Sozialwort der Dekane im Landkreis Göppingen

Von Roderich Schmauz

Geislinger Zeitung

Samstag, 11. Mai 2013

 

Klare Worte: Erwerbsarbeit muss so bezahlt werden, dass ein Arbeitnehmer, dass Familien auch davon leben können. Arbeitgeber dürfen Arbeitsverträge nicht als Druckmittel missbrauchen. Arbeitslose brauchen wirksame Hilfen, um wieder in Arbeit zu kommen. Doch gegenwärtig werden immer mehr Menschen von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt und sozial deklassiert. Insbesonders Reiche müssen hier mehr in die gesellschaftliche Pflicht genommen werden.
 
In diesem Sinn erheben die drei Dekane der beiden großen Konfessionen im Kreis Göppingen, der evangelischen und katholischen Kirche, nun ihre Stimme, um sich für mehr soziale Gerechtigkeit und gute Arbeit einzusetzen. Auf Kreisebene ist diese ökumenische Sozial-Enzyklika - Enzyklika meint ja ursprünglich ein Rundschreiben - ein Novum.
 
Wenn sie auf Menschen in Not hinweisen, wissen die Dekane, wovon sie sprechen. Denn seit jeher leisten die evangelische und katholische Kirche mit ihren Sozialwerken Diakonie und Caritas Vorbildliches. Allerdings sind diese Sozialdienste professionalisiert und quasi ausgelagert - deswegen nehmen die Dekane in ihrem Sozialwort die einzelnen Kirchengemeinden in die Pflicht. Richtigerweise verweist Dekan Rolf Ulmer darauf, dass Diakonie und Caritas "nur" große Reparaturbetriebe sind, man dürfe dabei nicht die Ursachen ausblenden.
 
Diakonie und Caritas gründen auf der christlichen Nächstenliebe. Aus der Gottesebenbildlichkeit des Menschen leitet sich die Würde jedes Einzelnen ab. Und für ein Leben in Würde sei zum Beispiel Erwerbsarbeit wichtig, betonen nun die Dekane. Es ist gut, dass sie in diesem Sinn klar machen, was es heißt, Christ zu sein, welche gesellschaftlichen Konsequenzen aus christlichen Wertmaßstäben resultieren. Das müssen und dürfen auch unbequeme Forderungen sein, notwendige Korrektive zum vorherrschenden Zeitgeist, der so stark Nützlichkeit, Effektivität und Profit betont.
 
Eine Einmischung wie mit dem Sozialwort steht den Kirchen allemal gut zu Gesicht. Es macht deutlich, dass sie uns - auch heute - etwas zu sagen haben, und zwar Wichtiges. In drängenden Zukunftsfragen sollten die Kirchen ebenso vor Ort die Stimme erheben. Wie kann man für immer mehr pflegebedürftige Senioren einen menschenwürdigen Lebensabend gewährleisten? Wie lässt sich das Zusammenleben mit Einwohnern ausländischer Herkunft, mit Moslems verbessern? Indem Kirchen in Grundfragen Wegweisendes sagen, erfüllen sie ihren Auftrag.

 

Den vollständigen Text des Sozialwortes lesen Sie hier:

Sozialwort der Dekane im Landkreis Göppingen

Dekan Rolf Ulmer, Dekan Dietman Hermann, Dekanin Gerlinde Hühn