Bezirkssynode Geislingen

Frühjahrssynode am 27. März 2015

Die Bezirkssynode Geislingen tagte öffentlich am Freitag, 27. März 2015, um 17.30 Uhr, im Jugendheim in Geislingen, Friedensstraße 44

Leitung:         Hansjörg Frank, 1. Vorsitzender
Protokoll:       Pfarrer Dr. Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer
Andacht:        Dekan Martin Elsässer

TAGESORDNUNG

1.    Vorstellung / Begrüßungsrede Dekan Martin Elsässer

2.    Kurzbericht aus der Landessynode, Landessynodale Beate Keller

3.    Prädikantenarbeit: Verabschiedung, Wiederverpflichtung

4.    Veränderungen im Kirchenbezirk
Begrüßung Dekan a.D. Immanuel Nau


5.    Bericht über Verfolgungssituation im Irak, Syrien und anderen aktuellen Krisengebieten und Bericht über die Flüchtlingsarbeit der Landeskirche
Kirchenrat Klaus Rieth, Evang. Oberkirchenrat

6.    Bericht über die Flüchtlingsarbeit im Kirchenbezirk Geislingen
Ernst-Wilhelm Weid, Diakonische Bezirksstelle

7.    Festlegung Projekt Weltmission 2015: Vorschlag Flüchtlingsarbeit

8.    Innovationsfonds des Kirchenbezirks

9.    Stellenausweitungen:
a)    Raumpflege Jugendwerk Geislingen (EJW)
b)    Sozialpädagogin Diakonische Bezirksstelle

10.    Sonstiges
Terminankündigungen
Einladungen


Protokoll Bezirkssynode 27. März 2015

Bericht Geislinger Zeitung, Claudia Burst

Dekan Martin Elsässer

Am Freitag fand im Jugendheim die Frühjahrs-Bezirkssynode des Kirchenbezirks statt

Dekan Martin Elsässer hielt während seiner Andacht in der Bezirkssynode eine Gedenkminute für die Absturzopfer der Germanwings-Maschine. Auch sonst gab es einiges für ihn zu tun.

Für Martin Elsässer war es seine Premieren-Bezirkssynode als Dekan für den Kirchenbezirk Geislingen am Freitagabend im Jugendheim. Er hielt auch die kurze Andacht zu Beginn. In deren Rahmen gedachte er mit einer Gedenkminute der Absturzopfer des Germanwings-Unglücks.

 


Das Schwerpunktthema der Frühjahrssynode lautete Flüchtlingsarbeit. Dafür war Klaus Rieth vom Oberkirchenrat Stuttgart gekommen und berichtete über die Flüchtlingsarbeit der Landeskirche. Der Leiter der Diakonischen Bezirksstelle in Geislingen, Ernst-Wilhelm Weid, informierte über die Geislinger Anstrengungen, für diese Menschen eine Willkommenskultur in der Fünftälerstadt zu etablieren. (siehe Extraberichte). Sogar Sozialdezernent Hans-Peter Gramlich besuchte deswegen als Gast die Geislinger Sitzung.

 

Dekan Elsässer ließ die Synodalen an seinen ersten Erfahrungen als Dekan teilhaben. „Erfreuliches, Beanspruchendes und Schweres“ erlebe er, sagte Elsässer und gab Beispiele dazu. Er kritisierte die angedachten Sonderschichten an Karfreitag und Ostern in der WMF: „Wir würden das nicht gut heißen“ und warb für hauptamtliche Stärkung in Sachen der Flüchtlingsfrage. Der Dekan freute sich auch über den überraschenden Besuch des Oberbürgermeister Frank Dehmer bei der Bezirkssynode. Der bezeichnete in seinem spontanen Grußwort sich selbst, den katholischen Dekan Martin Ehrler und Martin Elsässer als „neues Team“ mit vielen Themen, die alle gemeinsam bewegten. Er nannte Kindergärten, Kirchengebäuderenovierungen und den Dialog mit anderen Religionen in diesem Zusammenhang, ging aber ebenfalls  auf die Flüchtlingsarbeit ein, die er als „ganz große Herausforderung in den nächsten Jahren“ heraushob.

 

Hansjörg Frank als Vorsitzender der Bezirkssynode bezeichnete den Besuch des OB als „starkes Signal“ für fruchtbare Zusammenarbeit in der Zukunft.
Beim Tagesordnungspunkt „Personelle Veränderungen“ stellte Elsässer dem Gremium den neuen Pfarrer der Kirchengemeinde „Stubersheimer Alb“, Immanuel Nau, vor. Er informierte darüber, dass Pfarrerin Edeltraud Meyer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Gemeindepfarrerin tätig sei und schockierte so manchen Anwesenden mit der Nachricht, dass Pfarrer Martin Breitling im Sommer Geislingen in Richtung Kohlstetten bei Bad Urach verlässt.
Einstimmig entschieden die Synodalen, dass das Jahresopfer des Kirchenbezirks Geislingen in diesem Jahr für die Flüchtlingsarbeit in Geislingen bestimmt ist. Der Kirchenbezirksausschuss informierte darüber, dass über den Innovationsfond eine Kirchen-App für den Kirchenbezirk bezuschusst wird, dass außerdem das bereits stattgefundene „Cake-Rock-Festival“ in Kuchen Unterstützung bekommen sowie die Chöre No Distance und AmazSing für ihre Ausgaben im Zusammenhang mit ihrem Auftritt im Rahmen des Evangelischen Kirchentags in Stuttgart.


Am Ende entschied das Gremium einstimmig die Aufstockung einer bereits bestehenden Sozial-Pädagogen-Stelle  bei der Diakonischen Bezirksstelle von 60 auf 85Prozent, um damit die Aufgaben als hauptamtliche „regionale Koordinierungsstelle für Flüchtlingsarbeit“ abzudecken.

Info Die Bezirkssynode ist das Leitungsgremium eines Kirchenbezirks. Sie setzt sich zusammen aus Kirchengemeinderatsmitgliedern aller Kirchengemeinden im Bezirk, die für diese Aufgabe gewählt wurden. Außerdem  gehören der Synode Mitglieder Kraft Amtes an, wie etwa der Dekan, der Schuldekan, Kirchenrechner oder die Gemeindepfarrer.


Die Aufgabe der Bezirkssynode besteht in der Beratung grundsätzlicher Fragen des kirchlichen Lebens, insbesondere im Kirchenbezirk. Hier werden Entscheidungen gefällt, die Auswirkungen auf die Zukunft des Kirchenbezirks haben.

Begrüßungsrede Dekan Elsässer

Dekan Martin Elsässer



Liebe Synodale, sehr geehrte Damen und Herren,

es sind noch nicht annähernd die sprichwörtlichen ersten hundert Tage, die ich als Dekan in meinem neuen Amt hinter mir habe und doch hat das kirchliche Leben in und um Geislingen schon eine ganze Menge erfreuliches, beanspruchendes und schweres zu bieten. Jeden Tag sind es neue Mitarbeitende, Gremien, Arbeitsbereiche, denen ich begegne und die mich kennen lernen.
So sind es heute Eindrücke und erste Linien im Kirchenbezirk, in der Gesamt- und Stadtkirchengemeinde in Geislingen, in der Ökumene, in Stadt und Land. Sie sollen zur Sprache kommen mit Stichwörtern, Motiven aus der Passionszeit, wie sie uns unterwegs auf dem Weg Jesu und seiner Jünger begegnen.

Menschen leiden daran, dass sie Entscheidungen nicht nachvollziehen, nicht akzeptieren können, das ist gerade in diesem Haus ein erster Punkt, wenn es um Gebäude geht.


Das sind für sie, und das kann ich gut verstehen und mitspüren, eben nicht nur in die Jahre gekommene Immobilien, es ist die eigene Lebensgeschichte, es ist mitgestaltete Kirche mit viel eigenem und treuem Engagement. Auch die, die entschieden haben, tun sich nicht leicht, auch sie leiden darunter, mit ihrer Entscheidung etwas aufzugeben, was zur Geschichte ihrer Gemeinde gehört und dass dabei eben einige nicht mitgehen können. Es gibt da keinen Königsweg, der alle zufrieden macht, aber es gibt eine Entscheidung, die zurecht davon ausgeht, dass weniger Mittel zur Verfügung stehen werden und dass weniger Menschen zur Gemeinde gehören werden.

 

Es bleibt schmerzlich, wenn einem etwas Vertrautes fremd wird. Aber es kommt auch darauf an, dass wir gemeinsam der Hoffnung das Wort reden, die uns aus dem Neuen Testament geöffnet wird: Dass etwas werden und wachsen kann auf einem Land, über das Gottes Erbarmen und sein schöpferischer Geist aufscheint, und dass über genau dort, wo es aus den Mauern hinaus wirkt und wo es die Gedanken und Herzen der Menschen berührt, das Entscheidende wachsen kann.

 

Wir werden uns befreien und befreien lassen müssen, damit die Diskussion um Gebäude und Strukturen nicht unsere Achtsamkeit , unsere Sorge und Freude für die Menschen in unseren Gemeinden vertilgt.

 

Denn wir können und wir werden uns zeigen als Christengemeinde  und uns einbringen in die Bürgergemeinde in dieser Stadt und an den Orten im Bezirk, beim Kirchentag in Stuttgart, in der Nacht der offenen Kirchen, bei Veranstaltungen in Ihren Orten. Der Einsatz von Gemeindegliedern und von Pfarrerinnen und Pfarrern im letzten Jahr für die WMF wirkt bis heute, und wir kritisieren die jetzt geplante Feiertagsarbeit deutlich! Gemeinsam mit den katholischen Geschwistern und der Stadt ist uns das interreligiöse Gespräch ein Anliegen. Bei aller notwendigen Arbeit um die eigenen Bedingungen müssen die Türen, die Gedanken und das Tun offen sein, hinauszeigen.

 

Kindertageseinrichtungen, Diakoniestation, Samariterstiftung und andere stationäre Einrichtungen zeigten in eindrücklichen ersten Begegnungen den weiten Bogen der Lebensspanne, in den wir uns gestellt sehen und aus dem wir uns – auch wenn die Bedingungen nicht überall gleich gut sind – nicht zurückziehen sollten.

 

Verstehen und sich auseinandersetzen wollen mit einem aktuellen Geschehen, mit der Tradition und Geschichte, mit den Rätseln des Lebens. Und einander in der Not nicht allein lassen. Was eine der dramatischen Fragen des Passionsgeschehens ist, bleibt in der konkreten Herausforderung in unserer Mitte. Menschen, die nicht allein zurechtkommen, die mit ihrem Scheitern konfrontiert sind, die sich verstecken.
Diakonie, Bildung und Kirchenmusik haben ein Geislinger Profil, das eigenständig ist, gut  ökumenisch und kommunal vernetzt, schlank im Professionellen, breit im Ehrenamtlichen, dieses Verhältnis ist für mich zu halten, auch wenn wir bei der Diakonischen Arbeit mit der aktuellen Flüchtlingssituation eine Stärkung gerade im hauptamtlichen Bereich brauchen.

Menschen kommen an die Grenzen ihrer Kraft, ihres Durchhaltens.
Mitarbeitende, Pfarrerinnen und Pfarrer sind dabei. Achtsamkeit füreinander sollte zur Arbeitskultur der Evangelischen Kirche gehören. Ziele setzen und Prioritäten und Einsatz dafür ja – und genau so Begleitung und Zeit sich aufrichten zu lassen. Ich erlebe eine selbstverständliche Kollegialität und wünsche mir, dass wir das als Basis halten und bestärken, dafür will ich mich einsetzen.

Einander kennen auf dem gemeinsamen Weg.
Zum Kennenlernen der Gemeinden möchte ich zuerst eine Runde durch die einzelnen Distriktsversammlungen machen bevor dann ab 2016/17 die Visitationen beginnen sollen. Wie Gemeinden zusammenarbeiten und ihre Nachbarschaft gestalten, wird ein Thema für unseren Kirchenbezirk bleiben, nicht nur auf dem Hintergrund des Pfarrplan 2018 und seiner möglichen Nachfolger. Das neue Modell von Verbundgemeinden, das der Oberkirchenrat zunächst grundsätzlich in einem Eckpunktepapier vorstellt, das allen Pfarrämtern zuging, soll dabei beachtet und kritisch angefragt werden. Wo es in den nächsten Wochen möglich ist, nehmen Sie es mit hinein in Ihren Kirchengemeinderat, in ein Distriktstreffen oder ein Gespräch Kirchenpflegerin, gewählter Vorsitzender und Pfarrerin. Teilen Sie dann Ihre Vorschläge und Kritik im Dekanatamt mit. Der Kirchenbezirksausschuss wird sich in seiner nächsten Sitzung Ende April damit beschäftigen und Rückmeldung an den Oberkirchenrat geben.

Mehr soll es nun am Anfang nicht sein, außer meinem Dank für die Arbeit von Ihnen, den Ehrenamtlichen und den Hauptamtlichen in Gemeinden, Bezirkseinrichtungen, im Dekanat.
Ich bitte um Verständnis, dass ich nicht alle Pfarrerskollegen, Gemeinden, Gremien und Einzelnen Personen gleich schnell kennenlernen kann.
Wenn unser Arbeiten und Beten  etwas vom Osterlicht, von der Kraft des Liebe Gottes auch an in unserem Mühen, an den Grenzen unseres Verstehens wiederspiegelt und für die Menschen in unseren Gemeinden und Orten aufleuchten lässt, dann wäre es nicht umsonst.


Zur Rede werden weder Rückfragen gestellt noch Bemerkungen gemacht.

Unverzichtbarer Dienst

Verpflichtung der Prädikantinnen und Prädikanten

Bei der Bezirkssynode wurden zehn Prädikanten wiederverpflichtet und eine verabschiedet

„Sie bereichern die Vielfalt unserer Verkündigung“, lobte Dekan Martin Elsässer die elf Prädikanten, von denen sich zehn im Rahmen der Bezirkssynode wiederverpflichten ließen.

CLAUDIA BURST, Geislinger Zeitung

Mit einem „weinenden Auge“ verabschiedete sich Anita Bücheler von ihrer Zeit als Prädikantin. Eine „erfüllte, schöne Zeit“ sei es gewesen, die sie nur aus Altersgründen aufgebe. Anita Bücheler hat diese Aufgabe 24 Jahre lang ausgeübt. Im Rahmen der Bezirkssynode  bedankte sich Dekan Martin Elsässer bei der Oberböhringerin für ihr Wirken und überreichte ihr einen Blumenstrauß.
Zuvor hatten er und die Bezirksprädikantenpfarrerin Gabriele Renz zehn Prädikanten wiederverpflichtet – alles Christen, die ihr Ehrenamt bereits seit vielen Jahren ausüben. Er bezeichnete das Predigen und Gestalten des Gottesdienstes in unterschiedlichen Kirchengemeinden als unverzichtbaren Dienst. „Sie bereichern die Vielfalt unserer Verkündigung“, bedankte er sich, bevor er jeden einzelnen von ihnen mit Handschlag neu „im Aufsehen auf Jesus Christus“ für die nächsten Jahre verpflichtete.


Am längsten üben Werner Maier (Prädikantensprecher) aus Gingen und Georg Weber aus Lonsee dieses Ehrenamt aus: beide seit 1970, also seit 45 Jahren. Seit 1978 tut dies Hans-Werner Löchli aus Süßen, seit 1982 Gerhard Barreith aus Oberböhringen, seit 1990 Beate Clement aus Süßen, seit 1998 Bärbel Moosbrucker aus Eybach, seit dem Jahr 2000 Elisabeth Siegrist aus Geislingen, seit 2007 Gabriele Weller aus Gingen, seit 2008 Carola Behlen aus Donzdorf und seit vier Jahren Friedrich Häfele aus Süßen.

Info Prädikanten sind ehrenamtliche Verkündiger des Evangeliums. Sie gestalten den Gottesdienst nach Anfrage in einer Kirchengemeinde, wenn dort der Gemeindepfarrer fehlt, sei es wegen Urlaub oder Vakanz.

Dekan Elsässer (links) und Bezirksprädikantenpfarrerin Renz (rechts) mit den Prädikantinnen und Prädikanten

Hälfte eines Volkes auf der Flucht

Kirchenrat Klaus Rieth

CLAUDIA BURST, Geislinger Zeitung


Kirchenrat Klaus Rieth informiert über die Verfolgung der Christen im Irak, Syrien und Nigeria

Die Landeskirche steckt in einem Dilemma: Kirchen in Syrien fordern, Assad zu unterstützen, weil nur der Christen im Land akzeptiere. Die Hälfte der Syrer sind auf der Flucht.

Die Situation in Syrien und im Irak ist unübersichtlich und schwierig. Fast die Hälfte des syrischen Volkes ist auf der Flucht. Im Westen herrscht Ratlosigkeit angesichts der enormen Gewaltbereitschaft des IS (Islamischer Staat).
Darüber berichtete Klaus Rieth von der Evangelischen Landeskirche  bei der Bezirkssynode am Freitag im Jugendheim. Der Kirchenrat ist zuständig für Außenbeziehungen . Als solcher reiste er in den Nahen Osten, suchte dort Kontakt zu christlichen Hilfswerken, redete mit Menschen vor Ort und konnte sich ein Bild machen vom Chaos dort. Er streifte darüber hinaus die Lage in Nigeria, wo er ebenfalls selber hingereist war.

 


Die Hälfte der Syrer seien auf der Flucht, informierte er in seinem Vortrag. Viele von ihnen allerdings noch innerhalb Syriens, in der Hoffnung ihre Land nicht verlassen zu müssen. Die Hilfs-Kultur der Nachbarländer Irak, Türkei oder Libanon stellte Rieth den Synodalen als „bewundernswert“ vor: „Im Libanon gibt es vier Millionen Einwohner – und jetzt noch eine Million Syrer dazu“, machte er die Ausmaße der Flüchtlingskatastrophe deutlich.


Die Situation in Syrien und im Irak sei schwierig und unübersichtlich, berichtete er. Außer den Stämmen und Widerstandsgruppen gegen Assad kämpften inzwischen auch andere Nationen  um Einfluss und Interessensgebiete in Syrien. „Wir als Landeskirche stecken da momentan in einem Dilemma“, gab er zu, „weil unsere Partnerkirchen in Syrien uns auffordern, Präsident Assad zu unterstützen, weil der als einziger die Christen im Land akzeptiert“. Andererseits könne die Landeskirche ja keine Macht unterstützen, die als Massenmörder und wegen übler Menschenrechtsverletzungen angeklagt sei.
In Syrien verließen vorwiegend Kurden, Christen und Jesiden das Land. Viele davon in der Hoffnung, im äußersten Norden des Iraks, das sich immer mehr als wirtschaftlich stabiles „Kurdistan“ präsentiere, ein gewisses Maß an Sicherheit zu finden.


Die Gewaltbereitschaft des IS sei für den Westen schwer zu verstehen, machte er deutlich, „die Entwicklung dort lässt uns oft hilf- und ratlos zurück“.

Im Irak leben inzwischen nur noch 300000 Christen. Vor allem die jungen Menschen davon suchten eine Lebens-Chance in ihrer Flucht gen Westen, sagte Rieth. Darin liege ein weiteres Dilemma: „Die Bischöfe im Irak bitten uns, ihnen nicht auch noch die Türen zu öffnen mit dem Angebot, Kontingentflüchtlinge aufzunehmen.“


Deshalb habe die Landeskirche sich entschieden, zweigleisig zu fahren und mit Hilfsprojekten den Menschen vor Ort zu helfen, aber auch diejenigen in Deutschland zu unterstützen, die bereits die Flucht geschafft haben.
Zum Abschluss seiner engagierten Ausführungen ging Klaus Rieth noch auf die Situation in Nigeria und die Terroristenorganisation Boko Haram dort ein. Das Problem dort sei weit komplexer als nur „Muslime gegen Christen“, führte er aus und zählte zehn Gründe für die Radikalisierung der Männer auf.
„Wir hier sind nicht ganz ohnmächtig“, zog der Referent schließlich sein Fazit: „Wir können für Projekte vor Ort spenden. Wenn möglich, Menschen dort besuchen oder ihnen schreiben, damit sie merken, sie gehören zur weltweiten christlichen Familie und sind nicht allein. Und wir können für sie beten!“

 

Der Beifall am Ende seiner Ausführungen zeigte, dass Rieth in der Bezirkssynode auf offene Ohren gestoßen war.

Improvisationstalent gefragt

Ernst-Wilhelm Weid

CLAUDIA BURST, Geislinger Zeitung

 

Ernst-Wilhelm Weid plädiert für „menschliches und christliches Zusammenleben“ mit Flüchtlingen

Seit die ersten Flüchtlinge in Geislingen angekommen sind, gibt es Ehrenamtliche, die sich um sie kümmern. Seit vier Monaten hilft die Diakonische Bezirksstelle bei der Koordination.


„Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen“, so wird Jesus im Matthäus-Evangelium zitiert. Für die Koordinatoren der Diakonischen Bezirksstelle sei dies der Leitsatz im Umgang mit Flüchtlingen, sagte deren Leiter Ernst-Wilhelm Weid am Freitag in der Bezirkssynode, als er die Synodalen im Jugendheim über die aktuelle Flüchtlingsarbeit in Geislingen informierte.
Noch bevor sich die Diakonische Bezirksstelle Anfang Dezember in die Flüchtlingsarbeit eingeklinkt habe, hätten sich schon viele Ehrenamtliche, allen voran Christl Czermin, intensiv um die hier gestrandeten Menschen gekümmert, betonte er.


Um deren Arbeit und überhaupt die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit im gesamten Kirchenbezirk zu koordinieren, seien jetzt Strukturen geschaffen worden. Die unterschiedlichen Hilfsgruppierungen in Geislingen hätten sich im Lauf vieler Gespräche zu einem Arbeitskreis Asyl zusammengefunden. Dieser Arbeitskreis treffe sich alle zwei Wochen mittwochs im Diakoniekaffee, um Probleme zu besprechen und Hilfsleistungen zu koordinieren.

 

Das erste konkrete, sehr niederschwellige Hilfs- und Begegnungsprojekt habe sich bereits etabliert, berichtete Weid: „Unser Kaffeehaus der Diakonie hat jeden Montag als „Café Welcome“ geöffnet. Hier begegnen ehrenamtlich Engagierte den Flüchtlingen, die bei uns Heimat suchen, lernen einander kennen und tauschen sich aus. Das tut allen gut.“

 

Für die Flüchtlinge gebe es inzwischen Sprachtraining, im Mai ein zweites Willkommensfest im Pauluszentrum, Schülerinnen der Emil-von-Behring-Schule hätten mit den Asylbewerbern ein Projekt durchgeführt. „Wir organisieren Fachtagungen, auf denen es für die Ehrenamtlichen eine intensive Einarbeitung ins Thema gibt“, erklärte Weid und betonte die für solche Aufgaben wichtige Einrichtung einer hauptamtlichen „regionalen Koordinations-Stelle“. Die wurde am Ende der Bezirkssynode einstimmig beschlossen.
Angedacht seien auch Willkommenspatenschaften in naher Zukunft, sagte Wilhelm Weid und gab zu, dass nach wie vor in vieler Hinsicht Improvisationstalent gefragt sei.

 

„Wir brauchen all diesen ehrenamtlichen Einsatz“, plädiert Weid am Ende seiner Ausführungen, „nur so haben wir die Chance zu menschlichem und christlichem Zusammenleben“.
Sozialdezernent Hans-Peter Gramlich war wegen dieses Themas bei der Bezirkssynode anwesend und macht bei seiner Wortmeldung im Anschluss die „riesige Herausforderung“ deutlich, vor der das Landratsamt stehe. „Wir brauchen Unterkünfte“, appellierte er an die Pfarrer und Synodalen, „schon jetzt leben 800 Asylbewerber in der Göppinger Sammelunterkunft, die nur für höchstens 750 ausgelegt ist.“

 

Gramlich dankte all den ehrenamtlichen Helfern, auf deren Freundeskreisarbeit die Hauptamtlichen angewiesen seien, um über die reine Versorgungsstrukturen hinaus eine Willkommenskultur zu bieten.
Pfarrerin Gabriele Renz erzählte von der Angst bestimmter Flüchtlinge vor Ablehnung ihres Asylantrags und der folgenden Abschiebung und bat um Hilfe in Bezug auf Rechtsberatung für die Anliegen der Flüchtlinge.

Dekan Elsässer bedankt sich bei Kirchenrat Rieth