Jubiläum Gustav-Adolf-Frauenkreis Geislingen

Gisela Mohr ist die Vorsitzende der Frauenarbeit des Gustav-Adolf-Werkes in Württemberg

Vor 150 Jahren wurde in Geislingen der Gustav-Adolf-Frauenkreis gegründet. Mit einem Gottesdienst in der Geislinger Stadtkirche am 28. Juni wurde dieses Jubiläum gefeiert. Die Vorsitzende der Gustav-Adolf-Frauenarbeit in Württemberg, Gisela Mohr, und der Geschäftsführer des Gustav-Adolf-Werkes Württemberg, Ulrich Hirsch, waren in Geislingen und berichteten über die Arbeit des Gustav-Adolf-Werkes.

Die Geislingerin Dorothea Müller, geb. Berg, sprach sehr eindrücklich von ihrem sozialen Jahr in Sizilien, das sie über das Gustav-Adolf-Werk leistete.

Dekan Martin Elsässer gab einen kurzen Rückblick auf die Frauen in Geislingen, die sich im Gustav-Adolf-Frauenkreis und auch als Delegierte für den Kirchenbezirk für das Gustav-Adolf-Werk engagierten. Er nannte u. a. auch Johanna Lempp, Elisabeth Stahl, Ottilie Birker und Alfred Birker, Brigitte Fischer und Gisela Werner.

 

Älteste Vereinigung von Frauen in Deutschland


Das Gustav-Adolf-Werk (GAW) ist das älteste kirchliche Hilfswerk in Deutschland. Es wurde 1832 in Leipzig gegründet. Innerhalb des Werkes bildeten sich Frauengruppen. Die erste eigenständige Frauengruppe im Gustav-Adolf-Werk (GAW) nahm 1851 in Berlin ihre Arbeit auf, um mit eigenen Aktionen anderen Menschen zu helfen. Damit ist die Frauenarbeit des GAW die älteste Vereinigung von Frauen in ganz Deutschland. Und diese Frauengruppen wuchsen rasch. 1860 gab es 73 Frauenvereine, 1875 waren es bereits 347 und im Jahr 1900 in Deutschland 604 Gustav-Adolf-Frauenvereine. Die Geislinger Gustav-Adolf-Frauengruppe gründete sich 1865.

 

Unterstützung für evangelische Minderheiten im Ausland

 

Ein wesentliches Ziel der Frauengruppen war von Anfang an die Unterstützung von Projekten in Ländern mit evangelischen Minderheiten. Während in den ersten Jahrzehnten Sammlungen für kleinere Einzelprojekte im Vordergrund standen, vernetzte sich die Frauenarbeit mit der Zeit immer mehr. Die Aktivistinnen einigten sich darauf, neben dem Einsatz für die Initiativen vor Ort auch für ein gemeinsames Jahresprojekt zu sammeln. So fand bereits 1886 eine erste Sammlung zugunsten einer Waisenanstalt in Ostrowo in der Provinz Posen (heute Poznan) in Polen statt.

 

Frauen bildeten ein eigenes Netzwerk

 

Dass diese GAW-Frauenvereine sich bildeten war eine Reaktion auf das geringe Mitspracherecht der Frauen im Gustav-Adolf-Werk selber. Der „Centralvorstand“ traute den Frauen wenig zu. Er sprach ihnen jegliches Verantwortungsbewusstsein ab. Die Männer bezeichneten dann die Arbeit in den Frauenvereinen als „Gefühlswirtschaft“. Grundsätzlich wollten sie die Frauenfrage nicht in das Gustav-Adolf-Werk hereintragen.

 

Enormes geleistet


Die Frauen, die sich in der Frauenarbeit des Gustav-Adolf-Werkes seit über 160 Jahren engagieren haben Enormes geleistet.
In heutige Kaufkraft umgerechnet, haben die Frauengruppen für die mittlerweile mehr als 125 gemeinsamen Jahresprojekte über 13 Millionen Euro aufgebracht. Die gesamte Spendensumme, die die einzelnen Frauenvereine in 160 Jahren auf die unterschiedlichste Weise gesammelt und über das Jahresprojekt hinaus an Hilfsbedürftige im In- und Ausland weitergegeben haben, beläuft sich schätzungsweise auf 35 bis 40 Millionen Euro. Seit langem ist die Unterstützung wichtiger sozialer Projekte von evangelischen Minderheiten in Südeuropa und Lateinamerika ein Schwerpunkt der Frauenarbeit. Nach der politischen Wende kam Osteuropa als weiteres Gebiet dazu.


Der Leitspruch der Frauenarbeit im GAW lautet von jeher: "Lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen."



Jahresprojekt 2015 der Frauenarbeit
Dios es Amor - Gott ist Liebe (1 Joh. 4,8)
Mit dem Jahresprojekt sollen zwei Aufgaben der Spanischen Evangelischen Kirche (IEE) unterstützt werden:

Lebensmittelunterstützung und Hilfe zur sozialen Integration von Migrantinnen und Migranten
• Acción Social Protestante (ASP) in Madrid
• Frater-Nadal Servei Social Evangélic in Rubí

Die Zahl der Flüchtlinge in Spanien nimmt jedes Jahr dramatisch zu. „Acción Social Protestante“ (ASP) in Madrid und „Frater-Nadal“ in Rubí helfen zur Grundversorgung und bieten ein breit gefächertes Weiterbildungsprogramm, psychologische und juristische Beratung besonders für Flüchtlingsfrauen an.
Renten- und Pensionsfonds
Unter Franco galt der evangelische Pfarrberuf nicht als ein „legaler“ Beruf. Die damaligen Pfarrer konnten sich nicht rentenversichern. Pensionierte Pfarrer und Pfarrwitwen beziehen heute keine Rente und sind daher auf Unterstützung angewiesen.
 

Beim Jubiläums-Gottesdienst in Geislingen v.l.n.r: Bezirkskantor Thomas Rapp, Pfarrer Dietrich Crüsemenn, Alfred Birker, Vorsitzende GAW-Frauenarbeit Gisela Mohr, Dorothea Müller, Dekan Martin Elsässer, Geschäftsführer GAW Ulrich Hirsch