Bezirkssynode Geislingen am 13. November 2015

Präsidium der Bezirkssynode Geislingen

Sitzung der Bezirkssynode Geislingen am


Freitag, 13. November 2015, um 17.30 Uhr
im Jugendheim in Geislingen, Friedensstraße 44

Leitung:         Hansjörg Frank
Protokoll:         Pfarrer Dr. Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer
Andacht:         Pfarrerin Magdalena Smetana
Grußworte

TAGESORDNUNG

1.    Kurzbericht aus der Landessynode von Landessynodale Anita Gröh

2.    Veränderungen bei MitarbeiterInnen und PfarrerInnen

3.    „Was uns heute und morgen beschäftigt“  Prälatin Gabriele Wulz
Zur Situation und aktuellen Entwicklungen in unserer Landeskirche

4.    Arbeit mit Flüchtlingen im Kirchenbezirk: Kurzbericht von Doris Ita-Sawall

5.    Plan für die kirchliche Arbeit: Umlagebeschluss 2015
 - Genehmigung des OKR

6.    Feststellung Rechnungsabschluss 2014

7.    Pauschalierte Kirchensteuerzuweisung 2016 an die Kirchengemeinden
- Berechnung der Kirchensteuerzuweisung 2016
- Kirchensteuerverteilung 2015-2019 im Kirchenbezirk Geislingen
- Übersicht Pauschalierte Kirchensteuerzuweisung 2016
- Beschlussvorlage Kirchensteuerzuweisung 2016 an die Kirchengemeinden

8.    Plan für die kirchliche Arbeit des Kirchenbezirks 2016
-Erläuterung des Planes
-Einzelpläne – Anlage
Beschluss des Planes 2016 und der Bezirksumlage

9.    Sonstiges

 

Protokoll Bezirkssynode 13. November 2015

links: Pfarrerin Magdalena Smetana bei der Andacht

rechts: Pfarrerin Stephanie Ginsbach stellt sich vor

Herbstsynode des Kirchenbezirks Geislingen tagte im Jugendheim

Claudia Burst, Geislinger Zeitung


Das aktuelle Flüchtlingsproblem spielte eine große Rolle am Freitag bei der Herbstsynode des Kirchenbezirks Geislingen, darüber hinaus ging es um Haushaltsplan und Bezirksumlage.


Über Diskussionen und Entscheidungen der Landessynode informierte die Landessynodale Anita Gröh die Synodalen bei der Bezirkssynode am Freitag im Jugendheim. Unter anderem ging es um Kirchenaustritte. „2014 ist die Zahl der Austritte explodiert“, berichtete sie. 271 Menschen hätten im vergangenen Jahr der evangelischen Kirche den Rücken gekehrt, das seien fast doppelt so viel wie 2013 (136) und fast das Dreifache des Jahres 2012 (98). Bis September dieses Jahres seien erneut 140 Menschen aus der Kirche ausgetreten. „Wir überlegen, was wir dagegen tun können“, sagte sie. Das Schlimme sei, dass die Menschen nicht aus speziellen Gründen austräten, sondern weil ihnen die Kirche egal sei.


Im Rahmen des Tagesordnungspunkts zwei lernten die Synodalen Stephanie Ginsbach kennen. Die 32-Jährige ist neue Pfarrerin in Stubersheim und Hofstett-Emerbuch und besetzt dort die 50-Prozent-Stelle. Dagegen geht in Süßen am 1.Februar nach 19 Jahren der dortige Pfarrer Alfred Ehmann in den Ruhestand sowie in Bad Überkingen Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer, der 2008 in den Geislinger Kirchenbezirk kam. Zu einer Schweigeminute erhoben sich die Anwesenden im Gedenken an die im August verstorbene Pfarrerin Susanne Jutz, die 13 Jahre (bis 2009) in Bad Überkingen wirkte und 2014 wieder in den Bezirk zurückgekommen war.


Mit vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen akzeptierte das kirchliche Gremium das Anliegen von Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer, den dieser vom „Konvent der Diakoniepfarrer“ mitgebracht hatte. Die Synode solle einen Antrag an die Landeskirche formulieren mit der Bitte, dass die Landeskirche ihre Möglichkeiten dafür ausloten soll, ob sie sich nicht für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums für alle einsetzen könne. Der Erste Vorsitzende der Synode, Hansjörg Frank, versprach, einen solchen Antrag gemeinsam mit dem Kirchenbezirksausschuss zu formulieren und an die Landeskirche weiterzuleiten.


Kirchenoberverwaltungsrätin Margot Herter-Hoffmann erläuterte die aktuelle pauschalierte Kirchensteuerzuweisung. Neu sei die erstmalige Ausschüttung aus der „Versorgungsstiftung“ des Landes. Insgesamt 72368 Euro würden – zusätzlich zur Kirchensteuer - prozentual in jede Gemeinde überwiesen, immer entsprechend den jeweiligen Kirchenstellen-Anteilen.

 

Kurz und knackig mit einem zweiseitigen Auszug aus seinem 106-seitigen „Plan für die kirchliche Arbeit 2016“ brachte Kirchenrechner Klaus Machacek die wesentlichen Bestandteile daraus auf den Punkt. Sein Haushaltsplan mit Einnahmen und Ausgaben aller Haushalte über 1.800.660 Euro wurde einstimmig von den Synodalen beschlossen.

links: Kirchenoberverwaltungsrätin Margot Herter-Hoffmann

rechts: Kirchenbezirksrechner Klaus Machacek

Prälatin Gabriele Wulz informiert die Bezirkssynodalen

Prälatin Gabriele Wulz berichtet über aktuelle Entwicklungen der Landeskirche

Auf Zahlen und Fakten zur Situation und den aktuellen Entwicklungen der Landeskirche ging Prälatin Gabriele Wulz bei der Herbstsynode im Kirchenbezirk Geislingen ein.

Sachlich berichtete Prälatin Gabriele Wulz den Synodalen bei der Herbstsynode im Jugendheim über zum Teil erschreckende Zahlen in der Zukunft der Landeskirche. Nach den Pfarrplänen 2006, 2011 und 2018, bei denen erst 67 Pfarrstellen (bis 2011) eingespart wurden, dann weitere 87 bis Ende 2018 reduziert wurden und werden, ist geplant, weitere 30 Prozent – also etwa 430, im ganzen Land bis ins Jahr 2030 einzusparen.

 

Auf die entsetzte Nachfrage aus ihrem Zuhörerkreis bestätigte sie das Gesagte und warb für einen „Geist der Zuversicht“ für diesen Weg. „Es ist eine Art Kulturveränderung, aber mit der richtig Haltung können wir uns dieser Herausforderung stellen“,  zeigte sie sich überzeugt.  

 

Im Lauf ihres Vortrags berichtete auch die Prälatin – wie es schon vorher die Landessynodale Anita Gröh getan hatte – von der Austrittswelle aus der Evangelischen Kirche im Jahr 2014. „Da spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, vor allem der demografische Wandel“, informierte sie. Ob sich durch die Flüchtlinge daran in Zukunft etwas ändern werde, sei nicht absehbar. „Aber die Waldensergemeinden in Italien sind durch den Zuzug der afrikanischen Flüchtlinge sehr gewachsen“, erzählte sie.

 

„Wie finanzieren sich Kirchengemeinden“, lautete ein weiterer Untertitel. Die Antwort: „Mit Kirchensteuerzuweisungen, staatlichen Zuschüssen, Freiwilligen Gemeindebeiträgen, Opfern und Spenden sowie Elternbeiträge, Gebühren und Entgelte.

 

Ein großes Thema in der Landeskirche, so die Prälatin, sei die Kirche im ländlichen Raum. Der Wegzug junger Menschen und die Schließung von immer mehr Schulen hätten Pfarrstellen-Reduzierungen zur Folge. „Dort bewerben sich in der Folge keine jungen Pfarrer mehr hin.“ Verhindert werden könne dies nur durch Modelle wie „Verbundkirchengemeinden“ oder Kooperationen, wie sie etwa bereits auf der Stubersheimer Alb durch die Bildung einer Gesamtkirchengemeinde geschehen sei.

 

Ein weiteres Problem, auf das sich die Landeskirche in Zukunft einstellen müsse, sei die Tatsache, dass eine große Zahl der aktuellen Pfarrer aus den geburtenstarken Jahrgängen 1958 bis etwa 1967 stammten – „und ab dem Jahr 2022 nach und nach in den Ruhestand gehen“. „Wir müssen die Strukturen so anpassen, dass die „restlichen“ Pfarrer dann noch arbeiten können. Sprich: nicht jede Gemeinde, aber jedes Gemeindeglied hat dann noch einen Pfarrer.“
Auch bei der Verwaltungsarbeit mit den kirchlichen Kindergärten bräuchten die Pfarrer Entlastung. Eine Lösung hierfür seien größere Einheiten als Ansprechpartner für die Kindergärten oder die Stadt, wie es zum Beispiel  der  Diakonieverband in Ulm vormache.

 

Das Reformationsjubiläum, die milieusensible Gemeindearbeit, die Möglichkeit zur Gemeindeberatung – Gabriele Wulz schnitt noch einige weitere kleine Bereiche aus der Arbeit der Landeskirche an, bevor sie ihren Vortrag nach einer halben Stunde beendete.

Nach dem Vortrag von Prälatin Wulz bedankt sich Dekan Elsässer mit einem Geschenk

Aufgaben gemeinsam schultern

Hans-Peter Gramlich und Doris Ita-Sawall berichten über aktuelle Flüchtlingsarbeit

Als Doris Ita-Sawall im Januar als Flüchtlings-Koordinatorin in Geislingen begann, kamen monatlich etwa 40 zuvor angekündigte Flüchtlinge. Heute sind es 140 in der Woche. „Und die sind plötzlich da.“

„Ich ahnte nicht, was auf mich zukommt“, gibt Doris Ita-Sawall offen zu. Am Freitagabend berichtete die Sozialpädagogin mit der 60-Prozent-Stelle bei der Diakonischen Bezirksstelle in Geislingen  von ihrer theoretischen 25-Prozent-Arbeit als Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit. „Als ich im Januar mit dieser Aufgabe begann, kamen im Monat etwa 40 Flüchtlinge – und die wurden uns vorher angekündigt“, erzählt sie. Heute seien es 140 Flüchtlinge. In der Woche. „Die sind oft plötzlich da – und brauchen eine Unterkunft.“

 


Zum Glück würden diese Menschen von Ehrenamtlichen versorgt. Mit der Zahl der Flüchtlinge wachse auch die Zahl der Helfer, freut sich Ita-Sawall.  Das Ziel laute: Ordnung ins Chaos bringen, alles täglich neu zu sortieren.


Im Lauf der vergangenen Monate konnte die Diakonische Bezirksstelle bereits Hilfsangebote auf unterschiedlichen Ebenen anbieten. „Im Café Welcome steppt der Bär“, plastisch drückt sich Doris Ita-Sawall aus, um zu beschreiben, dass bei den Treffen zwischen Flüchtlingen und Geislingern das Kaffeehaus der Diakonie am Rande der Belastungsgrenze ankommt. Und das, obwohl die Bezirksstelle inzwischen neue Räume in der Nachbarschaft angemietet hat, wo parallel zum Café Kinderbetreuung und Deutsch-Unterricht angeboten wird. „Kontaktcafés bietet auch der Arbeitskreis Asyl in der Rätsche jeden Dienstag und Donnerstag und es gibt inzwischen auch in anderen Gemeinden solche Treffpunkte“, erzählt die Sozialpädagogin. „Das Thema erhält eine andere Qualität, wenn Flüchtlinge ein Gesicht bekommen“, macht sie deutlich, was die Ehrenamtlichen motiviert.


„Wir schulen die ehrenamtlichen Helfer“, informiert sie über einen vierteiligen Kurs, der mit 22 Teilnehmern momentan laufe und einen zweiten Kurs, der ab Februar angeboten werde. Sie berichtete von der „Wertkarte“ für Flüchtlinge, die diese einmal übers Landratsamt erhielten und mit der sie im Diakonieladen selber einkaufen könnten.

 

Im Café und in den drei neuen Räumen träfen Welten aufeinander und jedesmal herrsche Chaos nach der Benutzung. „Wir brauchen Leute, die hinterher wieder für Ordnung sorgen“, bittet sie um Unterstützung.
Ita-Sawall erzählt von Schulranzen-Aktionen für Kinder, die an einem Freitag erfuhren, dass sie ab Montag eingeschult würden. Und davon, dass ein Großteil ihrer Zeit für die Beantwortung von E-Mails und Anfragen draufgeht.

 


Als Gast aus dem Landratsamt und Vertreter von Landrat Edgar Wolff  hatte sich Kreisverwaltungsdirektor Hans-Peter Gramlich zur Bezirkssynode einladen lassen. Er bestätigte aus seiner Perspektive das von Doris Ita-Sawall gemalte Szenario. Selbst der Hohenstaufen-Saal und ein Zelt auf dem Parkplatz des Landratsamtes seien inzwischen zur Not-Heimat für Flüchtlinge umfunktioniert. Er zeigte sich dankbar für den Einsatz der vielen Ehrenamtlichen und vor allem für die gute Partnerschaft des Landkreises mit der evangelischen und der katholischen Kirche. „Wir müssen die Aufgaben gemeinsam schultern“, appellierte er.

 

Nein, Hassmails habe er noch nie bekommen, antworteten sowohl er als auch Doris Ita-Sawall auf eine entsprechende Nachfrage, aber in einem Brief habe sich ein Schreiber an Gramlich mal sehr deutlich über seine Ängste ausgelassen. „Wir müssen diese Sorgen ernst nehmen“, betonte Gramlich, „man muss unbedingt auf Bundesebene eine Lösung finden. Wir sind absolut fremdgesteuert.“

Hans-Peter Gramlich und Doris Ita-Sawall berichten über die Arbeit mit den Flüchtlingen

Christl Czermin und Andrea Eberhard berichten aus Alltagserfahrungen in der Flüchtlingsarbeit