Frühjahrssynode 2016

Die Vorsitzenden der Bezirkssynode Geislingen, Hansjörg Frank und Dekan Martin Elsässer und Schriftführerin Magdalena Smetana

Freitag, 18. März 2016, um 17.30 Uhr bis ca. 21.30 Uhr
im Jugendheim in Geislingen, Friedensstraße 44

Leitung:          Martin Elsässer, Hansjörg Frank, Yasna Crüsemann
Protokoll:        Pfarrerin Magdalena Smetana
Andacht:         Pfarrer Jörg Schaber

TAGESORDNUNG

1.    Kurzbericht aus der Landessynode, Landessynodaler Werner Stepanek

2.    Veränderungen bei MitarbeiterInnen und PfarrerInnen

3.    Schwerpunktthema „Christen und Muslime – wie kann Zusammenleben bei uns gelingen?“

Referenten:  

Pfarrer Heinrich Georg Rothe, Islambeauftragter der Evang. Landeskirche Württemberg:
„Zusammenleben mit Muslimen – Herausforderungen und Chancen für uns als Kirche“


Dr. Abdelmalek Hibaoui, Dozent am Zentrum für Islamische Theologie Tübingen:
„Wie organisieren sich Muslime in Deutschland – wo sehen sie Herausforderungen und Chancen für das Zusammenleben“


4.    Gespräche zum Schwerpunktthema als „World Cafe“ mit den Referenten und eingeladenen Gästen aus muslimischen Vereinen und Gemeinden in und um Geislingen

5.    Gemeinsamer Abschluss zum Schwerpunktthema

6.    Sonderzuweisung der Landeskirche zur Koordination der Flüchtlingsarbeit im Kirchenbezirk
Information und Beschluss

7.    Bericht aus dem Innovationsausschuss

8.    Beauftragung Diakoniepfarrer

9.    Sonstiges

 

Protokoll Bezirkssynode 18. März 2016

 

 

Bericht in der Geislinger Zeitung, 21. März 2016

von Claudia Burst

 

Miteinander leben lernen
 
Bezirkssynode macht das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen zum Schwerpunktthema
 
Es war eine außergewöhnliche Frühjahrssynode des evangelischen Kirchenbezirks Geislingen. Statt in Reihen saßen die Synodalen an Tischgruppen – für Gespräche mit ihren muslimischen Gästen.
 
 
Dass die Frühjahrssynode des Kirchenbezirks Geislingen im Jugendheim in diesem Jahr anders werden würde als sonst, merkten die Pfarrer und die Synodalen am Freitagabend gleich beim Eintritt in den großen Saal im Jugendheim. 


Statt – wie sonst – in Reihen standen Stühle und Tische in Gruppen verteilt. Das war dem Tagesordnungspunkt vier geschuldet: dort war ein „World Café“ angekündigt. Mit Gesprächen zum Schwerpunktthema „Christen und Muslime – wie kann Zusammenleben bei uns gelingen?“ 


Bevor sich die Christen jedoch auf Gespräche mit den eingeladenen muslimischen Gästen einlassen konnten, lauschten sie den Ausführungen der beiden Referenten Pfarrer Heinrich Georg Rothe, dem Islambeauftragten der Evangelischen Landeskirche Württemberg sowie Dr. Abdelmalek Hibaoui, der als Dozent am Zentrum für Islamische Theologie in Tübingen tätig ist. „Wer seinen Glauben verstehen will, muss dies im Kontext verschiedener Religionen tun. Daher ist das Gespräch zwischen Muslimen und Christen eine absolut notwendige Aufgabe“, begründete Dekan Martin Elsässer die Auswahl dieses Schwerpunktthemas.


Pfarrer Rothe betrachtete in seinem Part sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen, die das Zusammenleben mit Muslimen für die Kirche bietet. Als Herausforderungen sah er Vorurteile und Feindbilder, „meist, weil wir zu wenig voneinander wissen“. Ein weiteres Hindernis bilde der religiöse Hass auf beiden Seiten. „Das Zusammenleben ist aber Realität, da sind wir als Kirche herausgefordert“, sagte er und brachte die kirchlichen Kindergärten, die Schulanfangs-Gottesdienste, die Krankenhaus-Seelsorge, den islamischen Religionsunterricht an Schulen oder Eheschließungen zwischen Christen und Muslimen als Beispiele. „Wir müssen miteinander leben lernen“, appellierte er und das bedeute vor allem miteinander zu reden. Auf religiöser Ebene sei es hilfreich, zu erkennen, wo die Gemeinsamkeiten und wo die Glaubensunterschiede lägen. „Unterhalten Sie sich darüber, offen und gerne auch mit unterschiedlichen Zielsetzungen, das fördert das Miteinander“, schlug er vor.

 

Direkt im Anschluss an sein Referat informierte sein muslimischer Kollege Hibaoui, der nicht nur als Dozent, sondern auch als Imam in Reutlingen tätig ist, die Zuhörer über die Art und Weise, wie Muslime in Deutschland organisiert sind – in Dachverbänden, Gemeinden und Vereinen.

Der gebürtige Marokkaner schilderte den Aufbau der muslimischen Gemeinden und deren Aktivitäten. Dann betrachtete auch er die Herausforderungen im Miteinander, diesmal aus muslimischer Sicht.

Offen kritisierte er den Sachverhalt, dass Imame meistens nur für vier bis fünf Jahre aus der Türkei nach Deutschland kämen und die deutsche Lebenswirklichkeit samt der Sprache in so kurzer Zeit nicht wirklich kennen lernen könnten.

Er verurteilte den politischen Salafismus und die Radikalisierung im Islam, machte dann aber deutlich, dass „wir alle lernen müssen zu differenzieren“. „Leider werden oft alle Muslime mit Jihadisten und Terroristen in einen Topf geworfen“, sagte er, auf der anderen Seite unterschieden Muslime oft nicht zwischen Pegida-Anhängern, Rechtsradikalen und all den anderen Deutschen.

Deshalb plädierte Abdelmalek Hibaoui für die fundierte Ausbildung von Lehrkräften für den Islamunterricht, um damit Extremismus zu bekämpfen, er sprach sich für die Ausbildung von Imamen in Deutschland aus („sie brauchen die Fähigkeit zum Dialog“)  und sah in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung eine Chance zur historisch-kritischen Methode im Umgang mit dem Koran.  Er hoffte auf die intensivere Kooperation mit christlichen Theologen und auf die Ausbildung von muslimischen Seelsorgern und Sozialarbeitern.

 

Diese beiden Referate bildeten nach der Pause die Basis für die Gespräche an sechs Tischgruppen. Der Imam der Geislinger Ditib-Moschee, Topsakal Selahattin und der Vorsitzende des Ditib-Vereins Sezer Erin boten sich als Gesprächspartner an, Fadme Ercik und Esengül Aydin von der Alevitischen Gemeinde sowie Safak Cifci und Ayse Koc vom Verein „Mozaik“, die beiden oben genannten Referenten plus Dr. Hansjörg Reinhardt und Wolfgang Nordmann, beide vom Geislinger Arbeitskreis Asyl.


Der Austausch fand in offener Atmosphäre statt, beide Seiten stellten sich interessierten und auch kritischen Fragen und nach einer knappen Stunde hatten alle das Gefühl, dass man durch den direkten Austausch doch sehr viele Vorbehalte und vor allem viel Halbwissen abschaffen kann.