Bezirkssynode zur Landwirtschaft

Besichtigung des Hofes Pressmar in Oberböhringen

Die Vorsitzenden der Bezirkssynode, Hans-Peter Bühler und Dekanin Gerlinde Hühn, luden zur Sitzung am Freitag, 26. März 2010, ein:

 

Unser Kirchenbezirk ist ein ländlich geprägter Bezirk. Die Landwirtschaft in Deutschland ist augenblicklich schwierigsten Strukturveränderungen ausgesetzt. Stichwort: Globalisierung, zunehmende Unrentabilität der Kleinbetriebe, Probleme der Milchbauern und vieles mehr.
Deshalb hat der Kirchenbezirksausschuss beschlossen, im Benehmen mit dem Bezirksarbeitskreis des Bauernwerkes eine Landwirtschafts-Synode durchzuführen.

 

Gerne erinnern wir uns noch an die Landwirtschaftssynode im Jahre 2001, die damals auf dem Reußensteinhof bei Wiesensteig stattfand.

 

Die Landwirtschafts-Synode des Geislinger Kirchenbezirks fand statt am

 

Freitag, 26. März 2010
in Hausen (Fils), Bonhoeffer-Gemeindehaus

 

Leitung: Hans-Peter Bühler, 1. Vorsitzender
Protokoll: Pfarrer Dr. Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer


Tagesordnung

Ab 16.30 Uhr    mögliche Betriebsbesichtigungen

 

 16.30-17.00 Uhr   Milchviehbetrieb, Hans-Jörg Pressmar
Treffpunkt Oberböhringen, Michael-Knollstr. 8

 

Oder ab 17.00 Uhr  Treffpunkt Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehaus für die Betriebe

 

 17.15 und 17.45 Uhr   Besichtigung der Schäferei Herb in Hausen,
Am Viehweg 3

 17.15. und 17.45 Uhr  Besichtigung des Mühlenladens in Hausen

 

18.30 Uhr  Imbiss im Bonhoeffer-Gemeindehaus in Hausen

 

19.00 Uhr  Sitzungsbeginn der Synode

Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herrn Bühler
Andacht: Pfarrer Georg Braunmüller, Unterböhringen

 

Grußworte:

Prälatin Gabriele Wulz

Hans Schuster, Landwirtschaftsamt Landkreis Göppingen

 

Synodales: Kurzbericht von Dekanin Hühn

 

Vorstellung des regionalen Arbeitskreises des Ev. Bauernwerkes
und von Prälaturreferentin Frau Renate Wittlinger

 

19.30 Uhr  „Landwirtschaft als Lebenswirtschaft –
Beiträge aus kirchlicher Sicht“
Vortrag von Dr. Clemens Dirscherl,
Agrarbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland

Diskussion

 

20.45 Uhr  Vorstellung regionaler Vermarktungen
von Kartoffeln, Honig, Äpfeln, Milch, u.a.

 

21.00 Uhr  Sonstiges

21.15 Uhr  Ende der Bezirkssynode

 

 

Protokoll der Bezirkssynode 26. März 2010 (27 kb)

Vor Beginn der Sitzung der Bezirkssynode waren Hofbesichtigungen angeboten: Hier Milchviehbetrieb Pressmar, Oberböhringen

Vor Betreten des Stalles: "Überschuhe" werden angezogen

Lämmer im Stall und bei der Bezirkssynode

Die Vorsitzenden der Bezirkssynode, Hans-Peter Bühler und Dekanin Gerlinde Hühn

Hans-Peter Bühler eröffnet die Bezirkssynode. Dekanin Hühn gibt einen Kurzbericht

Prälatin Wulz und Hans Schuster, Leiter des Landwirtschaftsamtes Göppingen, sprechen Grußworte

Regionale Produkte wurden vorgestellt: Honig, Äpfel, Produkte vom Schaf

Die Referenten des Abends:

Der Arbeitskreis Landwirtschaft im Kirchenbezirk Geislingen mit Prälatin Wulz, Dekanin Hühn, Bezirkssynodenvorsitzender Bühler, Bezirksbauernpfarrer Braunmüller, Geschäftsführer des Bauernwerkes Dr. Clemens Dirscherl und Prälaturreferentin des Bauernwerkes, Renate Wittlinger

Bezirksbauernpfarrer Georg Braunmüller bei der Bezirkssynode mit angemessener Krawatte.

Dr. Clemens Dirscherl

Den Hauptvortrag des Abends hielt Dr. Clemens Dirscherl, Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerkes in der Württembergischen Evangelischen Landeskirche und Agrarbeauftragter der EKD. Er sprach über: Landwirtschaft als Lebenswirtschaft - Beiträge aus kirchlicher Sicht".

Landwirtschaft als Lebenswirtschaft

Pfarrer Georg Braunmüller

Von Georg Braunmüller, Bezirksbauernpfarrer

 

Der evangelische Kirchenbezirk Geislingen und der Bezirksarbeitskreis Geislingen des Evangelischen Bauernwerks befassten sich in der Bezirkssynode mit der Situation der Landwirtschaft. Die Anwesenheit von Prälatin Gabriele Wulz und dem Leiter des Landwirtschaftsamtes Göppingen, Hans Schuster, verdeutlichten die Wichtigkeit dieses Schwerpunktthemas.

 

 

Mit Betriebsbesichtigungen begann die Synode ihre Tagung. Besichtigt wurde der Milchviehhof Hans-Jörg Pressmar in Oberböhringen, die Schäferei Herb in Hausen und der Mühlenladen, ebenfalls in Hausen.

 

In seiner Andacht zu Beginn der Synodalsitzung ging Bezirksbauernpfarrer Georg Braunmüller auf das Gleichnis von den Anvertrauten Pfunden (Matthäus 25) ein. Renate Wittlinger stellte sich als Prälaturreferentin des evangelischen Bauernwerks in Württemberg vor.

 

Dr. Clemens Dirscherl, EKD Beauftragter für  agrarsoziale Fragen zu Landwirtschaft, Ernährung und ländlicher Raum und Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg widmete sich in seinem Vortrag zu „Landwirtschaft als Lebenswirtschaft - Beiträge aus kirchlicher Sicht“.

 

Lebensunterhalt ist Lebensinhalt

 

Dr. Dirscherl machte deutlich, dass nur noch 1, 8% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft arbeiten und diese nur 2 % des Bruttosozialproduktes erwirtschaften. Die Agrar- und Industriegesellschaft sei ein „Zusammenprall von Kulturen“. „Landwirtschaft ist Lebenswirtschaft“, so Dr. Dirscherl, „auch weil sie Landschaft pflegt und hegt“. Theologisch drückte er es mit den Worten von Albert Schweizer aus: „Ich bin Leben mitten von Leben, das Leben will.“ Er erinnerte auch an die biblischen Zusage: So lange die Erde steht, sollen nicht Aufhören Saat und Ernte…“ (1. Mose 9, 22).

Für die Landwirtschaft sei die Natur nicht verklärt, das wurde am Beispiel des Schlachtens von Tieren deutlich gemacht. Viele Menschen erführen aber eine „Entfremdung“ der Tiere und der Natur, weil sie keinen oder kaum Bezug zu ihr hätten. Dadurch würde die Arbeit der Landwirte oft nicht gewürdigt. Die Landwirte sehen sich in der Verantwortung für die Schöpfung und abhängig vom Schöpfer. Ihr Lebensunterhalt sei auch ihr Lebensinhalt.

Die Landwirtschaft und die Menschheit stünden vor der Aufgabe, wie die immer größer werdende Weltbevölkerung ernährt werden könne. Sicher sei die Prognose, dass die Zahl der Menschen von derzeit 6,9 Milliarden auf ca. 9 Milliarden ansteigen werde.

Die Ernährung müsse verändert werden, denn die Erde sei zu klein, um alle Menschen so zu ernähren, wie wir im wirtschaftlich gut situierten Europa es tun mit soviel Eiweiß und Fleisch. Immer mehr Anbaufläche werde auch genützt für Biogasanlagen und für den Anbau von Biosprit. Dr. Dirscherl nannte die drei Hauptprobleme für die Nahrungsproduktion: die Begrenztheit der Anbauflächen, die Konkurrenz durch Energieerzeugung und die Verwendung von immer mehr Subsitute vom Acker durch die Chemische Industrie. Der Kauf von Land durch Nationalstaaten und weltmarktführende Firmen sei heutzutage bereits voll im Gange. Das Ackerland sei zum begrenzten Gut und Spekulationsobjekt geworden.

 

Was tun?

 

Der Referent sprach sich für ein Umdenken in der Agrarethik aus, sowohl bei den Landwirten, als auch in der Gesellschaft. Die Lebensmittel müssten wieder mehr geschätzt werden und auch mehr wert sein. So könne sich jeder selbst fragen: Wo kaufe ich ein? Was und wieviel kaufe ich ein? Was sind mir Lebensmittel wert? Die Verbraucher sollten ihre Möglichkeit nutzen. Hier sei sehr wohl eine Macht vorhanden. Die großen Lebensmittelketten reagierten auf das Kaufverhalten der Kunden. Nicht umsonst würden Bioprodukte heutzutage in Supermärkten angeboten und nicht nur wie früher in besonderen Läden.

 

Regionale Produkte

 

Anschließend wurden regionale Produkte vorgestellt: Tobias Hösch stellte den Obstanbau- und verkauf in Schlat vor. Imker Hans Zehrer erläuterte die Bedeutung der Bienen und des Honigs und Petra Herb gab Auskunft über die Selbstvermarktung ihrer Schäferei in Hausen.