Prädikantendienst im Kirchenbezirk

Laien auf der Kanzel

Über einen Mangel an Diensten können sich die Prädikantinnen und Prädikanten im Geislinger Kirchenbezirk nicht beklagen. In 30 Kirchen im Bezirk finden regelmäßig Gottesdienste statt und diese ehrenamtlich tätigen Laien sind daran beteiligt.

 

Prädikantinnen und Prädikanten sorgen dafür, dass bei Vakaturen, Krankheits- oder Urlaubszeiten von Pfarrerinnen und Pfarrern keine Gottesdienste ausfallen.

Im Geislinger Kirchenbezirk sind zur Zeit als Prädikantin und Prädikant tätig:

  • Gerhard Barreith aus Oberböhringen
  • Beate Clement aus Süssen
  • Elisabeth Siegrist aus Geislingen
  • Friedrich Häfele aus Süssen
  • Hans Werner Löchli aus Süssen
  • Werner Maier aus Gingen
  • Bärbel Moosbrucker aus Geislingen-Eybach
  • Margaretha Stutvoet aus Geislingen
  • Georg Weber aus Lonsee 
  • Gabriele Weller aus Gingen

Wiederverpflichtung von Prädikantinnen und Prädikanten durch Dekan Martin Elsässer und Prädikantenpfarrerin Gabriele Renz

Unverzichtbarer Dienst

Dekan Elsässer verabschiedet Anita Bücheler aus dem Prädikantenamt

CLAUDIA BURST, Geislinger Zeitung

Bei der Bezirkssynode im März 2015 wurden zehn Prädikanten wiederverpflichtet und eine verabschiedet

„Sie bereichern die Vielfalt unserer Verkündigung“, lobte Dekan Martin Elsässer die elf Prädikanten, von denen sich zehn im Rahmen der Bezirkssynode wiederverpflichten ließen.

Mit einem „weinenden Auge“ verabschiedete sich Anita Bücheler von ihrer Zeit als Prädikantin. Eine „erfüllte, schöne Zeit“ sei es gewesen, die sie nur aus Altersgründen aufgebe. Anita Bücheler hat diese Aufgabe 24 Jahre lang ausgeübt. Im Rahmen der Bezirkssynode  bedankte sich Dekan Martin Elsässer bei der Oberböhringerin für ihr Wirken und überreichte ihr einen Blumenstrauß.

 


Zuvor hatten Dekan Elsässer und die Bezirksprädikantenpfarrerin Gabriele Renz zehn Prädikanten wiederverpflichtet – alles Christen, die ihr Ehrenamt bereits seit vielen Jahren ausüben. Er bezeichnete das Predigen und Gestalten des Gottesdienstes in unterschiedlichen Kirchengemeinden als unverzichtbaren Dienst. „Sie bereichern die Vielfalt unserer Verkündigung“, bedankte er sich, bevor er jeden einzelnen von ihnen mit Handschlag neu „im Aufsehen auf Jesus Christus“ für die nächsten Jahre verpflichtete.


Am längsten üben Werner Maier (Prädikantensprecher) aus Gingen und Georg Weber aus Lonsee dieses Ehrenamt aus: beide seit 1970, also seit 45 Jahren. Seit 1978 tut dies Hans-Werner Löchli aus Süßen, seit 1982 Gerhard Barreith aus Oberböhringen, seit 1990 Beate Clement aus Süßen, seit 1998 Bärbel Moosbrucker aus Eybach, seit dem Jahr 2000 Elisabeth Siegrist aus Geislingen, seit 2007 Gabriele Weller aus Gingen, seit 2008 Carola Behlen aus Donzdorf und seit vier Jahren Friedrich Häfele aus Süßen.


Prädikantinnen und Prädikanten bei der Beauftragung durch Dekan Elsässer

Prädikantinnen und Prädikanten, ehemals Lektorinnen und Lektoren genannt,  werden berufen. Der Kirchengemeinderat stellt fest, ob die Voraussetzungen gegeben sind und beschließt dann, diese Frauen oder Männer für den Prädikantendienst zu empfehlen. Dieser Beschluss wird an die Dekanin weitergegeben. In Absprache mit der Bezirksprädikantenpfarrerin, Ingeborg Brüning, geht dann die Anmeldung zur Ausbildung an das Landesprädikantenpfarramt.

 

Die Ausbildung geht etwa über eineinhalb Jahre und umfasst drei Kurse, die jeweils von Donnerstagabend bis Sonntagmittag dauern. Dort wird man in die Liturgie und Praxis des Württembergischen Gottesdienstes eingeführt, ebenso in die Arbeit mit biblischen Texten und Predigtvorlagen. Predigten werden vorgetragen und besprochen, Sprecherziehung wird geübt. Themen wie Gesangbuch, Kirchenjahr und Predigtlehre vervollständigen die Ausbildung.

Nach der Ausbildung werden die Prädikantinnen und Prädikanten in der Bezirkssynode in ihr Amt eingesetzt und in der Regel auf 6 Jahre beauftragt. Diese Beauftragung kann erneuert werden.

 

Der Dienst der Prädikantinnen und Prädikanten ist ein Ehrenamt. Nur den Fahrtkostenersatz und ein jährliches Büchergeld zu Weihnachten erhalten diese Männer und Frauen.

 

Werner Maier aus Gingen ist der Sprecher der Prädikantinnen und Prädikanten. Er ist erreichbar unter der Telefonnummer (07162)7738.

 

Beate Clement aus Süssen wurde in den Landesarbeitskreis der Prädikanten gewählt. Sie nimmt gerne Anregungen auf und gibt sie an den Landesprädikantenpfarrer, Hartmut Mildenberger, weiter. Beate Clement ist erreichbar unter der Nummer (07162)41124.

 

Die Prädikantenschaft des Kirchenbezirks wird regelmäßig zu Fortbildungen eingeladen.

 

Einmal im Jahr treffen sich die Prädikantinnen und Prädikanten der Kirchenbezirke Geislingen und Göppingen zum gemeinsamen Bezirksprädikantentag.

Prädikantinnen und Prädikanten der Kirchenbezirke Geislingen und Göppingen

 

 

Über den Prädikantendienst im Geislinger Kirchenbezirk erschien folgender Artikel in der Evangelischen Kirchenbezirks-Zeitung:

 

Den Alltag mit der Kirche verbinden
Prädikantinnen und Prädikanten erfüllen eine vornehme Aufgabe


Gut bekannt sind sie in den Kirchen im Geislinger Kirchenbezirk, die Prädikantinnen und Prädikanten. Es sind Laien, die sonntags die Gottesdienste leiten. Sie vertreten Pfarrerinnen und Pfarrer an ihren freien Sonntagen, bei Urlaub oder Krankheitsausfällen, und sie springen in Vakaturszeiten ein. Sie sorgen mit dafür, dass die Gottesdienste – Mittelpunkt im Gemeindeleben – regelmäßig stattfinden. Etwa 550 Prädikanten und 200 Prädikantinnen sind in der Württembergischen Landeskirche aktiv. Und sie haben im letzten Jahr in Württemberg über 9000 Gottesdiensten gestaltet. Das sind weit mehr als 10 % aller Gottesdienste in der Landeskirche.

 

Mehr Kirchen als Pfarrer

 

Besonders der Kirchenbezirk Geislingen ist auf den Dienst der Prädikantinnen und Prädikanten angewiesen. Zwischen 250 und 300 Gottesdienste verantworten sie in den 30 Kirchen des Bezirks jedes Jahr. Denn es soll allen Gemeindegliedern ermöglicht werden, am Sonntag den Gottesdienst in ihrer Kirche zu feiern. Einfach ist es nicht dies durchzuhalten, und es klappt auch nicht immer.


Werner Maier aus Gingen ist seit 1970 als  im Kirchenbezirk Geislingen tätig, Beate Clement aus Süssen seit 1992. Sie gehören zu den 9 Prädikanten und 6 Prädikanten im Dekanat. Werner Maier ist Sprecher der Prädikantenschaft im Kirchenbezirk, Beate Clement Mitglied im Prädikanten-Leitungsteam der Landeskirche. Was hat sie motiviert, Prädikantinnen bzw. Prädikanten zu sein? Wie gestaltet sich die Ausbildung dazu und wie erleben sie diesen Dienst? 

"Wir verkünden nicht uns selbst, sondern den Herrn, der uns gesandt hat", das ist unsere Aufgabe, sagt Werner Maier klipp und klar. Dieses Wort aus 2. Korinther 4 sei seine Motivation und diesen Dienst mache er freudig. Beate Clement und Werner Maier waren als Kinderkirchmitarbeiter tätig. Da haben sie begonnen von Gott zu erzählen und Gottes Wort zu verkündigen. Den Kontakt zur Kirchengemeinde zu haben, zu den Menschen in der Gemeinde, war für sie Voraussetzung zum Prädikantendienst. Von ihrer Kirchengemeinde wurden sie dann beim Dekanatamt zum Prädikantendienst vorgeschlagen. Es begann die Zeit der Ausbildung mit einem Einführungskurs und zwei Aufbaukursen, jeweils von Donnerstagabend bis Sonntag. Sie haben diese Kurse, die vom Landesprädikantenpfarrer geleitet werden, als sehr intensiv empfunden. Sprachförderung, Schulung zur Liturgie und Gottesdienstablauf, bis hin zur Einschätzung als Prediger – all dies ist enthalten in der Ausbildung. Und selbstverständlich würde während der Ausbildung nicht mit konstruktiver Kritik gespart. Ergänzt werden diese Kurse mit Fortbildungen, die zweimal im Jahr vom Landesprädikantenpfarrer zu theologischen Themen angeboten werden. Und auch vor Ort im Kirchenbezirk finden immer wieder Weiterbildungen statt, wie etwa im letzten Frühjahr zum neuen Gottesdienstbuch. Die Bezirksprädikantenpfarrerin, Ingeborg Brüning in Steinenkirch, ist hier sehr engagiert.

 

Ich kann nur das verkündigen, hinter dem ich stehe

 

Vom Landesprädikantenpfarramt erhalten die Prädikantinnen und Prädikanten pro Sonntag zwei Vorlagen für den Gottesdienst. Um diese für sich zu bearbeiten, benötigten sie etwa einen Tag, stellen Beate Clement und Werner Maier fest. "Ich muss mir die Vorlage mundgerecht machen", meint Werner Maier, "denn ich kann nur das verkündigen, hinter dem ich selber stehe". Und die Reaktionen aus den Gemeinden würden dies bestätigen, berichtet Beate Clement. Sie werde schon auf das, was sie sage, angesprochen. Für wichtig halten beide, dass sie aus zwei Vorlagen pro Sonntag wählen könnten. Denn die Predigtvorlagen seien so unterschiedlich wie die Menschen, die sie schrieben.

Im Kirchenbezirk Geislingen werden die Prädikantinnen und Prädikanten über das Dekanatamt eingeteilt und nicht direkt von den Gemeinden angefragt. Einsatzorte sind alle Gemeinden im Bezirk. Die Prädikantinnen und Prädikanten empfinden dies als sehr gut, weil sich durch die regelmäßigen Einsätze in den Gemeinden Beziehungen zu den Kirchengemeinden bildeten. Beate Clement freut sich sehr, wenn sie Gemeindeglieder begrüßen kann, die in großer Treue zu den Gottesdiensten kämen und in der Regel meist an "ihrem" Platz in der Kirche säßen.

Prädikantin Beate Clement und Prädikant Werner Maier

Ganz wichtig im Prädikantenleben sind die Mesnerinnen und Mesner vor Ort. "Sie sind uns gute Informations- und auch Kritikgeber", meint Werner Maier. Oft würden sie von den Mesnerinnen und Mesnern herzlich begrüßt. Sie nähmen einem auch die Aufregung weg. Und Werner Maier erzählt eine nette Begebenheit, wie er auf der Fahrt zum Gottesdienst nach Oberböhringen im Schnee stecken blieb und erst einmal die Schneeketten aufziehen musste. Als er dann verspätet in Oberböhringen eintraf, sei die Mesnerin vor der Kirche im Schneegestöber gestanden und hätte ihn begrüßt mit den Worten "Schön, dass Sie noch kommen. Ich hab’ extra länger geläutet." Beate Clement ergänzt, sie hatte eine Mesnerin schon mal gelobt, dass es so schön warm sei in der Kirche. Als Antwort wäre dann gekommen: "Des sind mir ons wert."


Dass man als Prädikant auch ein Handy zu schätzen weiß, wird deutlich bei kleineren Pannen. Erst in der Kirche hat Werner Maier festgestellt, dass er die Predigt Zuhause liegen ließ. Per Handy hat er dann seinen Sohn beauftragt, sie ihm nachzubringen. "Nach der Schriftlesung ging die Kirchentür auf und Sohn mit Predigt trafen ein."

 

Niemand kann allein Christ sein

Der Prädikantendienst ist für Beate Clement und Werner Maier eine sehr schöne und erfüllende Aufgabe. Für sie ist wichtig, dass das Wort Gottes gerne und freudig verkündigt wird.


Und die Prädikantinnen und Prädikanten werden auch an dem, was sie sonntags verkündigen, gemessen. Von Arbeitskollegen, Freunden, Bekannten werden sie auf ihr kirchliches Engagement angesprochen. Werner Maier erzählt von seinen Auszubildenden, die ihm vorgehalten hätten, wie teuer doch die Kirchensteuer sei. Er hat ihnen dann vorgerechnet, dass sie jedes Jahr 10 kirchliche Feiertage hätten. Dies wäre ein halber Monatslohn. Wirtschaftlich rechne sich die Kirchensteuer also allemal. Und Feiertage, wenn man es weiter betrachte, hätten ja auch den Sinn, ruhig zu werden und auf Gottes Wort zu hören. An dieser Begebenheit zeigt sich, was Lektorinnen und Lektoren auch auszeichnet – die Verbindung von Kirche und Alltag. Denn ihre Alltagserfahrungen kommen in ihren Predigten vor. Und dies wirkt. Beziehungen werden aufgebaut und haben Bestand. So wurde Werner Maier kürzlich im Gottesdienst in Gruibingen von vier ehemaligen Auszubildenden angesprochen, die er seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hatte.

 

Auf die Frage, ob wir denn heutzutage überhaupt noch eine Kirche brauchen, antworten Maier und Clement einhellig: Ja. Die Kirche – so ihre Überzeugung - ist die Gemeinschaft der Heiligen. Niemand könne allein Christ sein. Im Fürbittgebet werde darum gebeten, dass die Herzen der Menschen sich öffnen und Not lindere. Es sei eine Entlastung zu wissen, dass nicht wir Menschen etwas machen würden, sondern der Geist Gottes wirke. "Wir selbst sind nicht so groß", schmunzelt Werner Maier.

 
 

Lektorenarbeitdontospamme@gowaway.elk-wue.de
 

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