160 Frauen auf „Sabbatreise“

 

 

Von Claudia Burst, Geislinger Zeitung

 

Schuldekanin Annette Leube begab sich beim Bezirksfrauentag auf die Suche nach den jüdischen Wurzeln
 
Der alljährliche Bezirksfrauentag hat nichts von seiner Attraktivität verloren. Das zeigte am Sonntag sowohl der rege Besuch der Frauen aus dem Kirchenbezirk als auch das kurzweilige Programm.
 
 
Deggingen. Am Sonntagnachmittag fand im Degginger Canisiusheim der alljährliche Bezirksfrauentag statt. Es war – wie Margret Clement in ihrer Begrüßung feststellte – bereits die 53. Auflage dieser vom „Bezirksarbeitskreis Frauen“, kurz „baf“, organisierten Veranstaltung.
Dass das gemütliche und interessante Treffen der Frauen aus dem gesamten Kirchenbezirk nach wie vor nichts von seiner Attraktivität verloren hat, zeigte einerseits der Andrang von 160 Besucherinnen, für die kurzfristig noch weitere Tische aufgebaut werden mussten.
Andererseits sorgte auch die Auswahl der Gäste dafür, dass es an diesem Nachmittag keinem langweilig wurde. Denn musikalisch traf die „Gitarrengruppe Gosbach“ mit ihrer Liedauswahl und deren flotten Darbietung den Geschmack der meisten Frauen.

Und thematisch gelang dies der Göppinger Schuldekanin Annette Leube mit einer „Sabbatreise“, auf die sie ihre Zuhörerinnen mitnahm.
Vor deren spannendem Vortrag freute sich Dekanin Gerlinde Hühn in ihrem Grußwort über die große Resonanz zum Bezirksfrauentag, der „einer der wenigen noch existierenden bezirksweiten Veranstaltungen sei“. Sie drückte ihre Freude auch darüber aus, dass immer mehr jüngere Frauen Interesse an den ausgesuchten Themen zeigten.

Pfarrerin Martina Rupp begrüßte die Frauen in ihrer Rolle als evangelische Pfarrerin von Deggingen und Bad Ditzenbach sowie als aktives Mitglied der „baf“-Organisatorinnen. Sie hob die gute Zusammenarbeit auf ökumenischer Ebene „hier im Degginger Bereich“ hervor.

Pfarrerin Martina Rupp begrüßt die Frauen (linkes Bild) und Dekanin Gerlinde Hühn spricht ein Grußwort (rechts)

Schuldekanin Annette Leube

Erst nach einer Kaffeepause begab sich Annette Leube auf die Suche nach den jüdischen Wurzeln der Christenheit. Ihr Wissen um die jüdische Mentalität und Tradition erwarb sich die langjährige Donzdorfer Pfarrerin während ihrer Studienzeit, in der sie in Jerusalem ein Jahr lang Judaistik studierte sowie während vieler Besuche in Israel im Lauf der darauf folgenden Jahre.
Deshalb konnte sie ihren Zuhörerinnen die Bedeutung des Sabbats anschaulich näher bringen. Dabei verdeutlichte die 53-Jährige die Tatsache, dass es „den Juden“ nicht gebe und dass das Judentum genauso vielgestaltig daherkomme wie das Christentum. „Der Sabbat“, so Leube, „ist das Herz des religiösen Judentums“. Dieser Tag sei so wichtig, dass er – im Gegensatz zu den Arbeitstagen – in den zehn Geboten ausdrücklich erwähnt sei. Wie die Bibel zeige, gehe es dabei um das Ausruhen, also die Unterbrechung des Alltags, genauso wie um eine bestimmte Art von Freiheit, die der Mensch durch das Geschenk dieses Tages erhalte.

Schuldekanin Annette Leube mit Schofar

Mit einem Schofar, einem jüdisch-traditionellen Widderhorn, demonstrierte die Süßenerin ihrem aufmerksamen Auditorium, wie der jüdische Ruhetag rituell „eingeläutet“ wird.  Auch sonst hatte sie mehrere Requisiten dabei, um das religiöse Zeremoniell lebendig werden zu lassen.
Am Ende hatten die Frauen bei dem interessanten Nachmittag sowohl von der „zweiten Seele“ als auch von „anderen Wohltaten des Sabbats“ erfahren und waren somit in der Lage, ihre eigene „Sonntagspraxis“ vor diesem Hintergrund zu reflektieren.