Geislinger Pfarrkonvent in Sachsen

Die Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenbezirk Geislingen vor der Synagoge in Dresden

Die gemeinsame Fortbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer des Geislinger Kirchenbezirks führte dieses Jahr nach Sachsen.

"Wahrnehmung der kirchlichen und gesellschaftlichen Situation in den neuen Bundesländern" war der Inhalt dieser Fortbildung.

 

 

  

Der Klosterhof S. Afra, Sitz der Evangelischen Akademie Meissen

Vier Tage lang, vom 16. bis 19. Juli 2007, fand der Pfarrkonvent des Geislinger Kirchenbezirks in Sachsen statt. Unterkunft war in der Evangelischen Akademie Meissen, einer Einrichtung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens, gegründet im Jahr 1949.

 

Der Dom in Meissen

Die Stadt Meissen, die über 1000-jährige "Wiege Sachsens" ist berühmt durch ihren gotischen Dom.

Der Bau des Doms begann zwischen 1240 und 1260 – zunächst als Umbau einer Basilika. Der Vorgängerbau an diesem Ort war schon im Jahr 968 anlässlich der Gründung des Bistum Meissen durch Kaiser Otto I. als kleine Kapelle errichtet und in den Jahren 1006 bis 1073 in eine viertürmige romanische Basilika umgebaut worden, die man zur bischöflichen Kathedralkirche erhob.

 

Der Meissner Dom

Meissner Dom

Um 1260 begann der eigentliche Bau des Doms, einer gotische Hallenkirche. Ab 1268 waren der Chor und der Kreuzgang nutzbar. Der "Naumburger Meister" hat zahlreiche Skulpturen geschaffen.

 

»Der Dom zu Meißen ist zwar von mäßigem Umfange, aber von vollendeter Schönheit. Hohe, ringsum mit schlanken Säulen verzierte Pfeiler tragen das mächtige Gewölbe. Den erhabensten Eindruck bringt der Anblick des Inneren des Doms hervor, wenn man sich auf die Stufen des Grabmals Friedrich des Streitbaren stellt und hinaus oder vielmehr hinein in die säulentragende hohe Gotteshalle blickt. Sie erhebt sich wie ein Gebet aus Stein, wie die verkörperte Andacht voriger Jahrhunderte.«

Johann Sporschil, 1842

 

 

 

Dekanin Gerlinde Hühn und Superintendentin Ulrike Voigt, Lübben

 

Der erste Abend gehörte dem Gespräch mit Superintendentin Voigt aus Lübben. Sie berichtete, dass es in ihrem Kirchenbezirk bzw. Kirchenkreis noch 20 Pfarrstellen gäbe, zur Wendezeit waren es noch 33.  Der Kirchenkreis muss 90 Kirchengebäude erhalten, davon stehen 89 unter Denkmalschutz. Trotz der erheblichen finanziellen und personellen Probleme, die diese Situation bedeutet, vermittelte Ulrike Voigt eine offene, optimistische Zukunftshaltung, die beeindruckte.

 

Pfarrer Peter Heiter schreibt:

"Oft merkt man erst beim Blick auf das Fremde, wie reich man eigentlich zu Hause ist. Diese Erfahrung machte ich kürzlich, als ich Kolleginnen und Kollegen im Osten Deutschlands traf, die unter finanziell und personell schwierigen Verhältnissen Kirche leben. Was mich sehr beeindruckte: Weil die finanziellen Mittel äußerst knapp sind, fand man dort kreative Lösungen. Weil zum Beispiel in manchem kleinen Dorf der für unzählige Gemeinden zuständige Pfarrer nur alle vier Wochen Gottesdienst halten kann, treffen sich dennoch sonntäglich Menschen in der Kirche: Sie halten selbst Gottesdienst, zünden die Kerzen an, lesen das Evangelium und sprechen Gebete. "

Kathrin Koch von der Arbeitsloseninitiative "Netzwerk" in Mittweida

Der zweite Tag wurde in Mittweida verbracht, in einer beeindruckenden Arbeitsloseninitiative namens "Netz-Werk".

 

Ein Projekt von Netz-Werk ist "Möbelwert". Möbelwert nimmt als Spende nach Besichtigung von der Kaffeetasse bis zur Schrankwand alles entgegen, was noch brauchbar ist. Diese Gegenstände werden aufgemöbelt und zu kleinen Preisen verkauft. Der Verkauf erfolgt auf 1.800 qm Fläche.

Ein weiteres Projekt ist die "Soziale Textilwerkstatt". Dort werden aus Alt- und Restmaterialien unter dem Namen "Piet Rosse" moderne, individuelle und witzige Mäntel, Jacken, Kleider, Röcke, Tagesdecken sowie Bezugs- oder Polsterstoffe gefertigt.

In der Historischen Schneiderei wird Mode "uralt" angeboten. Exakt nach Vorlage wird Kleidung vergangener Jahrhunderte gefertigt - für Museen und Ausstellungen.  

 

Ingo Friese, stellvertretender Leiter vom "Verein zur Förderung der Beruflichen Bildung" (VFB) informierte über diese Initiative. Der Verein widmet sich vor allem der Bildung, Erziehung und Betreuung benachteiligter Jugendlicher und Kinder. Zentrales Anliegen ist die Durchführung von Berufsvorbereitungslehrgängen von benachteiligten und lernbehinderten Jugendlichen zur Erlangung der Berufsreife und die Ausbildung der Jugnedlichen in ca. 30 Berufen. 

 

Ein äußerst sachkundiges Referat über rechtsradikale Entwicklungen in Sachsen schlossen sich an. Petra Zaiss, Mitarbeiterin der Mobilen Beratung Chemnitz, Kulturbüro Sachsen, informierte.

In der Werkstatt der Arbeitsloseninitiative "Netzwerk"

Martin Breitling, Christoph Wiborg und Dietrich Crüsemann "testen" die gerichteten Stühle

Petra Zaiss, Referentin bei der Mobilen Beratung Chemnitz zu Rechtsradikalismus und Ingo Friese, stellvertretender Leiter des VFB

Pfarrer Trautmann von der Frauenkirche Dresden informiert

Der dritte Tag war der sächsischen Landeshauptstadt Dresden gewidmet. Früh am Morgen fand ein Gespräch mit Pfarrer Treutmann von der Frauenkirche statt.  Täglich besuchen durchschnittlich 10.000 Menschen die Frauenkirche. Die Frauenkirche hat zwar keine eigene Gemeinde, dafür aber eine intensive Zielgruppen- und Citykirchenarbeit.  

Der anschließende Gang durch die Frauenkirche vermittelte einen Eindruck vom "Wunder der Versöhnung" , das durch den Wiederaufbau symbolisiert ist.

 

 

10.000 Menschen besuchen durchschnittlich am Tag die Frauenkirche

Das alte Original-Turmkreuz hatte Johann Georg Schmidt hergestellt. Am 1. Juni 1993 wurde dieses so genannte Kuppelkreuz in den Trümmern der Frauenkirche unerwartet wieder gefunden. Da es schwer beschädigt war, wurde es beim Wiederaufbau durch ein neues mit vergoldetem Strahlenkranz ersetzt. Alan Smith, ein Londoner Kunstschmied und Sohn eines der englischen Piloten, die Dresden bombardiert hatten, schuf das acht Meter hohe Kreuz (Wert 500.000 Euro). Es wurde mit Spenden des „Dresden Trust“ aus Großbritannien finanziert. Im Februar 2000 wurde das neue Kreuz aus Anlass des 55. Jahrestages der Zerstörung vom Schirmherr des Dresden Trust, dem Herzog von Kent, in Dresden übergeben und konnte bis zu seinem Aufsetzen besichtigt werden. Am 22. Juni 2004 wurde es als „Versöhnungskreuz“ zum Zeichen der Freundschaft zwischen Großbritannien und Deutschland in Anwesenheit von 60.000 Zuschauern auf die Kuppel gesetzt. Damit wurde nach über 59 Jahren die historische Silhouette der Stadt Dresden wieder hergestellt.

Das "alte" und das "neue" Turmkreuz.

Die Synagoge in Dresden

Weiteres Ziel in Dresden war die neue Synagoge. Sie steht auf dem gleichen Platz wie die im Dritten Reich zerstörte alte Synagoge.  Bei der Führung wurde über die Geschichte der Juden in Dresden berichtet. Heute hat sich eine ungewöhnlich gute Zusammenarbeit zwischen der reformierten jüdischen Gemeinde und den christlichen Gemeinden in Dresden entwickelt.

 

Der Davidstern über dem Eingang zur Synagoge (siehe Pfarrersbild ganz oben) wurde in der Reichsprogromnacht am 09. November 1938 von einem Dresdener Feuerwehrmann gerettet und bei großem persönlichen Risiko aufbewahrt. Nach dem Krieg übergab er ihn an die jüdische Gemeinde.

 

Inschrift an der Wand bei der Synagoge:

Bis 1933 lebten in Dresden mehr als 5000 Juden.

Auf der Rückfahrt mit dem Bus, gefahren von Pfarrer Reinhard Hoene, wurde auf der Autobahn ein Unwetter besonderes extremer Art erlebt. Der Verkehr stand still, heftiger Regen, Hagel und Sturmboen ließen keine Weiterfahrt zu.