Treffen der Ruheständler im Herbst 2014

Pfarrer i.R. Günther Herzog

Zu ihrem regelmäßigen Treffen kamen die Ruhestandspfarrerinnen und -pfarrer im Haus der Begegnung in Geislingen am 08. Oktober 2014 zusammen.

 

Pfarrer i.R. Günther Herzog, Aufhausen, hielt die Andacht.

Andacht über das Chorfenster der Marienkirche in Aufhausen

Chorfenster der Marienkirche Aufhausen

Lied 510, 1-2: Freuet euch der schönen Erde

Von der Erde als Schemel seiner Füße spricht dieses Lied in Anlehnung an ein an einigen Stellen der Bibel überliefertes Bild. Dies greift auch das neue, bei der Renovierung der Kirche 1883/84 entstandene Bild von Adolf Saile sen. In Stuttgart auf. Der Auferstandene Christus mit segnenden Händen steht auf der Weltkugel, die ihereseits von der Pflanze der Hoffnung umgeben ist, welche aus dem klitzekleinen Senfkorn des Glaubens zu einem Lebensbaum heranwächst.
Bevor ich in die Einzelheiten gehe, ein paar Informationen zum Kontext der Entstehung dieses Glasfensters.


Bild 2 (Gesamtblick auf Kirchenschiff):  So präsentiert sich der neu gestaltete Altarraum unserer Aufhauser Marienkirche heute dem Besucher. Der gotische Chorbogen ist neu, entspricht aber dem ursprünglichen spätgotischen Zustand.
Bild 3 (früherer Zustand) Ganz anders sah es bis zur Renovierung aus und ist das Ergebnis einer – aus heutiger Sicht – Verunstaltung der Kirche  aus dem Jahre 1839. Dem damaligen Zeitgeist war die Kirche zu katholisch und man wandelte sie sozusagen in eine Predigtsaalkirche um. Chorbogen und Kreuzgewölbe im Chor wurden abgerissen und über dem Altar eine Orgelempore eingebaut und mit der bestehenden Empore im Kirchenschiff verbunden. Das Chorfenster war nur ein einfaches Glasfenster, nur von unten zum Teil sichtbar, das meiste war durch die Orgelempore verdeckt.

 

Wieder zurück zum Bild 2: Die Renovierung von 1983/84 unter Pfarrer Rostan machte zum großen Teil den ursprünglichen Zustand sichtbar. Nur musste auf Kostengründen auf den Einbau des ursprünglichen Kreuzgewölbes verzichtet werden, stattdessen wurde eine Holzfelderdecke eingebaut, welche das einstige Chorgewölbe in seiner Grundrissform andeutet,


Bild 1 (Chorfester): Nun nun lasst uns das Fenster selbst betrachten und das, was es uns sagen möchte: Im Zentrum steht der Auferstandene Christus, sein Haupt umgeben von einem Heiligenschein in dem zugleich das Kreuz angedeutet. Umgeben ist der Auferstandene von einer Mandorla (italienisch für „Mandel“). Sie bezeichnet in der Kunstgeschichte die Glorie oder Aura rund um eine ganze Figur. Damit unterscheidet sich die Mandorla etwa vom Heili-genschein, der nur das Haupt umgibt. Von Ausnahmen abgesehen sind Mandorlen Christus vorbehalten und zeigen ihn im Typus der Majestas Domini bzw. als Pantokrator. In einigen Fällen ist auch Maria als Himmelskönigin von einer Mandorla umgeben, ganz selten andere Heilige. Auf Ikonen kommen sie häufig vor. In der christlichen Kunst treten sie schon sehr früh auf,  im 5. Jahrhuntert). Ihre Blütezeit erleben sie in der mittelalterlichen Kunst. Hier ein Beispiel einer romanischen Mandorla aus dem 13. Jahrhundert
Bild 0 -  romanische Mandorlen wie diese sind oft umgeben  mit den Symbolen der 4 Evangelisten.

 


Zurück zu Bild 1: Umgeben ist Christus – innerhalb wie außerhalb der Mandorla, durch 12 Sterne: Symbole für die 12 Jünger. Einer der 12 fällt rechts oben aus dem Bild, möglicherweise ist da an Judas, den Verräter, zu denken. Deutlich sichtbar sind die Wundmale des Kreuzes, an beiden Händen und den Füßen, und auch die Narbe, die der Legende nach der Legionär Longinus ihm bei seinem Tod gestochen hat. Der Künstler macht hier allerdins deutlich, das auch heute noch Jesus an seiner Welt leidet, die ihm auch heute Wunden zufügt. Schauen wir genau auf die Erdkugel zu seinen Füßen: Der Himmel über den Bergen ist mit Schwarzen, giftigen Schwaden durchzogen, die Luftverschmutzung ist hier angedeutet. Und im Wasser schwimmen zwei tote Fische mit dem Bauch oben. Es ist der heutige Mensch, der der Schöpfung Gottes Gewalt antut und der damit die Kreuzigungswunden Jesu weiter bluten lässt.

Noch eindeutiger ist die Aussage bei den Händen. In ihrer Nähe sehen wir zwei stilisierte Atompilze. Was aus dem Kontext des Jahres 1983 verständlich ist. Es war die Zeit der Nachrüstung, die Zeit des sog. NATO- Doppelbeschlusses und der Demonstratio-nen dagegen, z.B. der Menschenkette entlang der B 10. Die Künstler stellt die ausgebreiteten Hände Christi so dar, als wolle er seine Erde ver antoma-ren Bedrohung schützen – und das bekommt eine zusätzliche Brisanz, wenn man – wie man heute weiß, was aber 1983 noch unbekannt war – nicht nur bei der sogl Kuba-Krise, sondern im Jahre 1983gleich zweimal die Welt am Rande der atomaren Katastrophe stand. In einem Fall hat ein sowjet. technisch fehlerhafter Spionage-Satelitt den Start mehrerer amerikan. Raketen gemeldet. Ein russischer Offizier, der zur Entscheidung eigentlich keine Zeit mehr hatte, entschied , dass es sich hier um einen Fehlalarm handelt. Hätte er anders entschieden und den Alarm nach oben gemeldet, säßen wir heute nicht hier! Und noch im selben Jahr hielt die NATO ein Manöver ab, bei dem sich auch die Regierungschefs in ihre ge-heimen Bunker begaben – die sowjetische Seite missdeutete das als Beginn eines atomaren Erst-schlages und löste Alarm aus. Zum Glück waren die westlichen Geheimdienste auf Zack und bemerkten diese Alarmierung, sodass die NATO das Manöver daraufhin abbrach. Zufall? Oder hatte hier Christus tatsächlich seine abwehrenden Hände im Spiel ? Ich neige zu Letzterem. Heute, da die atomare Bedrohung nicht mehr so aktuell ist, möchte ich die Explosionswolken als Sinnbild für militärische oder terroristische  Gewalt jedweder Art deuten, die uns Menschen und die Welt bedrohen, und für deren Abwehr wir auf Gottes Beistand hoffen dürfen.

 

Betrachten wir die untere Hälfte: Die durch die Um-weltzerstörung bedrohte Erde wird durch den schon erwähnten, aus einem kleinen Senfkorn wachsenden Lebensbaum umgeben. Ich sehe darin bildlich meinen Glauben, dass Gott selbst die Erde schützen wird, auch wenn dieser Glaube – gegenüber den realen  Gegebenheiten – so klein und so schwach erscheint wie ein Senfkorn.


Unter dem Schatten dieses Baumes sehen wir Menschen versammelt, und zwar zwei Gruppen. Zur Rechten Christi  - von uns aus gesehen links! - die Gruppe der Glaubenden, einer hält die Bibel im Arm und deutet zum Herrn hinauf. Auf der anderen Seite die Gruppe der Zweifelnden und Ungläubigen, einer hebt anwehrend seine Hände nach oben. Hier sehen wir Anklänge an das Gleichnis vom Weltgericht, wo der Richter die Menschen in zwei Gruppen teilt, wie Schafe von den Böcken getrennt werden. Aber an dieser Stelle erkenne ich geradezu einen Paradigmenwechsel. Während in den traditionellen Darstellungen vom Jüngsten Gericht, in den Christus mit seinem rechten Arm nach oben weist – denen zur Rechten steht der Himmel offen – und mit seinem linken Arm nach unten zeigt: Denn zu seiner Linken bleibt nur der Weg in die ewige Verdammnis. – hebt hier Christus seine segnenden Arme über beide Gruppen. Für mich ein ungemein tröstlicher Gedanke. Immer wieder frage ich mich: Zu welcher der beiden Gruppen gehöre ich selbst ?  Daher finde ich es tröstlich zu wissen, dass ich – auch mit meinen Zweifeln – von ihm geliebt und gesegnet bin. Amen


Die Marienkirche Aufhausen vor und nach der Renovierung

Kirchenrat Klaus Rieth berichtet

Kirchenrat Klaus Rieth

Beim Treffen der Ruhestandspfarrerinnen und -pfarrer berichtete  Kirchenrat Klaus Rieth über die Situation verfolgter Menschen in aktuellen Krisengebieten. Kirchenrat Rieth ist im Dezernat 1 – Weltweite Kirche – zuständig für Mission, Ökumene und Kirchlicher Entwicklungsdienst. Er berichtet auch regelmäßig in der Landessynode über die Situation der Menschen in Krisengebieten.


Die Württembergische Landeskirche ist die einzige Landeskirche, in der jährlich in der Landessynode über die Situation verfolgter Menschen bzw. Christen berichtet wird.

Nach dem Weltverfolgungsindex der Organisation Open Doors werden in folgenden Ländern die Menschen am meisten verfolgt:


1. Nordkorea
2. Somalia
3. Syrien
4. Irak
5. Afghanistan
6. Saudi-Arabien
7. Malediven
8. Pakistan
9. Iran
10. Jemen

In Syrien unterstützt die Landeskirche ein kleines Projekt, bei dem Kinder eine warme Mahlzeit am Tag erhalten. Die Mehrzahl der Christen in Syrien sind intern Vertriebene, wohnen also nicht mehr zuhause. Von kirchlicher Seite werden sie nicht erreicht.
Zwei syrisch-orthodoxe Bischöfe wurden von vermutlich tschetschenischen Gruppen entführt. Dies zeigt, dass der Terrorismus global ist. Die IS-Gruppen werden von einem Georgier befähligt und die Gruppen selber bestehen hauptsächlich aus tschetschenischen Kämpfern. Wer die IS finanziell unterstützt ist ungeklärt. Die IS will einen Kalifat errichten, einen rein islamischen Staat.
Russland hält sich in Syrien momentan außergewöhnlich zurück.
Kirchliche Hilfe passiert in den Nachbarstaaten Lybien, Jordanien, Türkei.
Die Kirchengemeinden in Württemberg sind angefragt um Wohnraum für Flüchtlinge. Zur Zeit (Oktober 2014) kommen ca. 700 Flüchtlinge pro Monat nach Baden-Württemberg.



Im Irak ist IS bis kurz vor Erbil, der Hauptstadt Kurdistans, vorgedrungen. In Mosul läuten zum ersten Mal seit 2000 Jahren keine Kirchenglocken mehr. Statt 1,2 Mio Christen leben im Irak noch 300.000.
Die Jesiden, eine Religion, geformt aus Muslime, Christen und Juden, leben gewaltfrei. Sie haben beinahe ein ähnliches Kastensystem wie das der Hindus in Indien. Die Jesiden werden von IS verfolgt und sind jetzt in Dokuk.
Die Kurden möchten einen multi-religiösen Staat.
Frieden ist im Irak wohl nur möglich, wenn der Staat aufgeteilt wird in drei Teile: Kurdisch, sunnitisch, schiitisch.
Die christlichen Vertreter des Irak geben sich nicht auf, rufen aber dazu auf, sie nicht allein zu lassen. Von der Württembergischen Landeskirche sind in den letzten 10 Jahren 1,5 Mio € an die Christen im Irak gegeben worden. Die Christen im Irak sprechen aramäisch, die Sprache Jesu.


Die Türkei hat nach Syrien eine NATO-Grenze. Türkische Truppen könnten in die Kämpfe in der kurdischen Grenzstadt Kobane eingreifen, tun es aber nicht. Die Türkei scheint eher Assad bekämpfen zu wollen als IS. Die verfolgten Menschen in Syrien/Irak fallen durch alle politischen Interessen.
Das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel ist eines der ältesten christlichen Klöster der Welt. Es liegt im Tur Abdin in der Südosttürkei und ist bis heute eines der bedeutendsten Klöster der Syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien und Sitz des Metropoliten des Tur Abdin. Die türkische Regierung wollte das Kloster enteignen und aufteilen. Dieses Vorhaben ist aufgrund massiven Protestes aus dem Ausland aufgegeben worden.


In Nigeria ist die Terrorgruppe Boko Haram aktiv. In ihren Anfängen stellten sie sich gegen die Korruption im Land. Nun terrorisieren sie die Menschen und sind gegen westliche Bildung. Bis heute ist unbekannt, was mit den 200 jungen entführten Mädchen passiert ist. Eine Frau kostet auf dem Sklavenmarkt 250 US $.

Christen fördern das Gespräch zwischen den einzelnen Gruppen. Es ist viel an Versöhnungsarbeit zu leisten.


Landesbischof July hat den Religionsminister von Oman zum Kirchentag 2015 nach Stuttgart eingeladen. 
Kirchenrat Rieth nennt als Aufgabe der Christen, das Unrecht beim Namen zu nennen. Auch muss Bildungsarbeit unterstützt werden. Bei der Bildung zu helfen ist das wichtigste, was die Kirchen tun können.

v.l.n.r. Karl Scheufele, Gerlinde Hühn, Hermann Stahl