Psalmen bestehen aus goldenen Worten

Über Psalmen, wie sie in die Liturgie der Württembergischen Evangelischen Landeskirche kamen und wie sie gesungen werden können sprach Professor Bernard Leube, Pfarrer für Kirchenmusik der Landeskirche, bei einer Fortbildung im Kirchenbezirk Geislingen für Pfarrerinnen und Pfarrer, Prädikantinnen und Prädikanten und Organistinnen.

 

 

Psalmen sprechen ist wie Auto schieben
- Psalmen müssen gesungen werden

© Evangelischer Kirchenbezirk Geislingen

Professor Bernhard Leube, Pfarrer für Kirchenmusik

In den frühen Liturgien hatten Psalmen ihren Platz. Wie sie im Tempel geklungen haben ist jedoch nicht bekannt. Der klassische Ort für das Psalmgebet in der christlichen Liturgie ist das Tagezeitengebet in den Klöstern und die Messe. Der Kehrvers gibt dem gregorianischen Psalmengesang seinen Ort im Kirchenjahr.
Auch die klassischen musikalischen Formen finden sich im Gesangbuch (EG 779 - 786). Die im Gesangbuch abgedruckten Psalmen sind allerdings redigiert. Aggressive Stellen gegen Feinde und Gottlose sind herausgenommen.
 
Der Referent verwies darauf, dass die Psalmen ganzversweise gesprochen werden sollten, entgegen der weit verbreiteten Praxis in Württemberg.
 
Der Erfinder des Psalmliedes ist Martin Luther. Als "Prototyp" gilt das Lied 299 "Aus tiefster Not schrei ich zu dir", das Psalm 130 zur Vorlage hat. Als weiteres Beispiel führt Bernhard Leube Lied 274 "Der Herr ist mein getreuer Hirt" an, das Psalm 23 nachdichtet.
In diesen Psalmliedern wird der Kern des Psalmes im Sinn nach übertragen, spiritualisiert. So ist durchaus auch zu fragen, ob das Lied 362 "Ein feste Burg ist unser Gott" als Psalmgebet oder als eine Psalmpredigt empfunden werde.
 
Beim gottesdienstlichen Vorlesen der Psalmen im Wechsel sollte man nicht allzu sehr besonders betonen, denn durch den Stimmklang werden Psalmen zu einer persönlichen Interpretation. Der Sprecher/die Sprecherin habe nicht die alleinige Deutungshoheit. Die persönliche Befindlichkeit sollte zurückstehen. Wichtig ist auch, langsamer zu reden, damit die Seele mitkommen kann.
 
Die Württembergische Landeskirche
 
In Württemberg wurde der "Christliche Gesang" in der Kirchenordnung von 1536, unterschrieben von Herzog Ulrich, ausdrücklich gewünscht. Das Singen hatte dabei vorwiegend eine katechetische und auf die Jugend ausgerichtete Absicht. Bekannt waren in Württemberg Psalmlieder und das Vorlesen eines Psalmes durch den Pfarrer.
 
Über die Jahrhunderte wurden Psalmen in ganzen Versen im Wechsel gesprochen, was mit der gregorianische Tradition in Übereinstimmung ist. Alternativ dazu übernahm eine Person den ganzen Psalm komplett. Dies war Aufgabe des Kantors in der Synagoge.
Der Wechsel mit Halbversen taucht zum ersten Mal Ende des 19. Jahrhunderts im Bayerischen Gesangbüchlein (Versikel) auf. Ein Beispiel dafür ist im EG 782.9 (Psalm 17, 8). 
 
Im Jugendgesangbuch von 1936 sowie in der Neuauflage von 1956 waren Psalmen abgedruckt, die in ganzen Versen gesprochen wurden. Erst 1969 kam mit der Neuauflage die Änderung in Halbverse. Der Grund, warum diese Änderung gemacht wurde, ist nicht bekannt.
 
1982 wurden auf Beschluss der Landessynode in Württemberg die Psalmen in die Gottesdienst-Liturgie aufgenommen. Die hauptsächliche Begründung war, dass Kinder und Jugendliche die Psalmen aus dem Kindergottesdienst kennen und sie im Gemeindegottesdienst wiederfinden sollten. Allerdings war das Psalmgebet in der Liturgie als Angebot verstanden und nicht als Pflicht. Zudem hieß es, dass die Psalmverse "in der Regel" in ganzen Versen gesprochen werden sollte.
Erst seit 2004 ist das Psalmgebet fest in der Württembergischen Liturgie verankert. Die anderen Landeskirchen der EKD haben von Württemberg diese Liturgieänderung übernommen.
 
 
Praktische Übungen begleiteten diese Fortbildung. Der Referent zeigte unter anderem auf, wie das Psalmlied "Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren" (EG 279) auch gesungen werden kann: