Ruhestandspfarrer im Kirchenbezirk treffen sich in Aufhausen

Ehepaar Günther und Brigitte Herzog mit Dekan Martin Elsässer

Pfarrer i.R. Günther Herzog hatte auf 13. April 2016 eingeladen zum Treffen der Ruhestandspfarrer nach Aufhausen. Zusammen mit seiner Frau, Brigitte Herzog, bereitete er  im Gemeindehaus Kaffee und Kuchen vor. Dekan Martin Elsässer bedankte sich beim Ehepaar Herzog für diese Einladung und die Vorbereitung des Treffens.

 

 

Nach dem Kaffeetrinken führte Pfarrer i.R. Herzog durch die Marienkirche Aufhausen.

 

 

 

 

 

Kurze Skizze der Geschichte der Marienkirche Aufhausen

1377 – im selben Jahr wie die Grundsteinlegung des Ulmer Münsters, wurde diese einfache Dorfkirche gebaut. Vorher hat es schon eine Kapelle gegeben, die erstmals 1358 urkundlich erwähnt wurde.

 


Auffällig ist die – untypische – Lage am weltlichen Ortsrand, noch außerhalb der ältesten Be-bauung. Zwei Schießscharten an der Westfront zeugen noch heute davon, dass die Kirche als Wehrkirche gedacht war …. Normalerweise befindet sich der Haupteingang zu einer Kir-che an der Westfront. Da es im Westen keine Häuser gab, lag der Haupteingang an der Südmauer, dort, wo er sich noch heute befindet (vergleiche den Erfurter Dom, auch die Geislinger Stadtkirche).

Wie seit dem frühen MA üblich, wurde die Kirche ausgemalt mit Fresken, die biblische Szenen, Legenden usw. zeigten, die damals populär waren. Damit konnten für die Menschen, die bis auf wenige Ausnahmen nicht lesen und schreiben konnten, die christliche Lehre bildlich entfaltet werden. Vermutlich war auch die Aufhauser Kirche ganz mit Fres-ken ausgemalt (wie es heute noch in der Reichenauer Kirche Oberzell sichtbar ist). Bei der ersten großen Renovierung im Jahr 1960 wurde einige dieser Fresken wiederentdeckt und restauriert.

 


Der Chor, wie wir ihn jetzt sehen, steht vermutlich auf dem Platz des Chors der älteren Kapelle, an diesen wurde dann die gegenüber der Kapelle größere Kirche gebaut. Dies dürfte die Erklärung für die Asymmetrie sein, die deutlich zu sehen ist. Der Chor hatte ein gotisches Kreuzrippengewölbe, das bei der letzten Renovierung aus verschiedenen Gründen nicht wieder aufgebaut wurde, doch die Gestaltung der neuen Holzdecke im Chor deutet dieses Kreuzrippengewölbe an. Der Altar, dessen Basis noch an der alten Stelle steht, war kunstvoll gestaltet, mit einer Predella, die das Schweißtuch der Hl. Veronika zeigte, mit einigen Skulpturen, z. B. der Hl. Katharina, die als einzige noch nachweislich erhalten ist (in einer Kapelle in Rottweil) und vor allem dem Hauptaltarbild, das eine Pieta (ein sog. Erbärmdebild) zeigte. Der Altar war reich vergoldet, wie es noch ums Jahr 1710 herum eine Urkunde beschreibt. Laut Urkunden aus dem 15. Jahrhundert hat es sogar noch einen oder zwei Nebenaltäre gege-ben, die aber mit der Reformation verschwunden sein dürften.


Die von der Freien Rechstadt Ulm verfügte Reformation hat anfangs auch in Aufhausen zu einem streitvollen Nebeneinander zwischen dem von Deggingen entsandten Kaplan und dem neuen ulmischen Prädikanten geführt. Doch anders als etwa in Geisingen oder auch in anderen Albgemeinden hat sich in Aufhausen der neue Glaube schnell durchgesetzt. Dazu dürfte beigetragen haben, dass man sich in Aufhausen an eine etliche Jahre zurückliegende schwerwiegende Verfehlung des kath. Kaplan Sihler erinnerte. Der hatte, wie es in einem Ulmer Ratsprotokoll heißt, „einem Kind ein Kind gemacht“! …
Einen Bildersturm hatte es – anders als in Ulm, in Aufhausen nicht gegeben.

Lediglich die Seitenaltäre wurden nach und nach entfernt. Und man störte sich am Schweißtuch der hl. Veronika – denn davon steht nichts in der Bibel - auf der Predella. Doch da hat man festgestellt, dass diese auf der Rückseite unbemalt war, also hat ein Maler vermutlich der berühmten Ulmer Schule darauf das Abendmahlsbild gemalt. Das einzige des Altars, das hier in der Kirche geblieben ist und nun über dem Pfarrstuhl angebracht ist – und bestimmt das wertvollste Kunstwerk hier. Wenn man es abnimmt (was ich leider nicht kann, das es …) würde man auf der Rückseite noch das Bild von der Hl. Veronika finden, nur ohne Schweißtuch.


Aus Platzgründen war es im Jahre 1584 notwendig, die Empore einzubauen, wobei das vor-dere Ende nicht abgeschrägt ist wie heute, sondern mit einer Ecke in den Lichtraum des Chorbogens hineinragte (was im übrigen – Herr Dekan Stahl Sie werden das noch wissen – bei der Renovierung 1983/84 für harte Auseinandersetzungen mit dem Denkmalamt sorgte) Dazu wurden die bis dahin noch vorhandenen Fresken überstrichen, weil immer mehr Leute lesen konnten, wurden sie als Bilderbibel in evangelischen Kirchen einfach nicht mehr ge-braucht. Als Ersatz dienten dann die Apostelbilder in der Emporebrüstung, wobei zu den Zwölfen auch noch Johannes der Täufer und König David dazugemalt wurden, ebenso Pau-lus, der ja ursprünglich nicht zu den Zwölfen gehörte.  Aufhausener Bürger dürften dabei dem Maler Modell gestanden haben.

In den Folgenden Jahrhunderten keine großen Veränderungen. Auch die für Aufhauen notvolle Zeit des 30ihjärigen Krieges überstand die Kirche relativ unbeschadet.

 

1839 schließlich radikaler Umbau durch Karl Ferdinand Thrän (* 1811 Freudenstadt, + 1870 Ulm)..

Die Vergrößerung von Emporen war (häufig statt einer Vergrößerung des Kirchenschiffs) die Konsequenz aus der damaligen Verpflichtung der Gemeindeglieder zum möglichst vollzähli-gen Gottesdienstbesuch, den der örtliche Kirchenkonvent und der Pfarrer als Staatsbeamter - notfalls mit Mitteln der Kirchenzucht - zu gewährleisten hatte. Althergebrachte Kirchenraum-gestaltungen und -proportionen einschl. der aus vorreformatorischer Zeit stammenden Chor-/Altarräume schienen entbehrlich, zumal in der Zeit ab ca. 1750 bis über die Mitte des 19. Jhs. hinaus die Gottesdienstliturgie unter Hintanstellung des Abendmahls ihren Ort aus-schließlich auf der Kanzel hatte und dem entsprechend sich die speziell württembergische Form der Predigtsaalkirche entwickelte. Sie gipfelte bis ca. 1840 in den rechteckigen chor- und schmucklosen "Kameralamtskirchen" - so genannt, weil im Herzogtum und später im Königreich Württemberg nicht das Kultus- und Schulministerium (für allgemein kirchliche Belan-ge zuständig), sondern das Finanzministerium/Kameralamt (für Immobilien und damit auch für Kirchengebäude zuständig) die Bau- und Finanzierungsrichtlinen bestimmte. Architektoni-sche Gründe, die theologische Abkehr vom katholischen Kirchenraum-Verständnis und vor allem auch Spargründe wurden zur Rechtfertigung der nüchternen Predigtsaalkirchen aufgeboten. Auch in Aufhausen wurde in diesem Sinne gespart. Man gewann zusätzlichen Platz auf der Empore, indem man die Orgel von dort, wo sie heute ja wieder steht., auf eine in den Chor neu einzubauende Orgelempore versetzte, aber dazu musste Chorbogen und Gewölbe entfernt werden und die Westwand des Turms durch mächtige Eichenbalken unterfangen werden – sowieso keine Lösung auf Dauer. Außerdem mussten auch die Aufbauten des Al-tars entfernt werden (Figuren und Altarbild wurden verkauft, das einzige, was davon erhalten ist, ist die vorhin beschriebene Predella; es wäre reizvoll, nachzuforschen, wohin das große Altarbild gelangt ist).

 

Bereits bei der Renovierung 1959/1960, bei der man eigentlich zunächst den alten rußenden Kohleofen durch eine moderne Kirchenbankheizung ersetzen wollte, wurde  eher zufällig die mittellalterliche Bemalung entdeckt und es konnten einige Fresken  restauriert werden, da wollte de damalige Pfarrer Simpfendörffer den Chorbogen wieder einbauen und die Orgel wieder nach hinten versetzen, das scheiterte damals hauptsächlich an der Finanzierung. Erst die 2. große Renovierung 1983/94 unter Pfr. Rostan verwirklichte diese Pläne und stellte den jetzigen Zustand her. 

 

Wenn man so will, war dieser Umbau damals, der eine nachhaltige Zerstörung der alten gotischen Bausubstanz bedeutete, eine Jugendsünde von Thrän. Später wurde Thrän zum be-rühmten Retter der Gotik – als erster Chef der im 19. Jahrhundert  neu gegründeten Ulmer Münsterbauhütte.

 

Weitere Einzelerklärungen in Stichworten
Blick auf das große Fresko an der Südwand , das den Kirchenvater Hieronymus zeigt.

Blick zur Kirchendecke, die bereits bei der Renovierung 1959/60 so gestaltet wurde, unter Verwendung von Mustern, die man auf den alten lange Jahrhunderte unter Putz liegenden Deckenbrettern gefunden hatte – im hintern Teil der Decke über der Orgel sind diese alten Deckendielen noch erhalten.

Ein barockes Element im Kirchenschiff: Das Epitaph für den Pfarrer Zech (veni coronaberis ..)

Als nächstes Gang zum Chor mit den beiden Glasfenstern von 1983/84 und dem Blindfenster auf Südseite mit den Terrakotta-Fliesen, die unter dem Boden der Kirche gefunden wurden

Gang auf die Empore mit Erklärung der dort sichtbaren zwei Fresken: Christophorus und Abendmahl (Torso, wegen späterem Fensterdurchbruch beschädigt)

Gang auf die Kirchenbühne mit den sichtbaren Spuren der gründlichen Dachsanierung vor ein paar Jahren.

Schlussendlich Turmstube mit dem Gefallenendenkmal aus Weltkrieg 1 und der beschädigten Kopie der Thorwaldsen-Christusfigur, die vor 1960 an der Stelle des Hieronymus-Freskos hing.