Gründungsstiftungs-Feier

 Die Gründungsstifterinnen und -stifter waren eingeladen zur Gründungsfeier

 

In einer kleinen Feier in der Geislinger Stadtkirche begrüßte Dekanin Gerlinde Hühn die Gründungsstifterinnen und -stifter der Geislinger "Drei-Kirchen-Stiftung"

 

30 Gründungsstifter trafen sich am 16. Februar 2006 in der Stadtkirche, um gemeinsam auf die Gründung der Drei-Kirchen-Stiftung anzustoßen. Dekanin Hühn hatte dazu eingeladen. Sie bezeichnete es als ihr schönstes Weihnachtsgeschenk, dass im November vergangenen Jahres der Engere Rat die Drei-Kirchen-Stiftung gründen konnte.

 

Bei dieser Feier hielt Karl-Heinz Bauer einen Vortrag über
"Von Stiftern und Stiftungen im alten Geislingen"

(Dieser Vortrag kann als Download am Ende dieser Seite herunter geladen werden.)


Mit folgenden Worten begrüßte und informierte Dekanin Hühn die Gründungsstifterinnen und -stifter:


Sehr geehrte, liebe Gründungsstifterinnen und Gründungsstifter!

 

Herzlich willkommen zu dieser kleinen Feier in der Stadtkirche.
Ich begrüße auch die Vertreterinnen und Vertreter der Gesamtkirchengemeinde. Darunter besonders auch Frau Menzel, die als Schriftdesignerin unsere Stiftungsbroschüre gestaltet hat.
Ebenfalls sehr herzlich begrüße ich Herrn Karl Heinz Bauer, der uns heute abend den kleinen Vortrag halten wird.
Und Herrn Kirchenmusikdirektor Gerhard Klumpp, beide "sponsern" gewissermaßen mit ihrer Arbeitskraft unsere Stiftung.
Dazuhin begrüße ich noch Frau Burst von der Geislingen Zeitung.

 

Dank
Zunächst möchte ich Ihnen als Gründungstifter und –Stifterinnen ganz herzlich danken, dass Sie uns einen namhaften Betrag Ihres Vermögens als Stiftungsbeitrag zur Verfügung stellen.
Ich bin darüber sehr glücklich und habe es als großes Weihnachtsgeschenk empfunden, dass wir bereits Ende des vergangenen Jahres die zunächst angestrebte Summe von 50 000 Euro zusammen hatten, die wir uns als
1. Etappenziel gesetzt hatten, um die Stiftung zu gründen.
Dazu muss man sagen:
Die "Geislinger-3-Kirchen-Stiftung" ist eine rechtlich nicht selbstständige Stiftung der Geislinger Gesamtkirchengemeinde und sie wurde dadurch gegründet, dass der Engere Rat (= Verwaltungsausschuss) der Gesamtkirchengemeinde die Stiftungen der Stifter und Stifterinnen "annahm".

 

Wir haben nicht zu hoffen gewagt, dass wir so schnell dieses Ziel erreichen könnten. Es geschah durch Sie und mit Ihrer Hilfe! Danke!

 

Wie lief es: Gute Erfahrungen

Ich habe viele Männer und Frauen in Geislingen direkt angesprochen und bei vielen offene Ohren und Herzen gefunden.
Offenbar leuchtet der Stiftungszweck: der Erhalt der 3 Kirchen, vielen Geislingern und ehemaligen Geislingern, ein.
Ich muss sage, ich habe dabei ganz neue schöne Kontakte und Gespräche gehabt.
Das war eine gute Erfahrung.
Viele haben zwar gesagt, dass sie im Augenblick nichts geben können – dafür haben wir Verständnis – Sie haben uns aber zugesichert, dass Sie das Anliegen der Stiftung ideell unterstützen werden.
Und so ist es auch: Ich spüre überall in Geislingen eine herzliche Unterstützung und Solidarität mit dem Stiftungsanliegen.

Dekanin Hühn bei ihrer Rede

Heute abend sind wir bei folgendem Stand:
33 Stifter und Stifterinnen haben 98 000 € bereits gestiftet oder verbindlich zugesagt. (Ich hatte bis zur letzten Minute gehofft, noch auf 100 000 € zu kommen bis heute abend). Aber das hat nun nicht mehr gereicht.


Diese Summe ist umso erstaunlicher, als wir ja im vergangenen Jahr auch noch intensiv für die Sanierung der Fassade der Stadtkirche gesammelt haben und hier unseren Spendenstand von 15 000 auf 80 000 € erhöhen mussten (der Betrag ist wohl erreicht. Fast jedenfalls!) Die Geislinger-Zeitungs-Aktion hat das ihre dazu beigetragen.


Ich habe bei all dem den Eindruck gewonnen, Spenden und Stiften, das sind zwei verschiedene Dinge. Fürs Stiften lassen sich ganz andere Personenkreise ansprechen. Da der gestiftete Betrag auf "ewig" erhalten bleibt, ist man hier auch bereit, größere Summen beizutragen.

 

Nun, da die Restaurierung der Stadtkirchenfassade so gut wie finanziert ist, möchten wir wieder verstärkt für die Stiftungsidee werben. Ich denke, Sie als Gründungsstifter und –stifterinnen werden da auch Multiplikatoren und Multiplikatorinnen sein können.
Mit dem Stadtseniorenrat habe ich eine Veranstaltungsidee angedacht: Im April oder Mai informiert der Stadtseniorenrat übers Erben und damit verbundene Fallstricke (am besten durch einen Notar); Und dabei können alle im Geislinger Raum wirkenden Stiftungen eingeladen, dass sie sich mit ihrem Anliegen vortragen.
Von der Geislinger 3-Kirchen-Stiftung bis zur Bürgerstiftung.

 

Ich denke, es darf ruhig eine Pluralität von Stiftungen nebeneinander geben, denn es entscheiden Sie als Stifter, welches Anliegen Ihnen so besonders wichtig ist, dass Sie es mit Ihrem Vermögen unterstützen wollen.


Motive


Ich las zu dem Thema einen interessanten Aufsatz von Michael Nüchtern im letzten Pfarrerblatt (PfBl 1,06). Wie sehen Stifterinnen und Stifter aus? Vor einigen Jahren hätte man gesagt: Stifter sind klein und befinden sich in der unteren Ecke des Bildes oder des Altars, meist kniend und betend.
In einem kunstgeschichtlichen Lexikon kann man lesen "Sie bleiben klein und in den unteren Bildecken angeordnet bis ins ausgehende Mittelalter. Seit dem 15. Jh. treten aber bereits Stifter in gleicher Größe mit den dargestellten heiligen Personen auf....An den protestantischen Altären der Renaissance haben sich die Stifter dann die Flügel oder die Predella erobert. Die Stiftenden wollten im Mittelalter nicht nur Gutes tun, sondern sie wollten auch Dank sagen für erfahrenen Segen und im Leben ein Opfer bringen , um so ein verdienstliches Werk zu tun. Im Protestantismus ist die Lehre von den Verdiensten abgeschafft worden, sofern dienen die Stiftungen nun nicht mehr dem Ruhm im Himmel, sondern in der Mitwelt und der Nachwelt."

 

Ein kleiner Witz am Rande. Ein Pfarrer wurde gefragt, bekomme ich als Stifter einen Platz im Himmel, wenn ich etwas für die Stiftung tue? Antwort des Pfarrers: Ich weiß es nicht, aber ich würde es mal probieren.

Heute sehen Stiftende ganz anders aus. Sie wollen etwas Sinnvolles, Eigenes tun. Dass Dauer verheißt. Sie sind aktiv und ergreifen eine wichtige gute Option.
Die Motive sind sicherlich vielfältig:

Ist es der Dank?


Für gute Erfahrungen mit der Kirche oder besonders mit Erfahrungen in diesem oder jenem Kirchengebäude.

Ist es das Verantwortungsgefühl?

Ein bedeutendes Kulturgut erhalten zu helfen. Die Kirche wird ja nicht nur als Gottesdienstraum der Gemeinde gesehen, sondern auch als ein öffentlicher Raum, der das Gemeinwesen als ganzen repräsentiert. Ist es der Wunsch, dass der eigene Name oder der der Eltern und ähnliches mit diesem Zweck verbunden werde.

 

Wer stiftet, liebt!


Er möchte erhalten wissen oder fördern, was er liebt!
Ohne diesen Anteil des Herzens, gibt es kein Stiften.


Eine Kirchengemeinde, die sich dem Stiftungsgedanken nähert, verändert sich!
Ich nenne vier Punkte.

 

  1. Sie lernt, dass sie nicht Finanzmittel hat, sondern dass sie sie empfangen hat.
    Sowie Paulus im 1. Kor., 4,7 schreibt: "Was hast Du, dass du mich empfangen hast?"
    So wird die Kirche von einer selbstbezüglichen Institution zu einer kommunikativen Organisation.
  2. Eine Kirche, die auf Stiftungen setzt, verändert sich von einer Mittel verwaltenden Größe zu einer unternehmerischen Organisation, die dem Stiftenden als Partnerin begegnet, mit dem Angebot, "ihr könnt ein Stück weit bei uns mitbestimmen."
    Das ist eine Art Machtverschiebung, die da stattfindet und auch ein Stück mehr Basisorientierung.
  3. Von der Mittelverwaltung kommt sie zur Mittelerschließung.
    Es gibt keine selige Sorglosigkeit, wie sie Jesus in der Bergpredigt empfiehlt, sondern die Sorge um andere!
    Wenn man das Amt hat, "für andere da zu sein", müssen Mittel nicht nur verteilt und verwendet werden, sondern auch erschlossen werden. Dazu ist auch eine ganz andere Öffentlichkeitsarbeit nötig.
  4. Vom Prinzip der Gleichmäßigkeit zur Schwerpunktsetzung
    Man muss sich überlegen, für welchen Schwerpunkt überhaupt Mittel zu erschließen sind.

Häppchen gab es auch...

Zusammengefasst:
Eine Kirche, die auf neue Finanzquellen setzt, wird nach außen interaktiver und kommunikativer.


Wir haben bereits einige Personen für den Vorstand gewonnen.
Herrn Armin Beck, Herrn Ulrich Kottmann, Herrn Eberhard Rapp. Und Frau Kirchenpflegerin Glemser ist Schatzmeisterin. Ich als Dekanin bin Kraft Amtes im Vorstand der Stiftung. Unser Vorstand muss noch vollends von Engeren Rat bestätigt werden. Dann kann er mit seiner Arbeit beginnen.
Die Aufgaben des Vorstandes sind die Verwaltung des Stiftungsvermögens und die Einsetzung des Stiftungsrates und das Festlegen von Stifterversammlungen (§ 8 der Satzung).


Der Vorstand wird einen Stiftungsrat bestellen, in dem mindestens 1/3 der Mitglieder aus den Kreisen der Stifterinnen und Stifter kommen. Der Stiftungsrat hat als Hauptaufgabe, den Vorstand bei der Akquisition von Drittmitteln, Spenden, Zuwendungen und Stiftungen zu beraten.
Er organisiert auch die Stifterversammlungen und andere Veranstaltungen der Beziehungspflege mit Stiftern, Interessenten und Freunden der Zielsetzung der Stiftung.
Sie werden alle noch einen Sonderdruck der Satzung erhalten.

 

Ich komme zum Ende.


Das Programm für heute abend:
Wir hören jetzt noch einen Kurzvortrag von Herrn Bauer und im Anschluss noch einmal Musik von KMD Klumpp, ein "moderato" von Christian Heinrich Rinck (1770 – 1847).


Danach können wir uns im Paulus-Beck-Raum zusammen setzen und noch miteinander ins Gespräch kommen.
Nachfragen, Assoziationen, Ideen zum gehörten sind willkommen.

 

Ich wünsche einen vergnüglichen Abend!

Karl-Heinz Bauer, Stadtoberarchivrat i.R.