Die Martinskirche in Geislingen-Altenstadt

Am 3. Advent 2004 wurde das 100-jährige Jubiläum der Geislinger Martinskirche mit einem festlichen Gottesdienst gefeiert.

 

Der Neubau war 1904 notwendig geworden durch das starke Bevölkerungswachstum im Zuge der Industrialisierung in Geislingen. Bereits 1905 betrug die Gemeindegliederzahl in Altenstadt ca. 3900 Evangelische. Errichtet wurde die neue Kirche am Platz, auf dem sich seit dem 13. Jahrhundert Vorgängerkirchen befanden, die dem heiligen Martin von Tours geweiht waren.

Mit freundlicher Genehmigung durch Herrn Martin Benz

Die Kirche wurde im neuromanischen Stil doch bereits mit Übergängen zum Jugendstil erbaut. Die Wände des Innenraumes waren 1904 in verschiedenen Farben gestrichen und von horizontalen Ornamentbändern im Jugendstil gegliedert. 1967 erfolgte unter Leitung des Stuttgarter Professors Rudolf Yelin eine gründliche Umgestaltung des Innenraumes. Seither zeigt sich der Innenraum in hellem Weiß als ein einladender, wohltuender Raum. Aus der Vorgängerkirche ist die Kanzel des Geislinger Meisters Martin Heberlin aus dem Jahre 1660 übernommen. Der ruhige und helle Kirchenraum lenkt den Blick auf das Wesentliche, auf das Kruzifix hinter dem Altar. Es wurde von dem in Altenstadt geborenen Ulmer Bilhauer Martin Scheible geschaffen und gleicht dem Kruzifix in der Reutlinger Marienkirche. Bei der Renovierung 1967 wurde das Kruzifix an einer Stahlkonstruktion befestigt, die einem Strommast ähnelt, um so zum Ausdruck zu bringen, dass "Christus auch der Herr unserer Zeit" ist. Den Innenraum schmückt an den Seitenwänden und der Rückwand ein Passionsbilder-Zyklus von Andreas Felger und neuerdings als Jubiläumsgeschenk ein Heiliger Martin von Grieshaber.

 

1961 wurde eine Weigle- Orgel mit 40 Registern und 3 Manualen neu eingebaut. Bei einer Generalüberholung 2002 wurde ein weiteres Register ergänzt. Für die Musik im Gottesdienst und bei Konzerten bietet der Kirchenraum eine hervorragende Akustik. Die Kirchenmusik ist so ein ganz wesentliches Element unseres Gemeindelebens.

Neuer Gemeindesaal in der Martinskirche Altenstadt

Neuer Gemeinderaum in der Martinskirche Altenstadt

Von Stefanie Schmidt, Geislinger Zeitung

 

Kirchengemeinde weiht Gemeinderäume in Martinskirche ein

Am 3. Advent 1904 wurde die Geislinger Martinskirche eingeweiht. Genau 111 Jahre später feierte die Gemeinde die Fertigstellung der neuen Gemeinderäume im Kirchengebäude.


 
Eine knappe halbe Million Euro hat die Kirchengemeinde Geislingen-Altenstadt in den Umbau der Martinskirche investiert: Im hinteren Teil des Gebäudes unter der Empore ist in den vergangenen sechs Monaten ein 100 Quadratmeter großer Gemeinderaum entstanden.


Der Raum, der Platz für 80 Personen bietet und mit einer Küche ausgestattet ist, ist durch eine Glasfront vom Sakralraum abgetrennt, kann jedoch auch gänzlich zum Kirchenraum hin geöffnet werden.


In ihren 111 Jahren habe die Martinskirche schon einige Veränderungen erlebt, sagte Pfarrerin Ulrike Ebisch. Die Planung für den aktuellen Umbau sei jedoch nicht ohne Kritik verlaufen. Der Bau des Gemeinderaums war Plan eines lange diskutierten Immobilienkonzepts, zu dem unter anderem der Verkauf des bisherigen Gemeindehauses, des Jugendheims in der Friedensstraße, gehört.


Mit der Entscheidung, das Kirchengebäude durch die Integration des Gemeinderaums zu stärken, habe die Gemeinde innerhalb der Landeskirche eine Pilotfunktion eingenommen, meinte der verantwortliche Architekt Gerd-Rüdiger Panzer. Der "Rückzug ins Mutterhaus" werde Schule machen, prophezeite er.


Dekan Martin Elsässer ließ in seiner Predigt den Engel, der die Turmspitze der Martinskirche ziert, zu Wort kommen. Viel Kommen und Gehen habe der Engel in den vergangenen Monaten rund um die Kirche beobachtet, berichtete Elsässer. Männer und Frauen in Arbeitskleidung, Handwerker und Ehrenamtliche seien ein- und ausgegangen. Einige Menschen sah der Engel jedoch auch den Kopf schütteln. "Sie konnten sich nicht vorstellen, dass etwas Gutes entsteht, und sie sind vielleicht auch jetzt noch nicht einverstanden." Entscheidend sei jedoch eines: dass die Kirche lebt. Nun gelte es, getroffene Entscheidungen zu akzeptieren und gemeinsam weiterzumachen. "Machen Sie den Raum zu Ihrem Raum", ermutigte Pfarrerin Ebisch. "Erfüllen Sie ihn mit Leben." Teilweise ist dies schon während der Bauzeit passiert: 400 Stunden ehrenamtliche Eigenleistung haben die Gemeindemitglieder erbracht - vor allem beim Abriss der alten Trennwand und bei der Endreinigung legten sie Hand an.


Als Einweihungsgeschenk brachten Dekan Elsässer und seine Vorgängerin im Amt, Gerlinde Hühn, einen Scheck über 1500 Euro von der Drei-Kirchen-Stiftung, die dem Erhalt der drei historischen Kirchen Stadt-, Martins- und Margarethenkirche im evangelischen Dekanat Geislingen dient. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von der Kantorei und den Bläsern von "Helfensteiner Brass".

Pfarrerin Ulrike Ebisch (rechts) begrüßt die Gäste

Dekan Elsässer und Dekanin i.R. Hühn überreichen einen Beitrag der Drei-Kirchen-Stiftung (links). Architekt Panzer öffnet den neuen Raum in der Martinskirche (rechts)

Der neue Gemeindesaal in der Martinskirche Geislingen

Die Martinskirche in Geislingen

Martinskirche aus neu gewonnenem Blickwinkel

Martinskirche Geislingen-Altenstadt

Nach dem Abbruch des Nebengebäudes ist ein völlig neuer Blick auf die Martinskirche möglich.