Bezirksfrauentag am Sonntag, 05. Februar 2017 in Geislingen

© Evangelische Landeskirche Württemberg

Pfarrerin Sabine Kluger

Unauffällige Seelsorge

Claudia Burst, Geislinger Zeitung



Beim Bezirksfrauentag kehrte Ex-Paulus-Pfarrerin Sabine Kluger an den Ort ihrer Geislinger Tätigkeit zurück und erzählte von ihren drei Jahren in Japan.

Vor vier Jahren verabschiedete sich Pfarrerin Sabine Kluger aus Geislingen, um „in die Mission“ nach Japan zu gehen. Was genau sie dort zwischen März 2013 und Ende Februar 2016 erlebt, was sie gemacht, wie sie geholfen hat, davon erzählte sie am 5. Februar 2017 als Referentin beim Bezirksfrauentag im Pauluszentrum.

Über 100 Frauen waren dafür aus dem gesamten Kirchenbezirk in den von den BAF-Frauen liebevoll hergerichteten Paulussaal gekommen, in dem sie von Pfarrerin Claudia Dreier und der BAF-Sprecherin Karin Fellner begrüßt wurden. Die Einstimmung in den Nachmittag übernahmen Bezirkskantor Thomas Rapp am Flügel und Musikschullehrer Holger Frey mit seiner Geige.

 

Nach gemütlichem Plaudern mit den mitgereisten Bekannten und gemeinsamem Kaffee und Kuchen ließen sich die Frauen schnell faszinieren von der exotischen Welt, von der Sabine Kluger berichtete. Die Pfarrerin, die inzwischen in Backnang tätig ist, verstand es gut, ihren Zuhörerinnen die fremde Mentalität der Japaner näher zu bringen, die ihr im Lauf ihrer drei Jahre ans Herz gewachsen ist. Sie rief ihnen die Dreifach-Katastrophe aus dem Jahr 2011 mit dem Erdbeben, dem Tsunami und der daraus resultierenden Kernschmelze im Kernkraftwerk von Fukushima ins Gedächtnis und dass die evangelische Landeskirche in Württemberg für Hilfsmaßnahmen 1 Million Euro zur Verfügung gestellt hatte. Um dieses Geld nachhaltig und an den richtigen Stellen einzusetzen, wurde die EMS, die Evangelische Mission in Solidarität, beauftragt, die in Japan bereits seit Langem vertreten ist. In deren Auftrag flog Pfarrerin Sabine Kluger ins Land der aufgehenden Sonne.


Die Japaner gehen anders mit Katastrophen um als Deutsche, hat sie erfahren. Sie wehrten sich nicht gegen das Schicksal, begehrten nicht auf. „Warum gerade wir? Diese Frage stellen sich Japaner nicht“, erklärte Kluger. „Der Einzelne zählt in Japan nicht. Individuell bedeutet dort egoistisch bedeutet ‚gegen die Gruppe‘ – und das ist das Allerschlimmste.“


Seelsorge im deutschen Sinn sei daher bei den Japanern nicht möglich. Die Kernschmelze mit ihrer Strahlung jedoch sei auch für die obrigkeitshörigen Japaner eine Katastrophe. Die Regierung behaupte, die nach wie vor dauerhaft leicht erhöhte Strahlung sei nicht gefährlich. Aus diesem Grund stünden auch die Notunterkünfte in diesen verstrahlten Gegenden. „Aber viele Menschen, vor allem Frauen, machen sich Sorgen um ihre Kinder.“ In diesen Gegenden bietet das YWCA (Christlicher Verein Junger Frauen) zum einen Unterhaltungsprogramme für die Frauen aus den Notunterkünften an, zum anderen Messstationen, in denen sie Strahlung von Lebensmitteln testen lassen können. „Während sie auf die Messergebnisse warten, kommen sie ins Reden. Jetzt ist Seelsorge möglich“, verdeutlichte Kluger, die sich hier in beiden Bereichen hatte einbringen können.


Ein weiteres Feld, auf dem sie tätig wurde, waren die vielen Filipinas, die als Heiratsmigrantinnen nach Japan kommen und dort nichts zählen. Ein Tätigkeitsbereich, mit dem sie vorher gar nicht gerechnet hatte.


Mit zahlreichen Fotos bebilderte Sabine Kluger ihre Schilderungen und schaffte es, ihre Zuhörerinnen über die vorgesehene Zeit hinaus in den Bann Japans zu ziehen.
Dass das Opfer am Ende des Nachmittags an die YWCA in Japan und ihre wertvolle Tätigkeit der „unauffälligen Seelsorge“ ging, wurde von den Anwesenden mit Beifall und hoher Spendenbereitschaft quittiert.



© Claudia Burst, Geislinger Zeitung

© Claudia Burst, Geislinger Zeitung

© Claudia Burst, Geislinger Zeitung