Prädikantinnen und Prädikanten predigen

Pfarrerin Ingeborg Brüning

Von Pfarrerin i.R. Ingeborg Brüning, ehemals Steinenkirch

 

 

Gerne machen sie es beide: Gottesdienst halten. Ich denke an Bärbel Moosbrucker und Melitta Ströhle. Sie stehen stellvertretend für all die Männer und Frauen aus unserem Kirchenbezirk, die solches als PrädikantInnen regelmäßig tun. Nur – wir brauchen noch mehr solche Leute, die „auf der Matte stehen“, wenn es darauf ankommt. Als ich einige Wochen durch Krankheit ausfiel, war es unter anderen Bärbel Moosbrucker, die in Steinenkirch die Gottesdienste hielt.

 

 

Übrigens hat sich der Prädikantendienst auf diese Weise schon vor langer Zeit etabliert. Pfarrer fielen aus (im zweiten Weltkrieg), oder es gab nicht genug von ihnen (zur Zeit des Pfarrermangels), da kamen Pfarrfrauen und engagierte Gemeindeglieder auf die Idee, es selber zu versuchen. Die Landeskirche sorgte für die nötige Ausbildung, und so entstand das Amt des Prädikanten (damals noch Lektoren genannt). Schnell wurde deutlich, dass sie nicht nur für den Notfall da waren. Vielmehr entstand ein regelmäßiger Dienst. PrädikantInnen und PfarrerInnen sind heute selbstverständlich für das wöchentliche Gottesdienstangebot verantwortlich.

 

Wie wird man Prädikantin?

 

Bärbel Moosbrucker hielt vor 13 Jahren im Gottesdienst gelegentlich die Schriftlesung, als sie gefragt wurde, ob sie nicht mehr machen wolle. Sie konnte sich das vorstellen und durchlief die nötigen Kurse. Heute genießt sie es sehr, dass sich für sie so viel biblisches Wissen auftut. Nicht zum ersten Mal hat sie mir gesagt, wie viel sie selber von der Vorbereitung profitiert. Wenn sie den ZuhörerInnen etwas aus der Bibel erzählt, will sie sich alles erst einmal selber vorstellen können. Und dann sucht sie nach einer kurzen Ausdrucksweise. Sie will mit einfachen Worten weitergeben, was ihr selber wichtig ist. Man soll merken, dass sie hinter ihren Sätzen steht. Wenn jemand nachfragt, will sie antworten können. Manchmal kämpft sie regelrecht mit den Bibeltexten, mit denen sie sich anhand der Arbeitsvorlagen auseinandersetzt. Erst, wenn ihre eigenen Fragen beantwortet sind, ist sie zufrieden. „Es ist ein schöner Auftrag, das dann anderen nahe zu bringen in Form der Predigt“, sagt sie.
Ich fragte sie nach motivierenden Sätzen für Leute, die sich für das Prädikantenamt interessieren. Da sprach sie von einem Vorher und Nachher in der Vorbereitungsarbeit. Vorher stehe man gespannt und fragend vor der Aufgabe. Manchmal müsse man sich hindurchkämpfen. Aber wenn man dann durch sei, sei es ungemein befriedigend und schön, das Erkannte weiter zu geben.

 

Zielgerichtet theologisch arbeiten

 

Melitta Ströhle ist seit 12 Jahren dabei. Seit ihrer Konfirmation ist sie mit der biblischen Botschaft beschäftigt. Als junges Mädchen hielt sie Kinderkirche. Das Schlussgebet musste immer der Pfarrer sprechen, bis der eines Tages sagte: „Das kannst du genau so gut wie ich!“ Zuerst gab das einen Schrecken, danach stieg das Selbstbewusstsein. „Nur, indem man etwas ausprobiert, kann man etwas gewinnen “ sagt Melitta Ströhle. Inzwischen hat sie viel ausprobiert. Wäre sie zu einer späteren Zeit geboren, wäre sie Pfarrerin geworden. Weil das damals nicht ging, suchte sie andere Wege, um zielgerichtet theologisch zu arbeiten. Die Ausrichtung auf ein Ziel ist ihr besonders wichtig. „Ich kann die biblische Botschaft nur richtig verstehen, wenn ich sie weitergebe“, sagt sie. Die Wege dazu fand sie in der Jugendarbeit und in der Frauenarbeit und natürlich als Prädikantin. Letzteres kam aber erst mit ihrem Ruhestand. Man könne doch nicht einfach zu Hause sitzen, meint sie. Irgendetwas müsse der Mensch im Ruhestand doch tun. Der Gottesdienst sei ihr in ihrer ganzen persönlichen Lebensgeschichte immer wichtig gewesen. Als sie dann gefragt wurde, ob sie Prädikantin werden wolle, habe sie gleich ein halbes Jahr nach Beginn ihres Ruhestands die Ausbildung gestartet. Dass sie angefragt wurde und alles so gut gepasst habe, erlebe sie als Führung Gottes.

Nun musste sie aus gesundheitlichen Gründen diesen Dienst beenden. Wir wünschen ihr weiterhin ein so interessantes Leben, wie sie es bisher hatte. Eines weiß sie jetzt schon: „Ich werde die Prädikantenarbeit stark vermissen.“
Auch sie fragte ich nach einem motivierenden Satz für potentielle PrädikantInnen.

„Man muss etwas probieren“, sagt sie. „Man muss auf etwas zugehen. Das hilft einem selber am meisten. Nur, indem man etwas ausprobiert, kann man etwas gewinnen. Das Größte habe ich für mich selber gewonnen!“

Ingeborg Brüning war Prädikantenpfarrerin im Kirchenbezirk Geislingen

Die Prädikantinnen Bärbel Moosbrucker (links) und Melitta Ströhle (rechts)