Herbsttreffen der Ruhestandspfarrer 2013

Dekanin Hühn trifft die Ruhestandspfarrer im Kirchenbezirk Geislingen

Treffen am Dienstag, 23. Oktober 2012

 

    Aktuelles und Neues aus dem Kirchenbezirk
Dekanin Gerlinde Hühn
    Aktuelles und Neues aus der Landessynode
Landessynodale Anita Gröh
    Kunstbetrachtung: Der Moses von Michelangelo - War Michelangelo evangelisch?
    Themen und Anfragen von Seiten der Ruhestandspfarrer
    Sonstiges

Andacht:

Siegfried Götz, er berichtet, dass er immer seine Predigten mit einer gereimten Zusammenfassung abschließt und stellt dem Kreis die vom zurückliegenden Sonntag vor.

 

Zu 1. Korinther 7, 29-31

 

„Die Zeit ist kurz“, so sagt es Paulus heute.
Doch das bestreiten leider viele Leute,
die nicht begreifen wollen: Eben diese unsre Zeit
steht für uns nichtmehr unbegrenzt bereit.
Wir müssen uns auf unsern Glauben neu besinnen
Und sollten mit dem haben-als-hätte-man-nicht beginnen.
Zuerst ist’s so, dass Paulus uns die Ehe als ein Beispiel nennt,
weil er grad da ganz viel Probleme kennt.
Dem Ehepartner darf es nicht gelingen,
seinen Gatten von dem Glauben wegzubringen,
weil Gott gehorchen eben für den Christ
ganz wesentlich und wichtig ist.
Die Traurigkeit und auch das Weinen
will Paulus sicher nicht verneinen,
doch sagt er deutlich: Hoffnungslosigkeit,
die leider weit verbreitet ist in unserer Zeit,
muss es für Christen doch nicht geben.
Sie dürfen hoffnungsvoll und freudig leben.
Das Freuen ist dann recht und gut,
wenn’s man in rechtem Maße tut.
Vergnügen sind gewiss nicht schlecht,
doch sind sie dann nur gut und recht,
wenn wir beachten: Ganze Wichtigkeit
gebührt nur Gott und SEINER Ewigkeit.
Das Kaufen von recht vielen Dingen
Kann uns schon einen Nutzen bringen.
Verantwortung ist freilich zu beachten.
Ein Christ wird immer danach trachten,
dass er kein Ärgernis mit seinem Kauf bereitet
oder gar in Angeberei in alledem abgleitet.
Die Güter diese Welt sind alle
Gut und nützlich auch in jedem Falle.
Nur darf das Herz daran nicht hängen,
zumal die Weltenzeiten spürbar drängen.
Der Glaube ist und bleibt das allerbeste Gut.
Wer glaubt ist eines, das grad alles richtig tut.
Amen

Die Anwesenden berichten über ihre aktuelle Situation


Aus dem Kirchenbezirk, Dekanin Hühn berichtet:
Pfarrplan 2018: Die Geislinger Bezirkssynode entscheidet am 09. November 2012 über die Kürzung von 1,5 Pfarrstellen im Kirchenbezirk. Die Pfarrstelle II in Süssen sollen um 25 % auf 0,75% gekürzt werden. Süssen hat über 700 Gemeindeglieder in den letzten 15 Jahren verloren.
In Geislingen wird 1 Stelle gekürzt: 50 % Altenstadt (durch Fusion Martins- und Markusgemeinde) und 50 % Pauluskirche (angeratenen Fusion Paulus- und Stadtkirchengemeinde).
Hierzu wird bemerkt, dass vor dem Bau der Pauluskirche die Seebacher Gemeindeglieder in die Stadtkirche gegangen sind.

Ehrenamtsprojekt: Am 11. November 2012 beginnt nachmittags im Jugendheim Geislingen ab 14.00 Uhr ein Ehrenamts-Tag. Referenten sind u.a. Prälatin Wulz  und Prof. Dr. Hess von der FH Ludwigsburg. Es stellen sich die verschiedenen EA-Projekte der Gemeinden und Einrichtungen vor. Dekanin Hühn lädt die Anwesenden sehr herzlich dazu ein.

Diakonieverein: Der Diakonieverein des Kirchenbezirks finanziert das Angebot, Besuchsdienst aufbauen, Besuchsdienst auszubauen. Die Kurse werden von Pfarrer Volker Weiß und Pfarrerin Margret Ehni, geleitet. Sie haben die Kompetenz für Schulungen.
Angesprochen wird, ob der Aufbau des Angebotes „Grüne Damen“ in der Helfenstein-Klinik als Konkurrenz oder Ergänzung gesehen werden kann. Herr Hoof sieht diese Arbeit als vom Inhalt her verschieden an.

Benefiz-Aktion: Am Samstag, 11. November 2012, beginnt um 14.00 Uhr die Benefiz-Auktion in der Geislinger Kreissparkasse, Stuttgarter Straße. Das Auktionshaus Eppli führt diese Auktion für die Geislinger-Drei-Kirchen-Stiftung durch. Auf www.Eppli.com können die zu versteigernden Gegenstände schon angeschaut und ggf. kann auch schon dafür geboten werden.

Dekanin Hühn informiert noch über die beim letzten Treffen angefragte Situation zu Abendmahl mit Kindern – wie werden die Kinder darauf vorbereitet?
•    Herr Esche, Geislingen-Altenstadt, bespricht dies im RU in der 3. Klasse und diese Kinder gestalten den Gottesdienst dann mit.
•    Frau Pahl, Stadtkirche: Der Bildungsplan in Klasse 3 bietet es sehr an, das Abendmahl zu behandeln.
•    Frau Schenk, Donzdorf, behandelt das Abendmahl ebenfalls in der 3. bzw. 4. Klasse. Auch im Kindergottesdienst bereitet sie einmal im Jahr zum Thema Abendmahl einen Gottesdienst mit diesen Kindern vor.
•    Frau Meyer, Stubersheim, macht zweimal im Jahr einen Familiengottesdienst mit Abendmahl
•    Herr Schaber, Wiesensteig: Im KU 3 ist Abendmahl Thema.
•    Frau Brüning, Steinenkirch, unterrichtet in der Grundschule zu Abendmahl. Jedes Kind ist willkommen, wenn es weiß, worum es geht.
•    Frau Striebel, Türkheim, denkt, dass das Abendmahl auch von Erwachsenen nicht immer verstanden wird. Kinder spüren – wenn der Rahmen stimmt – dass das Abendmahl etwas Besonderes ist.
•    Frau Reich-Bochtler, Aufhausen: Im Kindergottesdienst war die Passionsgeschichte ein Projekt. Kinder haben mit Ehrfurcht das Abendmahl entgegengenommen.
•    Frau Kluger, Pauluskirche bietet einmal im Jahr einen Gottesdienst mit Abendmahl für Kinder an. Ihre Beobachtung ist, dass die Kinder eine ursprüngliche Verbindung zum Heiligen haben.

Herr Reich ergänzt, dass jeder Getaufte zum Abendmahl eingeladen ist. So stehe es in der Rahmenordnung für den KU. Das Gesamtkatechumenat werde dabei als Grundlage gesehen.
Herr Stahl weist darauf hin, dass aber verstanden werden müsse, worum es beim Abendmahl gehe.
Herr Dr. Schock sieht in der Herabsetzung des Alters die theologisch gebotene Verbindung von Konfirmation und Abendmahl getrennt. Das Wort müsse zum Sakrament dazu kommen durch die Predigt. Dies sei ein reformatorisches Grundverständnis und das unterscheide die evangelische Kirche von der katholischen, wo die Messe jetzt auch wieder auf lateinisch gelesen werden könnte und ein Verständnis nicht erwartet werde.



Aus der Landessynode
Landessynodale Anita Gröh berichtet über Entwicklungen in der Landeskirche.

Kirchenwahl: Die anstehende Neuwahl 2013 wirft schon Schatten auf die Arbeit der Landessynode.
Strukturveränderungen:
Der Finanzausschuss hat 5 Mio € für Strukturveränderungen der Kirchenbezirke und Kirchengemeinden in den HHPlan eingestellt. Landesbischof July hält eine Größe zwischen 70.000 und 35.000 Gemeindeglieder für sinnvoll. Erfahrungsgemäß braucht ein Kirchenbezirk eine Mindestgröße, um bezirkliche Aufgaben und Vertretungen wahrnehmen zu können.
1964 gab es 1.338 Kirchengemeinden, im Jahr 2005 waren es über 1.400 Kirchengemeinden und jetzt auf 31. 12. 2011 hat die Landeskirche 1.373 Kirchengemeinden, also 35 mehr als 1964.
Demgegenüber hatte 1964 eine Kirchengemeinde durchschnittlich1.960 Gemeindeglieder,
am 31. 12. 2011 durchschnittlich nur noch 1.595 Gemeindeglieder, also 365 weniger.
Gründe, die für eine Kirchenbezirks-Strukturreform sprechen sind:
•    Bündelung der administrativen und finanziellen sowie personellen Ressourcen
•    Abfederung der durch den Rückgang der Gemeindegliederzahlen bedingten Veränderungen – siehe Pfarrplan - , durch bessere Vertretungs- und Konzentrationsmöglichkeiten
•    Gerechtere Verteilung von Kirchensteuermitteln.
Momentan erhält jeder Kirchenbezirk bei der Verteilung der Kirchensteuermitteln einen Sockelbetrag von 137.000 € unabhängig von der Größe.
Dies bedeutet: Ein Kirchenbezirk mit 15.000 Gemeindegliedern
erhält pro Gemeindeglied 8,50 €, ein Kirchenbezirk mit etwa 80.000 Gemeindegliedern keine 2,-- € pro Kopf.

Gemeinschaftsgemeinden: Vereinbarung mit Kirchengemeinde
In der Synode ist der Antrag eingegangen, örtliche Vereinbarungen zwischen Kirchengemeinde und Gemeinschaftsgemeinde vorzusehen.
Im Rechts-Ausschuss wurde darüber diskutiert.
Der Oberkirchenrat hat signalisiert, dass er eine entsprechende Mustervereinbarung als Empfehlung herausbringen möchte. Die Vereinbarung ist im Prinzip nicht mehr als ein verbindliches Instrument der Kommunikation vor Ort. Die Vereinbarung bindet die Beteiligten inhaltlich, auch wenn daraus keine Ansprüche bzw. keine Vollstreckbarkeit erwächst. Eine Mustervereinbarung an die Hand zu geben, ist mit der geltenden Rechtslage vereinbar, zumal sich die Vereinbarung im Rahmen des geltenden Pietistenreskripts bewegen soll. Regelungen auf Gesetzesebene sind nicht erforderlich. Inhaltlich ist der Oberkirchenrat für die Mustervereinbarung verantwortlich. Es bedarf hierzu keines Beschlusses der Synode. Da aber ein Antrag in die Synode eingebracht wurde, kann sie darüber abstimmen und den Oberkirchenrat bitten, die Möglichkeit örtlicher Vereinbarungen vorzusehen.
Er hat sich zu dem Antrag noch weiterführende Gedanken gemacht und in der Vorlage ausgeführt. Vor allem soll die Vereinbarung vor Abschluss dem Oberkirchenrat zur Genehmigung vorgelegt werden. Dies ist sinnvoll, um den Informationsfluss zu gewährleisten. Wird von der Mustervereinbarung abgewichen, so muss der Oberkirchenrat im Wege der Rechtsaufsicht tätig werden.

In der Synode wurde der Antrag eingebracht: Der OKR möge prüfen, ob die Taufordnung ergänzt werden kann, dass die Taufe auch durch Submersion erfolgen kann. Dann entfalle ein dreimaliges Besprengen des Täuflings.
Im Theologischen Ausschuss wurde dazu festgehalten:


1. Die Taufe bedarf der ständigen theologischen Reflektion bezüglich der Theologie und der Taufformen.
2. Aus theologischer Sicht spricht nichts gegen die Form des Untertauchens.
3. In der Regel wird die Taufe durch Besprengung vollzogen.
4. Die Taufe durch Untertauchen ist keine richtigere bzw. bessere Taufe.
5. Sowohl die Kindertaufe als auch die Erwachsenentaufe müssen im Blick auf Tauftheologie und Taufpraxis bedacht werden.
6. Dem Theologischen Ausschuss ist es ein Anliegen, das Thema Taufe EKD-weit zu thematisieren und einen Prozess anzustoßen. Die Württembergische Landeskirche möchte in der Ökumene und in der EKD keine Ausnahme sein.
7. Eine liturgische Rahmenordnung für eine Taufe durch Untertauchen muss gegeben
sein.

 

 

Dekanin Hühn: Kunstbetrachtung: Der Moses von Michelangelo – War Michelangelo evangelisch?Sehr interessant für eine Neuinterpretation ist das Buch vonAntonio Forcellino, „Michelangelo – eine Biographie“, 2006 im Siedler VerlagDer Autor ist nicht nur Kunsthistoriker, sondern war auch an der Restaurierung des Grabmals und der Mose-Statue von 1988 bis 2003 beteiligt.Er hat dadurch viele bildhauerische Entdeckungen an den Statuen machen können.Michelangelo hatte Kontakt zu Reformkreisen in Italien, die die katholische Kirche erneuern wollten, besonders zu Vittoria Colonna.Aus diesem Grund hat er 1541 seine Mose-Statue umgearbeitet, die er 1515 geschaffen hatte. Sie schaut nun nicht mehr auf die (abergläubischen) Reliquien der Ketten des Petrus, die in der Kirche San Pietro in Vincoli verehrt werden, sondern zur Seite in die Höhe zu einem Fenstern, aus dem aus einem Spalt ein Lichtstrahl auf sein Gesicht fallen konnte. Das Fenster ist immer noch da, der Spalt ist zugemauert.Nicht die Kirche mit ihrem Reichtum und ihrer Tradition ist wesentlich, sondern der Blick des Glaubens auf den Gott, der ihn geführt hat, auf den er hofft.Auch die zahlreichen Begleitstatuen des Grabmals erwiesen sich im Zuge der Restaurierung im Gegensatz zu der allgemeinen Meinung als von der Hand Michelangelos geschaffen.Dazu gehört besonders die Figur der Liebe, die in der Hand eine Öllampe trägt, die Öllampe als Symbol der Erleuchtung für den rechten Glauben. Forcellino sieht sie als Schlüssel zu Michelangelos verheimlichter Religiosität. Denn im reform-orientierten Kreis der Spirituali, dem Michelangelo nahe stand, symbolisierte die Flamme den einzig erlösenden Glauben, sie war also fast ein Reformationszeichen. Auf einem Papstgrab!Besonders schön auch die Staue des Papstes aus der Hand Michelangelos, der hier seiner Macht und Pracht entkleidet über das Leben und den Tod nachzudenken scheint, und ein Kreuz an seinem Ärmel weist auf den einzigen Trost im Leben und im Sterben hin. Die Hände sprechen von der Erbarmungswürdigkeit des Menschen und zugleich von der unendlichen Barmherzigkeit Gottes.Der Restaurator erkennt an der Papststatue auch das ungeheurere Können des Künstlers. (an vielen Details, die sich nur bei einer Restaurierung aus der Nähe zeigen).Moses wird im Hebräerbrief als ein Beispiel für den Glaubenden genannt.Der erste Vers des 11. Kapitels war auch eine Lieblingsstelle Luthers:„Es ist aber der Glaube: ein feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“… Und weiter unten:„Denn Moses hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn“ (Hebr 11,27)Glauben als ein Sehen dessen, was man nicht sieht. „An einen Gott glauben heißt sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht getan ist. An Gott zu glauben heißt sehen, dass das Leben einen Sinn hat“ (Ludwig Wittgenstein, Tagebücher, 167f.)So steht die Statue des Michelangeloschen Moses für den Glauben, der eine zuversichtliche Gewissheit ist dessen, was man nicht sieht.Und so bezeugt er auch uns, die wir ihn heute sehen, den Glauben der allein selig macht.Nächstes Treffen:Dekanin Hühn und Anita Gröh fragen an, ob ein halbjährliches Treffen nicht zu häufig ist.Für den heutigen Termin seien viele Absagen gekommen. Die Anwesenden wünschen, dass es beim halbjährlichen Rhythmus bleibt und beim nächsten Treffen mehr kommen können.Herr Dr. Rothermundt hat angeboten, ein Referat zu „Beobachtungen zum Stand der ökumenischen Beziehungen und Bemühungen“ zu geben.Dies wird erfreut zur Kenntnis genommen. Herr Dr. Rothermundt wird gebeten, dies doch beim Treffen am 10. April 2013 vorzutragen.