Krankenhausseelsorge

Pfarrer Volker Weiß

Menschen begleiten und ihnen beistehen, die sich durch Krankheit oder Alter in einer kritischen Lebenssituation befinden, gehört zu den Kernaufgaben einer christlichen Gemeinde.

 

 

Für die Helfenstein-Klinik ist PfarrerVolker Weiß als Seelsorger zuständig. Er wohnt in Geislingen und ist vom Oberkirchenrat mit 50 % für die Klinikseelsorge beauftragt.

 

Pfarrer Volker Weiß

Oberböhringer Straße 5

73312 Geislingen (Steige)

Tel. (07331) 986 88 03 

 

Bei Besuchswünschen oder wenn eine Abendmahlsfeier gewünscht wird oder wenn Sie als Angehörige mit ihm sprechen wollen, dann rufen Sie einfach an

oder wenden Sie sich an die Klinikpforte.

 

In der Helfenstein-Klinik ist sonntags um 9.00 Uhr Gottesdienst.

 

Zur katholischen Krankenhaus- und Altenheimseelsorge besteht ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis. Wir sind ein Team und arbeiten zusammen.

Fremdes Land Krankheit

                                  
Herr S., 54 Jahre, erzählt: „Es ging alles ganz normal. Dann eine Erkältung. Heiserkeit über einige Wochen und Appetitlosigkeit. Nach der eingehenden Untersuchung im Krankenhaus saß ich noch im Besprechungszimmer und wartete auf den Arzt. Er kam und setzte sich mir gegenüber und meinte, da sei eine ernsthafte Schädigung der Lunge, krankhaftes Gewebe, eine Geschwulst.

Ich weiß nicht mehr genau, was er dann noch alles sagte. Sein Gesichtsausdruck verriet nichts Gutes. Ich rang um Fassung. Mein ganzes Leben drohte aus den Fugen zu geraten. Es war nichts mehr wie vorher. Ich saß in einer anderen Welt. Und was jetzt? Das war das einzige, was ich denken konnte.“


Krankheit – ein fremdes Land?
Eine andere Patientin hat dieses Erleben in einem Gedicht beschrieben:
Hineinexplodiert in eine andere Welt
fremd das Dunkel ihrer Nacht
fremd die verwinkelten Gassen
fremd die endlosen Straßen
Mein Blick reicht nur
bis vor die Füße.


Fremd – das Land Krankheit

Das fremde Land Krankheit hat seine eigenen Gesetze und Nomenklaturen. Verschiedene Untersuchungen – Röntgen, Sonographie, Bronchoskopie, Biopsie, MRT, Knochenszintigramm, etc. –, dann Medikamente mit eigenartigen Namen und Nebenwirkungen. Operation, Chemo und Bestrahlung, Veränderungen des Körpererlebens. Und in allem wandert die Seele umher auf der Suche nach Halt und Sinn und Orientierung.

 

Herr S. war gut vernetzt. Familie, Angehörige waren da. Freunde kamen. Kollegen. Es hilft, sich von Menschen gestützt zu wissen, die zuhören und in der Not zur Seite stehen. „Es tut gut“, sagt Herr S., „man fühlt sich verstanden, man kann gefühlsmäßig andocken und leichter wieder Hoffnung schöpfen.“ Und doch empfand er eine Grenze. „Es war schön, dass viele Anteil nahmen, auch respektierten, wenn es mir zu viel war. Und doch: wenn die Tür sich wieder hinter einem Besucher geschlossen hat, dann dachte ich manchmal: Du hast es gut. Du kannst wieder gehen. Ich bleibe in diesem fremden Land hocken und muss sehen, wie ich zurechtkomme.“ So gab es Tage, an denen alles grau war vor Übelkeit. Und wieder andere Tage mit hellen Gedanken und blühenden Bäumen. Es gab alptraumhafte Ängste, aber auch hilfreiche Einfälle und Träume. „Ich wanderte zwischen Hoffnung und Todesangst. Manches konnte ich erzählen, anderes nur dem Tagebuch anvertrauen.“

 

Seelische Widerstandskräfte: Genesung und Spiritualität

Mit einer Seelsorgerin als Begleitung machte er sich auf die Suche nach dem, was ihn stützt und stärkt. In allen vier Feldern: körperlich, psychisch, sozial und spirituell fand er Ressourcen und Möglichkeiten, seine inneren und äußeren Kräfte zu stärken. So war es manchmal ein kleines Lied, das ihn – innerlich summend – durch einen Tag hindurch brachte, ein spannendes Buch, ein gemaltes Bild seiner Tochter, ein Gottesdienst im Grünen. Oder wie die Fortsetzung des obigen Gedichtes es beschreibt:
Wegmarkierungen bewegen sich
Menschen, die da sind,
ein Gespräch, medizinische Hilfe,
eine Umarmung, ein Gebet.

Zwei Jahre später meinte Herr S., wie gut es sei, das zu kennen, was Kraft und Halt gibt. Er habe ein paar Dinge in seinem Leben verändert. Er trommle jetzt in einer Kirchenband, arbeite weniger und gehe jede freie Minute hinaus mit und ohne Familie. Die natürlichen Jahreszeiten mit allem Wachsen und Vergehen beleben seine Seele und stärken seine seelischen Widerstandskräfte.

Resiliente Faktoren

Wer bei schweren Turbulenzen in seinem Leben zwar ins Wanken kommt, aber nicht stürzt und liegen bleibt, wird als resilient bezeichnet. Resilienz ist eine Art psychisches Immunsystem, das die inneren Heilungskräfte unterstützt. „Es gibt nur ein einziges Gegengewicht gegen Unglück.“, schreibt Erich Fried: „Das muss man suchen und finden, und das ist Glück.“ Menschen tragen nicht nur das Schlimme, sondern auch das Heilsame in sich. Und dieses Heilsame zeigt die Richtung an. „Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“, heißt es in den Weisheiten des Predigerbuches (Prediger 3, 1). Herr S. achtet mehr auf das Gegenwärtige und holt soviel Freude wie möglich ins Leben. Er übt sich darin, Dinge hinzunehmen, die er nicht ändern kann, und das zu verändern, was ihm möglich ist zu ändern. „Und den Segen in einem Gottesdienst“, so erzählt er, „empfange ich nun mit offenen Händen“. Und manchmal brauche es auch etwas Verrücktes.


Dass sein Leben auch nach der Genesung immer noch endlich sei, sei ihm sehr bewusst. Wer weiß schon, wie lang sein Leben gehe? Die Worte seiner Seelsorgerin trage er als Trost im Herzen: „Meine Zeit in Gottes Hand – und ich auch!“

 


Pfarrer Volker Weiß, Pfarrer an den Alb Fils Kliniken Helfensteinklinik Geislingen
Pfarrerin Margret Ehni, Pfarrerin an der Landeskirchlichen Projektstelle Seelsorge in der Palliativversorgung

Gedenkgottesdienst
in der Geislinger Helfenstein Klinik

Die Helfer und Helferinnen beim Gedenkgottesdienst in der Helfenstein Klinik, im Vordergrund links Diakon Zeller, in der Mitte Pfarrerin Ehni und rechts Pfarrer Weiß

Von Beate Zumbühl


Auf der Palliativstation der Helfenstein Klinik werden Patienten aufgenommen, die an einer unheilbaren Krankheit leiden. Die Ärzte, Pfleger und Seelsorger der Palliativstation versuchen alles, um den schwerstkranken Patienten ein schmerzfreies und lebenswertes Leben zu ermöglichen. Viele Patienten können nach einiger Zeit die Station wieder verlassen und anschließend im Kreis ihrer Familie oder in einem Pflegeheim ihr Leben weitestgehend selbstbestimmt zu Ende leben, aber einige Patienten sterben auch auf der Station. Für die auf der Station Verstorbenen und deren Angehörige gibt es seit vier Jahren zweimal jährlich einen Gedenkgottesdienst in der Kapelle der Helfenstein Klinik.


Der Gedenkgottesdienst geht auf eine Initiative der MitarbeiterInnen der Palliativstation zurück und wird durch viel Musik (Thomas Rapp, Orgel und Gisela Kohle, Flöte) und stille Worte sowie die unbeantwortete Frage „warum jetzt, warum so“ bestimmt. Für jeden Verstorbenen wird im Rahmen des Gottesdienstes eine Kerze angezündet – 39 Kerzen waren es beim letzten Gedenkgottesdienst am 16. Mai. Eine weitere Kerze stand stellvertretend für alle anderen Verstorbenen.

 

Die evangelische Pfarrerin Margret Ehni und ihr katholischer Kollege, der Diakon Jürgen Zeller sowie der evangelische Krankenhauspfarrer Volker Weiß wurden bei dem Gottesdienst von Mitarbeitern der Palliativstation unterstützt, die unter anderem die Namen der Verstorbenen verlasen. Pfarrerin Margret Ehni ging in ihrer Ansprache auf die Menschen ein, die einen geliebtes Familienmitglied verloren haben: „Verlassen sein, Schmerz und Sehnsucht zeigen uns, wie wichtig und die Menschen waren und sind“.

 

Nach Anschluss des Gottesdienstes gab es bei einem kleinen Imbiss noch die Gelegenheit, Gespräche mit den Angehörigen, den Seelsorgern  und den MitarbeiterInnen der Palliativstation zu führen.


Krankenhausseelsorge – Kirchlicher Dienst am nichtkirchlichen Ort

Pfarrer Klaus Hoof, bis zu seiner Zurruhesetzung Seelsorger an der Helfenstein-Klinik Geislingen

Klaus Hoof,  ehemaliger Klinikseelsorger an der Helfenstein-Klinik Geislingen, berichtete der Bezirksynode Geislingen auf der Frühjahrstagung 2011.

 

Krankenhausseelsorge – Kirchlicher Dienst am nichtkirchlichen Ort
Erfahrungen, Probleme und Perspektiven“

(Zusammenfassung des Vortrags von Klinikpfarrer Klaus Hoof am 25.3.2011 in der Bezirkssynode Geislingen)

 

„In der Fremd- wie in der Selbstwahrnehmung der Kirche ist Seelsorge eine ihrer Kernkompetenzen. Will die Kirche nah bei den Menschen sein, ihnen Heimat und Identität und in Krisen zuverlässige Lebensbegleitung bieten, dann braucht ihr Handeln seelsorgerliche Qualität und Kompetenz.“ Das behauptet 2009 die EKD-Konferenz der Seelsorge-Verantwortlichen in den Gliedkirchen. Ihr Thesenpapier hat den schönen Titel: „Seelsorge – Muttersprache der Kirche“. Doch diese Muttersprache wird selten von der Öffentlichkeit wahrgenommen.
Krankenhausseelsorge ist mehr als Krankenseelsorge

Die z.T. großen Veränderungen und Entwicklungen in Medizin und Krankenhäusern, aber auch die pastoralpsychologisch und systemisch reflektierten Erfahrungen aus der Praxis der Krankenhausseelsorge haben Tätigkeitsbild, Anforderungen und Selbstverständnis der Krankenhausseelsorge verändert. Krankenhausseelsorge ist mehr als Krankenseelsorge.
Die Dienstordnung unserer Landeskirche für die Krankenhausseelsorge aus dem Jahr 1985 stellt fest: „Die Krankenhausseelsorge ist der besondere Dienst der Kirche an Patienten und Mitarbeitern im Krankenhaus. Er geschieht unbeschadet der Zuständigkeit der Kirchengemeinden und Kirchenbezirke im Auftrag der Landeskirche.“

 

Krankenhausseelsorge – Kirchlicher Dienst am nichtkirchlichen Ort

 

Das Krankenhaus ist ein komplexes System mit eigenen Zielen und eigenen Gesetzmäßigkeiten. In seinem Inneren gibt es ausgeprägte Hierarchien im ärztlichen, pflegerischen und verwaltenden Bereich mit entsprechenden Rollendifferenzierungen. Die fachlichen Kompetenzen, Kommunikationsabläufe und Weisungsbefugnisse sind genau festgelegt. Das Krankenhaus ist ein geschlossenes System mit eigener Philosophie und Sprache.
Gleichzeitig ist ein Krankenhaus auch ein offenes und außenorientiertes System. Es bezieht sich auf seine Umwelt, handelt „kundenorientiert“ im Blick auf die Patienten und steht in Konkurrenz zu anderen Krankenhäusern. Die Konkurrenz zu anderen Häusern zwingt jede Klinik, ihre verschiedenen Fachbereiche immer wieder neu durch externe Überprüfungen zertifizieren zu lassen, den Qualitätsstandard ständig zu verbessern.

In einer Klinik sammelt sich wie in einem Brennglas alles, was menschliches Leben bedroht. Fast alles, was unsere Gesellschaft im Positiven wie im Negativen bestimmt kommt hier vor. Die psychische und persönliche Belastung vor allem für die Ärzte und das Pflegepersonal ist durch die zahlreichen akuten Krisen und  Ausnahmesituationen entsprechend hoch.

Seit über einem Jahrzehnt sind die Finanzzuweisungen der Krankenhäuser gedeckelt. Die jährlichen Steigerungen der Zuweisungen sind niedriger als die zu erwartenden Kostensteigerungen durch Lohnerhöhungen, Betriebskosten und notwendigen Ersatzinvestitionen. Der Sparzwang ist immens und erhöht den Arbeitsdruck auf die Mitarbeiter. Personal wird abgebaut, die Bettenzahl reduziert, trotzdem steigt die Zahl der Patienten, da die durchschnittliche Verweildauer erheblich verkürzt werden konnte.

 

 

Bedeutung und Herausforderung der Klinikseelsorge für das Selbstbild und Auftrag der Kirche

 

Beim Beobachten und Analysieren meiner Erfahrungen in der Krankenhausseelsorge sind mir sechs Punkte wichtig geworden, die einiges austragen für das Selbstverständnis unserer Kirche und für die
Haltung und die Art und Weise wie wir unsere Aufgaben tun.

1. Krankenhausseelsorge verkörpert eine hörende und präsente Kirche
„Seelsorge – Muttersprache der Kirche“. Was diese Sprache vor allem anderen auszeichnet ist paradoxerweise das Hören. Es geht um Empathie. Es gilt nicht nur mit den Ohren und dem Verstand zuzuhören, sondern mit dem ganzen Wesen präsent zu sein. „Empathie bedeutet ein respektvolles Verstehen der Erfahrungen anderer Menschen. ... Empathie tritt im Kontakt mit anderen Menschen nur dann auf, wenn wir alle vorgefassten Meinungen und Urteile über sie abgelegt haben“(M.B. Rosenberg). Die von der Empathie geforderte Präsenz in einem Gespräch aufzubringen, ist nicht einfach. „Die Befähigung, einem Leidenden die ganze Aufmerksamkeit zu schenken, kommt sehr selten vor und ist eine schwierige Angelegenheit; sie ist fast ein Wunder; sie ist ein Wunder. Fast alle, die denken, sie hätten diese Fähigkeit, haben sie nicht“(Simone Weil). Und Rosenberg beobachtet: „Statt einer empathischen Reaktion geben wir eher unserem Drang nach, Ratschläge zu geben oder zu beschwichtigen oder unsere Meinung darzulegen.“

Meine Erfahrung aus meiner Arbeit in den letzten Jahren im Krankenhaus ist: Durch diese Art des Hörens öffnet sich in Gesprächen ein heilsamer Raum, der Heilung fördert und in dem sich die Kraft des Evangeliums zeigt. Ich bin sicher, dass Jesus so mit Menschen umgegangen ist und dass daraus seine
heilende Kraft entsprang.

2. Krankenhausseelsorge verkörpert eine Kirche, die Menschen aufsucht, auch die, die nicht mehr im kirchlichen Umfeld zu Hause sind
In Krankenzimmern ereignen sich immer wieder– auch mit der Kirche fern stehenden Menschen - intensive Gespräche über den Sinn einer Krankheit oder den Wert von Erfahrungen, über die Bedeutung von tragenden Beziehungen oder den Schmerz über vertane Chancen im Leben, über bittere Gefühle des vom Leben bestraft worden und zu-kurz-gekommen-seins, oder über den Reichtum des Lebens und die Dankbarkeit für Erlebtes. In solchen Begegnungen erfahre ich als Theologe, wie wenig Antworten ich auf manche existentiellen Fragen zu geben vermag. Im besten Fall kann ich so etwas wie ein Geburtshelfer sein, durch den mein Gegenüber selbst einen Zugang zu seiner Antwort findet.

3. Krankenhausseelsorge verkörpert eine Kirche, die beim Leidenden ausharrt
Immer wieder geschieht es, dass es auf eine schlimme Krankheit keine Antwort gibt. Doch auch dann ist es noch möglich, da zu bleiben und das Leid des Kranken mit auszuhalten. Mehr ist oft nicht möglich und dann auch nicht nötig.

4. Glaubwürdigkeit der Kirche lebt von persönlichen Begegnungen
Aus der Arbeit der Krankenhausseelsorge kann die sich in einer Glaubwürdigkeitskrise befindliche Kirche neu lernen: Glaubwürdig sind persönliche Begegnungen mit Menschen, die zuhören, die keine besserwisserischen Ratschläge und Antworten geben, sondern ihre eigenen Lebensfragen und –krisen kennen, diese bearbeitet haben und bearbeiten und die dabei die Kraft des Evangeliums und des Glaubens erfahren haben. Aus dieser Beobachtung ergeben sich einige Konsequenzen für die innere Haltung und die äußere Attitüde mit der kirchliche MitarbeiterInnen ihren Dienst tun sollten.

5. Kirche ist dann wichtig, wenn sie sich existentiellen Fragen der Menschen stellt
Eine schwere Erkrankung wirft Menschen auf sich selbst zurück und auf die Grundfragen des Lebens. In dieser Situation erleben Menschen wie sich ihnen im Zuhören, in Gesprächen, im feiernden Vollzug von Gottesdienst und anderen religiösen Ritualen ein hilfreicher Raum für ihre Gefühle und Sehnsüchte öffnet. Diesen Dienst brauchen und erwarten die Menschen von der Kirche.

6. Krankenhausseelsorge erfährt: Kirche hat eine eigene Tradition, die trägt
Es ist beglückend zu erleben, wie die erfahrungsgesättigten Worte der Psalmen oder mancher Lieder eine Situation auffangen können und Worte dafür finden, wofür es noch keine eigenen Worte gibt. Unsere eigene christliche Tradition ist echt und trägt auch im Leid.

 

Keine kirchliche Selbstbehauptung, sondern Begegnen und Dienen
In der fast 2000jährigen Geschichte der Kirche war Kirche dann am glaubwürdigsten, wenn sie sich nicht mit sich selbst beschäftigt hat, sondern sich selbstvergessen denen zugewendet hat, zu denen Christus sich in erster Linie gesandt wusste: zu denen, die sich nicht mehr selbst helfen können; deren Existenz bedroht ist; die ausgegrenzt werden, die leiden.
Im Krankenhaus ist eine Kirche gefragt, die präsent und hörend beim anderen ist und ihm so hilft; sich selbst besser zu verstehen. Es geht nicht darum, theologische oder kirchliche Inhalte zu verbreiten oder zu verteidigen, sondern sich auf persönliche Begegnungen auf Augenhöhe einzulassen, da zu sein, sich Schicksalen und den aus ihnen erwachsenden Gefühlen, Bedürfnissen und Fragen auszusetzen.

 

Es geht um eine den Menschen dienende Kirche die – wie es im Weihnachtslied von Gott heißt – die sich als Mensch den Menschen darstellt. In solchen Begegnungen stoßen wir immer wieder auf Gott. Und wenn sich das ereignet, da kann es sein, dass andere uns das abspüren und neugierig werden auf einen Gott, der nicht hoch oben im Himmel, sondern tief unten bei ihnen zu finden ist.

 

Eine solche Kirche hat Perspektive. Seelsorge ist ihre Muttersprache.

Weitere Informationen:

 

Der ausführliche Bericht von Pfarrer Klaus Hoof über die Krankenhaus-Seelsorge

Warum nicht auch im Krankenhausgottesdienst Gemeinde- und Chorgesang?

Der christliche Glaube singt und spielt! Schon die älteste Christenheit konnte nicht anders: Sie sang Psalmen und Hymnen in ihren Gottesdiensten. Und nicht selten gingen die Ältesten der Gemeinde aus diesen Gottesdiensten hinaus in die Häuser kranker Gemeindeglieder, um diese zu besuchen und zu salben.

Nachdem im Mittelalter das Singen im Gottesdienst im Wesentlichen von Priestern, Solisten und einer Schola übernommen wurde, setzte mit der Reformation eine kräftige Singbewegung ein, die das neu entdeckte Evangelium mit gemeinsam gesungenen Liedern und Musik in die Gottesdienste einbrachte. Die neu entstehenden Kirchenlieder umfassten alle Themen des Lebens und Glaubens. Sie haben in hohem Maß zur Verbreitung evangelischen Glaubens beigetragen und den Charakter evangelischer Gottesdienste geprägt. Bis heute ist das geistliche Singen unverzichtbares Element im evangelischen Gottesdienst.

 

Singen hat eine heilende Wirkung

Schon Saul, der erste König Israels, ließ sich von David Lieder auf der Harfe vorsingen und –spielen, um seine Depressionen aufzuhellen. Singen bewegt alle Fasern des Leibes. Wer singt, kann von sich absehen und für Augenblicke sogar seine Krankheit vergessen.

 

In den Krankenhausgottesdiensten der Helfenstein Klinik in Geislingen kommt das Singen und Musizieren zu kurz. Menschen, die im Krankenhaus liegen, sind in einer besonderen Situation. Ihnen ist in aller Regel nicht zum Singen zumute. Da wäre es gut, wenn andere für sie singen würden.

 

Im Krankenhaus tauchen Fragen auf, die im Alltag oft nicht wahrgenommen werden: Warum bin ich krank? Bin ich selber „schuld“ an meiner Krankheit? Wer oder was war in meinem Leben bis jetzt wichtig? Wer trägt mich, wenn ich krank und schwach bin? Was ist mit mir, wenn ich sterben muss?

In den Gesprächen am Krankenbett, in Gebet, Predigt und Abendmahl der Klinikgottesdienste finden diese Fragen Raum. Doch eine wertvolle Gestaltungsmöglichkeit fehlt bis jetzt: Das Singen und Musizieren von Liedern. Liedtexte und Melodien können Menschen in einer Weise aufschließen, wie es dem gesprochenen Wort nicht gelingt, zumal Kranke dem gesprochenen Wort oft nur eine begrenzte Zeit folgen können. Und was für wunderschöne Trostlieder haben wir in unserer protestantischen Liedtradition mit Liederdichtern wie Martin Luther, Paul Gerhardt und Jochen Klepper, mit Liedkomponisten wie Johann Crüger, Johann Sebastian Bach und Johannes Petzold!

 

Die heilende Wirkung des Singens und der Musik möchte ich gerne verstärkt in die evangelischen Sonntagsgottesdienste der Helfenstein Klinik einbringen, die 14-tägig um 9 Uhr stattfinden. Ich wünsche mir, dass in jedem Gottesdienst neben der Orgel noch ein Chor, eine Instrumentalgruppe, eine einzelne Instrumentalistin, ein sich für diesen Zweck spontan zusammenfindendes Gesangs- oder Instrumentalquartett den Gottesdienst mitgestaltet.

Haben Sie Interesse oder gar Lust und Freude daran? Dann bitte melden bei Pfarrer Klaus Hoof, Tel: 07331-3059834 oder Email: klaus.hoofdontospamme@gowaway.web.de

 

Gute Hoffnung - jähes Ende

Wenn ein Kind noch vor der Geburt oder gleich danach gestorben ist


"Du kamst, du gingst mit leiser Spur,
ein flücht'ger Gast im Erdenland.
Woher? Wohin?
Wir wissen nur:
aus Gottes Hand in Gottes Hand."

Ludwig Uhland


Den Blick zu schärfen für das Leid der Mütter und Väter, deren Kind tot zur Welt gekommen oder kurz nach der Entbindung gestorben ist, haben alle beteiligten Berufsgruppen in der Helfenstein Klinik Geislingen sich vorgenommen. Über die medizinisch-fachliche Hilfe hinaus soll den Eltern, so gut es geht, in ihrem Schmerz und ihrer Enttäuschung beigestanden werden.

 

Auch eine kompetente seelsorgerliche Betreuung - für die Eltern, die es wünschen - ist gewährleistet. Das Gedicht von Ludwig Uhland steht auf dem Faltblatt, das alle betroffenen Eltern von der Klinikseelsorge bekommen, und die Zeile "aus Gottes Hand in Gottes Hand" deutet den Rahmen an, in dem sich die Seelsorge bewegt.

 

Alsbald stellt sich den Eltern die Frage der Bestattung ihres Kindes. Für die Kinder, bei denen eine individuelle Bestattung freigestellt ist (weil sie vor der Geburt verstorben und unter einer bestimmten Gewichtsgrenze geblieben sind), wurde schon vor Längerem die Möglichkeit einer anonymen Sammelbestattung auf dem Göppinger Friedhof geschaffen; dort befindet sich ein kleines besonderes Urnenfeld für diese Kinder; die Bestattung ist zwei Mal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, im Rahmen einer ökumenischen kirchlichen Feier.

 

Auf Wunsch wird mit den Eltern schon in der Klinik eine kleine Aussegnungsfeier gehalten. Das folgende Gebet stammt aus der Textsammlung, die für solche Feiern zusammengestellt worden ist:

"Gott, Ursprung des Lebens!
Wir sind bestürzt und traurig,
dass das Lebenslicht unseres Kindes so schnell wieder verloschen ist.
Nun legen wir es zurück in deine Hände und bitten dich,
dass du ihm die Fülle des Lebens schenkst bei dir.
Gib uns Mut und Kraft für den Weg, der vor uns liegt."
 
Der Text lässt den Sinn und Zweck dieser und im Grunde aller Seelsorge erkennen: dass wir wahrgenommen werden und uns auch selber wahrnehmen in unserer Befindlichkeit und dass wir Gott wahrnehmen als Gott des Lebens, der uns Zukunft und Hoffnung eröffnet.