Pfarrkonvent 2010

Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenbezirks Geislingen

Im Jahr 2010 fand der Pfarrkonvent im Kloster Lehnin, Brandenburg, statt. Weitere Programmpunkte führten nach Magdeburg und Berlin.

 

Programm

Montag, 05. Juli
8.00   Abfahrt
16.00 Ankunft Lehnin
Zimmerbelegung

Klosterführung
 

Abendessen im Kloster Lehnin
Besprechung
Absprachen
Beieinandersein

Dienstag, 06. Juli
Frühstück
Pfarrerin Sabine Habighorst:
Neueste Seelsorgekonzeptionen

Das Kurz-Gespräch


Mittagessen

Pfarrerin Sabine Habighorst:
PfarrerIn sein in den neuen Bundesländern:
berufliche Identität.
Strukturen und Herausforderungen
Missionarische Chancen. Mögliche Veränderungen von Pfarrerbild, Gemeindebild, Kirchenbild.
Seelsorge in einer entkirchlichten Umwelt.

 

Mittwoch, 07. Juli
Frühstück
Abfahrt nach Magdeburg

10.00 – 11.00
Führung Magdeburger Dom

 

11.30 – 13.30 Mittagespause

 

14.00 Gespräch mit
Landesbischöfin Ilse Junkermann
Wie fusioniert man zwei Landeskirchen unterschiedlicher Bekenntnisstände?

Was sagt uns eine ehemalige Württembergerin für unsere Schwäbische Kirchensituation?

Donnerstag, 08. Juli
Frühstück 

9.30 Reichstag Berlin
Gespräch MdB Klaus Riegert

 

18.30 Uhr „Zentrum der Stadtmission am Hauptbahnhof

Abendessen im dortigen Gästehaus 
Treffen mit Pfr. Menn, stellv. Leiter der Stadtmission in Berlin
Bericht über die Arbeit

21.00 Abfahrt nach Lehnin

 

Freitag, 09. Juli
Frühstück
8.00 Abfahrt

16.00 Uhr Geplante Ankunft in Geislingen

 

 

Ankunft im Kloster Lehnin, Brandenburg

Das ehemalige Zisterzienserkloster Lehnin bietet in seinen historischen und modernen Gebäuden eine Vielzahl von Räumen für Veranstaltungen.

Seelsorge

Pfarrerin Sabine Habighorst, zuständig für die Seelsorge-Ausbildung in der Kirche Berlin-Brandenburg-Oberschlesische Lausitz

Pfarrerin Sabine Habighorst sprach beim Pfarrkonvent des Geislinger Kirchenbezirks zu Seelsorge.

 

Zunächst ging es um den Begriff "Seelsorge":

Der leitende Satz der Seelsorge heißt:
Gott ist der schöpferische Grund alles Seins.
Unser Sein ist verdankt, geschenkt, begrenzt.

Das ist auch eine Anfrage an unsere Kultur des Leistungsdruckes, verbunden mit der Forderung nach Fitness und Erfolg.

 

Der hebräische Wort für Seele heißt „näphesch“, das bedeutet zunächst Kehle, dann aber auch Bedürftigkeit und meint den ganzen Menschen. Es kann auch heißen: Begierde, Vernunft, Willen

 

Bei "Sorge" kann man unterscheiden:
Sorge für etwas, Sorge um etwas, oder Sorge als Sorge um sich selbst.
Unter Seelsorge wurde sehr lange Fürsorge verstanden, Aufmerksamkeit und Respekt. Das nimmt aber unter Umständen dem Anderen Freiheit.
 
Das traditionelle Verständnis von "Seelsorge" läuft Gefahr, den Seelsorger als Subjekt, den anderen als Objekt zu sehen. M. Kleßmann spricht von der "sanften Macht der Hirten".
Seelsorge war lange defizitorientiert. Sie schaute nach Konflikten, Krankheit, Not.
In der Gegenwart richtet Seelsorge ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf die Ressourcen des Gegenübers und mögliche Lösungen.
 
Gegenwärtige Seelsorge will sein:
Ein niederschwelliges Angebot zur zwischenmenschlichen Begleitung, um die Lebens- und Glaubenswirklichkeit des Gegenübers zu stärken.  
In der Seelsorge ist der Mensch als Ganzes zu sehen, und in seinen Beziehungsmöglichkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten.

 

Die Seelsorge in der Gegenwart richtet sich vermehrt an verschiedene Zielgruppen:
Notfall-Seelsorge, Krankenhaus-Seelsorge, Gefängnis-Seelsorge, Schul-Seelsorge usw.

 

Immer wichtiger wird die interkulturelle Seelsorge:
Der Umgang mit verschiedenen Religionen, mit selbstgemachter Frömmigkeit wird immer aktueller.
Vor allem in der Kindergarten-Arbeit ist dies Konzept wirkungsvoll: die Begegnung mit Anderen, mit Fremden geschieht dort.
Hier stellt sich die Frage: "Was ist meine Religion, mein Glauben? Wie übersetze ich das?"

Es gilt, die eigene Identität zu stärken in einer Zeit der Pluralität und zu fragen: Was bedeutet es für unser Miteinander, dass so viele Muslime in diesem Stadtteil wohnen? Was bedeutet ihnen ihr Glaube? Was bedeutet uns unser Glaube?
Seelsorge wird hier Übersetzungsarbeit.

 

Pfarrerin Sabine Habighorst warnte vor Harmonisierung, die echte Begegnung verhindert. Zu sagen:
- „Das kenne ich“
- „Wir glauben doch eh an einen Herrgott“ verhindert die Diskussion um Unterschiede, und das Gespräch verflacht.

 

Bedacht werden muss, dass es ein "vorurteilsfreies Verstehen" nicht gibt: "Vor-Urteile" sind da.

 

Auch Seelsorge an Demenz-Erkrankten wird immer wichtiger:
"Mein Gegenüber führt mich in eine ganz und gar fremde Welt. Mit viel Respekt bewegen wir uns tastend, erkundend, bis wir diese Welt wieder verlassen".

Annäherung heißt Handeln zwischen Nähe und Distanz:
- Fremdes öffnet sich, erschließt sich, wird deutbarer
- Eigenes wird hinterfragt

Gemeinsam wird eine Welt von Bedeutungen konstruiert, das erfordert permanent sprachliche Verständigung.

Die Stärkung der kulturellen Identität im interkulturellen Kontext greift auf Impulse der Befreiungstheologie zurück.

 

Ein weiterer Aspekt ist die diakonische Seelsorge.
Hier geht es um ganz konkrete Lebenshilfe
Andere sind in ihrem Anderssein ernst zu nehmen. Paternalistisches Verhalten stärkt die Eigenverantwortung des anderen nicht.

 

Seelsorgerinnen und Seelsorger sollen, so Pfarrerin Habighorst, Experten ihrer eigenen Biografie und ihrer eigenen Kultur sein. Sie sollen Lernende sein, die den Kontakt mit Fremden wollen und kritisch den eigenen Glauben und die Herrschaftsansprüche der eigenen Kirche reflektieren

 

Anschließend gab sei eine sehr interessante Einführung in die Methode des Kurzgesprächs.
Die kann aber nur in einem zertifizierten Kurs erlernt werden.

 

 

Link: www.kurzgespraech.de

 

Seelsorge - Pfarrerin Sabine Habighorst informiert

Magdeburger Dom

Magdeburger Dom

Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ die Führung durch den Dom in Magdeburg.

 

Der Bau des gotischen Neubaus der Kathedrale dauerte über 300 Jahre vom Baubeginn 1209 bis zur Vollendung der Türme im Jahre 1520. Der Magdeburger Dom ist das älteste gotische Bauwerk in Deutschland. Der Dom hat eine Gesamtinnenlänge von 120 m und eine Deckenhöhe von 32 m. Die Türme sind 99,25 m (Südturm) und 104 m (Nordturm) hoch.

 

 

Vermutlich Otto I. mit Gattin Editha, Magdeburger Dom

Erzbischof Albrecht hatte in Frankreich studiert und es wird immer wieder vermutet, dass die Entscheidung für einen modernen, gotischen Chorgrundriss auf ihn zurückgeht. Nachweisbar ist das freilich nicht.

 

Der Bau des Chors begann 1209, zwei Jahre, nachdem der alte Dom niedergebrannt war. Allerdings ist das Umgangserdgeschoss trotz des gotischen Grundrisses noch spätromanisch. Der gotische Formenschatz wurde erst nach und nach aufgenommen und erst das Umgangsobergeschoss, der sogenannte Bischofsgang, ist wirklich frühgotisch. Hochgotisch ist dann der Obergaden des Chores, der wiederum höher als ursprünglich geplant aufgeführt wurde.

 

Die veränderte Bauachse ist sehr wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass der Dom nun auf die Grabstätte Ottos des Großen ausgerichtet wurde. Sie hatte sich an der Nordseite des ottonischen Doms befunden, wahrscheinlich im Nordquerhaus, im gotischen Neubau liegt sie in der Vierung zwischen den Reihen des Chorgestühls. Editha, die erste Frau Ottos I., war zunächst in der Kirche des Moritzklosters bestattet worden. Das Grab wurde dann in das Nordquerhaus des ottonischen Domes verlegt. Das Grab muss nach dem Beginn des gotischen Neubaus in diesen verlegt worden sein. Das im Scheitel des Chorumgangs aufgestellte Grabmal enthält nach neuesten archäologischen Erkenntnissen Reste ihrer Gebeine in einem kleinen Bleikasten.

Ausgrabungen im Innern des Magdeburger Doms (Bild links), der Chor des Domes (Bild rechts)

Das Magdeburger Ehrenmal von Ernst Barlach

Das Magdeburger Ehrenmal stammt von Ernst Barlach aus dem Jahre 1929 und ist den Opfern des Ersten Weltkrieges gewidmet. Während der NS-Zeit wurde das Mal auch auf Drängen des damaligen Domgemeinderates vorübergehend entfernt und 1955 wieder im Dom aufgestellt.

Zur Zeit der Reformation war Magdeburg eine Hochburg des Protestantismus, nicht zuletzt weil Erzbischof Albrecht von Brandenburg einen regen Ablasshandel betrieb und dadurch den Unmut der Bürger auf sich zog. Nach seinem Tod 1545 wurde der Dom für 20 Jahre geschlossen. 1567 wurde der Dom protestantisch, am ersten Advent feierte man dort den ersten evangelischen Gottesdienst. Erster protestantischer Domprediger war Siegfried Saccus.

Die Truppen General Tillys eroberten die Stadt während des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1631. Über die folgende Plünderung und Zerstörung waren die Zeitgenossen in ganz Europa entsetzt. Tausende Magdeburger hatten sich im Dom verschanzt und sollen ihr Überleben dem Domprediger Reinhard Bake verdanken, der mit einem Kniefall vor Tilly um das Leben der Magdeburger bat.

 

1680 wurde das Erzbistum nach den Vereinbarungen im Westfälischen Frieden säkularisiert und der weltliche Besitz ging als Herzogtum Magdeburg an Brandenburg über. Nach 1806, als Magdeburg an Napoleon übergeben wurde, wurde der Dom der Überlieferung zufolge als Lager und auch als Pferdestall genutzt. Angeblich gehen die in die Mauern des Kreuzganges eingefügten Eisenringe auf diese Zeit zurück. Die Besatzung endete 1814. Friedrich Wilhelm III. von Preußen ließ den Dom zwischen 1826 und 1834 umfangreich restaurieren.

 
Der Dom wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Am 16. Januar 1945 traf eine Bombe den Dom, beschädigte die Westfassade und zerstörte die Orgel. Zum Glück konnte das Feuer rechtzeitig gelöscht werden, so dass der Dachstuhl weitgehend intakt blieb. Nach Restaurierungsarbeiten wurde der Dom 1955 wieder eröffnet und eine kleinere Orgel gebaut. Seit 1983 werden Teile des Doms erneut restauriert.

Im Jahr 2009 feierte Magdeburg den 800. Geburtstag des Domes.

Der Dom in Magdeburg

Gespräch mit Bischöfin Ilse Junkermann

Landesbischöfin Ilse Junkermann

"Wir sind Kirche für andere im öffentlichen Leben".

 

Bischöfin Ilse Junkermann, ehemals Oberkirchenrätin in der Württembergischen Landeskirche" sprach mit den Pfarrerinnen und Pfarrern des Geislinger Kirchenbezirks über die Situation der Kirche in den neuen Bundesländern.

 

"Stein-reich" sei die Mitteldeutsche Kirche, so Bischöfin Junkermann. Denn 18,5 % aller Kirchen in Deutschland seien auf dem Gebiet der fusionierten Mitteldeutschen Kirche, ehemals die Thüringer Landeskirche und die Landeskirche der Kirchenprovinz Sachsen.  Und 80 % dieser Kirchen seien älter als 200 Jahre. Auf 230 Gemeindeglieder käme im Durchschnitt ein Kirchengebäude.

 

Es gibt so gut wie keine Volkskirche, äußerte die Bischöfin. Die Konfessionslosigkeit setze sich nun in der 3. Generation fort. 24 % der ehemaligen Thüringer Bevölkerung seien evangelisch, 14 % in der ehemaligen Kirchenprovinz Sachsen. Alte Kirchenmitglieder sterben, der Nachwuchs fehle. Stabilität herrsche in den Regionen, wo Zuzug wäre, etwa in Weimar und Jena. Es sei zu beobachten, dass Nichtchristen wegziehen und Christen zuziehen.

Dies alles erfordere einen Blickwechsel mit der Nachfrage, wo die Bedürfnisse der Menschen seien und was der Auftrag der Kirche wäre.

 

Die Entkirchlichung in der DDR war nach Auffassung von Bischöfin Junkermann sehr erfolgreich. Die offiziellen kirchlichen Strukturen wurden vom Staat sehr kurz gehalten. Der traditionelle Protestantismus hat sich aber gehalten. Dies ist auch deutlich geworden bei der Zusammensetzung der Runden Tische beim Zusammenbruch der DDR - viele kirchliche Vertreterinnen und Vertreter seien dort aktiv gewesen.

Leute seien zur Kirchenmitgliedschaft zu gewinnen, wenn ihre Sprache gesprochen werde und ehrliche Antworten gegeben würden.

 

Die Fusion der beiden ehemaligen Landeskirchen Thüringen und Kirchenprovinz Sachsen sei auch deshalb notwendig gewesen, weil die kirchliche Landkarte niemandem mehr zu vermitteln gewesen wäre. Die Fusion bedeute letztendlich Halbierung. Die ehemalige Kirchenprovinz Sachsen habe 65 Kirchenkreise gehabt. Jetzt seien es noch 20. Die Kürzungsbeschlüsse seien innerhalb eines Jahres umgesetzt worden. Bildungsstätten und Freizeitheime seien erheblich reduziert worden.

 

Nach Auffassung von Bischöfin Junkermann sei die neue Kirchenverfassung die modernste einer evangelischen Landeskirche im 21. Jahrhundert. Fehlen würde allerdings noch ein gemeinsames Finanzsystem und eine gemeinsame Stellenplanung.

 

Auf die Herausforderungen reagiert die neue EMK vielfältig.

 

Zum einen wird jährlich ein Projekt initiiert. Eines davon hieß

 

 "(Wieder)Eintritt - Getrauft. Konfirmiert. Ausgetreten? Nicht jede(r) Ex wartet auf Sie. Wir schon."

 

Für die Gemeinden entwickelte die Landeskirche eine Gemeinde-Agende, die zu den einzelnen Sonntagen Gottesdienst-Entwürfe beinhaltet. Die Gemeindeglieder werden somit in die Lage versetzt, einen Gottesdienst selbst zu gestalten. In der Mitteldeutschen Kirche hat jeder Pfarrer/Pfarrerin zwischen 3 und 12 Gemeinden zu versorgen. Somit kann nicht jeden Sonntag ein Pfarrer oder eine Pfarrerin vor Ort sein.

 

Die Pfarrerinnen und Pfarrer sind in den Kirchenkreisen angestellt, also nicht bei der Landeskirche. Bei dieser Art der Anstellung vor Ort besteht die Gefahr, dass die Identität mit dem Kirchenkreis, der Landeskirche und den Christen in der Welt verloren geht.

 

25 % aller Schulabgänger haben keinen Schulabschluss. Die Evangelischen Schulen sind nach Auskunft von Bischöfin Junkermann überlaufen. Grund sei auch, dass die staatlichen Schulen ein letzter Hort der SED-Getreuen wären. Der Religionsunterricht wird hauptamtlich geleistet und ist nicht im Pfarramt eingebunden.

 

Abschließend sagte Bischöfin Junkermann, dass die Kirche dort lebe, wo Ehrenamtliche mit ihren Gaben sich engagieren und qualifiziert begleitet werden.

 

Gespräch mit Landesbischöfin Ilse Junkermann (links), Dekanin Gerlinde Hühn und Bischöfin Junkermann (rechts)

Das Landeskirchenamt in Magdeburg

Der Dom und der Reichstag in Berlin

Gespräche in Berlin

Zwei Schwerpunkte waren für den Pfarrkonvent in Berlin vorbereitet:

 

Der Bundestagsabgeordnete des Landkreises Göppingen, Klaus Riegert, empfing die Gruppe im Paul-Loebe-Haus, direkt neben dem Reichstag.

 

Ein Gespräch mit dem Leiter der Berliner Stadtmissionsgemeinden, Pfarrer Ernst-Otto Menn, fand im Zentrum der Berliner Stadtmission beim Lehrter Bahnhof, dem neuen Hauptstadt-Bahnhof, statt.

 

Pfarrer Gerd-Ulrich Wanzeck (links) und MdB Klaus Riegert (rechts)

Klaus Riegert, langjähriger Bundestagsabgeordneter des Landkreises Göppingen, empfing die Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenbezirks zu einem Gespräch.

Er informierte über den Ablauf der Sitzungswoche des Bundestages und sprach einzelne Themenbereiche der Tagesordnung an.

 

Auf konkrete Nachfragen ging er auf die Situation der Abgeordneten ein, so z. B. über Abstimmungsverhalten des Abgeordneten oder die Absprachen zur Einteilung der Rednerinnen und Redner im Plenum.

 

Paul-Loebe-Haus in Berlin, eines der Abgeordnetenhäuser neben dem Reichstag.

MdB Klaus Riegert im Gespräch mit der Gruppe (links). An jede und jeden Abgeordneten des Reichs- bzw. Bundestages wird mit Namensschildern erinnert (rechts)

Auf der Kuppel des Reichstages

Auf dem Dach des Reichstages (links), im Fraktionssaal der CDU im Reichstagsgebäude

Die Berliner Stadtmission

Das Jugendgästehaus der Berliner Stadtmission

"Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn" (Jeremia 29, 7) ist der Auftrag der Berliner Stadtmission. 1877 wurde sie gegründet.

Der Leiter der 18 Gemeinden der Stadtmission, Pfarrer Ernst-Otto Menn, informierte über die Arbeit der Stadtmission.

 

Die Bevölkerungsexplosion im 19. Jahrhundert brachte Not in die Städte. Es herrschte Mangel an Wohnungen und Versorgung der Menschen. Die Kirche war mit dieser Situation völlig überfordert. Auf 800.000 Gemeindeglieder kamen 74 Pfarrer. Zudem stand die Kirche der Arbeiterschaft nicht nahe. Die Pfarrer selbst waren bürgerlicher Herkunft und verstanden sich als Kirche des Bürgertums und als Behörde. Hausbesuche waren absolut unüblich.

 

Die Stadtmission gründete sich 1877. Die Hauptaufgabe waren Hausbesuche. Daraus entwickelte sich die Frage: Wie kann in der Not geholfen werden? Es begann die sozialdiakonische Arbeit mit Beratung und Selbsthilfegruppen. Dies war der Beginn der missionarisch-diakonischen Bewegung.

 

Im Bereich der Diakonie kümmert sich die Stadtmission um Wohnungslose. Sie bietet Notübernachtung im Winter zwischen dem 1. November und 1. April. Nacht für Nacht finden 130 bis 140 Menschen bei der Stadtmission Unterkunft. Ein "Kältebus" fährt durch die Straßen und sammelt die unter der Kälte leidenden Obdachlosen ein.

Die Stadtmission bietet den Wohnunglosen ein Übergangswohnheim an und vermittelt angemietete Wohnungen.

 

 

 

 

Pfarrer Ernst-Otto Menn von der Berliner Stadtmission

Weiter aktiv ist die Stadtmission bei der Straffälligenhilfe und Jugendhilfe. Auch hat sie vier Seniorenheime. In der Gemeinwesenarbeit gestaltet sie Kiezarbeit mit, bietet Deutschunterricht anund betreibt eine Fahrrad-Werkstatt.

 

In der Missionsarbeit bietet die Stadtmission Gottesdienste im Hauptbahnhof an und auf Schiffen. Konkret für "Leute in Nadelstreifenanzug" macht sie das Angebot eines Frühschicht-Frühstücks mit Gespräch und Andacht.

 

In Berlin hat die Stadtmission 18 Personalgemeinden. Sie ähneln landeskirchlichen Gemeinschaften. Aufgenommen werden Menschen, die keiner anderen Kirche angehören. Mit ihrer Aufnahme in eine dieser Personalgemeinden sind die Aufgenommenen automatisch Mitglied der landeskirchlichen Parochialgemeinde.

 

Insgesamt haben die 18 Stadtmissionsgemeinden 1.200 Gemeindeglieder. 15 hauptamtliche Stadtmissionare sind tätig. Finanziert wird die Arbeit über die eigene Gemeinde und Spenden. Einmal im Jahr gibt die Landeskirche eine Kollekte. Davon kann etwa eine reguläre Pfarrstelle bezahlt werden.

 

Die Stadtmission hat 12 Hotels bzw. Gästehäuser in Berlin, Brandenburg und der Ostsee sowie ein Studentenwohnheim. Von den Erträgen aus dieser Arbeit finanziert sie auch ihre missionarisch-diakonische Tätigkeit.

 

2001 ist die Stadtmission in die Gebäude in der Lehrter Straße, direkt neben dem neuen Hauptstadtbahnhof, umbezogen. Der Berliner Senat suchte einen sozialen Träger und bot dieses Gelände der Stadtmission an. Die Kosten von 10 Millionen Euro sind noch nicht gesamt bezahlt. Die Stadtmission bittet deshalb hier um Spenden: 1 qm gute Saat für 500 €.

 

Gefragt, wie Pfarrer Menn die Möglichkeiten einschätzt, die landeskirchliche Gemeindepfarrer in Württemberg haben im Vergleich zu den Stadtmissionaren, antwortete Pfarrer Menn:

 

"Freuen Sie sich über das, was Sie immer noch haben. Der religiöse Grundwasserspiegel ist noch da, wenn auch die Konfessionslosigkeit in Westdeutschland zunimmt. Noch haben Sie als Pfarrerin bzw. Pfarrer den Fuß in der Tür. Leute begegnen uns noch mit einem großen Vertrauensvorschuss. Wir sollten die "Auch-Getauften" sehen, die nicht zu unseren Veranstaltungen kommen. Diese fallen sonst hinten runter."

 

Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenbezirks (links), Dekanin Gerlinde Hühn und Dekansstellvertreterin Ulrike Knapp (rechts)

Rechts: Pfarrer Holger Platz und Pfarrerin Birgit Enders

Links: Pfarrerin Martina Rupp

Pfarrer Reinhard Hoene (links) und Pfarrer Martin Breitling (rechts)