Erntedank


Im Herbst genieße ich die Natur. Die Bäume und Sträucher beginnen sich rot und gelb zu färben. Das Herbstlicht taucht alles in ein goldenes Leuchten. Der Duft von reifen Äpfeln und von fallendem Laub liegt in der Luft. Es ist Erntezeit. Morgen feiern die christlichen Kirchen das Erntedankfest. Sie danken Gott für die Vielfalt der Schöpfung, aus der wir leben.

 

Wir sollen die Schöpfung genießen – und sie schützen. Beides gehört zusammen. „Laudato si, o mi signore“, so heißt ein bekanntes Loblied auf Gott und die Schöpfung. Das bedeutet: „Gelobt seist du, Gott!“ Es ist der vertonte Sonnengesang des Franz von Assisi. Er hatte ein besonderes Verhältnis zur Schöpfung. Für ihn waren alle Geschöpfe Geschwister. Franz von Assisi spricht vom Bruder Sonne, von Schwester Mond, von Schwester Wasser und Bruder Wolf. Das drückt seine tiefe Verbundenheit als Mensch mit der ganzen Schöpfung aus. Wer sich so über die Natur äußert und über sie staunt, der verzichtet darauf, sie in einen Gebrauchsgegenstand zu verwandeln.

 

Im Herbst fällt es mir leicht, die Welt mit Lob und Dank zu betrachten. Und ich möchte manchmal jubeln: Gelobt seist du, Gott, für den goldenen Herbst und für Äpfel und Birnen, für Zwiebeln und Wein. Aus dem Lob ergibt sich das Bedürfnis, die Schöpfung Gottes zu schützen. Ich will diese wunderbare Schöpfung bewahren. Und wenn es nur kleine Beiträge sind, die ich leiste: Indem ich versuche, auch im kühler werdenden Oktober möglichst zu Fuß und auf dem Fahrrad unterwegs zu sein. Oder indem ich regional und ökologisch geerntete Lebensmittel kaufe. Zum Beispiel: Den Apfelsaft von unseren Streuobstwiesen.

 


Pfarrer Frank Esche