© Geislinger Zeitung, Claudia Burst

Bezirkssynode Geislingen

Bezirkssynode am Freitag, 18. November 2016

EVANGELISCHER KIRCHENBEZIRK GEISLINGEN    
Hansjörg Frank
1. Vorsitzender der Bezirkssynode


Bezirkssynode des Kirchenbezirks Geislingen am

Freitag, 18. November 2016, um 17.30 Uhr
im Paulus-Gemeindezentrum, Geislingen, Hohenstaufenstr. 35

Leitung:         Hansjörg Frank
Protokoll:         Pfarrerin zA Claudia Dreier
Andacht:         Pfarrerin Kathinka Kaden
Grußworte

TAGESORDNUNG

1.    Kurzbericht aus der Landessynode von Landessynodale Anita Gröh

2.    Veränderungen bei Pfarrerinnen und Pfarrern

3.    Bericht von Dekan Martin Elsässer mit Aussprache

4.    „Aktionsplan Inklusion“ des Diakonischen Werks Württemberg – Pfr. Thomas    Stürmer – Präsentation und Aussprache

P A U S E   mit  Imbiss

5.    Einsetzung und Beauftragung Pfarrplanausschuss
Aus den Distrikten zur Wahl in den Ausschuss vorgeschlagen:
Alb:         Claudia Martin (Amstetten)   und Pfrin Helga Striebel (Türkheim-Aufhausen)
Geisl.:      Klaus Kohle (Eybach)            und Pfr. Dietrich Crüsemann (Geislingen)
Ob. Fils:   Thomas Dohn (Bad Überkingen) und Pfrin Magdalena Smetana (Gruibingen)
Unt.Fils:   Erich Distel (Donzdorf)          und Pfr. Matthias Ebinger (Kuchen)

6.    Wahlen in beschließende Ausschüsse
Aus den Distrikten zur Nachwahl Pfarrer/innen vorgeschlagen:                 
6.1 Kirchenbezirksausschuss:  Pfr. Georg Braunmüller (Distrikt Obere Fils)
                                                  Pfr. Frank Esche (Distrikt Geislingen)
6.2 Leitungskreis Erwachsenenbildung: Pfr. Wolfgang Krimmer (Distrikt Obere Fils)

7.    Feststellung Rechnungsabschluss 2015

8.    Plan für die kirchliche Arbeit: Umlagebeschluss 2016
 - Bekanntgabe Genehmigung des OKR

9.    Pauschalierte Kirchensteuerzuweisung 2017 an die Kirchengemeinden
- Berechnung der Kirchensteuerzuweisung 2017
- Kirchensteuerverteilung 2016-2020 im Kirchenbezirk Geislingen
- Übersicht Pauschalierte Kirchensteuerzuweisung 2017
- Beschlussvorlage Kirchensteuerzuweisung 2017 an die Kirchengemeinden

10.    Plan für die kirchliche Arbeit des Kirchenbezirks 2017
-Erläuterung des Planes
-Einzelpläne – Anlage
Beschluss des Planes 2017 und der Bezirksumlage

11.    Bekanntgabe aus dem Innovationsausschuss

12.    Sonstiges


Bericht des Dekans

Protokoll Bezirkssynode 18. November 2016

Unspektakulärer Haushalt und viele Personalien

Claudia Burst, Geislinger Zeitung


Die Bezirkssynode tagte erstmals im großen Saal des Pauluskirchenzentrums. Sie arbeitete zwölf Tagesordnungspunkte in knapp vier Stunden ab.



Im Mittelpunkt der Herbstsynode stand der Vortrag über den „Aktionsplan Inklusion“ des Diakonischen Werks Württemberg sowie der Bericht von Dekan Martin Elsässer. Es war sein erster nach eineinhalb Jahren als Dekan.

Kreisverwaltungsdirektor Hans-Peter Gramlich kam mit Grüßen des Landrats und „vor allem wegen Ihres heutigen Themas Inklusion.“ Er betonte, dass Menschen, die davon betroffen seien, einen Anspruch darauf hätten, nicht benachteiligt zu werden. „Inklusion ist ein Megathema“, betonte der Sozialdezernent, der wegen „der gemeinsamen Aufgabenstellung“ die Wichtigkeit der Vernetzung der unterschiedlichen Institutionen wie etwa Landkreisverwaltung und Kirche betonte.


Anita Gröh informierte über Entwicklungen aus der Landessynode.

Die seit der Frühjahrssynode neu eingesetzten Pfarrerinnen im Kirchenbezirk stellten sich vor: Claudia Dreier als Pfarrerin an der Paulusgemeinde und zur Dienstaushilfe im Kirchenbezirk, Helga Steible-Elsässer in Bad Überkingen, Maren Pahl, die von der Pauluskirche nach Schalkstetten wechselte und Michaela Köger, die in Süßen jetzt als geschäftsführende Pfarrerin tätig ist. Ulrike Ebisch, seit 15 Jahren geschäftsführende Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Geislingen-Altenstadt jedoch verabschiedete sich von den Synodalen: im Januar verlässt sie Geislingen in Richtung Kirchdorf / Iller. Sie betonte die „ausgesprochen gute kollegiale Zusammenarbeit“ im Bezirk und dass sie viel Freude an ihrer Arbeitsstelle gehabt habe.


Begrüßt wurden darüber hinaus Felix Witte als neuer Bezirksjugendreferent beim Evangelischen Jugendwerk, Franziska Scheible, die dort als Zweite Vorsitzende neben Theresa Machacek fungiert sowie Jonathan Krauter, der ein Freiwilliges Soziales Jahr beim EJW absolviert.


Die Delegierten der Synode stimmten einstimmig für die Einsetzung eines Pfarrplan-Ausschusses, weil ab März 2017 der neue Pfarrplan 2024 in Angriff genommen wird. Die genauen Zahlen, wie viele Pfarrstellen im Kirchenbezirk gekürzt werden müssen, entscheiden sich erst bei der Tagung der Landessynode in der Woche vor der nächsten Kirchenbezirks-Sitzung. Erst 2018 steht schließlich fest, wo im Bezirk wie auf den Pfarrplan reagiert wird, die Umsetzung erfolgt spätestens 2024.


Kirchenrechner Klaus Machacek erläuterte einen, wie er sich ausdrückte, „unspektakulären Haushalt 2017“, der danach einstimmig beschlossen wurde. Die jährliche Spende über 2500 Euro geht ans Gustav-Adolf-Werk, laut Entscheidung der Synodalen.

Ungewollte Entwicklungen

Landessynodale Anita Gröh

Geislinger Zeitung, Claudia Burst


Gerichtliche Auseinandersetzung um Johanneskirche zieht landesweite Folgen nach sich

Wie die Landessynodale Anita Gröh bei der Bezirkssynode in Geislingen berichtete, zieht die gerichtliche Auseinandersetzung um die Beteiligung der Gemeinde Gingen an  den Kosten zur Renovierung der Johanneskirche weit reichende und, wie sie sich ausdrückte, „so nicht gewollte“ Entwicklungen nach sich.

2014 hatte sich die bürgerliche Gemeinde erfolgreich gerichtlich durchgesetzt, dass nicht mehr das „Württembergische Kirchengemeindegesetzt von 1887“ zum Tragen kommt, nach dem sie fünf Sechstel der Kosten hätte übernehmen müssen, sondern dass ihre Beteiligung an den Kosten für die Kirchenrenovierung auf ein Drittel reduziert wird.


Als Folge dieses Gerichtsurteils hätten inzwischen 31 Kommunen um eine Anpassung ihrer Beteiligungssätze nachgesucht, informierte Gröh, und Esslingen habe seine Verpflichtung gegenüber seiner Kirchengemeinde sogar ganz gekündigt.

Deshalb biete der Oberkirchenrat seine Beratung in den Verhandlungen mit den Kommunen an und stimmt sich darin auch mit der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart ab. Änderungen der Vereinbarungen mit den Kommunen seien durch den Oberkirchenrat zu genehmigen.

„Dies ist im Blick auf die circa 530 noch bestehenden Vereinbarungen zwischen kirchlichen und bürgerlichen Gemeinden notwendig, um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu erreichen“, machte Anita Gröh klar.

Der Gingener Pfarrer Matthias Krauter legte in diesem Zusammenhang Wert auf die Feststellung, dass nicht die Kirchengemeinde Gingen den Weg zum Gericht gesucht habe, sondern der Oberkirchenrat mit Gingen einen Präzedenzfall geschaffen habe, um eine grundsätzliche Gerichtsentscheidung herbeizuführen.                                                        

 

 

Der Pfarrplan ist ein Dilemma

© Evangelischer Kirchenbezirk Geislingen

Dekan Martin Elsässer

Geislinger Zeitung, Claudia Burst

 

Dekan Martin Elsässer hält seinen ersten „Dekansbericht“ in der Bezirkssynode

In seinem ersten Dekansbericht nach eineinhalbjähriger Tätigkeit als Dekan in Geislingen ging Martin Elsässer am Freitag bei der Bezirkssynode auf die Themen Diakonie, Kirchenbezirk, Reformation – und den Pfarrplan 2024 ein.

„Der Pfarrplan ist ein Dilemma, anders kann ich es nicht sagen“, stellte er fest.
Es hat vor allem vier Gründe dafür, bis 2024 und dann erneut bis 2030 jeweils 15 Prozent der Pfarrstellen zu reduzieren – was für den Kirchenbezirk Geislingen jeweils drei bis vier Stellen bedeutet: die Gemeindegliederzahlen gehen seit Jahren und auch in Zukunft vor allem wegen des demografischen Wandels kontinuierlich zurück.

 

Die Anzahl der aktiven Pfarrer sinkt deutlich zwischen 2020 und 2030, weil dann wegen der damals geburtenstarken Jahrgänge viele gleichzeitig in den Ruhestand gehen. Dazu kommt, dass es immer weniger evangelische Theologen gibt, die diese Lücken auffüllen könnten. Außerdem entsteht ein immer deutlicheres Gefälle zu Gunsten der Ballungsräume.

 

„Der Pfarrplan ist die – bisher – alternativlose Strategie, mit diesen Entwicklungen sinnvoll umzugehen“, erklärte Elsässer, bekannte aber offen: „Er führt uns in Verluste, die niemand beschönigen kann.“  In der Folge müsste die Gestaltung der gottesdienstliche Angebote, die Entlastung von Verwaltungsaufgaben und die intensivere Zusammenarbeit von mehreren Kirchengemeinden überdacht und neu strukturiert werden.



Aktuell:  Umsetzung des Pfarrplans 2018

Zeitplan für Pfarrplan 2024:

18. November 2016: Bezirkssynode setzt Pfarrplan-Sonderausschuss ein
16.bis 18.März 2017: Landessynode berät über Pfarrplan mit konkreten Zielzahlen
25.März 2017: Bezirkssynode erfährt Zielzahlen für Kirchenbezirk Geislingen, Arbeitsphase I für Pfarrplan-Sonderausschuss beginnt
17. November 2017: Beratung in Bezirkssynode über bezirkliches Stellenverteilungskonzept, danach Beratungen in Kirchengemeinden, danach Arbeitsphase II des Pfarrplan-Sonderausschusses
März 2018: Bezirkssynode beschließt neues Stellenverteilungskonzept
Ende 2024: alle Beschlüsse müssen umgesetzt sein



Die Kunst der kleinen Schritte

© Evangelischer Kirchenbezirk Geislingen

Pfarrer Thomas Stürmer, Diakonisches Werk Württemberg

Geislinger Zeitung, Claudia Burst



Referent Pfarrer Thomas Stürmer stellt bei der Bezirkssynode den „Aktionsplan Inklusion“ des Diakonischen Werks Württemberg vor.


„Inklusion ist das ureigene Anliegen der Kirche“, betonte Gastreferent Thomas Stürmer am Freitagabend bei der Synode des Geislinger Kirchenbezirks. Zur Bekräftigung zitierte er aus dem ersten Mosebuch: „… und er schuf den Menschen als sein Ebenbild.“

 

Der Pfarrer mit der Sonderpfarrstelle im Diakonischen Werk Württemberg war nach Geislingen gekommen, um den von der Landessynode beschlossenen „Aktionsplan Inklusion“ vorzustellen. Inklusion werde in Kirchengemeinden sowie in kirchlichen oder diakonischen Einrichtungen bereits vielfach gelebt. Es gehe beim Aktionsplan darum, dies in Zukunft systematischer und bewusster zu tun. Und auch darum eigene Haltungen und Einstellungen zu reflektieren. „Wenn Sie Lust bekommen, einige unser Vorschläge umzusetzen, habe ich mein Ziel erreicht“, erklärte Stürmer im Voraus. Inklusion sei kein neues Thema, sagte er. „Armut, Behinderung, Außenseiter gibt es schon immer – aber ihre Inklusion ist immer noch nicht selbstverständlich.“

 

Im Gegenteil, machte er deutlich, „wir leben in einer explosiven Gesellschaft“: Pränatale Diagnostik sei nicht nur Erleichterung für werdende Eltern, sie setze sie auch unter Druck. Oder Flüchtlinge – jeder sei froh, dass kaum noch welche kommen. Oder Tafelläden. „Wir haben uns an sie gewöhnt, aber die Armut immer noch nicht überwunden.“

 

Als erstes müsse deshalb jeder seine eingefahrenen Denkmuster auflösen. Um das zu erreichen, müssten Begegnungen geschaffen werden, „denn daraus wächst die Erfahrung, wo welche Gegebenheiten geändert werden müssen.“ Der Referent machte auf viele Defizite aufmerksam, seien es Treppen oder schlechte Akustik oder die fehlende einfache Sprache im Gemeindebrief.
Er schlug vor, die außerhalb Stehenden in die Gesellschaft hereinzuholen, indem man die eigene Haltung ändert. „Es geht nicht um Projektitis“, flachste er, sondern „um die Kunst der kleinen Schritte.“ Um zu erkennen, wo solche Schritte nötig und möglich seien, gebe es eine einfache Möglichkeit: „Reden sie mit Selbsthilfegruppen, mit Obdachlosen, mit Flüchtlingen oder mit Menschen, die irgendwie gehandicapt sind. Dann erkennen Sie schnell, wo es hakt und wo man wie was ändern kann.“
Stürmer gab zu, dass ein solcher Schritt oder die vielen kleinen einen am Anfang verunsichern könnten. „Aber sie bereichern auch. Lassen Sie sich darauf ein“, appellierte er.

 

Das Diakonische Werk werde Hilfestellung dazu leisten. „Wir beraten Sie, wir haben Referenten, es gibt Zuschüsse. Kommen Sie auf uns zu“, warb er – und erhielt am Ende seiner Ausführungen zumindest Beifall.



Der Rat der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) hat 2014 in seiner Orientierungshilfe „Es ist normal, verschieden zu sein“ die Landeskirchen aufgefordert, Aktionspläne zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention auszuarbeiten. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg setzt diese Aufforderung gemeinsam mit ihrer Diakonie um.

Ziel Kirchengemeinden, kirchliche Werke und diakonische Einrichtungen sollen die Inklusion von Menschen mit eingeschränkten Teilhabemöglichkeiten systematisch fördern. Der Aktionsplan möchte zur Reflexion von Haltungen und Einstellungen, zur Weiterentwicklung von Strukturen, zu mehr Beteiligung und zur sozialräumlichen Vernetzung beitragen. Auf allen Ebenen der Landeskirche und ihrer Diakonie möchte der Aktionsplan Teilhabe durch Beratung, Begleitung und Unterstützung nachhaltig fördern.
Info www.aktionsplan-inklusion-leben.de