ich weder einfach „ja“ noch schlicht „nein“ sagen.
Beichte als eigenes Sakrament oder auch als Verpflichtung z.B. im Rahmen der Firmvorbereitung kennen Evangelische Christen tatsächlich nicht.
Aber beichten, d.h. vor Gott und manchmal auch vor einem menschlichen Ohr aussprechen, was die Seele belastet, wo wir falsch gehandelt haben und um Vergebung bitten, das kennen Evangelische wohl.
Alle Pfarrerinnen und Pfarrer sind zu Gesprächen bereit und zum Gebet mit jemanden, den das Gewissen drückt. Beichte und Vergebung ist Teil jeder Abendmahlsfeier.
 
Meine Schüler fanden es komisch, dass ihre katholischen Mitschüler sich für die Beichte überlegen mussten, was in der letzten Zeit falsch gelaufen ist. „So schlimm bin ich doch nicht. Da würde mir gar nichts einfallen.“ waren ihre ersten Reaktionen.
 
Ich hingegen wünsche mir, dass wir etwas ganz anderes wahrnehmen, wenn wir uns über Beichte unterhalten oder sie praktizieren. Dass es dabei nämlich um Verantwortung und Bewusstsein geht und um einen Neuanfang.
Was meine ich damit?
 
Wer beichtet, der steht zu dem, was er oder sie getan hat und kehrt es nicht einfach unter den Teppich.  Wer beichtet, weiß, dass ich erst nach dem Bekenntnis dazu in der Lage bin einen anderen Weg einschlagen kann.
Und wer beichtet weiß, dass dabei wieder etwas in Lot kommt. Weil Gott uns vergibt und einen neuen Anfang ermöglicht. 
Das kann auch im ganz unkirchlichen Zusammenhang hilfreich sein:
In der Schulklasse haben ein paar im Klassenzimmer Blödsinn gemacht, dabei ging ein Fenster kaputt.
Die Beteiligten melden sich aber nicht, die ganze Klasse soll nun das Fenster zahlen. Diejenigen, die wissen, wer es war, sagen nichts, aus Angst verprügelt zu werden. Die, die es waren, müssen die anderen bedrohen, damit nichts herauskommt – vielleicht weil sie selber Angst haben.
So ist ein Teufelskreis in Gang gesetzt. Viele Beziehungen in der Klasse sind dadurch belastet. Wie kommt man heraus? Wenn die Verursacher den Mut fänden, es zuzugeben, Verantwortung zu übernehmen. Und sie dann aber nicht im Stich gelassen werden, von Klasse und Lehrer.
Wenn man notfalls doch zusammenlegt, falls es keine Haftpflichtversicherung gibt, die die Kosten trägt. Wenn man einander eine neue Chance gibt. 
 
Sich Gedanken darüber zu machen, ob meine Beziehungen zu meinen Freunden, zu meiner Familie in Ordnung sind, ob meine Verbindung zu Gott noch lebendig ist, ob Umkehr Not tut,  das ist eine Chance, so meine ich.
Lassen Sie sich dazu einladen in den Gottesdiensten in allen Evangelischen Kirchen.
 
Ulrike Knapp
Pfarrerin an der Martinskirche in Geislingen