Tragen und getragen werden

Von Angelika Staffhorst
 
Hospizarbeit hilft den Wert des letzten Weges erkennen
 
Sterbende auf ihrem letzten Weg zu begleiten, ihnen die Angst zu nehmen, sie nicht allein zu lassen und ihnen das zu geben, was ihrer Würde entspricht, ist die Aufgabe für Hospizmitarbeitende.
Im Kirchenbezirk wurde die Geislinger Gruppe zuerst ausgebildet. Sie ist seit 1994 im Einsatz. Weitere Hospizgruppen gibt es in Deggingen, in Wiesensteig, am Samariterstift (Sitzwachengruppe). Die "jüngste" Gruppe von HospizhelferInnen wurde zuletzt in Süßen ausgebildet und in einem ökumenischen Gottesdienst ausgesendet.

Über die Erfahrungen in der Hospizarbeit berichten zwei Mitarbeiterinnen:
 
Ingrid Schramm, Eislingen:
 
„Als Mitglied einer Sitzwachengruppe in einem Pflegeheim in Eislingen habe ich die Sterbebegleitung seit 6 Jahren auf der aktiven Seite kennen gelernt.
Nun kam vor einigen Wochen auch die Erfahrung auf dieser passiven, empfangenden, Seite hinzu, als ein Angehöriger meiner Familie verstarb. Um ihm das Sterben zu Hause zu ermöglichen, wandten wir uns an Hospizhelfer. Etliche Familienangehörige und Freunde im Umfeld des Sterbenden kamen zum ersten Mal in Berührung mit diesem Dienst und mit dem Segen, der von ihm ausgeht.
 
Als Familienangehörige sind wir emotional beteiligt und dadurch oftmals mit uns selbst beschäftigt, obwohl doch die Sterbenden alle Aufmerksamkeit für sich beanspruchen, damit ihre Gefühle den Raum bekommen, den sie brauchen, um alles loslassen zu können, was ihr Leben ausgemacht hat. Wir haben es als sehr hilfreich empfunden, dass Außenstehende da waren, mit ihrer Ruhe, mit ihrer Aufmerksamkeit, mit ihrer Zuwendung und vor allem mit ihren inneren Wurzeln, die die Begleitung eines Menschen an dieser Nahtstelle unseres Daseins erst ermöglichen. Und: Der Geist dieses Dienstes hat ausgestrahlt bis in den Trauergottesdienst hinein, die Botschaft des „Tragen und getragen werden“ ist in den Herzen der Menschen angekommen.“
 
 
Anne Tilger, Hospizgruppe Wiesensteig:
 
„Jedes Mal wenn ich zu einer Begleitung gerufen werde, kommt eine gewisse Unruhe in mir auf und ich frage mich, was ist es für eine Person, die ich begleite? Wie sieht ihre Biographie aus? Ist eine Verständigung zwischen uns möglich? Ist meine Anwesenheit für sie angenehm? Soll ich reden, beten, singen oder nur da sein? Tausend Fragen gehen mir in kurzer Zeit durch den Kopf.
Und wenn ich da bin, am Bett sitze, bin ich auf einmal ganz ruhig. Ich spüre eine Vertrautheit zwischen dieser „fremden Person“ und mir. Ich habe das Gefühl, diese Person schon immer zu kennen und bin ihr sehr nahe. Ich denke darüber nach, was uns verbindet, was es heißt, Mensch zu sein?!“
 
 
 
Die Begründerin des St. Christopher`s Hospiz in London, Cicely Saunders, schreibt:

Sie sind wichtig, weil Sie eben Sie sind.
Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig,
und wir werden alles tun,
damit Sie nicht nur in Frieden sterben,
sondern auch bis zuletzt leben können.


Kontakt:
Ernst-Wilhelm Weid
Diakonische Bezirksstelle
Telefon (07331) 41489