Martin-Luther-Haus Geislingen

Dekanin Gerlinde Hühn (links) und die Vertreter der Yoma GmbH, Mustafa Gögus, eine Mitarbeiterin von Yoma und Memet Yorulmaz.

Das Gemeindehaus der Stadtkirchengemeinde Geislingen, das Martin-Luther-Haus, ist verkauft. Damit ist der Beschluss zum Martin-Luther-Haus, den der Geislinger Gesamtkirchengemeinderat in seiner Sitzung am 07. Dezember 2005 getroffen hat, umgesetzt:


Das Martin-Luther-Haus in Geislingen soll in absehbarer Zeit verkauft werden. Zusätzlich soll eines von drei weiteren Gemeindhäusern bis 2013 (Generalsanierungszeit) veräußert werden.

 

Bei der Pressekonferenz am 21. Juli 2009 informierten Dekanin Gerlinde Hühn und Kirchenpfleger Richter über den Verkauf.

 

„Mit dem Verkauf des Martin-Luther-Hauses haben wir es geschafft, Personalstellen zu erhalten und können weiterhin die vielfältigen Aufgaben unseres kirchlichen Dienstes erfüllen“. Die Geislinger Dekanin Gerlinde Hühn unterstrich damit das erreichte Ziel, in Menschen statt in Steine zu investieren.

 

Bei der Pressekonferenz in Geislingen stellte sie den Käufer des Martin-Luther-Hauses, die Yoma GmbH, vor, die seit 2005 ihren Firmensitz in Nürtingen hat.

Mehmet Yorulmaz, Geschäftsführer und Gesellschafter, sowie Mustafa Gögüs, zuständig für die Finanzen, haben der Geislinger Gesamtkirchengemeinde ein Konzept vorgelegt, wie das ehemalige Martin-Luther-Haus verwendet werden soll. Sie planen ein Zentrum für interkulturelle Arbeit. Die zwei Säle des ehemaligen Gemeindehauses sollen weiterhin für die Geislinger Bevölkerung zur Verfügung stehen. Dazu hin werde ein Pächter gesucht für ein Jugend- und Kulturcafé im Erdgeschoss. Der Betrieb eines Kindergartens sowie der Einbau von 35 Studentenwohnungen sind Bestandteil der Konzeption. Kontakt haben Mehmet Yorulmaz und sein Finanzberater Mustafa Gögüs bereits mit dem Integrationsbeirat der Stadt Geislingen aufgenommen. „In Geislingen ist Bedarf für solch eine soziale Einrichtung, die unterschiedliche Kulturen miteinander verbindet“, erklärt Mustafa Gögus.


Natürlich beachte er die Wirtschaftlichkeit, so der Geschäftsmann Yorulmaz, aber für ihn sei es genauso wichtig, sich sozial zu engagieren. Auf seinen Kontakt zu der Bewegung Fethullah Gülen angesprochen, stellt Yorulmaz fest, dass er diese Bewegung gut für das Land und die Welt hält. Sie fördere den interkulturellen Dialog und sehe Bildung als Voraussetzung für Integration an.
Dekanin Gerlinde Hühn hat sich intensiv über die Fethullah-Gülen-Bewegung informiert und von kompetenten Fachleuten überwiegend positive Rückmeldungen erhalten.

 

Im September 2010 sollen die notwendigen Bauarbeiten abgeschlossen sein. Dies bedeutet bezugsfertige Studentenwohnungen zum Wintersemester 2010. Die Säle sind nach jetziger Planung bereits vorher wieder nutzbar. Angedacht ist, dass im Januar 2010 der Neujahrsempfang der evangelischen Kirche, der im Wechsel mit der katholischen Kirche und der Stadt Geislingen durchgeführt wird, dort stattfinden kann. „Wir sind dankbar“, erklärt Dekanin Hühn, „dass uns der Abriss dieses architektonisch wertvollen Gebäudes erspart geblieben ist und das Haus konzeptionell auf einen guten Weg geführt wird.“

 

 

Dekanin Gerlinde Hühn und Mehmet Yorulmaz

Die Fethullah Gülen Bewegung

Da der neue Besitzer des ehemaligen Martin-Luther-Hauses, Mehmet Yorulmaz, eine Nähe zur Bewegung Fethullah Gülen hat, informierte sich Dekanin Hühn über diese Bewegung.

 

Unter anderen schrieb ihr der Islam-Beauftragte der Bayerischen Evangelischen Landeskirche, Rainer Oechslen:

 

"Fethullah Gülen ist zwar in gewissen Kreisen umstritten - aber eben nur in gewissen Kreisen.

 

Rainer Hermann ist gewiss kein "Linker"; immerhin gehört dieser Islamwissenschaftler und Volkswirt seit Jahren zur Redaktion der FAZ und berichtete seit 1991 aus Istanbul, bis er im vorigen Jahr nach Abu Dhabi berufen wurde. Seine Frau gehörte übrigens zum Kirchenvorstand der deutschen evangelischen Gemeinde in Istanbul.

 

In Hermanns 2008 erschienenem Buch "Wohin geht die türkische Gesellschaft?" ist Gülen ein eigens Kapitel gewidmet: Seiten 169 bis 175.

 

Daraus zitiere ich:

"Beim sehr populären Prediger Fethullah Gülen stehen drei Ziele im Vordergrund. Er strebt, erstens, einen modernen Islam an, eine Synthese zwischen der türkischen Kultur und der westlichen Zivilisation. Mit einem solchen Islam will Gülen die Türkei in Europa verankern. Zweitens will Gülen den türkischen Islam stärken. Der arabische Islam brachte die Sunniten hervor, der persische die Schiiten. Leer gingen die Türken aus. Ihr Islam soll mit der Moderne Europas kompatibel sein. Drittens setzt sich Gülen für den Dialog ein: unter den muslimischen Türken, aber auch mit den nichtmuslimischen Religionen. Gülen war der erste türkische Religionsführer, der den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I... an seinem Sitz im Istanbuler Stadttteil Phanar besucht hat. In Rom empfing ihn Papst Johannes Paul II., mit dem geistlichen Führer der sephardischen JUden, dem Oberrabbiner Eliyahu Bakshi Doron, traf er in Istanbul zusammen"."

 

 

Martin-Luther-Haus

Aus dem Protokoll des Gesamtkirchengemeinderats vom 07.12.2005:

 

Diskussion und Beschluss zu den Szenarien des Immobilienkonzepts
Dekanin Hühn dankt zunächst den Arbeitkreismitgliedern für den ehrenamtlichen Einsatz in 12 dreistündigen Sitzungen . Sie geht nochmals auf die Entwicklung seit dem ersten Beschluss zum MLH vom 8. Oktober 2004 ein. Der sich daran anschließende Protest habe auf die weitere Bearbeitung des Themas einen sehr positiven Einfluss gehabt. Es wurden nun alle 14 Gebäude der Gesamtkirchengemeinde in die Analysen einbezogen und eine abgestimmte Zahlenbasis erarbeitet. Alle weiteren Planungen gehen von heutigen Prämissen und Grundlagen aus. Sollten sich daran im Zeitverlauf Änderungen ergeben müssen selbstverständlich auch die Planungen geändert werden.


Vom Kirchbautag 2005 Zitat aus dem "Maulbronner Mandat": "Notwendige Veränderungen und Reduzierungen des kirchlichen Gebäudebestandes dürften nicht zu Lasten der Kirchenräume gehen". Wir dürfen nicht in die Immobilienfalle tappen (Zitat aus der bayrischen Landeskirche). Mit der Lösung des Immobilienproblems wird die Gesamtgemeinde wieder Luft für die eigentliche kirchliche Arbeit und für neue Projekte haben ( zum Beispiel Vesperkirche). Allen Anwesenden einschließlich der Gäste wird dann die Übersicht zu den Szenarien (gelb) und das Szenario 7 (blau) verteilt.

 

Bei der Diskussion des Szenario 1 wird nochmals durch mehrere Voten deutlich, dass die Sanierung des MLH als große Belastung gesehen wird, die zusätzlich nach Berechnungen der Kirchenpflege 30.000 bis 40.000€ jährliche Belastungen bringen würde anstelle von Einsparungen. Auch wird das Problem gesehen, jährlich Summen in der Größenordnung von 100.000€ durch Gemeindeengagement aufzubringen.
Ein KGR fragt, ob bei einem Haushaltsvolumen von 2,6 Mio.€ 100.000€ (ca. 4%) nicht durch Einsparungen erbracht werden können. Tatsächlich sind die 100.000€ aber in Bezug auf die verfügbare Kirchensteuerzuweisung von 630.000€ ein immenser Betrag. 

 

 

Für Szenario 2, insbesondere den Erhalt des MLH und Verkauf von Paulus- und Markuszentrum werden nachfolgende Argumente angeführt: 

  • die langfristige Entwicklung zu zwei Großgemeinden, für die dann nur noch 2 Zentren erforderlich wären
  • das Ausbluten der oberen Stadt
  • die größte mögliche Kosteneinsparung
  • die zentrale Lage des MLH

Es wird bezweifelt, ob die zentrale Lage angesichts der dezentralen Struktur von Geislingen wirklich ein wichtiges Argument ist. Expansionsmöglichkeiten für neue Wohnungen in Geislingen lägen noch in den Randgebieten Weingärten und hintere Siedlung. Mit Markus und Paulus müssten zwei Kirchenräume aufgegeben werden, die zwei Gemeinden heimatlos machen. Die Aufgabe von Markus würde zusätzlich den Rückzug aus einem sozialen Brennpunkt bedeuten. Das Ausbluten der oberen Stadt sei nicht zu befürchten. Die Stadtkirche sei das Zentrum bei Veranstaltungen und ein Anmieten leer stehender Räume z. B. in der Langen Gasse wäre möglich für besondere Gemeindeprojekte. 


Für Szenario 7 wird in mehreren Voten die Umsetzbarkeit und die evtl. Möglichkeit zur Weiterbenützung des Großen Saales angeführt. Dabei wird auch gesehen, dass ein Teil der Problematik in die Zukunft verschoben wird. Es wird aber nicht auf die lange Bank geschoben, sondern auf gewissenhafte Weise in die Zukunft verschoben, d. h. dann entschieden, wenn die Rahmenbedingungen absehbar sind.


Der Beschluss vom 24. Januar 2004 ist weiterhin gültig, dass nicht an Religionsgemeinschaften außerhalb der ACK und nicht an moralisch fragwürdige Einrichtungen verkauft werden soll (siehe Protokoll 24.01.2004).

In der anschließenden Abstimmung ergeben sich folgende Ergebnisse:

  • Vorgehen nach Szenario 2: zwei Ja, eine Enthaltung, 19 Nein
  • Vorgehen nach Szenario 7: 20 Ja , zwei Nein

 

Downloads

Rede Dekanin Hühn vor Gesamtkirchengemeinderat 07. Dez. 2005 
Andacht Pfarrer Wiborg, Gesamtkirchengemeinderat 07. Dez. 2005 
Szenario 7