
Die Notfall-Seelsorge ist eine Initiative der katholischen und evangelischen Kirche, aller Hilfsorganisationen (Feuerwehr, DRK, JUH, MHD, THW), der Polizei, der Notärzte und des Landkreises Göppingen
Für Einsatzkräfte
Sie merken es dem Kollegen oder der Kollegin an ...
Sie kennen es von sich selbst:

Beauftragungsfeier für Notfall-Seelsorgerinnen und -Seelsorger
Wie damit leben? Wie alles verkraften? Mit wem reden?
Vertraulich, offen, ohne die Sorge, bei Kollegen und Kolleginnen, bei Vorgesetzten als "Schwächling" zu gelten?
Die Eindrücke und Erlebnisse des schrecklichen Geschehens ordnen und sie erzählend immer wieder loswerden, aufatmen können - ja, das wäre Not-wendig und täte gut!

Anfang der 90er Jahre wurde vielerorts die Lücke zwischen notärztlicher Versorgung und psychologischer Betreuung im rettungsdienstlichen Gefüge erkannt - so auch im Landkreis Göppingen. Auf Initiative von Carsten Holzapfel, Mitarbeiter vom THW, gibt es seit 1. Oktober 1997 auch in unserem Landkreis die Notfallseelsorge.
Rund um die Uhr bereit
Derzeit stehen 26 Seelsorgerinnen und Seelsorger der evangelischen und der katholischen Kirche für jeweils zwei Wochen pro Jahr rund um die Uhr bereit, damit sie den Unfallopfern und deren Angehörigen hilfreich und tröstlich zur Seite stehen können, die durch ein plötzliches Unglück in eine schwere Notlage geraten sind: Verkehrsunfälle (durchschnittlich 11 Einsätze im Jahr), Brände (2), plötzlicher Kindstod (1), Suizid/ -versuche (12), vergebliche Wiederbelebungsversuche (16) und sonstige belastende Situationen (3)...
Gerufen von der Rettungsleitstelle, sei es mitten in der Nacht, am frühen Morgen oder beim Mittagstisch, ergänzen die Seelsorger/innen die Rettungsdienste und Notärzte in ihrer Arbeit: Sie suchen erste Kontakte zu weitläufigen Verwandten, überbringen Todesnachrichten, haben Ohren für die ersten Versuche, helfen den Schrecken, das Entsetzen in Worte zu fassen, nehmen stille teil, fühlen mit, sprechen ein Gebet, helfen mit einem Ritus, einem Segen.
Wie gut das tut, das haben schon viele Menschen erfahren. Nicht nur bei großen Schadensereignissen, wofür Namen wie Donaueschingen, Ramstein, Eschede stehen, sondern bei etwa 60 Einsätzen pro Jahr in unserem Göppinger Landkreis, bei denen Einzelne und deren Familien und Freunde betroffen waren.
Hiobsbotschaften
Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger haben die Schreckens- oder Hiobsbotschaften im Blick. Der leidende Hiob, diese Symbolfigur aus dem Alten Testament, ist seit Menschengedenken überall - heute von einer Lawine verschüttet, durch einen Verkehrsunfall getötet, von plötzlichem Kindstod oder schrecklichem Gewaltverbrechen getroffen.
Es gibt wahrlich Menschen, die aus Leiden lernen, die aus einer Leidenssituation gestärkt und gewachsen hervorgehen. Es gibt aber auch andere, die unter dem Übermaß des Leids zerbrechen, die verbittern und gegen Gott und die Menschen nur noch Ablehnung haben. Und in der Tat stehen wir mit unseren Erklärungsversuchen, den theologischen allzumal, immer auch an Grenzen, an denen wir nur noch stumm dabei stehen können und wo wir sagen müssen: „Nach menschlichem Ermessen ist dies ein Zuviel.“ Dennoch wage ich in aller Vorsicht zu sagen, es muss Menschen geben, die dieses Zuviel mittragen helfen, die den Karfreitag eines Leidenden mit aufnehmen durch ihr Mitleiden und durch den Blick, der Ostern nicht außer Acht lässt.
Trösten heißt begleiten
Das Ausmaß des Entsetzens, die Unermesslichkeit der Trauer und Trostlosigkeit, die Vielfalt des Leidens in der großen Welt, aber auch in unserer nächsten Nähe, scheinen in keinem Verhältnis zu unseren geringen Möglichkeiten zu stehen, einander zu helfen und zu trösten. Wir müssten dennoch oft unsere Hände sinken lassen, wenn wir nicht getragen wären von der Hoffnung, dass Gott selbst am Ende der Tage alle Tränen trocknen wird. Diese Hoffnung gibt uns den Mut und die Ausdauer, leidenschaftlich und nüchtern zugleich, das hier und heute Notwendige zu tun. Gott will durch unsere Hände, unser Herz, unsere Phantasie Leidende trösten und sie nicht nur aufs Jenseits verweisen.
Trösten heißt, dem Leidenden zu verstehen geben, dass er nicht allein ist, dass wir mit ihm sind, dass wir ihn begleiten und ihm helfen. Die Geschichte der Seelsorge ist eine Geschichte der Hinwendung zum Menschen. Dazu gehört die Notfallseelsorge: Ein neues Arbeitsfeld auf ökumenischer Ebene der heutigen gesellschaftlichen Diakonie. Ich bin dankbar für die 26 Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger und ihr gelebtes Glaubenszeugnis.
Die Kosten für die Notfallseelsorge, ca. 3000 Euro im Jahr (Telefongebühren, Kopien und Versandkosten, Fortbildungen und Ausrüstung), werden ausschließlich durch Spenden finanziert.
Felix Müller ist Dekanatsreferent im Katholischen Dekanat Göppingen-Geislingen

Fahne mit Logo der Notfallseelsorge im Landkreis Göppingen
Einige Kriterien für den Einsatz der Notfall-Seelsorge:
dvgpgs@t-online.de
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Notfallseelsorge
Notfall-Seelsorge im Landkreis Göppingen
Predigt bei der Einsetzung der Notfall-Seelsorgerinnen und -Seelsorger