Bezirkssynode tagte am 25. März 2011

Die Vorsitzenden der Bezirkssynode Geislingen, Hans-Peter Bühler und Dekanin Gerlinde Hühn

Bezirkssynode des Kirchenbezirks Geislingen 

am Freitag, 25. März 2011, um 17.30 Uhr
im Jugendheim in Geislingen, Friedensstraße 44

 

Leitung:   Hans-Peter Bühler
Protokoll:  Pfarrer Dr. Drescher-Pfeiffer
Andacht:   Krankenhauspfarrer Hoof


TAGESORDNUNG

1. Begrüßung
2. Grußworte

3. Prädikantenarbeit:
Verabschiedung von Prädikantin Melitta Ströhle, Geislingen

4. Bericht aus der Arbeit der Krankenhausseelsorge
4.1. Pfarrer Klaus Hoof
4.2. Dr. Schröder, Leiter der Palliativstation
4.3. Bericht aus dem Besuchsdienst

 

Dazwischen Pause_____________________________________

 

4. Fortsetzung des TOP 4 Berichte zur Krankenhausseelsorge mit Aussprache

5.  Bericht aus der Landessynode
6. Pfarrplan-Ausschuss 2018: Einsetzung
vorgeschlagen werden:

Kirchenbezirk:
Dekanin Hühn, Schuldekan Geiger, Bühler, Gröh

Distrikt Untere Fils:
Pfarrer Ehmann, Süssen

Distrikt Obere Fils:
Pfarrer Braunmüller, Unterböhringen, Jürgen Grathwohl, Gruibingen

Distrikt Alb:

7. Innovationsfonds des Kirchenbezirks
a) Satzungsänderung
b) Nachwahl für den Distrikt Unteres Filstal: Vorschlag: Erich Distel, Donzdorf
c) Vorstellung von Projekten 2011 (Jugendreferent Dorn und Schwester Claudia)
d) Ergebnis Vergabe 2011

8. Beschließender Ausschuss (BA) für das EJW: Nachwahl

9. Satzung des Diakonievereins: Änderungswünsche des OKR
 (Satzungsentwurf des OKR wird per Email an die Pfarrämter zur Weiterleitung an die Bezirkssynodalen nachgesandt)

10. Sonstiges
- Terminankündigungen
- Einladungen

 

 

Protokoll der Bezirkssynode 25. März 2011

 

Pfarrer Klaus Hoof berichtet aus der Krankenhaus-Seelsorge

Pfarrer Klaus Hoof, Helfensteinklinik Geislingen

Krankenhausseelsorge – Kirchlicher Dienst am nichtkirchlichen Ort
Erfahrungen, Probleme und Perspektiven“

 

(Zusammenfassung des Vortrags von Klinikpfarrer Klaus Hoof am 25.3.2011 in der Bezirkssynode Geislingen)

 

 

„In der Fremd- wie in der Selbstwahrnehmung der Kirche ist Seelsorge eine ihrer Kernkompetenzen. Will die Kirche nah bei den Menschen sein, ihnen Heimat und Identität und in Krisen zuverlässige Lebensbegleitung bieten, dann braucht ihr Handeln seelsorgerliche Qualität und Kompetenz.“ Das behauptet 2009 die EKD-Konferenz der Seelsorge-Verantwortlichen in den Gliedkirchen. Ihr Thesenpapier hat den schönen Titel: „Seelsorge – Muttersprache der Kirche“. Doch diese Muttersprache wird selten von der Öffentlichkeit wahrgenommen.
Krankenhausseelsorge ist mehr als Krankenseelsorge
Die z.T. großen Veränderungen und Entwicklungen in Medizin und Krankenhäusern, aber auch die pastoralpsychologisch und systemisch reflektierten Erfahrungen aus der Praxis der Krankenhausseelsorge haben Tätigkeitsbild, Anforderungen und Selbstverständnis der Krankenhausseelsorge verändert. Krankenhausseelsorge ist mehr als Krankenseelsorge.
Die Dienstordnung unserer Landeskirche für die Krankenhausseelsorge aus dem Jahr 1985 stellt fest: „Die Krankenhausseelsorge ist der besondere Dienst der Kirche an Patienten und Mitarbeitern im Krankenhaus. Er geschieht unbeschadet der Zuständigkeit der Kirchengemeinden und Kirchenbezirke im Auftrag der Landeskirche.“

 

 

Krankenhausseelsorge – Kirchlicher Dienst am nichtkirchlichen Ort

 

Das Krankenhaus ist ein komplexes System mit eigenen Zielen und eigenen Gesetzmäßigkeiten. In seinem Inneren gibt es ausgeprägte Hierarchien im ärztlichen, pflegerischen und verwaltenden Bereich mit entsprechenden Rollendifferenzierungen. Die fachlichen Kompetenzen, Kommunikationsabläufe und Weisungsbefugnisse sind genau festgelegt. Das Krankenhaus ist ein geschlossenes System mit eigener Philosophie und Sprache.
Gleichzeitig ist ein Krankenhaus auch ein offenes und außenorientiertes System. Es bezieht sich auf seine Umwelt, handelt „kundenorientiert“ im Blick auf die Patienten und steht in Konkurrenz zu anderen Krankenhäusern. Die Konkurrenz zu anderen Häusern zwingt jede Klinik, ihre verschiedenen Fachbereiche immer wieder neu durch externe Überprüfungen zertifizieren zu lassen, den Qualitätsstandard ständig zu verbessern.

In einer Klinik sammelt sich wie in einem Brennglas alles, was menschliches Leben bedroht. Fast alles, was unsere Gesellschaft im Positiven wie im Negativen bestimmt kommt hier vor. Die psychische und persönliche Belastung vor allem für die Ärzte und das Pflegepersonal ist durch die zahlreichen akuten Krisen und  Ausnahmesituationen entsprechend hoch.
Seit über einem Jahrzehnt sind die Finanzzuweisungen der Krankenhäuser gedeckelt. Die jährlichen Steigerungen der Zuweisungen sind niedriger als die zu erwartenden Kostensteigerungen durch Lohnerhöhungen, Betriebskosten und notwendigen Ersatzinvestitionen. Der Sparzwang ist immens und erhöht den Arbeitsdruck auf die Mitarbeiter. Personal wird abgebaut, die Bettenzahl reduziert, trotzdem steigt die Zahl der Patienten, da die durchschnittliche Verweildauer erheblich verkürzt werden konnte.

 

 

Bedeutung und Herausforderung der Klinikseelsorge für das Selbstbild und Auftrag der Kirche

 

Beim Beobachten und Analysieren meiner Erfahrungen in der Krankenhausseelsorge sind mir sechs Punkte wichtig geworden, die einiges austragen für das Selbstverständnis unserer Kirche und für die
Haltung und die Art und Weise wie wir unsere Aufgaben tun.

1. Krankenhausseelsorge verkörpert eine hörende und präsente Kirche
„Seelsorge – Muttersprache der Kirche“. Was diese Sprache vor allem anderen auszeichnet ist paradoxerweise das Hören. Es geht um Empathie. Es gilt nicht nur mit den Ohren und dem Verstand zuzuhören, sondern mit dem ganzen Wesen präsent zu sein. „Empathie bedeutet ein respektvolles Verstehen der Erfahrungen anderer Menschen. ... Empathie tritt im Kontakt mit anderen Menschen nur dann auf, wenn wir alle vorgefassten Meinungen und Urteile über sie abgelegt haben“(M.B. Rosenberg). Die von der Empathie geforderte Präsenz in einem Gespräch aufzubringen, ist nicht einfach. „Die Befähigung, einem Leidenden die ganze Aufmerksamkeit zu schenken, kommt sehr selten vor und ist eine schwierige Angelegenheit; sie ist fast ein Wunder; sie ist ein Wunder. Fast alle, die denken, sie hätten diese Fähigkeit, haben sie nicht“(Simone Weil). Und Rosenberg beobachtet: „Statt einer empathischen Reaktion geben wir eher unserem Drang nach, Ratschläge zu geben oder zu beschwichtigen oder unsere Meinung darzulegen.“

Meine Erfahrung aus meiner Arbeit in den letzten Jahren im Krankenhaus ist: Durch diese Art des Hörens öffnet sich in Gesprächen ein heilsamer Raum, der Heilung fördert und in dem sich die Kraft des Evangeliums zeigt. Ich bin sicher, dass Jesus so mit Menschen umgegangen ist und dass daraus seine
heilende Kraft entsprang.

2. Krankenhausseelsorge verkörpert eine Kirche, die Menschen aufsucht, auch die, die nicht mehr im kirchlichen Umfeld zu Hause sind
In Krankenzimmern ereignen sich immer wieder– auch mit der Kirche fern stehenden Menschen - intensive Gespräche über den Sinn einer Krankheit oder den Wert von Erfahrungen, über die Bedeutung von tragenden Beziehungen oder den Schmerz über vertane Chancen im Leben, über bittere Gefühle des vom Leben bestraft worden und zu-kurz-gekommen-seins, oder über den Reichtum des Lebens und die Dankbarkeit für Erlebtes. In solchen Begegnungen erfahre ich als Theologe, wie wenig Antworten ich auf manche existentiellen Fragen zu geben vermag. Im besten Fall kann ich so etwas wie ein Geburtshelfer sein, durch den mein Gegenüber selbst einen Zugang zu seiner Antwort findet.

3. Krankenhausseelsorge verkörpert eine Kirche, die beim Leidenden ausharrt
Immer wieder geschieht es, dass es auf eine schlimme Krankheit keine Antwort gibt. Doch auch dann ist es noch möglich, da zu bleiben und das Leid des Kranken mit auszuhalten. Mehr ist oft nicht möglich und dann auch nicht nötig.

4. Glaubwürdigkeit der Kirche lebt von persönlichen Begegnungen
Aus der Arbeit der Krankenhausseelsorge kann die sich in einer Glaubwürdigkeitskrise befindliche Kirche neu lernen: Glaubwürdig sind persönliche Begegnungen mit Menschen, die zuhören, die keine besserwisserischen Ratschläge und Antworten geben, sondern ihre eigenen Lebensfragen und –krisen kennen, diese bearbeitet haben und bearbeiten und die dabei die Kraft des Evangeliums und des Glaubens erfahren haben. Aus dieser Beobachtung ergeben sich einige Konsequenzen für die innere Haltung und die äußere Attitüde mit der kirchliche MitarbeiterInnen ihren Dienst tun sollten.

5. Kirche ist dann wichtig, wenn sie sich existentiellen Fragen der Menschen stellt
Eine schwere Erkrankung wirft Menschen auf sich selbst zurück und auf die Grundfragen des Lebens. In dieser Situation erleben Menschen wie sich ihnen im Zuhören, in Gesprächen, im feiernden Vollzug von Gottesdienst und anderen religiösen Ritualen ein hilfreicher Raum für ihre Gefühle und Sehnsüchte öffnet. Diesen Dienst brauchen und erwarten die Menschen von der Kirche.

6. Krankenhausseelsorge erfährt: Kirche hat eine eigene Tradition, die trägt
Es ist beglückend zu erleben, wie die erfahrungsgesättigten Worte der Psalmen oder mancher Lieder eine Situation auffangen können und Worte dafür finden, wofür es noch keine eigenen Worte gibt. Unsere eigene christliche Tradition ist echt und trägt auch im Leid.

 

Keine kirchliche Selbstbehauptung, sondern Begegnen und Dienen
In der fast 2000jährigen Geschichte der Kirche war Kirche dann am glaubwürdigsten, wenn sie sich nicht mit sich selbst beschäftigt hat, sondern sich selbstvergessen denen zugewendet hat, zu denen Christus sich in erster Linie gesandt wusste: zu denen, die sich nicht mehr selbst helfen können; deren Existenz bedroht ist; die ausgegrenzt werden, die leiden.
Im Krankenhaus ist eine Kirche gefragt, die präsent und hörend beim anderen ist und ihm so hilft; sich selbst besser zu verstehen. Es geht nicht darum, theologische oder kirchliche Inhalte zu verbreiten oder zu verteidigen, sondern sich auf persönliche Begegnungen auf Augenhöhe einzulassen, da zu sein, sich Schicksalen und den aus ihnen erwachsenden Gefühlen, Bedürfnissen und Fragen auszusetzen.

Es geht um eine den Menschen dienende Kirche die – wie es im Weihnachtslied von Gott heißt – die sich als Mensch den Menschen darstellt. In solchen Begegnungen stoßen wir immer wieder auf Gott. Und wenn sich das ereignet, da kann es sein, dass andere uns das abspüren und neugierig werden auf einen Gott, der nicht hoch oben im Himmel, sondern tief unten bei ihnen zu finden ist.

 

Eine solche Kirche hat Perspektive. Seelsorge ist ihre Muttersprache.

 

Weitere Information:

Der ausführlichen Bericht von Pfarrer Hoof 

 

Besuchsdienst im Krankenhaus

Sabine Eberhard, Gingen, und Pfarrer Klaus Hoof

Sabine Eberhard vom Besuchsdienst an der Helfenstein-Klinik Geislingen berichtet der Bezirkssynode am 25. März 2011:

 

 

„…ich war krank und ihr habt mich besucht“  Bericht aus dem kirchlichen Besuchsdienst

 

Herzlichen Dank für die Gelegenheit  Ihnen heute unseren kirchlichen Besuchsdienst vorstellen zu dürfen .
Zunächst ein paar Worte zu meiner Person. Ich heisse Sabine Eberhardt und komme aus Gingen. Ich bin verheiratet und habe 2 erwachsene Kinder. In Gingen war ich 12 Jahre Kirchengemeinderätin und bin seit ca. 10 Jahren im Leitungskreis des Hauses der Begegnung. Der Besuchsdienst liegt mir besonders am Herzen. In Gingen mache ich schon viele Jahre Kranken – und Trauerbesuche und seit einiger Zeit auch Geburtstagsbesuche. Bereits vor rund 10 Jahren wurde in  Gingen schon ein Krankenhausbesuchsdienst gebildet und regelmäßig alle 2 Wochen Besuche im Krankenhaus gemacht. Als durch die Krankenhauspfarrer eine Krankenhausbesuchsdienstgruppe gegründet wurde waren wir Gingener natürlich mit dabei und ich habe damals die Gelegenheit genutzt mit einzusteigen. Vorbildung hatte ich auch durch einen Seelsorgekurs der bereits im Jahr 1996 durch Frau  Dekanin Hühn in  Geislingen initiiert und von Pfr. Teufel -Borch über ein ¾ Jahr geführt wurde.

 

Seit über 3 Jahren sind wir nun in der Besuchsdienstgruppe des Krankenhauses zusammen.

 

12 Frauen und 2 Männer  sind mit dabei.  Gingen ist dabei stark mit 5 Personen vertreten, die beiden männl. Teilnehmer kommen ebenfalls aus Gingen. Dies ist für uns natürlich sehr entlastend, da wir uns den Dienst gut aufteilen können. Die anderen Teilnehmerinnen sind da natürlich deutlich mehr gefordert. Wir sind eine sehr nette Gruppe die sich regelmäßig trifft und dabei von den angeboten Fortbildungen durch Herrn Hoof und Herrn Veil sehr profitiert. Schön ist, dass wir auch katholische Mitarbeiterinnen dabei haben und so ein gutes ökumenisches Miteinander pflegen können. Wir kommen aus Donzdorf, Süssen, Kuchen ,Gingen  Geislingen, Amstetten, Oberböhringen, dem Täle und der Stubersheimer Alb und können so die meisten Patienteneinzugsbereiche abdecken.( Ich hoffe, ich habe keine Gemeinde vergessen) Natürlich gibt es auch noch Gemeinden die keine Mitarbeiter für den Krankenhausbesuchsdienst haben. Vielleicht kann diese Veranstaltung heute ein Anstoß für manchen sein Gemeindeglieder aus der eigenen Gemeinde im Krankenhaus zu besuchen.  Für uns als Gruppe ist es sehr wichtig, dass wir vertrauensvoll  miteinander umgehen und  in unseren Treffen Probleme oder Schwierigkeiten vorbehaltslos ansprechen können und dadurch spüren, dass auch alle anderen oft unsicher oder zweifelnd sind. Auch das Gefühl des Scheiterns und unserer Grenzen können wir benennen. Durch Pfr. Hoof und Pfr. Veil bekommen wir immer wieder Stärkung und Aufrichtung wofür wir sehr dankbar sind. Wir lernen, dass auch sozusagen gelernte Seelsorger manchmal an ihre Grenzen kommen oder das Gefühl haben dass ein Gespräch nicht richtig gut gelaufen ist. Wir müssen damit leben, dass man manche Dinge einfach so stehenlassen muss wie sie sind.  Wichtig ist uns auch immer wieder die Fort- und Weiterbildung , auch durch die allseits geliebten oder besser ungeliebten Rollenspiele, die zu manchem Heiterkeitsausbruch führen und uns so auch menschlich zusammenwachsen lassen. Ein besonders nötiger Bestandteil unserer Treffen ist auch der biblische Impuls zum Beginn, denn aus dem Hören auf Gottes Wort nehmen wir Kraft und Zuversicht für unseren Dienst.

 

Ich war krank und ihr habt mich besucht.

 

Dieses Wort aus dem Matthäus Evangelium begleitet uns bei unseren Besuchen. Es ist ein Dienst der Nächstenliebe in dem ganz der Mensch im Mittelpunkt steht. Im Bewusstsein vieler Menschen gehören Diakonie und Kirche zusammen. Es ist selbstverständlich, dass sich Kirche diakonisch engagiert . Diakonie gehört zum Wesen und Leben jeder christlichen Gemeinde. Durch den Besuchsdienst kann ich Kirche so leben sie ich sie verstehe: Ganz nah am Menschen  - diakonisch handeln aus dem Gebot der Nächstenliebe heraus.  Der leidende Mitmensch steht für mich im Mittelpunkt. Mit meinem Besuch möchte ich zeigen: „ Ich bin bei dir, ich möchte zuhören, schweigen, helfen , Hände halten und ganz einfach die Not mit aushalten. Das Wichtigste ist, dass wir auf den Kranken eingehen. Wir müssen zuhören können und uns selbst zurücknehmen. Wir lernen sensibel zu werden für die Nöte der Kranken und wollen weder etwas überstülpen noch verharmlosen. Anteilnehmen am Leiden des Kranken bedeutet, dass man ihm durch Worte und Gesten zu verstehen gibt, dass man in dieser Zeit mit ihm innerlich verbunden ist. Wenn der Kranke das spürt, tut ihm das gut. Leiden macht innerlich einsam. Meine Schmerzen, meine Schwachheit, meine Angst vor der Zukunft kann mir ja niemand abnehmen. Wenn ich aber spüre, dass jemand daran echt und ehrlich anteilnimmt, dann merke ich, dass ich längst nicht so allein in meinem Leiden bin, wie ich gedacht habe.

 

Wer im Krankenhaus ist, erfährt in der Regel eine einschneidende Änderung der seitherigen Lebenssituation.

 

Schmerzen, Unsicherheit , Angst, das Herausgerissen sein aus der gewohnten Umgebung  vielleicht  bis hin zum Verlust seiner Selbständigkeit  belasten den Patienten. Deshalb ist es wichtig, dass der Patient von uns so wie er sich gerade fühlt wahrgenommen wird. Wir sind Hörer. Der Mensch muß zu Wort kommen können. Krankenhausseelsorge will durch „Zuhören“ den Raum für das “Sichaussprechen“ ermöglichen.

Wie läuft nun der Krankenbesuch ab : An der Pforte können wir aus der Patientenliste die Personen  unserer Gemeinde und Konfession erfahren, die gerade im Krankenhaus sind. Mein Weg führt dann zuerst in den Andachtsraum der Klinik um kurz Ruhe zu finden. Wir fragen dann in der Schwesternstation nach, ob bei dem Pateinten etwas besonders zu beachten ist. Wohl jeder von uns steht dann mit klopfendem Herzen vor der Zimmertür .Wenn wir den Patienten kennen ist das schon entlastend, sonst fragen wir uns natürlich was erwartet uns. Hat der Patient gerade eine schlechte Diagnose erhalten oder ist er schon auf dem Weg der Besserung. Ist er alt und fast nicht ansprechbar oder steht er einem kirchl. Besuch skeptisch gegenüber. Vorurteile, Ablehnung und Reserviertheit können uns genauso begegnen wir Freude , Dankbarkeit und Mitteilsamkeit. Jede Situation ist anders. Manchmal bewegt sich ein Gespräch nur um „belanglose Dinge“  und wir spüren, dass wir uns bald verabschieden können. Oft aber bricht es aus den Menschen heraus, was sie bewegt. Sei es nun, dass die ganze Krankengeschichte erzählt wird, oder die Sorge wie es zu Hause weitergeht das alles bestimmende Thema ist. Lebensbrüche können zum Ausbruch kommen und tiefe seelsorgerliche Fragen nach dem Sinn des Lebens und Leidens. Hier sind wir ganz beim Menschen mit all seiner Not und seinen Fragen. Oft bleibt nur das Aushalten des Anderen . Wir können seine Hand halten und auch schweigen. Vielleicht ist auf Nachfrage ein Gebet oder ein Psalm möglich  - vielleicht ist es besser zu schweigen. Entscheidend ist es mitmenschliche Begleitung anzubieten – also Gemeinschaft – Geprächspartnerschaft – unaufdringliches Dasein – Geborgenheit, Beziehung und Hilfe schenken.

 

Besuchsdienst ist dann auch Seelsorge, wenn wir im Namen Gottes etwas von Kraft, Trost, Ganzheit und Würde aufleuchten lassen.

 

 

Denn von Gott brauchen die Kranken Schutz, Halt,  Liebe und neue Orientierung.

Natürlich nehmen wir auch schwere Besuche mit nach Hause. Dass wir der Schweigepflicht unterliegen ist selbstverständlich. Vielleicht können wir in einem Spaziergang etwas von der Last loswerden oder aber in einem Gebet an Gott weitergeben.
Und trotzdem machen wir weiter, denn jeder Besuch ist auch ein Gewinn. Besuchsdienst ist ein Geben und Nehmen.  Es ist Gewinn und Herausforderung zugleich und zwar für den Besucher und den Besuchten gleichermaßen. Auch der Besuchte ist gefordert, wenn plötzlich ein vielleicht völlig unbekannter Mensch im Zimmer steht und sich unterhalten will. Sich darauf einzulassen ist für beide Seiten nicht immer einfach.  Uns wird sehr viel Dankbarkeit entgegen gebracht. Es ist mir in allen Jahren noch nie passiert, dass mich jemand abgewiesen hat. Bei vielen Besuchen spürt man wie viel Freude man bereitet, auch wenn man nur ein wenig aus der Gemeinde berichtet oder ein paar Dinge nachfragt. Es muß nicht immer das große seelsorgerl. Gespräch sein. Wichtig ist, dass wir völlig unvoreingenommen  und ohne Absicht kommen , da sind und zuhören. So kann der Besuch für beide Seiten zu einem Gewinn werden.  Mit großem Respekt vor dem den ich besuche und großer Dankbarkeit für die Kraft die mir immer wieder erwächst  mache ich meine Besuche. Ich bin dankbar für die Zeit die ich geben darf und für die Freude dir mir daraus erwächst. Und damit sie sehen, dass es nicht immer traurig im Krankenhaus zugeht eine kleine Episode. Bei einem Besuch wurde ich auch schon mit einem Ständchen begrüßt und mit den Worten“ Jetzt kommt das Fräulein wunderbar, wenn das kein Wunder war.“

 

Der Besuchsdienst bereichert mein Leben.

 

Ich erfahre wie auch in Grenzsituationen  Menschen noch Dankbarkeit und Freude ausstrahlen können. Ich fühle mich getragen durch meinen Glauben und spüre bei diesem Dienst dass ich etwas von der Liebe Christi weitergeben kann und selber  ruhiger, gelassener und demütiger werde. Respekt vor dem Leben in Würde  bis zuletzt, Liebe zu meinen Mitmenschen  und große Dankbarkeit für mein Leben begleiten mich beim Besuchsdienst. Für mich ist der Besuchsdienst die Möglichkeit Kirche authentisch zu leben. Es ist genau der Platz an dem ich mich wohlfühle, wo ich glaube gebraucht zu werden und gerne ehrenamtliches Engagement wahrnehme.
 Einer trage des anderen Last hat uns Jesus gesagt – ein wenig möchte ich beim Mittragen helfen.
Unser Dank gilt auch dem Klinikpersonal, das uns immer freundlich begegnet und auch schon bei mancher Fortbildung mit dem Klinikalltag besser vertraut gemacht hat.
Dank besonders Herrn Hoof und Herrn Veil für ihr engagiertes Arbeiten mit uns und den Kirchengemeinden und der Bezirkssynode die uns diese Fortbildungen ermöglichen.

 

Dank an den Besuchsdienst der Helfenstein-Klinik

Dr. Wolfgang Schröder berichtet

Dr. Wolfgang Schröder, Leiter der Palliativ-Station der Helfenstein-Klinik Geislingen

Der Leiter der Palliativ-Station in der Helfenstein-Klinik Geislingen, Dr. Wolfang Schröder, informiert aus der Sicht des Mediziners über die Krankenhaus-Seelsorge.

 

Dr. Schröder beschrieb ausführlich die Arbeit der Palliativmedizin mit der Absicht, Beschwerden zu lindern, nicht zu heilen. Das multiprofessionelle Team umfasst zehn Mitarbeitende aus allen Disziplinen (Medizin, Pflege, Seelsorge, Psychologie, Musiktherapie). Die Station hat acht Betten. Wichtig sind die gute Absprache im Team und der intensive Kontakt zu den Angehörigen für den Behandlungserfolg, insbesondere auch für die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit angesichts des nahen Todes. Da fehlt es bei vielen Mitarbeitenden angesichts des hohen Kostendrucks an der Zeit für Gespräche.
Dr. Schröder beschreibt die Arbeit der Seelsorge sehr positiv. Man brauche Pfr. Hoof nicht nur mit 50%, sondern eigentlich mit 150%. Nicht alle Patienten haben Kontakt zur Seelsorge. Diejenigen, die Kontakt hatten, bewerteten in einer Umfrage die Seelsorge mit 1. Die Seelsorge ist auch wichtig für die Mitarbeitenden. Die Kliniken sind der größte Arbeitgeber im Kreis. Seelsorge hat da eine große Wirkung. Wichtig sind für Dr. Schröder auch die Mitarbeit im Ethikkomitee und die Andachten und Gottesdienste.

 

Prädikantin Melitta Ströhle verabschiedet

Dekanin Hühn (links) verabschiedet Prädikantin Melitta Ströhle

Frau Dekanin Hühn verabschiedete die Prädikantin Melitta Ströhle aus Geislingen. Sie musste aus gesundheitlichen Gründen dies von ihr sehr geliebte Amt leider aufgeben. Bezirks-Prädikantenpfarrerin Ingeborg Brüning sprach einen Abschiedssegen.

 

Die Distrikte Geislingen und Alb diskutieren über die Besetzung des Pfarrplan-Gremiums 2018

Thomas Rapp, der neue Bezirkskantor im Geislinger Kirchenbezirk, stellt sich der Bezirkssynode vor