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Diakonieladen Kunterbunt

Der "Second Hand-Laden" hat alles: Kleider, Bücher, Geschirr, Geschenke und viele mehr ...
 
Im Juni 1999 wurde in der Moltkestraße 25 in Geislingen der Diakonieladen "Kunterbunt" eröffnet. Wie der Name schon sagt: Kunterbunt ist das Angebot dieser Einrichtung.
 
 
Der Diakonieladen wird ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt. An dreieinhalb Tagen in der Woche ist der Laden geöffnet. Auf einer Verkaufsfläche von 150 qm werden folgende Artikel angeboten:

  • Gut erhaltene, saubere Kleidung
  • Heimtextilien
  • Kinderkleidung und Babybedarf
  • Spielsachen, Spiele
  • Bücher
  • Schallplatten, CDs, Kassetten
  • Geschirr und Hausrat
  • Lederwaren und Schuhe

Alle diese Gegenstände werden von der Bevölkerung gespendet.
Ein Ziel des Projekts Diakonieladen ist, dass bedürftigen Menschen in Not kostenlos und sofort praktische Hilfe zuteil werden kann. Durch die Anbindung des Ladens an die Diakonische Bezirksstelle in Geislingen wird dies gewährleistet.
 
Mit dem Erlös des Diakonieladens werden insbesondere nach dem Willen der ehrenamtlichen Mitarbeitenden Alleinerziehende mit ihren Kindern unterstützt. Auch wurden Deutschkurse für türkische Frauen finanziert, die Suchtberatung des Blauen Kreuzes unterstützt, ein Kinderheim in Moldawien mit bedacht sowie ein Gesundheitszentrum im früheren Jugoslawien.
 

Der Diakonieladen hat folgende Öffnungszeiten:
 
Montag geschlossen
Dienstag von 9.00 - 17.00 Uhr
Mittwoch von 9.00 - 13.00 Uhr
Donnerstag von 9.00 - 18.00 Uhr
Freitag von 9.00 - 17.00 Uhr
Samstag geschlossen
 
Adresse:
Diakonieladen Kunterbunt, 73312 Geislingen, Moltkestraße 25
Telefon: (07331) 400539


Diakonieladen schreibt Erfolgsgeschichte

Foto: Claudia Burst,Große Auswahl, preiswerte Artikel: Im Second-Hand-Sortiment des Diakonieladens kann man stöbern.
Foto: Claudia Burst,Große Auswahl, preiswerte Artikel: Im Second-Hand-Sortiment des Diakonieladens kann man stöbern.

von CLAUDIA BURST | Geislinger Zeitung, 06.07.2013

Es sind ökologisch Denkende genauso wie Hobby-Shopper, Sparsame genauso wie Arme, Einsame genauso wie ganze Familien, die gern in den Diakonieladen kommen und im Second-Hand-Angebot stöbern.
 
Es ist Dienstagvormittag, 10 Uhr. Der Diakonieladen "Kunterbunt" in der Geislinger Moltkestraße erweckt den Eindruck, als sei man in den 70er Jahren in den Sommerschlussverkauf geraten. Mindestens 20 Kunden drängen sich zwischen Kleiderstangen und Regalen. Hier schaut sich jemand eine Bluse genauer an, entscheidet sich dagegen. Bevor sie sie jedoch zurückhängen kann, nimmt eine andere Kundin ihr das Kleidungsstück, dem man seinen Second-Hand-Status nicht ansieht, aus der Hand. Gekauft. Im anderen Raum mustert eine Dame kritisch die Vorhänge, auf die sie gestoßen ist, während nicht weit von ihr entfernt ein Mann eine Hose vor sich hin hält und sich im Spiegel mustert.

"Es ist total faszinierend, hier einzukaufen", lacht Dorothea von Lünenschloß, eine Stammkundin, die immer wieder hier stöbert. "Jedes Mal gibt es etwas Neues. Man kann ohne schlechtes Gewissen seiner Lust, mal wieder was Neues zu kaufen, nachgehen. Hier bekomme ich Hochwertiges sehr günstig und weil es schon vorgewaschen ist, kann ich auch sofort die Qualität erkennen. Ich kaufe gern hier - nicht zuletzt aus ökologischen Gründen."
Diakonieladen-Kunden gibt es querbeet durch alle Gesellschaftsschichten. Den einen geht es wie Dorothea von Lünenschloß um Einkaufen ohne schlechtes Gewissen. Andere sind froh, dass sie es sich leisten können, sich aufgrund der niedrigen Preise etwas zu gönnen. Kleidung, Haushaltswaren, Bücher, DVDs und CDs, Spielzeug, Schuhe, Dekoartikel. Die Auswahl auf den knapp 200 Quadratmetern Ladenfläche ist riesig. Ein kleiner Nebenraum steht voller Bücher. Hier sitzt eine Kundin gemütlich im Sessel an einem Tischchen und schmökert.
"Wir haben Kunden, die kommen jeden Tag", erzählt Anita Brenner, eine der insgesamt 25 Ehrenamtlichen, die sich an den vier Öffnungstagen im Second-Hand-Laden engagieren: "Für die ist das hier ein Treffpunkt, ein Ziel, wo sie willkommen sind, Gespräche führen können. Wir freuen uns mit ihnen oder leiden mit. Das macht das Besondere hier aus".
Immer wieder finden sich "Lieferanten" im Nebenraum hinter der Kasse ein. Sie sind bepackt mit Wäschekörben, Kartons oder Tüten voller Kleider, Spiele, einem Kaffee-Service, einem alten Christbaumständer. Zu Hause ausgemusterte, aber noch im Wortsinn pfenniggute Gegenstände spenden sie. Die Ware wird außer von Anita Brenner an diesem Dienstag noch von Hanne Buck, Brigitte Ell und Sigrid Merkel ausgepackt, inspiziert und mit einem Preis ausgezeichnet.
Niedrige Preise sind das, verblüffend niedrig. Trotzdem - oder deshalb - erwirtschaftet der Diakonieladen so viel Gewinn, dass sein Initiator Willi Weid jedes Jahr sage und schreibe einen Betrag im oberen fünfstelligen Bereich für soziale Zwecke oder in Aufgaben der Diakonie investieren kann, wo unbürokratische Hilfe sonst nicht möglich wäre.
Plötzlich ausgelassenes Gelächter. "Was ist das denn?" fragt Brigitte Ell verblüfft und holt eine gut zwei Meter lange Borte aus einem Karton. Mit Rüschchen? "Na, ein Strumpfhalter für sehr umfangreiche Leute", gibt Hanne Buck wie aus der Pistole geschossen zurück. Man merkt, dass unter den Ehrenamtlichen eine gute Stimmung herrscht. Es sind durchweg Frauen, die hier mitarbeiten. Die meisten sind älter als 60, ein Großteil sogar älter als 70 Jahre.
"Viele von uns haben hier angefangen, als Willi Weid den Diakonieladen vor 14 Jahren ins Leben gerufen hat", erzählt Hanne Buck, die sich ebenfalls als ein solches "Urgestein" betrachtet. "Damals waren wir gerade frisch im Ruhestand. Es wäre schon schön, wenn sich öfter solche frisch gebackenen Ruheständlerinnen bei uns melden und mitarbeiten würden", sagt sie und fügt hinzu, dass sie sich selbstverständlich über Mitarbeiter jeden Alters freuen.
Alle sind nach wie vor mit Begeisterung bei der Sache. Die Stundenzahl, mit der sie sich einbringen, können sie sich selber aussuchen. Die tolle Stimmung und das gute Miteinander liege in erster Linie an Willi Weid, erzählt Edith Frey, die im Laden die Kasse bedient. "Er zeigt uns offen seine Wertschätzung, bringt mal einfach so ein Eis vorbei, oder am Geburtstag ein Kärtchen. Bei ihm spüren wir, dass wir ihm wichtig sind". Das ist ein Grund für den Erfolg des Diakonieladens, da sind die Frauen alle einer Meinung.

Edith Frey hat nicht viel Zeit, anderweitig zu plaudern. Bei ihr an der Kasse steht ständig jemand an. Freundlich unterhält sie sich mit der Frau im Kopftuch oder dem schüchtern wirkenden Mann, über dessen Arm mindestens zehn Hemden und T-Shirts hängen. Dieser Kunde freut sich sichtlich über die freundlichen Worte.

Das Spektrum derer, die in den Diakonieladen kommen, ist breit. "Einige unserer Kunden sind beispielsweise Studenten, die sich ihre Buden mit Geschirr und anderen Waren von hier einrichten", weiß Brigitte Ell. Eine Kundin mit ausländischem Akzent schmunzelt: "Das ist schön deutsch, das Sparen", während eine dritte sagt, dass sie sich hier Markenware gönnt, die sie sich sonst nicht leisten würde. Sie komme oft her und bringe auch immer wieder ausgemusterte Ware. "Das Einkaufen ist spannend und günstig. Und so vielseitig - wie jeden Tag Flohmarkt."

Foto: Claudia Burst: Beste Stimmung ist ein Kennzeichen des Diakonieladen-"Personals".
Foto: Claudia Burst: Beste Stimmung ist ein Kennzeichen des Diakonieladen-"Personals".

Anlässlich des 5-jährigen Jubiläums verfasste eine Mitarbeiterin folgendes Gedicht:

Fünf Jahre sind ins Land gegangen,
seit mit Hoffen und mit Bangen
wir "KUNTERBUNT" hier angefangen.
Erfahrung war nicht unsre Stärke,
doch gingen wir voll Schwung zu Werke.
Am Anfang gab's viel offne Fragen:
Wird der Laden sich auch tragen?
Wer soll uns die Waren bringen,
die so nötig für's Gelingen?
Und haben wir letztendlich Waren,
strömen Kunden auch in Scharen?
Wie halten wir's mit der Verwaltung,
mit Deko und mit Preisgestaltung?
Wir haben's dennoch angepackt,
uns mit Begeist'rung engagiert
und auch mal heftig diskutiert.
Und wenn auch die Kollegenschar
nicht immer einer Meinung war,
und nicht jeder Kunde voll zufrieden,
die Menschen sind nun mal verschieden.
Wir sind halt alle KUNTERBUNT;
na und!
 
Heute blicken wir voll Stolz und Dankbarkeit
auf unser Werk, das blühet und gedeiht.
So darf es gerne weitergehen,
dann feiern wir auch 10-jähriges Bestehn.
Doch wollen wir ganz ehrlich sein,
der Erfolg gebührt uns nicht allein.
Gar viele haben uns genützt
mit Rat und Tat uns unterstützt.
Herr Scheible führe ich als ersten an,
dem man wirklich danken kann
für großzügiges Entgegenkommen,
egal, was wir auch unternommen.
Es gab gar manchen edlen Spender
von Schrank, Regal und Kleiderständer.
Man bracht uns Schmuck und Gürtel, Hüte,
Muranoglas von erster Güte,
Kleidung, nagelneu und schick,
der letzte Schrei aus der Boutique.
Die Kripo gar, hat uns bedacht,
und Diebesgut vorbei gebracht.
Es sprengte hier jedoch den Rahmen,
wollt' nennen alle Namen.
Doch zum Schluss hab' ich mir aufgehoben,
einen Mann ganz hoch zu loben,
der mit Verständnis und Humor
für alle hat ein off'nes Ohr,
der Optimismus stets verbreitet
und uns ohne Strenge leitet,
uns viel mehr sehr viel Spielraum lässt,
berühmt ist auch sein Gartenfest,
tolerant ist er und hilfsbereit.
Ich meine hier: Herrn Willi Weid.
 
Wie war in Geislingen vordem
die Müllentsorgung unbequem.
Schrecklich musste man sich plagen
vollzuladen seinen Wagen,
vorher alles noch sortieren
und nach Göppingen kutschieren.
Doch nun gibt es eine Stelle,
wo ein jeder auf die Schnelle
seinen Müll entsorgen kann
KUNTERBUNT für jedermann.
Dort nimmt man ganz unerschrocken
Scherben und gestopfte Socken,
die Uhr, die schon seit Jahren steht,
das Bügeleisen, das nicht geht,
von Tschibo die Reklamedosen
Opas alte Unterhosen,
die Puppe mit dem Loch im Kopf,
den eingebrannten Bratentopf,
dies und noch viele mehr,
und sagt dazu noch "danke sehr".
 
Doch dies ist nur die eine Seite,
meistens kommen nette Leute
und bringen uns nur rechte Sachen,
die uns und andren Freude machen,
da mag man gerne Danke sagen:
den wohlgepflegten Puppenwagen,
die heissgeliebte Babypuppe,
sechs Tassen für die Flädlessuppe,
den Teddy mit dem Knopf im Ohr,
Schallplatten mit Gemischtem Chor,
Modeschmuck für unsre Damen,
Ölbilder im güld'nem Rahmen,
Decken liebevoll bestickt
und Strümpfe, die mal handgestrickt,
Klamotten, modisch und gewaschen,
die allerschicksten Ledertaschen,
Omas gold'ne Hochzeitstasse
die Fibel aus der ersten Klasse,
Bowle, Rumtopf, Bratenpfanne,
die geblümte Kaffeekanne,
Haipfel und Paradekissen,
all' das möchten wir nicht missen.
Das ist nun wirklich KUNTERBUNT,
entschädigt uns für manchen Schund.
Und wenn ein Kunde dann, arm oder betucht,
das findet, was er lange sucht
und dann und wann
bei Kaffee mit uns schwätzen kann,
macht uns die Arbeit Spaß und Freud'
seit fünf Jahren und auch heut.
Ich, jedenfalls,hab's nie bereut.
 
 
Weiterführende Links
www.geislingen.diakonie-service.de