Orgel in der Stadtkirche Geislingen

Die Orgel in der Stadtkirche Geislingen

Bezirkskantor Thomas Rapp an der Orgel in der Stadtkirche

von Karlheinz Bauer, Amstetten

 

Die Orgel in der Antike

Seit Jahrhunderten gilt die Orgel zu Recht als die Königin der Instrumente. Sie ist das größte und meist auch in seiner optischen Erscheinung prächtigste Instrument, nicht selten ausgestattet mit dem Tonvolumen eines ganzen Orchesters. „In summa, die Orgel hat und begreift alle andere Instrumenta musica, groß und klein, wie die Namen haben mögen, alleine in sich“, so schreibt im Jahr 1619 Michael Praetorius (1571/72 – 1621), der Hofkapellmeister und Kammerorganist des Herzogs von Braunschweig und Lüneburg.1

Die Orgel wird heute immer noch als das kirchlich-liturgische Instrument schlechthin betrachtet, was sie aber anfangs und lange gar nicht war. Ihre Anfänge reichen in vorchristliche Zeit zurück. Dem deutschen Wort „Orgel“ liegt der griechische Begriff όργανον (órganon) zugrunde, was ganz allgemein „Werkzeug“ oder „Instrument“ bedeutet und im musikalischen Bereich völlig abstrakt von einem „Tonwerkzeug“ oder „Musikinstrument“ spricht.2

Spätantike Schriftsteller wie Tryphon, Vitruv und Plinius nennen als Erfinder der Orgel den Mechaniker Ktesibios, der zur Zeit des Königs Ptolemaios II. Philadelphos in Alexandria/Ägypten lebte. Seine Gattin Thais wirkte als erste Organistin. Ktesibios war der Sohn eines Friseurs und etwa zwischen 283 und 246 v. Chr. tätig. Beachtlich ist, dass er kein Musiker, sondern Techniker und Maschineningenieur war. Er erfand neben der Orgel noch andere Dinge, wie mechanische Spielsachen, sich bewegende Vogelfiguren, Wasserspiele, Feuerspritzen und Belagerungsmaschinen. Seine Orgel nannte er υδράυλος (hydráulos), also „Wasserpfeife“ (υδώρ hydór = Wasser, άυλος áulos = Blasinstrument), denn sie nutzte den Wasserdruck, um den mit einer Pumpe angesaugten Luftstrom zu verdichten. Der Wasserorgel folgte bald die Balgorgel, die den Wind mit einem Lederbalg nach Art des Dudelsacks erzeugte.3

Als viel bestauntes Wunderwerk machte die Orgel ihren Siegeslauf in der östlichen Mittelmeerwelt. Inzwischen verfügte sie schon über verschiedene Klangfarben, Zungen- und Labialstimmen. In Griechenland fanden öffentliche Orgelwettspiele mit Siegerehrungen statt. Der virtuose Organist Antípatros aus Eleuthérna auf Kreta brachte es zu einer Inschrift am Apollotempel in Delphi. Die Römer übernahmen die Orgel von den Griechen als rein profanes Instrument und untermalten Darbietungen in ihren Arenen mit Orgelmusik. Der römische Staatsmann Cicero rechnete die Orgel zu den leckersten Feinschmeckereien, verglich sie mit einem unbekannten Gewürz aus dem Orient und stellte sie neben geräucherten Aal, Parfüm und Rosenduft. Am byzantinischen Kaiserhof in Konstantinopel gehörte die Orgel zum Hofzeremoniell und spielte bei weltlichen Festlichkeiten, wie Staatsempfängen, Pferderennen und im Zirkus, eine Rolle.4


Die Orgel im christlichen Gottesdienst

Der frühchristliche Gottesdienst pflegte ausschließlich den liturgischen Gesang, instrumentale Musik galt als heidnisch. Vor allem die Orgel war verpönt, wurde sie doch von den Römern bei den grausamen Kämpfen in der Arena eingesetzt, wo auch Christen starben. Die Kirchenlehrer verbannten alle Instrumente aus der Kirche. Das Konzil von Arles (314) exkommunizierte alle Schauspieler und Theaterleute, zu denen man auch die Organisten zählte. Der Einfluss der römischen Kirche, aber auch die Völkerwanderung des 5./6. Jahrhunderts, die wenig Sinn für das Musische hatte, brachte die Orgel im westlichen Europa rasch wieder zum Verschwinden.5

Im Jahr 757 überbrachte eine byzantinische Gesandtschaft dem fränkischen König Pippin, der in Frankreich residierte, eine Orgel als Geschenk. Kulturpolitisch war dies eine folgenreiche Tat. Die Orgel kam aus Byzanz in den europäischen Norden und wurde nun von Mönchen eifrig nachgebaut. Ein Priester namens Georg aus Venedig baute 826 eine Palastorgel für die königliche Pfalz in Aachen; sie war die erste in Westeuropa hergestellte Orgel. Ihre süße Melodie soll einer Frau die Sinne geraubt haben, so dass sie vor Wonne starb. Bald wurde die Orgel auch im Gottesdienst eingesetzt, und zwar zunächst in Klosterkirchen nördlich der Alpen, denn in Rom galt Instrumentalmusik noch lange als unchristlich. Offiziell eingeführt wurde die Orgel nicht; sie schlich sich heimlich in die christliche Kirche ein, nachdem sie 1100 Jahre lang weltliches Freiluftinstrument und Prunkstück höfischen Zeremoniells gewesen war.6

Seit dem 11. Jahrhundert sind Orgeln in deutschen Kirchen bezeugt, so auch im Kloster St. Ulrich und Afra in Augsburg (1060). Im 12. Jahrhundert mehren sich die Orgelberichte und im 13. Jahrhundert wetteiferten alle großen Kirchen in Europa um Orgelneubauten. Thomas von Aquin (1225 – 1274), einer der bedeutendsten Theologen des Mittelalters, lobte die Orgel, weil sie „die Seelen zur Höhe führt“. Um 1300 stand die Orgel in den meisten großen Kirchen und Klöstern. De facto war die Orgel damit als Kircheninstrument gebräuchlich, nicht aber de jure, eine offizielle Erklärung Roms lag nicht vor.7
   
Noch in der Reformationszeit stand die Orgel bei Theologen heftig in der Diskussion. Johannes Calvin (1509 – 1564) nannte sie „des Teufels Sackpfeife“ und verbot ihr Spiel. In der Schweiz wurden daraufhin alle Orgeln abgebrochen. In Genf erklang erst 1756 und in Zürich 1876 wieder eine Orgel. Martin Luther (1483 – 1546) war dagegen ein leidenschaftlicher Freund der Musik und bekannte: „Die edle Musica ist nach Gottes Wort der höchste Schatz auf Erden“. Kein Wunder, dass er der Musik und auch der Orgel breiten Raum gewährte in seinem Gottesdienst.8


Erste Orgel in Geislingen

War im Mittelalter der Orgelbau international und homogen geprägt, so bildeten sich seit etwa 1500 festumrissene nationale Schulen oder „Orgellandschaften“ heraus. Allein in Deutschland gab es große Unterschiede zwischen dem Norden und Süden im Orgelbau und Klangideal. Die süddeutsche Renaissanceorgel war bestimmt durch eine geringe Registerzahl, den Gegensatz Manual/(Rück-)Positiv, voll ausgebauten Prinzipalchor mit wenigen Flöten und Zungen; das Pedal war ins Manualwerk integriert. Die Prospekte waren flach, symmetrisch in Felder gegliedert, in der Mitte halbkreisförmig eingesenkt und oft mit bemalten Flügeln versehen.9 Erst die Zeit des Barock verhalf der schwäbischen Orgel zu erweiterten Klangfarben mit Streichern und der Tendenz zur Grundtönigkeit unter Verzicht auf Manualzungen. Orgeln mit einem Manual waren die Regel, zwei Manuale beschränkten sich auf Kloster- und größere Pfarrkirchen, drei Manuale waren eine Seltenheit.10  

Sich eine Orgel zu leisten, erforderte schon immer einen erheblichen finanziellen Aufwand. Die Gebiete im heutigen Württemberg mit einer vorwiegend bäuerlichen Wirtschaftsstruktur gehörten nicht zu den reichen Ländern; die Versorgung mit Orgeln ging dort langsamer vor sich als anderswo. In Altwürttemberg erhielt die Stuttgarter Stiftskirche 1381 ihre erste Orgel. Die Reichsstadt Ulm war finanziell besser gestellt; das bezeugt der ehrgeizige Münsterbau. Ulm entwickelte sich zu einem Orgelbauzentrum; von 1414 bis 1507 sind dort verschiedene Orgelmacher nachweisbar. Das Ulmer Münster besaß wohl von Anfang an eine Orgel; 1390 war die Vollendung des Chorraums, 1405 die Weihe der Kirche.11  

Geislingen soll bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts eine Orgel besessen haben; Kapläne erhielten zu dieser Zeit eine Entschädigung für das so genannte „Schlagen“ der Orgel.12 Das ist eine sensationelle Nachricht. Geislingen, bei seiner damals geringen Größe, verfügt damit über eine erstaunlich frühe Orgeltradition; denn man bedenke, die Stadt gehörte damals noch zur Grafschaft Helfenstein und es gab noch nicht die heutige Stadtkirche. Die Orgel mag eine gräfliche oder bürgerliche Stiftung gewesen sein und sie stand in der Marienkapelle, der Vorgängerin der Stadtkirche. Diese Marienkapelle kann gar nicht so klein gewesen sein. In der Zeit von 1329 bis 1400 sind in ihr immerhin sechs Messpfründen und Altäre bezeugt und um 1393 erhob sie der Bischof von Konstanz in den Rang einer Pfarrkirche.13

Nach dem Verkauf der Herrschaft Helfenstein an die Reichsstadt Ulm (1396) kam es in Geislingen recht bald zum Bau einer repräsentativen Stadtkirche. 1428 erfuhr sie ihre Weihe. Die Altäre mit ihren Pfründen wurden aus der Marienkapelle in die neue Kirche übertragen.14 Es ist aber nicht bekannt, ob man auch die alte Orgel übernahm oder vielleicht eine neue Orgel zur Aufstellung kam.


Die Orgel im Bildersturm

Einen gravierenden Einschnitt in die Orgelgeschichte des Ulmer Landes brachte die Reformation. Nachdem der Ulmer Rat im April 1531 beschlossen hatte, „das, was wider Gott sei, nämlich die Messe und die Götzen aus der Kirche zu tun“, beauftragte er die drei Theologen Martin Butzer, Johann Oekolampad und Ambrosius Blarer aus den befreundeten Städten Straßburg, Basel und Konstanz, die neue Kirchenordnung einzuführen.15 Nun standen diese drei Männer dem Reformator Ulrich Zwingli nahe, der eine sehr strenge theologische Richtung vertrat. Dies führte dazu, dass im Ulmer Land nach Schweizer Vorbild nicht nur alle Bildwerke, sondern auch die Orgeln aus den Kirchen entfernt und zerstört wurden. Der Bildersturm hatte in Ulm sogleich das Münster erfasst, es wurde gründlich ausgeräumt. Rund 50 Altäre gingen in Flammen auf, soweit sie ihre Stifter nicht zurücknahmen, und zwei Orgeln wurden zerstört: „Die beiden Orgeln wurden abgehoben und hinausgeschafft. Als es aber schwer hergehen wollte, die große Orgel mit allem herunterzubringen, band man Seile und Ketten darum, spannte sodann Pferde an diese und riss ... mit größter Gewalt alles herunter.“ Es dauerte Jahrzehnte, bis sich im Ulmer Land die lutherische Richtung durchgesetzt hatte und die Kirchenmusik wieder einen neuen Aufschwung nahm.16

Auch die Geislinger Stadtkirche hat im Bildersturm viele mittelalterliche Kunstwerke verloren. Von der ursprünglich reichen Ausstattung blieben gerade das Chorgestühl, die Kreuzigungsgruppe und der Daniel-Mauch-Altar verschont. Zehn Altäre, unter ihnen wohl etliche Schnitzaltäre, samt der Orgel waren schon im Oktober 1531 bei der ersten Kirchenvisitation aus der Kirche verschwunden, und es wurde geklagt, wegen der kahlen Kirche gehe die Gemeinde nicht mehr fleißig zum Gottesdienst.17

Die anfängliche Bilder- und Musikfeindlichkeit baute sich in dem Maß ab, wie sich das Ulmer Land mit seiner oberdeutschen Strenge dem Luthertum öffnete. In den Jahren 1619 bis 1622, kurz nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648), wurde der Innenraum der Geislinger Stadtkirche um einige bemerkenswerte Objekte bereichert. Das 100-jährige Jubiläum der Reformation wurde 1617 überall sehr aufwändig begangen und regte zu großzügigen Stiftungen für Kirchen an. So kam 1619 ein neuer Altar vor den Chorbogen. Sein hölzerner Aufsatz enthielt ein Bild des Abendmahles in zeitgenössischer Renaissancemanier und darüber das bisher schon vorhandene gotische Kruzifix der Ulmer Schule, flankiert von Maria und Johannes; es war eine Altarkomposition, die aus Objekten unterschiedlicher Kunstepochen stimmig zusammengefügt war. Die Kreuzigungsgruppe hängt heute im Chorbogen, das Bild mit dem Abendmahl ist leider verschollen. 1621 erhielt die Stadtkirche ihre heutige Kanzel, ein Werk, das Daniel und Bestle Hennenberger zugeschrieben wird, die beide einer alten Geislinger Künstlerfamilie angehörten.18


Die „Öchslin“-Orgel von 1621/22

1621/22 kam eine neue Orgel in die Stadtkirche, eine Stiftung des Geislinger Bürgers Michael Oechslin und seiner zweiten Frau Katharina Wachtlerin, einer Tochter des Kronenwirtes Calixt Wachtler. Der Vater von Michael Oechslins erster Frau Susanne, der damalige Geislinger Bürgermeister Augustin Dapp, stiftete dazu ein Kapital von 50 Gulden, dessen jährliche Zinsen zur Unterhaltung der Orgel und zur Bezahlung eines künftigen Organisten verwendet werden sollten.19 Die Familien Oechslin und Dapp zählten zur städtischen Ehrbarkeit; viele ihrer Angehörigen versahen öffentliche Ämter und sind mehrfach mit ihren Grabdenkmalen in der Stadtkirche verewigt.20

Wer die Orgel gebaut hat, ist nicht bekannt; auch zur Disposition dieses Instrumentes schweigen die Quellen. Vermutlich verfügte die Orgel nur über ein Manual mit Pedal. Dazu stellt sich die Frage nach ihrem Standort. Schon damals befand sich in der Stadtkirche eine Empore an der Westseite. Sie stammte aus dem späten Mittelalter. Ein 1892 noch vorhandener, schön bemalter Tragbalken trug die Jahreszahl 1471.21 Diese Empore war jedoch ursprünglich nicht für die Gemeinde bestimmt, die in der weiten Kirche genügend Platz fand, sondern diente als Nonnenempore für die Franziskanerinnen der Klause, die dort, von unten ungesehen, am Gottesdienst teilnahmen. Die Nonnen erreichten die Empore über eine Türe, die aus einem Raum im ersten Stock der Klause über einen Steg im südlichen Seitenschiff unmittelbar auf die Westempore führte. Im Pfarrhaus, das an die Kirche angebaut ist, sieht man noch heute die vermauerte Türöffnung als Nische.22

In der Folge der Reformation hatten die Nonnen 1590 die Stadt verlassen, weil sie katholisch bleiben wollten, und waren nach Wiesensteig verzogen.23 Nun wurde die Empore frei für Besucher der Gottesdienste; 1606 erneuerte man dort das Gestühl.24 Als die Stadtkirche dann 1621/22 eine Orgel erhielt, wurde dafür eine zweite schmale obere Empore auf der Scheitelhöhe des offenen Turmbogens errichtet. Der Zugang zur Orgel führte über die heute noch vorhandene steinerne Wendeltreppe25, die einen Ausgang in den Dachboden des südlichen Seitenschiffes hat. Von dort gelangte der Organist durch eine Türe direkt auf die obere Empore. Diese ehemalige Türöffnung ist auf dem Dachboden, allerdings zugemauert, heute noch zu sehen.
 
1680 wurde die untere Westempore vergrößert, indem man sie weiter ins Mittelschiff vorrückte. Vermutlich war weiterer Platz für Gottesdienstbesucher nötig geworden. Die Empore stützten vier Säulen, die mit flachen Bögen im Stil der Renaissance verbunden waren. Die Brüstung darüber war seit 1742/43 mit acht Tafelmalereien geschmückt; sie zeigten Szenen aus der biblischen Geschichte und wurden von Geislinger Honoratioren gestiftet.26    


Die Allgeyer-Orgel von 1716

Am 13. September 1715 schlug der Blitz in den Turm der Stadtkirche, fuhr herunter bis in den Boden, verwüstete die Orgel, zerschlug die obere Empore samt den Säulen, auf denen sie ruhte, in viele Stücke und beschädigte noch die Stühle auf der unteren Empore. Zum Glück hatte es nicht gebrannt.27 Dieses Ereignis bewegte die Bürgerschaft so sehr, dass im südlichen Seitenschiff am westlichsten Fenster eine Inschrift und sogar ein Splitter angebracht wurde, die noch 1892 lesbar war28: „Als dorten durch die Spitz’ des Turms das Wetter schlug/und seinen Blitz und Strahl bis auf die Orgel trug,/auch deren Säul’ zerbrach in Stücken solch Gewitter,/durch Gottes starke Hand hierher fuhr dieser Splitter,/dass auch die Nachwelt mög’ mit Wundern ihn beseh’n,/so in dem Jahr und Tag wie hier gemeld’t gescheh’n./Anno 1715 den 13. 7br. [Sept.] abends gleich nach 3 Uhr.“

Nach diesem Schrecken schickte die Stadt Ulm sofort Baumaterial und die Geislinger Bürgerschaft leistete Handdienste, so dass sich die Empore bald wiederherstellen ließ, aber die Orgel war ruiniert und „nicht mehr zu reparieren“. Das Stadtgericht beschloss, „ein ganz neues Orgelwerk fertigen zu lassen“ und beauftragte damit den Orgelbauer (Johann) Georg Allgeyer in Hofen (heute Stadtteil von Aalen).29

Der Name Allgeyer war damals in Schwaben ein Qualitätsbegriff, was den Orgelbau betraf.30 (Johann) Georg Allgeyer (um 1670 – nach 1724) war der Stammvater einer Orgelbauersippe, die über fünf Generationen bis um 1850 in Hofen, später auch in Wasseralfingen ansässig und weithin geschätzt war. Gerade der Firmengründer war die künstlerisch herausragendste Erscheinung innerhalb dieser Orgelbauerfamilie. Die Qualität seiner Instrumente zeugte von hoher handwerklicher Kunst, gepaart mit feinem musikalischem Gespür. Sie machte sein Lebenswerk überdurchschnittlich. Er baute große Orgeln u. a. für Esslingen, Ellwangen, Crailsheim und Weißenburg.

Seine Prospektentwürfe entsprachen einem Typus, der um 1700 im schwäbischen Gebiet vielfach vertreten war und wohl eine schwäbische Eigenart darstellte. Für die „Allgeyer-Orgel“ war der fünfteilige Aufbau in der Vertikalen typisch geworden (zwei Außentürme, ein erhöhter Mittelturm mit verbindenden Zwischenfeldern). Besondere Merkmale waren außerdem die Säulen- oder Halbsäulenvorlagen vor den Lisenen und die gesprengten Segmentgiebelaufsätze. Seine Orgeldispositionen waren typisch süddeutsch, seine Registerbezeichnungen erinnerten an schwäbisch-bayerische Vorbilder. Charakteristisch war seine Vorliebe für 16’-Register im Manual sowie der Einsatz von Quinte 1 1/3’ und Sedezima 1’. Allgemein üblich waren bei schwäbischen Orgeln streichende Register, die Verwendung der Rohrflöte, vor allem aber die magere Pedalbesetzung.

(Johann) Georg Allgeyer benannte die Kosten für eine neue Orgel mit 510 Gulden; dazu nahm er die noch brauchbaren Teile der alten Orgel in Zahlung.31 Die genaue Disposition des neuen Instrumentes ist nicht bekannt. Vergleicht man aber die Höhe der Kosten mit dem Aufwand, der von anderen Städten bei Orgelneubauten bekannt ist, so dürfte er für die Stadtkirche eine Orgel mit etwa 10 bis 12 Registern für ein Manual und Pedal gebaut haben.32 Das Salbuch der Kirchenpflege von 1766 beschreibt die Allgeyer-Orgel wie folgt33: „Das Werk besteht aus verschiedenen Registern und vielen zinnernen großen und kleinen Pfeifen mit einem guten Klavier, die Einfassung braunrot und überall an Gesims, Leisten und Rahmen vergoldet, oben den König David mit der Harfe nebst anderen Figuren und Engeln, auch Laubwerk ausgeziert.“

Zur Finanzierung der Kosten wurde von den Geislinger Bürgern eine Sondersteuer erhoben. Die örtlichen frommen Stiftungen (Spital, Almosen- und Siechenpflege) leisteten einen Zuschuss. Im ganzen Ulmer Land fand eine Kollekte statt. Das Herrschaftspflegamt Ulm leistete dazu seinen Beitrag, und der damalige Obervogt Gustav Benoni Schad von Mittelbiberach (von 1681 bis 1722 in Geislingen) ließ die neue Orgel auf seine Kosten bemalen und vergolden.34

Die umfangreichen Arbeiten zogen sich fast ein Jahr hin. Am 27. September 1716 erklang die neue Orgel zum ersten Mal. Der Predigt zur Einweihung war der Psalm 150 („Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligtum“) zugrundegelegt. Ein Chronist sprach von einem schönen Werk, das allgemein gerühmt wurde, und fügte an: „Gott behüte die liebe Kirch’ samt der Orgel vor weiterem Unglück.“35


Schubart als Organist in Geislingen

Die Orgeldienste in der Stadtkirche versahen über Jahrhunderte die Schulmeister, anfangs auch einzelne Kapläne. In Geislingen ist seit 1331 das Bestehen einer Schule bezeugt, und die Lehrer wurden neben ihrem Schulunterricht auch für ihr Orgelspiel und die Mitwirkung beim kirchlichen Gesang entlohnt. 1474 ist von zwei Lehrern die Rede, dem eigentlichen Schulmeister und dem Kantor als Hilfslehrer.36
Da sich die Geislinger Einwohnerzahl in der Zeit bis 1800 nicht nennenswert vermehrt hat37 – man bedenke die erheblichen Verluste während des Dreißigjährigen Krieges durch die Pest – , kam der Schulbetrieb lange mit nur zwei Lehrkräften aus.

Unter den vielen Schulmeistern, die treu ihre Orgeldienste verrichteten, ragt einer heraus, der durch Genie und Eigenwilligkeit landesweit für Bewunderung und Ärger sorgte: der Dichter, Musiker und Journalist Christian Friedrich Daniel Schubart (1739 – 1791). 1763 kam er im Alter von 24 Jahren aus Aalen und trat in Geislingen seine erste Stelle als Adjunkt (Amtsverweser) für den altersschwachen Lehrer Georg Wilhelm Röbelen an. Er bekleidete hier das Amt des Knabenschulmeisters, eines Musiklehrers für die Schuljugend, eines Musikdirektors für die Stadt- und Kirchenmusik, versah eine halbe Organistenstelle an der Stadtkirche und hielt gelegentlich sogar Predigten. Stolz nannte er sich Präzeptor und „Director musices“. Schubart muss musikalisch äußerst aktiv gewesen sein, obgleich er hier, gemessen an seinen Erwartungen, ein steiniges Feld vorfand. „In Geislingen“, so klagte er, „herrscht so wenig Geschmack, dass sie das Gedudel der Kuhhirten dem besten Konzert weit vorziehen.“ Bei aller Kritik, die er in Wort und Schrift über Gott und die Welt stets kraftvoll formulierte, verlor er kein Wort über die Orgel in der Stadtkirche. Die Allgeyer-Orgel von 1716 entsprach offenbar seinen Vorstellungen.38

Schon 1769, nach sechs Jahren, verließ er die Stadt, um in Ludwigsburg die Stelle des Organisten und Musikdirektors zu übernehmen. Zeitgenossen rühmten, er zähle zu den größten Orgelspielern Deutschlands. Jedenfalls gab es Leute, die nur wegen seines Spiels in die Kirche kamen, was prompt zu Problemen mit den Pfarrern führte. Vermutlich war er ein glänzender Improvisator, denn seine Nachspiele pflegten von den geistlichen oft in äußerst weltliche Melodien auszulaufen. Schubarts Auftritt in Ludwigsburg fand leider schon nach vier Jahren ein rasches Ende wegen Trunksucht und Weibergeschichten, und seine anhaltende Renitenz gegen jede Art von Obrigkeit büßte er schließlich mit zehn Jahren in der Festung auf dem Hohenasperg.39

Ein wichtiges Amt versahen allzeit treu und brav die Orgeltreter. Es gab deren zwei oder drei, die unter sich die Gottesdienste teilten. Bei jedem Spiel der Orgel musste ein kräftiger Mann unter Einsatz seiner Körperkraft die schweren Blasbälge bewegen und dafür sorgen, dass der Orgel die Luft nicht ausging. Diese Tätigkeit wurde mit 3 Gulden im Jahr entlohnt. Es bewarben sich dafür nur arme Leute, wie die beiden Ödenturmwächter, die auf diesen geringen Zuverdienst angewiesen waren. Manch ein Bewerber wurde abgewiesen, weil das Stadtgericht seine körperliche Verfassung als zu leicht und schwach erkannte.40

Außer der Stadtkirche gab es in Geislingen lange Zeit die Spitalkirche, die bis zu ihrem Abbruch (1843) zum Baukomplex des Heilig-Geist-Spitals am Wilhelmplatz gehörte. Sie stand immer im Schatten der Stadtkirche, in der sich das Bürgertum versammelte, während sich das Spital eher der sozial Schwachen annahm. 1734 bot sich ein Ulmer Bürger, der Bassist David Schmid an, für die Spitalkirche eine Orgel zu stiften41; dies hätte ihn 180 Gulden gekostet. Als Dankeszoll seitens der Stadt Geislingen dachte er an eine Naturalleistung in Getreide. Das Stadtgericht lehnte jedoch dieses Ansinnen ab und verzichtete lieber auf die Orgel.42 Für die Besucher der Gottesdienste in der Spitalkirche war das eine herbe Entscheidung, zumal diese Kirche zu keiner Zeit eine Orgel besaß.

Die Allgeyer-Orgel von 1716 war nach einigen Jahrzehnten reparaturbedürftig, vor allem sollten die Pfeifen dringend ausgeputzt werden. Solche Arbeiten sind sehr aufwändig und teuer. Da sich die Kirchenpflege die Kosten nicht leisten konnte, holte man sich das Geld über eine Kollekte bei der Bürgerschaft. Mit den Reinigungs- und Reparaturarbeiten wurde 1748 der Orgelbauer Georg Friedrich Schmahl d. Ä. (1700 – 1773) in Ulm beauftragt; er hatte dort wenige Jahre zuvor (1729) die Werkstatt des verstorbenen Orgelbauers Chrysostomus Baur als Nachfolger übernommen.43

Auch der Name Schmahl zählt zu den bekannten Adressen auf dem Gebiet des Orgelbaus. Sein Vater Johann Michael Schmahl (1654 – 1725) stammte aus Kamenz (Bezirk Dresden), dem Geburtsort des Dichters Gotthold Ephraim Lessing, und hatte sich in Heilbronn niedergelassen. Er wurde zum Stammvater einer verzweigten Orgelbauersippe, die über fünf Generationen Bestand hatte. Einer seiner Söhne, der eben genannte Georg Friedrich Schmahl d. Ä. (1700 – 1773) war nach Ulm gezogen und begründete dort eine blühende Orgelbautradition. Schmahl-Orgeln waren von hoher Qualität und in Süddeutschland sehr begehrt; sie standen u. a. in Heilbronn, Ludwigsburg, Reutlingen, Tübingen, Herrenberg, Aalen und Ulm.44


Die Schmahl-Orgel von 1781/1809


1809 erreichte die Geislinger erneut ein reizvolles Angebot aus Ulm. Auf dem Münsterplatz, an der Stelle des heutigen Stadthauses, stand seit 1229 ein Franziskaner- oder Barfüßerkloster. Dazu gehörte eine Kirche, ein zweischiffiger frühgotischer Bau, den die Ulmer das „Kirchle“ nannten. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster aufgehoben und diente seit 1531 als Gymnasium.45 In diese Barfüßerkirche stifteten der Ulmer Buchhändler Johann Friedrich Gaum (1722 – 1814)46 und seine Ehefrau 1781 eine Orgel. Gaum stammte aus Bretten und kam 1750 nach Ulm, wo er nacheinander zwei für ihn lukrative Ehen schloss. Er begleitete in Ulm eine Reihe von Ehrenämtern als Ratsherr und Pfarrkirchenbaupfleger, dazu erwarb er sich die Titel Kriegsrat und Senator.

Die gestiftete Orgel war ein Werk des Ulmer Orgelbauers Johann Matthäus Schmahl (1734 – 1793) und hatte 1200 Gulden gekostet. Sie verfügte über 19 Register auf zwei Manualen mit Pedal. Das Gehäuse schuf ein Bildhauer aus Weißenhorn, der es reich mit stilreinen Rokokoformen schmückte und das zu einer Zeit, da diese Ornamente eigentlich schon veraltet waren und der Klassizismus in Mode stand.47

An Orgelbauer Johann Matthäus Schmahl, aber auch am Fortgang seiner Arbeiten hatten die Stifter keine rechte Freude. An sich als tüchtiger Fachmann bekannt, war er sehr unzuverlässig. Schon 1778 hatte er den Auftrag zum Orgelbau erhalten, im Sommer 1779 sollte die Orgel fertig sein, aber die Arbeiten zogen sich in die Länge. Dem Orgelbauer wurde Betrug vorgeworfen und kurzfristig befand er sich im Arrest. Endlich, „nach  langer Unlust“ und vielfachen Mahnungen, fand die Orgelweihe am 28. Januar 1781 in der Barfüßerkirche statt. Gepredigt wurde über Psalm 92, 1-5: „Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen.“ Auch nach der Weihe ging der Ärger weiter. Die Verzögerung hatte höhere Kosten zur Folge, und der Stifter beklagte, Schmahl habe die Orgel nicht so hergestellt, wie es dem Auftrag entsprach. Statt des Gemshorns in Holz hatte er eine Spitzflöte in Zinn gefertigt, die Vox humana fehlte und noch 1783 wartete man auf die Vollendung der Orgel.48

Disposition der Schmahl-Orgel49:  

Hauptwerk (1. Manual)

1.   Prinzipal                8’                Zinn (im Prospekt)        
2.   Prinzipal                8’                Holz                               
3.   Viola da Gamba    8’                Zinn                               
4.   Gedeckt                8’                Holz                               
5.   Oktave                  4’                Zinn                               
6.   Spitzflöte               4’                Zinn                               
7.   Quinte                   3’                Zinn                               
8.   Superoktave         2’                Zinn                               
9.   Mixtur                   5fach          Zinn                                  
10. Zimbel                  3fach          Zinn                                  
11. Trompete              8’                Zinn                               

Oberwerk (2. Manual)

12.  Stillgedeckt           8’                Holz                              
13.  Traversflöte          8’                Zinn (die 2 oberen Oktaven)    
14.  Prinzipal               4’                Zinn (im Prospekt)         
15.  Sesquialter           3fach          Zinn                               
16.  Waldflöte              2’                Holz                              
17.  Vox humana         8’                Zinn (die 2 oberen Oktaven)     

Pedal

18.  Subbass             16’                Holz (offen)                  
19.  Oktavbass            8’                Holz (offen)                    

Nebenzüge

Tremulant im Hauptwerk
Tremulant im Oberwerk
Koppel  Manual zu Pedal

Die Disposition entsprach völlig dem Klangideal der süddeutschen Barockorgel mit der klaren Trennung zweier selbständiger Werke in den Manualen, voll ausgebautem Prinzipalchor, wenigen Flöten und Zungen, und der Klang des Pedals war durch Kopplung wesentlich von beiden Manualen bestimmt. Der Prospekt war in heller Farbe gehalten, war vertikal fünfgliedrig (zwei harfenförmige Außentürme, ein hoher, von geschwungenem Giebelfeld bekrönter Mittelturm mit zwei verbindenden Zwischenfeldern) und reich geschmückt mit vergoldeter Rokokozier.50

Die Ulmer Barfüßerkirche erlebte bald unruhige Zeiten. Schon 1799 diente die Kirche als Magazin für Heu und Stroh; wegen des Staubs musste die Orgel 1800 ausgebaut werden. Kaum wieder eingebaut, erlitt die Kirche im 3. Koalitionskrieg 1805 Schäden; die Orgel musste erneut ausgehoben werden. All diese Veränderungen verursachten viele Reparaturen und Kosten. Als dann 1808 die Barfüßerkirche in ein Zollgebäude umgewandelt wurde und der baldige Abbruch drohte, war die Orgel überflüssig geworden. Der Stifter Gaum lebte noch und hätte das Instrument am liebsten der Kirchengemeinde Riedheim (zwischen Langenau und Leipheim gelegen) geschenkt. Für die dortige Kirche war die Orgel jedoch zu groß. So entschied er sich zu einer Stiftung in die Geislinger Stadtkirche. Die dort sich befindliche kleine Allgeyer-Orgel von 1716 sollte dafür nach Riedheim überführt werden.51

Der jüngere Bruder des Orgelbauers, Georg Friedrich Schmahl d. J. (1748 – 1827) und dessen Sohn Christoph Friedrich Schmahl (1787 – 1839) stellten das Instrument im Oktober 1809 in der Geislinger Stadtkirche auf. Die örtliche Überlieferung wusste noch lange zu erzählen, dass der alte Senator jedes Jahr einmal nach Geislingen gekommen sei, um auf der Orgel zu spielen und dabei seiner inzwischen verstorbenen Gattin zu gedenken.52

Die Kosten für Transport und Einbau der Orgel in Höhe von 215 Gulden für den Meister und einem halben Karolin (etwa 11 Gulden) für den Sohn übernahm die Geislinger Stubengesellschaft. Die Stubengesellschaft ging auf die im (Alten) Rathaus schon in früher Zeit eingerichtete „Herrentrinkstube“ zurück, in der die Honoratioren der Stadt verkehrten. Der Zweck der Gesellschaft war rein gesellig: Unterhaltung bei Trunk und Spiel mit Karten oder Würfeln. In der Zeit der Säkularisation (1803) und politischer Umbrüche – Geislingen war 1803 von Ulm an Bayern und 1810 an Württemberg gekommen – fürchtete die Gesellschaft, nachdem sie schon ihr Mobiliar bis auf einen Kronleuchter und zwei Tische verkauft hatte, auch noch um ihr Kapital zu kommen. Sie beschloss deshalb, ihr Geld für einen kirchlichen Zweck zu verwenden. Dafür bot sich Gelegenheit bei der Übernahme der Orgel aus Ulm.53   

Nun verfügte die Stadtkirchengemeinde wieder über eine zwar gebrauchte, aber durchaus noch neuwertige Orgel und es war die erste mit zwei Manualen. Auch sie erhielt ihren Platz auf der oberen Empore.  Da die neue Orgel jedoch größer als ihre Vorgängerinnen war und man inzwischen auch mehr Platz für kirchenmusikalische Aktivitäten nötig hatte, wurde vermutlich bei dieser Gelegenheit die bisher recht schmale obere Empore in das Mittelschiff hinein verlängert, so dass ihre Brüstung jetzt mit der bereits 1680 verlängerten unteren Empore bündig abschloss. Die Orgelempore ruhte vorne auf zwei Säulen, die mit korinthischen Kapitellen geschmückt waren, und besaß eine einfache, nüchtern gehaltene Brüstung, an der als alleinige Zier das Geislinger Stadtwappen hing. Damals wurde auch eine Holztreppe als Verbindung von der unteren zur oberen Empore eingebaut. Der Zugang über die Wendeltreppe zur Orgel war nicht mehr nötig; die Türe vom Dachboden des südlichen Seitenschiffes wurde zugemauert.54

Es kam immer wieder vor, dass Gottesdienstbesucher in der Stadtkirche, anstatt sich in die Bänke zu setzen, die Orgelempore bevorzugten, was die Organisten störte. Es waren vor allem junge Burschen, die sich dort sonntags zum Geplauder einfanden.55 Weil alle Ermahnungen an die Organisten, die Burschen zu vertreiben, nicht nützten, wurde am Aufgang zur Orgel ein Täfelchen mit folgender Inschrift angebracht: „Hört, ihr liebe gute Freund,/wann ihr öfters hier erscheint./Einmal kann man euch wohl leiden,/zweimal, wenn ihr seid bescheiden/und so ihr gar kein Musikus,/seid ihr das dritt’ Mal ein Verdruss./Gottes Wort und heilsam Lehren/kann man drunten besser hören,/wonach man sich richten muss./Dieses ist der Obern Schluss.“56


Veränderungen an der Schmahl-Orgel


Im 19. Jahrhundert erfuhr die Schmahl-Orgel eine Reihe größerer und kleinerer Veränderungen, die teils mit Erneuerungen, Reparaturen und laufenden Wartungen zu tun hatten, teils aber auch in das ursprüngliche Klangbild eingriffen. Zu diesen Arbeiten engagierte der Geislinger Stiftungsrat ausschließlich die Angehörigen der Orgelbauersippe Schäfer. Sie zählte damals zu den bekanntesten Werkstätten in Württemberg.57

Die Familie hatte sich von Wolfschlugen (bei Nürtingen) aus in vier Linien im Land ausgebreitet. Bald waren neben dem Stammbetrieb in Wolfschlugen weitere Betriebe in Heilbronn und Göppingen entstanden. War der Gründervater Johann Georg (I) Schäfer (1760 – 1826) noch als „Pfuscher und dem Trunk ergebener Mann“ verschrien, so hatten sich seine Söhne und deren Nachfahren mit der Qualität ihres Kunsthandwerkes einen guten Namen erworben. Samuel Friedrich Schäfer (1803 – 1860) in Wolfschlugen machte 1843 die Orgel in Hofstett-Emerbuch.58Johann Georg (II) Schäfer (1785 – 1845) führte seit 1808 einen Orgelbaubetrieb in Göppingen und betreute fast alle Orgeln im ehemaligen Oberamt Geislingen; er baute 1825 die sehr reizvolle Orgel in Amstetten59. Sein tüchtiger Sohn Johann Georg (III) Schäfer (1826 – 1886) fertigte 1868 die Orgeln in Schalkstetten und Stubersheim.60 Sehr erfolgreich betrieb Johann Heinrich Schäfer (1810 – 1887) seit 1838 den Orgelbau in Heilbronn, wo er unabhängig von Eberhard Friedrich Walcker (1794 – 1872) an der Erfindung der Kegellade arbeitete.61  

Auch an der Schmahl-Orgel in der Geislinger Stadtkirche nagte der Zahn der Zeit. Dazu war ein Wasserschaden getreten, der die Orgel empfindlich traf, „weil durch das Eindringen eines Sturmregens“ das Wasser durch beide Manualwindladen gelaufen war, so dass viele Ventile nicht mehr gut schlossen. Ebenso befand sich die Pedalwindlade in einem üblen Zustand, und die drei Blasbälge waren undicht. Alle 19 Register waren sehr schadhaft, der vierte Teil der Pfeifen sprach gar nicht mehr richtig an. Das ganze Pfeifenwerk mit 1274 Pfeifen sollte ausgehoben und vom Staub und Unrat gereinigt werden. Schon seit mehreren Jahren funktionierte die Koppel vom Oberwerk zum Hauptwerk nicht mehr.  

In seinem Kostenanschlag vom 23. August 1828 empfahl der Orgelbauer Johann Georg (II) Schäfer (1785 – 1845) in Göppingen weiterhin, statt der Trompete 8’, die ganz unbrauchbar war, ein neues Register Quintadena 16’ einzubauen, das „dem ganzen Werk Kraft geben würde, indem im Manual gar kein 16-füßiges Register sich befindet“. Er regte außerdem an, die Stimmung um einen viertel Ton zu erhöhen, da die Orgel zur Plage des Organisten kein Blasinstrument begleiten könne. Schließlich wäre ein neuer Spieltisch zu fertigen, an dem die Registerzüge rechts und links neben den Manualen angeordnet sind. Gleichzeitig sollte man den Spieltisch drehen, so dass der Organist nicht mehr der Gemeinde den Rücken bietet, sondern die Gemeinde und vor allem seinen Singchor vor sich hat, zumal man zu dieser Zeit den mehrstimmigen Gesang einführte.

Der Kostenanschlag des Orgelbauers Schäfer verzeichnete folgende Disposition der Schmahl-Orgel und ihre Mängel62:

Hauptwerk (1. Manual)

1.   Prinzipal                8’                Zinn (im Prospekt)           ziemlich gut
2.   Prinzipal                8’                Holz                               
3.   Gamba                  8’                Zinn                                  ganz schlecht
4.   Großgedeckt         8’                Holz                               
5.   Oktave                  4’                Zinn                                  sehr schadhaft                               
6.   Spitzflöte               4’                Zinn                                  sehr schadhaft
7.   Quinte                   3’                Zinn                                  sehr schadhaft
8.   Superoktave         2’                 Zinn                                 sehr schadhaft                              
9.   Mixtur                   5fach           Zinn                                  sehr schadhaft                                                      
10. Trompete              8’                Zinn                                  ganz unbrauchbar                       
                                                                                      (ersetzt durch Quintadena 16’)                                                  

Oberwerk (2. Manual)

11.  Stillgedeckt           8’                Holz                              
12.  Flauta                   8’                Zinn                                 sehr schadhaft
13.  Prinzipal               4’                Zinn (im Prospekt)           sehr schadhaft       
14.  Jubalflöte              4’                Holz           
15.  Waldflöte              2’                Zinn                                 sehr schadhaft                              
16.  Sesquialter           3fach          Zinn                                 sehr schadhaft                               
17.  Zimbel                  3fach          Zinn                                 sehr schadhaft

Pedal

18.  Subbass             16’                Holz                   
19.  Oktavbass            8’                Holz                     

Nebenzüge

Tremulant im Hauptwerk
Tremulant im Oberwerk
Koppel Manual zu Pedal

Vergleicht man diese von Johann Georg (II) Schäfer aufgelistete Disposition mit der von Johann Matthäus Schmahl gefertigten, so stellt man geringe Differenzen fest: Die ursprüngliche Gesamtzahl der 19 Register blieb erhalten. Jedoch steht der anfangs im ersten Manual stehende Zimbel 3fach inzwischen im zweiten Manual, die Vox humana 8’ fehlt, statt ihrer findet sich die Jubalflöte 4’ (= Flöte mit zwei Labien). Diese Veränderungen mögen bei der Umsetzung der Orgel 1809 in die Stadtkirche vorgenommen worden sein.  

Dass sich die Orgel in der Stadtkirche „in einem solch verdorbenen Zustand“ befand, dass sie unverzüglich repariert werden musste, fand die Einsicht des Stiftungsrates. Er schränkte jedoch ein, die beantragte veränderte Stimmung der Orgel sollte unterbleiben, nachdem sie selbst Musikdirektor Auberle in Ulm in seinem Gutachten für überflüssig gehalten hatte. Auch die Versetzung des Spieltisches sei nicht dringend und sollte der höheren Kosten wegen auf bessere Zeiten verschoben werden. Mit Orgelbauer Johann Georg (II) Schäfer schloss die Stiftungspflege am 17. September 1828 einen Akkord über die Gesamtkosten von 167 Gulden ab. Der Orgelbauer führte seinen Auftrag zur Zufriedenheit aus und gab eine Garantie von zehn Jahren.63

Schon vor Ablauf der Garantie wurde die Orgel wieder als „fast ganz unbrauchbar“ beschrieben, da der größte Teil der Pfeifen vom Staub und Unrat verstopft war, so dass viele gar nicht mehr ansprachen. Erneut wurde der Orgelbauer Johann Georg (II) Schäfer in Göppingen mit den Arbeiten beauftragt. Nach seinem Verdienstzettel vom 18. Mai 1836 hat er sämtliche Pfeifen, deren Zahl er jetzt mit 1226 bezifferte, „wieder sprechend gemacht“ und gestimmt. Beide Manualwindladen wurden überarbeitet, nachdem sie in den heißen Sommern der Jahre 1834 und 1835 sehr gelitten hatten, so dass der Wind an mehreren Stellen verloren ging. Auch die drei Blasbälge waren schadhaft und mussten wieder winddicht gemacht werden. Der Aufwand dafür betrug 22 Gulden 38 Kreuzer. Musikdirektor Dieffenbacher aus Ulm hatte die Arbeiten fachmännisch begleitet.64

Die Freude währte wiederum sehr kurz. Schon am 14. August 1849 stand abermals die „höchstnötige Reparation“ der Orgel auf der Tagesordnung des Stiftungsrates, der den Musikdirektor Frech aus Esslingen um sein Gutachten gebeten hatte. Dieser schlug vor, eine ganz neue Orgel anzuschaffen oder aber, falls die Kosten zu hoch erschienen, die alte Orgel gründlich zu reparieren. Da ein Neubau ausschied, weil man die Kosten scheute, meinte der Orgelsachverständige, für eine nur schnelle Verbesserung wäre das Geld nutzlos ausgegeben. Statt dessen riet er zu einem durchgreifenden Umbau der Schmahl-Orgel, wenn diese noch mehrere Jahrzehnte gute Dienste leisten und eine neue Orgel nahezu ersetzen sollte, wozu sich das Kollegium nach reiflicher Beratung verstand.65  

Der Auftrag für den Orgelumbau ging an den Orgelbauer Johann Heinrich Schäfer (1810 – 1887) in Heilbronn. Entsprechend dem Gutachten des Musikdirektors Frech führte er folgende Arbeiten aus: Sämtliche Pfeifen wurden ausgehoben, um sie von Staub und Unrat zu reinigen, anschließend ausgebessert und intoniert. Die Prospektpfeifen wurden hell geputzt. Die Stimmung wurde um einen halben Ton „in den richtigen Orchesterton“ gehoben, um damit das Zusammenspiel der Orgel mit Blasinstrumenten zu ermöglichen. Die Windladen der Manuale wurden verbessert, das Pedalwerk bekam eine neue Windlade (Springlade nach neuer Konstruktion). Das Orgelgehäuse wurde zurückgesetzt, um auf der Empore mehr Platz für Chor und Musikgruppen zu gewinnen. Drei neue Blasbälge mit Treteinrichtung kamen hinzu, die jetzt seitlich der Orgel gelegt wurden.

Eine grundsätzliche Änderung brachte ein neuer Spieltisch, der nun nach vorwärts gerichtet war, so dass der Organist Chor und Gemeinde vor sich hatte und auch auf Kanzel und Altar sehen konnte. Der Spieltisch sollte aus Platzgründen so schmal als möglich ausfallen, auf beiden Seiten der Manuale wurden 24 Züge für Register und Koppeln je in gleicher Anzahl angeordnet, mit Inschriften auf Porzellanplättchen und für die drei Werke in jeweils anderer Farbe. Beide Manualklaviaturen umfassten 49 Tasten von C bis c’’’, die Untertasten in weißem Bein, die Obertasten in dunklem Ebenholz. Das Pedal „neuer Art“ besaß 25 Tasten von C bis c’. Es gab zwei Koppeln: II zu I und I zu Pedal, außerdem „ein solid eingerichtetes Regierwerk zu Manualen und Pedal, dass weder ein Rasseln noch Stoßen hörbar ist“.

Um die Disposition der „Würde des Gottesdienstes als auch dem gegenwärtigen Standpunkt der Orgelbaukunst“ anzupassen, wurde das Klangbild verändert. Zwei Register im zweiten Manual fielen weg: Flauta (Traversflöte) 8’ und der „durchaus verwerfliche“ Sesquialter 3fach. Dafür wurde die Orgel um sechs zusätzliche Register erweitert: im zweiten Manual Geigenprinzipal 8’, Salizional 8’, Dolce 4’ und Clarinett 8’ (das erste und einzige Zungenregister der Orgel), im Pedal Violonbass 16’ und Violoncello 8’.

Disposition der Schmahl-Orgel seit 184966:

Manual I

1.    Quintadena                        16’                       Holz
2.    Prinzipal (im Prospekt)        8’                       Zinn
3.    Flöte (Prinzipal)                   8’                       Holz
4.    Gamba                                 8’                       Zinn
5.    Großgedeckt (Koppel)         8’                       Holz
6.    Oktave                                 4’                       Zinn
7.    Spitzflöte                              4’                      Zinn
8.    Quinte                                  2 2/3’                Zinn
9.    Superoktave                        2’                       Zinn
10.  Mixtur                                   5fach                Zinn
11.  Zimbel                                  3fach                Zinn
 
Manual II

12.  Geigenprinzipal                   8’                       Holz/Zinn             neu
13.  Stillgedeckt                          8’                       Holz
14.  Salizional                             8’                       Zinn                     neu
15.  Prinzipal (im Prospekt)        4’                       Zinn
16.  Jubalflöte                             4’                       Holz
17.  Dolce                                   4’                       Zinn                     neu
18.  Waldflöte                             2’                       Zinn
19.  Clarinett                               8’                       Holz/Zinn             neu

Pedal

20.  Subbass                             16’                      Holz
21.  Violonbass                          16’                      Holz                     neu
22.  Oktavbass                            8’                      Holz
23.  Violoncello                            8’                      Holz                     neu

Die überholte Schmahl-Orgel enthielt nunmehr 23 Register, davon 17 alt und 6 neu).
Die Gesamtkosten  beliefen sich auf 1250 Gulden. Dazu kamen 194 Gulden für den Ersatz einzelner schadhafter Pfeifen, aber vor allem für den Einbau des Registers Geigenprinzipal 8’ im zweiten Manual, das der Orgelbauer Schäfer ohne Auftrag zusätzlich eingefügt hatte. Er argumentierte, in jedem Manual sei ein Prinzipal 8’ notwendig, weil es einen besonderen Effekt und ein ausgewogeneres Verhältnis der Disposition verspreche, was auch der Stiftungsrat nachträglich billigte. Für seine Arbeiten leistete Schäfer eine 10-jährige Garantie.67

Musikdirektor Frech lobte in seinem Prüfbericht vom 21. April 1850 Fleiß, Sorgfalt, Pünktlichkeit und Meisterschaft des Orgelbauers Johann Heinrich Schäfer und stellte abschließend fest: „Die Gesamtwirkung der Orgel ist voll, kräftig und der Feierlichkeit des Gottesdienstes angemessen, daher weit entfernt von jenem widerwärtigen und betäubenden Gekreische, das so viele ältere und neuere Orgelwerke hören lassen, obgleich die nunmehr vorhandene Registerzahl im Verhältnis zu dem sehr beträchtlichen inneren kubischen Raum der großen Kirche auf das Äußerste beschränkt ist und wenigstens um die Hälfte größer sein dürfte. Die gute Wirkung der Orgel ist aber vornehmlich den neu verfertigten Registern zu verdanken.“68

In diese Laudatio stimmte auch der Stiftungsrat ein, indem er dem Orgelbauer Johann Heinrich Schäfer das Zeugnis ausstellte, „dass er seine Verbindlichkeit sowohl in pünktlicher Herstellung der alten Bestandteile als auch in meisterhafter Verfertigung der neuen vollständig erfüllt und jedem Register eine seltene Schönheit des Tones sowie dem ganzen Werk eine Übereinstimmung, Kraft, Fülle und Würde in der Gesamtwirkung zu geben gewusst habe, durch welche Eigenschaften diese Orgel mit allem Recht den besten Werken dieser Art beigezählt werden könne.“69 In den Folgejahren übernahm der Orgelbaubetrieb Schäfer in Heilbronn die regelmäßige Wartung, Reinigung und Stimmung der Orgel.70

Eine kleinere Veränderung erfuhr die Schmahl-Orgel im Jahr 1886. Damals sollten nach dem Kostenvoranschlag des Orgelbauers Friedrich Schäfer (1861 – nach 1917) aus Göppingen vom 28. September 1886 zwei Register ausgetauscht werden: im ersten Manual das Prinzipal 8’, weil es einen schlechten und unreinen Ton hervorbrachte, und im zweiten Manual das Prinzipal 4’, weil die Labien alt und unsauber waren. Beide Register waren aus Zinn und standen im Prospekt der Orgel.71 Friedrich Schäfer führte damals zusammen mit seinem älteren Bruder Karl Schäfer (1855 – 1936) den Betrieb des Vaters Johann Georg (III) Schäfer (1826 – 1886).

Zu dieser Reparatur ist das Gutachten des Orgelrevidenten, Dekan W. Ammon in Weinsberg vom 14. Oktober 1886 recht aufschlussreich. Er wunderte sich, dass der Orgelbauer nur von zwei Registern sprach, die erneuerungsbedürftig seien: „Wenn zwei Zinnregister, und zwar die wichtigsten, von schlechtem Material und schadhaft sind, so folgt daraus, dass auch alle übrigen Zinnstimmen schlecht sind“ und „wenn auch die zwei neuen gut klingen, so lässt sich daneben der schlechte Ton der alten hören. Und noch mehr: Sind die Zinnpfeifen alt und schlecht, so sind es sicherlich auch die Holzpfeifen.“ Er schlug deshalb vor, „den Umfang der nötigen Reparatur noch einmal und gründlich zu erwägen, damit nicht bloß ein neuer Lappen auf ein altes Kleid genäht werde“. Es sei normal, dass eine Orgel, wenn sie über 100 Jahre alt sei, nur mit größerem Aufwand repariert werden kann.72  

Der Stiftungsrat schreckte vor den Kosten einer umfangreicheren Maßnahme zurück und erteilte am 29. Oktober 1886 dem Orgelbauer Schäfer den Auftrag im Rahmen seines Vorschlages. Die Kosten für Fertigung und Einsetzen zweier neuer Prinzipale in reinem englischem Zinn betrugen 700 Mark. Eine Schenkung der Erben des Geislinger Lammwirtes Kimmel von 500 Mark erreichte die Kirchenpflege damals zur rechten Zeit.73


Ein neugotisches Gewand für die Schmahl-Orgel

Das 19. Jahrhundert wurde entscheidend durch die Romantik geprägt, eine zum Gefühlvollen und Wunderbaren neigende Weltauffassung, die nach der Kühle von Rationalismus und Aufklärung nahezu alle Bereiche des kulturellen und geistigen Lebens ergriff. In der Architektur schlug sich diese Bewegung in der Verherrlichung und Idealisierung des Mittelalters nieder; schon seit 1840 hatte sich im Sakralbau der Rückgriff auf die Gotik durchgesetzt. Auch in Geislingen entstand das Bedürfnis, die Stadtkirche mit ihren kahlen Hochschiffwänden und der strengen Holzdecke im Stil der geradezu ins märchenhaft Phantastische abgleitenden Neugotik zu verschönern. Schon 1856/58 wurden im Mittel- und in den Seitenschiffen die Scheingewölbe aus Holz eingezogen.74 1892 veränderte dann eine üppige ornamentale Bemalung der Wände und Gewölbe den Charakter des Innenraums, der nun in eine düstere und geheimnisvolle Atmosphäre getaucht war. Die Bauleitung lag in den Händen des Stuttgarter Architekten Heinrich Dolmetsch.75

Zu diesem neugotischen Raumbild passte nun der helle, fröhliche Rokokoprospekt der Schmahl-Orgel nicht mehr, unschön wirkten auch die beiden übereinander gestellten Westemporen. Die Gebrüder Karl und Friedrich Schäfer, Orgelbau in Göppingen, die man zu Rate zog, empfahlen wesentliche Veränderungen an der bestehenden Orgel, wie den Einbau neuer Windladen oder die Ergänzung der Register. Als beste Lösung gaben sie den Bau einer völlig neuen Orgel zu bedenken. Der Kirchengemeinderat stieß sich jedoch an den Kosten und verwies darauf, man habe einen Kapitalfonds angelegt, mit dessen Hilfe in 50 Jahren eine neue Orgel angeschafft werden könne, sofern sich nicht schon vorher ein Liebhaber der heiligen Tonkunst finde, der zu einer rascheren Erneuerung der schon über 100 Jahre alten Orgel verhelfe.

Es kam sodann zu einer Kompromisslösung. Man baute die alte Orgel ab, beseitigte beide Emporen und errichtete eine neue Westempore. Die Firma Schäfer erhielt den Auftrag, die Orgel auf der neuen Empore wieder aufzustellen, aber so umzubauen, dass das Pfeifenwerk in zweigeteilter Form symmetrisch das Westfenster flankierte. Bei dieser Lösung wurde dieses Fenster, das bisher von Orgel und oberer Empore verdeckt war, wieder sichtbar. Die Firma Weller und Oelmaier in Stuttgart lieferte dazu ein stilgerechtes neugotisches Gehäuse. Nun zeigte sich die alte Schmahl-Orgel, dem zeitbedingten Geschmack angepasst, zwar in neuem Gewand, aber ihre klangliche Disposition blieb unangetastet.76 Die Einweihung der neu gestalteten Stadtkirche wurde am 18. Dezember 1892, dem vierten Adventssonntag, festlich begangen. Ein stattlicher Festzug bewegte sich durch die Stadt zur Kirche, wo dann Dekan Dr. Bacmeister „unter dem brausenden Orgelschalle“ und dem Gesang des Liederkranzes den Gottesdienst feierte. Sein Predigttext lautete: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh. 14,6)77   

Die alte Schmahl-Orgel von 1781 leistete noch viele Jahrzehnte treue Dienste und ermöglichte in der Stadtkirche die schönsten Konzerte, wenn sie sich auch im Lauf der Zeit allerlei Korrekturen gefallen lassen musste. Während dieser langen Zeit hatte sich im Orgelbau eine Menge ereignet, was vor allem die Klangvorstellungen und die Technologie betraf. Im 19. Jahrhundert orientierte sich das Klangideal am romantischen Sinfonieorchester, was als Schritt in die Zukunft gewertet wurde. Selbst zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich der Fortschrittsglaube im Orgelbau zunächst noch ungebrochen fort. Das Klangideal, dynamisch möglichst viele Abstufungen in gleicher Fußtonlage zu gewinnen und damit einem Orchesterklang nahe zu kommen, blieb in ständiger Verfeinerung aktuell.78

Manche technischen Erfindungen wurden gemacht. So erhielten die Orgeln nach und nach ein elektrisches Gebläse. Damit brauchte man den Orgeltreter (Kalkanten) nicht mehr. Kegelladen und die elektropneumatische Traktur kamen in Mode. Eine Reihe von Spielhilfen, wie Jalousieschweller, Crescendowalze und freie Kombinationen ermöglichten einen flexibleren Einsatz unterschiedlichster Klangfarben, was zwar den Spieltisch einer Orgel zu einem voll technisierten Schaltpult machte, aber die Praxis des Organisten bei Gottesdienst und Konzert, vor allem bei der Interpretation spätromantischer Orgelmusik, erheblich erleichterte. Die alten mechanischen Barockorgeln erschienen gegenüber diesen Neuerungen plötzlich als schwerfällig und technisch überholt. Die Möglichkeiten der elektrischen Traktur führten seit den 1920er Jahren zu Orgellösungen, die den inneren Aufbau einer Orgel äußerlich nicht immer erkennen ließen. Es wurden Prospekte geschaffen, die ganz ohne Gehäuse auskamen und dabei die Bedeutung des Orgelgehäuses für die Klangbündelung vernachlässigten.

Doch die Entwicklung ging weiter. 1921 erstellte der Orgelbauer Oskar Walcker (1869 – 1948), Ludwigsburg, auf Anregung des Musikforschers Willibald Gurlitt (1889 – 1963) eine Orgel mit der Idealdisposition, wie sie Michael Praetorius (1571/72 – 1621) im zweiten Band des Syntágma musicum (1619) beschrieben hatte. Dieses für das Musikwissenschaftliche Institut der Universität Freiburg gefertigte Instrument stellte das Klangideal des frühen Barock wieder ins Bewusstsein und löste neue Diskussionen aus. Die Freiburger Tagung für Deutsche Orgelkunst 1926 förderte die Rückbesinnung auf die Barockorgel. Die nun folgende Orgelbewegung entwickelte neue Orgelbaugrundsätze mit Aufhellung der Disposition; sie wandte sich zugleich von der Nachahmung der Orchesterinstrumente durch die Orgel ab und forderte Instrumente, die für polyphones Spiel taugten. Die Ideen der Orgelbewegung schlugen sich in Württemberg schon bald nieder.


Die Weigle-Orgel von 1934

Die Diskussionen um veränderte Klangbilder und vermehrte Technik lösten in logischer Folge den Wunsch nach größeren Orgeln aus, weil sich nur mit solchen das Musikschaffen ihrer Zeit adäquat darstellen ließ. Man denke an die Orgelwerke von Max Reger und seiner Zeitgenossen, die erhöhte Anforderungen an die Orgeln stellten. Auch in Geislingen regte sich das Bedürfnis nach einer neuen Orgel für die Stadtkirche. Die Schmahl-Orgel war allmählich verbraucht und man wünschte sich ein machtvolles Werk, damit nicht länger der Gemeindegesang die Orgel übertöne. Die in Jahren mühsam angesammelte Orgelbaurücklage hatte die Inflation von 1923 zwar zunichte gemacht, aber die Gemeinde sparte dennoch unverdrossen weiter.79

1934 war es endlich soweit. Die Firma Friedrich Weigle in Echterdingen baute eine neue Orgel mit drei Manualen, 53 Registern und einigen Spielhilfen. Die Traktur war elektropneumatisch. Es entstand ein respektables Werk mit vielen romantischen Stimmen, aber auch schon erkennbaren Zügen der Orgelbewegung, die sich in dieser Zeit allmählich ausbreitete und eine Rückkehr zum barocken Orgelklang zum Ziel hatte.80 Von der alten Schmahl-Orgel konnten geringe Teile des Pfeifenmaterials wiederverwendet werden, aber vor allem blieb ihr neugotisches Gehäuse erhalten. Vom optischen Eindruck her hatte sich somit nichts verändert, aus der alten Hülle strömten jedoch völlig neue Klänge. Die Kosten beliefen sich auf 21 820 Reichsmark.81

Den Orgelbetrieb Weigle hatte Carl Gottlob Weigle (1810 – 1882) gegründet. Er erhielt seine Ausbildung in Ludwigsburg bei seinem Onkel Eberhard Friedrich Walcker (1794 – 1872) und machte sich 1845 in Stuttgart selbständig. Sein Sohn Friedrich (I) Weigle (1850 – 1906) übernahm 1880 die Werkstatt und verlegte sie 1888 nach Echterdingen. Auch unter den Enkeln Friedrich (II) Weigle (1882 – 1958) und Karl Weigle (1884 – 1937) behielt die Firma ihre überregionale Bedeutung und hatte maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der Orgelbautechnik (Walze oder Registerschweller, elektrische Traktur, Röhrenpneumatik u. a.).82

Am 28. Oktober 1934, dem 22. Sonntag nach Trinitatis, fand in der Stadtkirche die Orgelweihe im Festgottesdienst statt, den Dekan Brügel hielt. „Überwältigend war der Eindruck auf die Zuhörer, als die wuchtigen Tonmassen des vollen Werkes durch den Raum des Gotteshauses hinbrausten“, so las man in der „Geislinger Zeitung“. Musikdirektor Gustav Schneider, der damalige Kantor, ließ „die Orgel bald mit allen Registern, bald in echoartig zarten Stimmen erklingen, so dass die Gemeinde einen Eindruck erhielt von der Leistungsfähigkeit des neuen Werkes“. Bei einer am selben Tag folgenden Geistlichen Abendmusik führte der Kantor seine neue Orgel mit all ihren klanglichen Möglichkeiten vor, „bald feurig und kraftvoll, bald mild und zart, bald an- und abschwellend“. Auch seine Mitwirkenden – Dekan Brügel spielte Solovioline und ein Gesangsquartett – bereiteten den Besuchern „einen wirklich erhebenden Kunstgenuss“.83

Disposition der Weigle-Orgel von 193484:

Manual I – Hauptwerk (C – a3)

1.      Bourdon                         16’                         
2.      Weitprinzipal                    8’ (im Prospekt)  
3.      Großgedeckt                    8’
4.      Gamba                             8’                             alt
5.      Flute octaviante               8’
6.      Dulciana                           8’
7.      Oktave                             4’
8.      Blockflöte                         4’
9.      Nasat                               2 2/3’
10.    Waldflöte                          2’
11.    Mixtur                               4-5fach
12.    Trompete                         8’

Manual II – Oberwerk (C – a3)

13.     Rohrgedeckt                 16’
14.     Prinzipal                          8’                            alt          
15.     Doppelflöte                      8’
16.     Gemshorn                       8’
17.     Quintatön                        8’
18.     Nachthorn                       4’
19.     Traversflöte                     4’                            alt     
20.     Spitzflöte                         4’
21.     Quinte                             2 2/3’
22.     Bachflöte                         2’
23.     Scharf                              4-5fach
24.     Krummhorn                     8’
25.     Regal                               4’
          Tremulant
 
Manual III – Schwellwerk (C – a3)

26.     Zartgedeckt                   16’        
27.     Geigenprinzipal               8’                            alt         
28.     Rohrflöte                         8’
29.     Lieblich Gedeckt             8’
30.     Vox coelestis                   8’
31.     Salizional                        8’                             alt   
32.     Prinzipal                          4’                            alt
33.     Kleingedeckt                   4’                             alt       
34.     Dolce                               4’                            alt
35.     Schwiegel                        2’
36.     Terz                                 1 3/5’
37.     Quinte                             1 1/3’
38.     Sifflöte                             1’           
39.     Zimbel                             3fach
40.     Oboe                               8’
41.     Clarine                             4’
         Tremulant

Pedal (C – f1)

42.     Prinzipalbass                 16’
43.     Subbass                        16’
44.     Zartgedeckt                   16’               Transmission aus Nr. 26
45.     Quintbass                      10 2/3’
46.     Oktavbass                       8’
47.     Bassflöte                         8’               Transmission aus Nr. 28
48.     Prinzipal                          4’               Transmission aus Nr. 32
49.     Bauernpfeife                    2’
50.     Mixtur                              4fach
51.     Posaune                        16’
52.     Trompete                         8’              Transmission aus Nr. 12
53.     Clarine                             4’              Transmission aus Nr. 41

Gesamtpfeifenzahl:    3468

Stimmung:   a’ – 870 Schwingungen  (1962 auf 880 erhöht)

Nebenzüge

Normalkoppel:  II-I, III-I, III-II, I-P, II-P, III-P
Oberoktavkoppel:  II-I, III-I, III-II, III-P
Unteroktavkoppel: II-I, III-I
Zwei freie Kombinationen
Automatische Pedalumschaltung für 2. und 3. Manual
Jalousieschweller
Registerschweller (Walze)

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) waren vielerorts Kirchen zerstört und es kam auch in den rasch entstehenden Neubaugebieten zum Bau neuer Kirchen. Ein wahrer Orgelboom reichte von den 1950er Jahren bis in die 1970er Jahre. So baute die Firma Weigle in den 1960er Jahren die noch heute vorhandene Orgel für die Martinskirche in Altenstadt. Eine neue Wertschätzung des Instrumentes Orgel und seiner Musik kündigte sich an. In den 1970er und 1980er Jahren setzte sich der Gedanke langsam durch, dass nur hohe und höchste Qualität im Orgelbau auf Dauer befriedigen.  


Die Oesterle-Orgel von 1976

In den Jahren 1972 bis 1976 wurde das Innere der Stadtkirche einer durchgreifenden Renovierung unter der Leitung von Architekt Folker Mayer, Ulm, unterzogen.85 Diese Arbeiten hatten u. a. zum Ziel, den Innenraum von seinen neugotischen Elementen zu befreien und zum ursprünglichen, offenen Raumbild zurückzukehren. In diesem Zusammenhang entstand auch die Frage, ob man die bestehende Orgel mit einigen Verbesserungen umbauen sollte oder ob eine neue Orgel die bessere Lösung wäre. Die Weigle-Orgel war von ihrem technischen System her veraltet, und ihr relativ dunkler Klang entsprach nicht mehr dem Klangideal der Zeit. Zudem passte das niedrig gehaltene, zweiteilige neugotische Gehäuse nicht mehr in das Konzept des Architekten. So entschied man sich für eine neue Orgel. Außerdem musste die alte Holzempore einer neuen, tiefer gelegten und vergrößerten Empore in Beton weichen, um mehr Platz für die kirchenmusikalischen Aktivitäten zu gewinnen.

Orgelbaumeister Kurt Oesterle in Albershausen erhielt den Auftrag für den Neubau einer dreimanualigen Orgel mit 53 Registern. Damit hatte die neue Orgel von der Registerzahl her dieselbe Größe wie ihre Vorgängerin. Die klangliche Disposition entwarf Prof. Herbert Liedecke, Stuttgart, zusammen mit dem damaligen Kantor Gerhard Klumpp, Geislingen. Es war die Zeit des neubarocken Klangideals, bei dem Wert auf einen silbrigen Gesamtklang gelegt wurde. Ziel der Konzeption war auch, möglichst viele romantische Register aus der Weigle-Orgel zu erhalten. Rund 90 % der 4116 Pfeifen konnten aus der alten Orgel übernommen werden, die ihrerseits schon Pfeifen aus der noch älteren Schmahl-Orgel enthielt. Die Traktur ist elektrisch; der Spieltisch mit vier freien Kombinationen und zwei freien Pedalkombinationen steht auf einem fahrbaren Podest, das überall auf der Empore Platz findet.

Im Ergebnis wurde eine Orgel geschaffen, auf der Werke aller Epochen von der Renaissance bis zur Moderne gespielt und gültig dargestellt werden können, wobei ihre besondere Stärke in der romantischen Musik liegt.

Der kühne Prospekt geht wesentlich auf einen Entwurf des Architekten Folker Mayer zurück. Die Form des Gehäuses korrespondiert in gegenläufiger Bewegung mit dem Gewölbe. Zwei über acht Meter hohe Türme mit je zwei Pfeifenfeldern flankieren den Turmbogen. Sie werden von einem relativ niedrigen Mittelfeld mit drei Pfeifenfeldern verbunden, das den Blick auf das Westfenster frei lässt.

Am 5. Dezember 1976, dem zweiten Adventssonntag, erklang die Orgel zum ersten Mal. Kantor Gerhard Klumpp spielte ein Orgelkonzert mit Werken von Johann Sebastian Bach, Paul Hindemith, César Franck und Franz Liszt.86

Die Oesterle-Orgel verfügte ursprünglich über folgende Disposition87:

Manual I (Hauptwerk)  (C – a’’’)

1.      Flöte                                 16’ (im Prospekt)                                    neu                                                     
2.      Prinzipal                             8’
3.      Gedeckt                             8’
4.      Flûte octaviante                 8’
5.      Oktave                               4’
6.      Traversflöte                        4’
7.      Waldflöte                            2’
8.      Rauschwerk                       4fach 2 2/3’
9.      Mixtur                                 6fach 1 1/3’                                           neu
10.    Fagott                               16’                                                          neu
11.    Trompete                           8’                                                           neu

Manual II (Seitenwerk)  (C – a’’’)

12.    Rohrgedeckt                     16’                                                             
13.    Gemshorn                          8’
14.    Lieblich Gedeckt                8’
15.    Quintatön                           8’
16.    Prinzipal                             4’
17.    Blockflöte                           4’
18.    Oktave                               2’
19.    Nachthorn                          2’  (= Bachflöte 2’ aus Weigle-Orgel 1934)
20.    Quinte                                1 1/3’
21.    None                                  8/9’                                                        neu
22.    Sesquialter                         2fach                                                     neu
23.    Scharf                                4-5fach 1’                                              neu
24.    Quintzimbel                        3fach                                                     neu
25.    Krummhorn                        8’
         Tremulant

Manual III (Schwellwerk)  (C – a’’’)

26.    Gedeckt                            16’
27.    Prinzipal                             8’
28.    Rohrflöte                            8’
29.    Salizional                           8’
30.    Voix céleste                       8’
31.    Oktave                               4’
32.    Kleingedeckt                      4’
33.    Spitzflöte                            4’
34.    Nasat                                 2 2/3’
35.    Schwiegel                          2’
36.    Sifflöte                                1’
37.    Terz-Sept                           2fach                                                     neu
38.    Mixtur                                 6fach 2’                                                 neu
39.    Dulzian                             16’                                                           neu
40.    Oboe                                  8’
41.    Klarine                               4’
         Tremulant

Pedal   (C – f’)

42.    Prinzipalbass                    16’
43.    Subbass                           16’
44.    Flöte                                 16’  Transmission (Manual I, Flöte 16’)       
45.    Quintbass                         10 2/3’
46.    Oktavbass                          8’
47.    Flötenbass                         8’
48.    Hohlflöte                             4’ (im Prospekt)                                    neu
49.    Bauernpfeife                      2’
50.    Hintersatz                          4fach 5 1/3’ (5 1/3’ 4’ 2 2/3’ 2`)
51.    Rauschbass                       4fach 4’
52.    Posaune                           16’
53.    Trompetenbass                  8’                                                          
54.    Klarine                                4’                                                          neu
         Tremulant                                                                                   

4 freie Kombinationen
2 freie Pedalkombinationen
Jalousieschweller
Registerschweller (Walze)

Im Jahr 1993 kam es nach einer Ausreinigung zu folgenden Änderungen an der Disposition88:

Manual I (Hauptwerk)

7.      Doublette                           2’ (statt Waldflöte)                                 neu

Manual II (Seitenwerk)

16.    Prinzipal                            4’                                                            neue Pfeifen
17.    Blockflöte                          4’                                                            neue Pfeifen
19.    Waldflöte                           2’ (Nachthorn entfernt)                          aus dem HW

Pedal

44a.  Flöte                                32’ (ab c0 Oktavtransmission von Nr. 44/
                                                        C – H Quinttransmission 10 2/3’)
50.    Hintersatz                         4fach (neue Zusammensetzung 5 1/3’ 3 1/5’ 2 2/3’ 2’)                                   

Seit dem Jahr 1982 stand im Chorraum der Kirche eine digitale Chororgel, zuletzt ein zweimanualiges Instrument der Firma Hohner/Frankreich. Diese Chororgel war über eine konventionelle Verkabelung an den Spieltisch der Hauptorgel angeschlossen und konnte daher auch von dort aus gespielt werden. Mit zwei getrennt schaltbaren Verstärkern konnten ihre Register sowohl im Chor klingen als auch von der Empore. Sie leistete gute Dienste, vor allem bei Gottesdiensten im Chorraum, und bereicherte die große Orgel sowohl klanglich als auch durch Fernorgeleffekte. Da die Chororgel mit den Jahren immer störanfälliger und zuletzt irreparabel wurde, entschied man 2012, sich von ihr zu trennen, zumal die Oesterle-Orgel gleichzeitig eine grundlegende Modernisierung erfahren sollte.

Die Chororgel verfügte über folgende Disposition:

Manual I

1.    Bourdon                     8’
2.    Gambe                       8’
3.    Voix céleste               8’
4.    Flûte                           4’
5.    Nazard                       2 2/3’
6.    Flûte                           2’
7.    Tierce                         1 3/5’
8.    Plein jeu                     3fach
9.    Cromorne                   8’
10.  Regale                        8’
11.  Hautbois                     8’

Manual II

12.  Principal                      8’
13.  Bourdon                      8’
14.  Prestant                      4’
15.  Doublette                     2’
16.  Sesquialtera                2fach
17.  Fourniture                   3fach
18.  Cymbale                      2fach
19.  Trompette                   8’

Pedal

20.  Soubasse                   16’
21.  Flûte                             8’
22.  Dulcian                       16’
23.  Trompette                    8’
24.  Clairon                         4’

Seit 1996 besitzt die Stadtkirche auch eine kleine Truhenorgel, gebaut von der Firma Rensch in Lauffen/Neckar. Sie ist einsetzbar bei Gottesdiensten in kleinem Rahmen und auch als Begleitinstrument bei Konzerten. Sie verfügt über ein Manual mit drei Registern (ohne Bezeichnung) 8’, 4’ und 2’.

Die jüngste Veränderung brachte das Jahr 2012: die Sanierung, Modernisierung und Erweiterung der Oesterle-Orgel durch die Orgelbaufirma Scharfe in Ebersbach-Bünzwangen. Den Arbeiten lag ein Gesamtkonzept von KMD Gerhard Klumpp89 und Bezirkskantor Thomas Rapp zugrunde.

Nachdem bisher die Speichermöglichkeiten von Registrierungen durch nur wenige freie Kombinationen sehr eingeschränkt war, hat der Einbau einer elektronischen Setzeranlage in den vorhandenen Spieltisch nun eine nahezu unbegrenzte Speichermöglichkeit unterschiedlichster klanglicher Varianten ermöglicht. Außer den als Schalter vorgesehenen Koppeln und Abstellern lassen sich alle möglichen Koppeln kreieren über einen Touchscreen. Die Setzerkombinationen werden auch über den Bildschirm gesteuert. Ein neuer Schwellkasten verbesserte deutlich eine stufenlose dynamische Veränderung des Klangbildes der Register im Schwellwerk. Das 2. Manual bekam anstelle des Gemshorn 8’ ein Prinzipal 8’. Die Flöte 16’, die auf einer Transmissionslade steht, ist wie bisher auch als 32’ und nun zusätzlich noch in den Lagen 8’ und 4’ auf dem Pedal spielbar.

Schließlich konnte die Orgel aus dem Martin-Luther-Haus, die durch den Verkauf des Anwesens 2009 überflüssig geworden war, in die Stadtkirchenorgel integriert werden. Als Positiv und Unterwerk lassen sich die zusätzlichen Werke jedem Manual und dem Pedal zuordnen. Dies ermöglichte, die vorhandene Disposition zu erweitern und die klangliche Vielfalt noch zusätzlich zu steigern. Mit diesen Verbesserungen ist die Stadtkirchenorgel zu einem mit modernster Technik ausgestatteten Instrument geworden, das im weiten Umkreis seinesgleichen sucht.

Die Stadtkirchenorgel verfügt nun über folgende Disposition (69 klingende Register auf drei Manualen und Pedal):


Positiv

1.   Gemshorn                               8’
2.   Gemshorn                               4’
3.   Nachthorn                               2’
4.   Mixtur                                      4fach 2’
5.   Pos an III
6.   Pos an II
7.   Pos an I
8.   Pos an Ped


Unterwerk

9.   Tremulant UW
10. Bourdon                                  8’
11. Gamba                                    8’
12. Rohrflöte                                 4’
13. Prinzipal                                  2’
14. Terz                                        1 3/5’
15. UW an III
16. UW an II
17. UW an I
18. UW an Ped


Schwellwerk (Manual III)

19. Schwellwerk ab
20. Tremulant SW
21. Gedeckt                                 16’
22. Prinzipal                                  8’
23. Rohrflöte                                 8’
24. Salizional                                8’
25. Voix céleste                            8’
26. Oktave                                    4’
27. Kleingedeckt                           4’
28. Spitzflöte                                 4’
29. Nasat                                      2 2/3’
30. Schwiegel                               2’
31. Sifflöte                                    1’
32. Terz-Sept                                2fach
33. Mixtur                                      4fach 2’
34. Dulzian                                  16’
35. Oboe                                       8’
36. Klarine                                     4’
37. III Normallage ab
38. III Sub
39. III Super


Oberwerk (Manual II)

40. Oberwerk ab
41. Tremulant OW
42. Rohrgedeckt                         16’
43. Prinzipal                                  8’
44. Lieblich Gedeckt                     8’
45. Quintatön                                8’
46. Oktave                                    4’
47. Blockflöte                                4’
48. Superoktave                           2’
49. Waldflöte                                 2’
50. Quinte                                     1 1/3’
51. None                                       8/9’
52. Sesquialter                              2fach
53. Scharf                                     4-5fach 1’
54. Zimbel                                     3fach ½’
55. Krummhorn                             8’
56. III-II
57. III-II Sub
58. III-II Super
59. I-II


Hauptwerk (Manual I)

60. Hauptwerk ab
61. Flöte                                     16’
62. Prinzipal                                 8’
63. Gedeckt                                 8’
64. Flûte octaviante                     8’
65. Oktave                                   4’
66. Traversflöte                            4’
67. Doublette                               2’
68. Rauschwerk                           4fach 2 2/3’
69. Mixtur                                     4fach 1 1/3’
70. Fagott                                   16’
71. Trompete                                8’
72. II-I
73. III-I
74. III-I Sub
75. III-I Super
76. I-P
77. II-P
78. III-P
79. III-P Super


Solopedal

80. Tremulant SP
81. Holzflöte                                 8’
82. Hohlflöte                                 4’
83. Bauernpfeife                           2’
84. Rauschbass                           4fach 4’
85. Clairon                                    4’


Kleinpedal

86. Untersatz                              16’
87. Spitzflöte                                 4’
88. Fagott                                      8’


Großpedal

89. Prinzipalbass                        16’
90. Subbass                                16’
91. Quintbass                              10 2/3’
92. Oktavbass                               8’
93. Hintersatz                               4fach 5 1/3’
94. Posaune                                16’
95. Trompetenbass                       8’


Prospektpedal

96. Untersatz                               32’
97. Flöte                                      16’
98. Metallflöte                                8’
99. Metallflöte                                4’


Quellen

Archiv der Stadtkirche Geislingen (zit. AStKG):
Akten Renovierung Stadtkirche 1971 – 1976 (darin Festschrift „Stadtkirche Geislingen (Steige) Renovierung 1972 – 1976“ und Schriftverkehr über die Orgel).
Fotos von 1892.

Stadtarchiv Geislingen (zit. StAG):
Chronik Scheible-Fahr (handschriftlich).
Gerichtsprotokolle (zit. GP) 1715 bis 1749.
Salbuch der Kirchenpflege Geislingen, 1766.
Stiftungsratsprotokolle (zit. SP).
Stiftungspflegerechnungen (zit. SR).
Beilagen zu den Stiftungspflegerechnungen (zit. SR Beil.).
Geislinger Zeitung (zit. GZ).

Stadtarchiv Ulm (zit. StAU):

A [1638]: Akten betr. die von dem Senator Gaum in die Barfüßerkirche gestiftete Orgel, 1778 – 1809.

A 1/8447: „Gastpredigt am IV. Sonntag nach Epiph. 1781 in der Barfüßerkirche in Ulm aus Gelegenheit einer in diese Kirche von Herrn Johann Friedrich Gaum, des Rats daselbst, gestifteten Orgel über Psalm 92, 1 – 5“, Anhang.

Literatur

Bauer, Karlheinz: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige, Bd. 2: Vom Jahre 1803 bis zur Gegenwart. Geislingen o. J. [1975].

Bauer, Karlheinz: Die Orgelbauerfamilie Allgeyer in Hofen und Wasseralfingen. In:
Aalener Jahrbuch 1986. Stuttgart 1986.

Burkhardt, Georg: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige, Bd. 1: Von der Vor- und Frühgeschichte bis zum Jahre 1803. Konstanz 1963.

Das Königreich Württemberg. Eine Beschreibung nach Kreisen, Oberämtern und Gemeinden. Hg. von dem K. Statistischen Landesamt. Bd. 4 Donaukreis. Stuttgart 1907.

Gedenkblatt vom vierten Advent, den 18. Dezember 1892 als dem Tage der Einweihung der evangelischen Stadtkirche zu Geislingen a. d. St. (Der Verfasser „B.“ war wohl der damalige Dekan Bacmeister). Geislingen 1892.

Haid, Johann Herkules: Ulm mit seinem Gebiete. Ulm 1786.

Jakob, Friedrich: Die Orgel – Orgelbau und Orgelspiel von der Antike bis zur Gegenwart. Bern und Stuttgart 1971.

Keidel, Pfr.: Ulmische Reformationsakten von 1531 und 1532. In: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte, Jahrgang 1895. Stuttgart 1896.

Kleemann, Gotthilf: Die Orgelmacher und ihr Schaffen im ehemaligen Herzogtum Württemberg. Stuttgart 1969.

Klemm, Alfred: Die Stadtkirche von Geislingen. In: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte, Jahrgang 1878. Stuttgart 1878).

Klemm, Alfred: Die Stadtkirche zu Geislingen. Geschichte und Beschreibung derselben. Geislingen 1879.

Klemm, Alfred: Ein Gang um und durch das alte Geislingen. In: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte, Jahrgang 1884. Stuttgart 1885.

Klemm, Alfred: Ein Gang durch die Reihen der früheren Bewohner von Geislingen. In: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte, Jahrgang 1884. Stuttgart 1885.

Klumpp, Gerhard: Besondere Stärke Romantische Musik. In: Die Geislinger Stadtkirche – Architektur und Kunst. Geislingen 2005.

Kohlhase, Thomas: Vokalmusik und Musikunterricht am Ulmer Münster. In: 600 Jahre Ulmer Münster, Festschrift, hg. von Hans Eugen Specker und Reinhard Wortmann. Ulm 1984.
 
Kraus, Eberhard: Orgeln und Orgelmusik – Das Bild der Orgellandschaften. Regensburg 1972.

Manecke, Wolfgang/Mayr, Johannes: Historische Orgeln in Ulm und Oberschwaben. Ulm 1999.

Reichling, Alfred (Hg.): Orgel. Stuttgart 2001.

Schefold, Max: Die Ulmer Orgel- und Klavierbauerfamilie Schmahl. In: Zeitschrift für Musikwissenschaft, Jg. 1930.

Völkl, Helmut: Orgeln in Württemberg. Neuhausen-Stuttgart 1986.

Weyermann, Albrecht: Neue historisch-biographisch-artistische Nachrichten von Gelehrten und Künstlern, auch alten und neuen adeligen und bürgerlichen Familien aus der vormaligen Reichsstadt Ulm. Ulm 1829.

Anmerkungen

1    Jakob, S. 5. – Kraus, S. 9, 17.
2    Jakob, S. 9.
3    Jakob, S. 11. – Kraus, S. 11, 38 f. – Reichling, S. 50 f.
4    Jakob, S. 12 ff. – Kraus, S. 39 ff. – Reichling, S. 50 ff.
5    Jakob, S. 15 f., 28 f. – Kraus, S. 42 f.  
6    Jakob, S. 29 ff. – Reichling, S. 52.
7    Jakob, S. 35. – Reichling, S. 54.
8    Jakob, S. 9, 39 f.
9    Jakob, S. 49. – Reichling, S. 77.
10  Reichling, S. 78.
11  Völkl, S. 11 f., 284.
12  Burkhardt, S. 145, 164. – Kleemann, S. 126. – Völkl, S. 11.  
13  Burkhardt, S. 135 f., 154. – Klemm, Ein Gang um …, S. 23.
14  Burkhardt, S. 137.
15  Burkhardt, S. 182.
16  Kohlhase, S. 4425. – Völkl, S. 284.
17  Keidel, S. 299.
18  Burkhardt, S. 141, 144, 297. – Klemm, Die Stadtkirche zu ..., S. 32 ff.
19  Burkhardt, S. 145, 458. – Haid, S. 644. – Klemm, Die Stadtkirche von …, S. 55. –   
      Ders., Die Stadtkirche zu ..., S. 18. – Ders., Ein Gang durch ..., S. 119. – StAG:
      Salbuch 1766, S. 92 ff.
20  Burkhardt, S. 227. – Klemm, Ein Gang durch ..., S. 119
21  Klemm, Die Stadtkirche zu ..., S. 14, 39, 46.
22  Die Angaben bei Burkhardt, S. 145, sind unzutreffend. Die vermauerte Türe als
      Zugang zur Kirche befindet sich nicht im zweiten, sondern im ersten Stock des
      Pfarrhauses. Von dort erreichten die Nonnen bequem über einen Steg im
      südlichen Seitenschiff die (untere) Westempore. Die von Burkhardt genannte
      obere Empore wurde erst später, wohl mit dem Einbau der Orgel von 1621/22
      errichtet.
23  Burkhardt, S. 187 ff.
24  Klemm, Die Stadtkirche zu ..., S. 16.
25  StAG: Salbuch 1766, S. 97 b, 98. Dort sind zwei Emporen beschrieben. Der
      Zugang zur (oberen) Orgelempore führte über „eine enge steinerne    
      Schneckenstiege“.
26  Burkhardt, S. 145. – Klemm, Die Stadtkirche zu …, S. 19 (1743), 39. – StAG:  
      Salbuch 1766, S. 98 (1742).
27  StAG: Chronik Scheible-Fahr. – StAG: GP 1715 – 1749, S. 5. – StAG: Salbuch
      1766, S. 97 b, 98.
28  Klemm, Die Stadtkirche zu ..., S. 41.
29  Die Angaben bei Burkhardt, S. 145 u. 458 sind unzutreffend. Es handelte sich
      nicht um die Reparatur der alten Orgel von 1621/22, sondern um einen Neubau.
      – StAG: GP 1715 – 1749, S. 5, 5b, 6.
30  Bauer, Die Orgelbauerfamilie Allgeyer ..., S. 62 ff., insbes. 68 f., 87 f.
31  StAG: GP 1715 – 1749, S. 6.
32  Bauer, Die Orgelbauerfamilie Allgeyer ..., S. 71 ff. 1808 wird die Orgel als „klein“
      im Verhältnis zur nachfolgenden Schmahl-Orgel mit 19 Registern bezeichnet
      (StAU: A [1638]).
33  StAG: Salbuch 1766, S. 97 b.
34  Burkhardt, S. 467. – StAG: GP 1715 – 1749, S. 7 b.
35  StAG: Chronik Scheible-Fahr.
36  Burkhardt, S. 164, 167 f.
37  Bauer, Geschichte ..., S. 541.
38  Burkhardt, S. 145, 479 ff.
39  Kleemann, S. 101 ff.
40  StAG: GP 1715 – 1749, S. 11 b, 34 b.
41  Vermutlich verfügte er über eine Hausorgel.
42  StAG: GP 1715 – 1749, S. 74 b.  
43  Kleemann, S. 117, 124. – StAG: GP 1715 – 1749, S. 128 b, 132.
44  Kleemann, S. 115 ff. – Manecke/Mayr, S. 11 f. – Schefold, S. 531 ff.
45  Das Königreich Württemberg, S. 544 f.
46  Weyermann, S. 121.
47  StAU: A [1638]. – Schefold, S. 531 ff.
48  Desgl.
49  Kleemann, S. 123. – Manecke/Mayr, S. 208. – Schefold, S. 531 ff. – StAU:  
      A1/8447, A [1638].
50  AStKG: Foto von 1892 (Stadtkirche, Innenraum mit Blick auf die Orgel).
51  Burkhardt, S. 145. –– Kleemann, S. 123 ff. – Klemm, Die Stadtkirche von ..., S.
      55. – Klemm, Die Stadtkirche zu ..., S. 39 f. – Manecke/Mayr, S. 208. – Schefold,
      S. 531 ff. – StAU: A [1638].
52  Burkhardt, S. 244. – Kleemann, S. 123 ff. – Klemm, Die Stadtkirche von ..., S. 55.
      – Klemm, Die Stadtkirche zu ..., S. 39 f.  
53  Burkhardt, S. 145, 243 f. – Klemm, Die Stadtkirche von …, S. 55. – Klemm, Die
      Stadtkirche zu ..., S. 39 f.
54  Die Verlängerung der oberen Empore bei Gelegenheit des Orgeleinbaus von
      1809 muss aus dem Hinweis im Salbuch der Kirchenpflege von 1766, Seite 98,    
      geschlossen werden, wo es von der unteren Empore heißt: „unter der Orgel
      stehend und gehet über selbige heraus“. Letztere war schon 1680 verlängert
      worden (Klemm, Die Stadtkirche zu ..., S. 39). Auf dem Foto von 1892 sind aber
      die Brüstungen beider Emporen bündig. Die inzwischen zugemauerte Türe von
      der Wendeltreppe über den Dachboden des südlichen Seitenschiffes zur Orgel
      zeichnet sich auf dem Foto als dunkler Schatten an der Südwand ab.
55  StAG: GP 1715 – 1749, S. 88 b.
56  Burkhardt, S. 244. – Klemm, Die Stadtkirche von ..., S. 55. – Klemm, Die
      Stadtkirche zu ..., S. 41.
57  Manecke/Mayr, S. 15, 227 f. – Völkl, S. 25.
58  Manecke/Mayr, S. 70.
59  Desgl., S. 27 f.
60  Desgl., S. 118 ff., 130 f.
61  Desgl., S. 15.
62  StAG: SR 1829/30, Beil. 200.
63  StAG: SP 11.9.1828; SR 1829/30, S. 101 u. Beil. 201, 202.
64  StAG: SR 1835/36, S. 121 b u. Beil. 256; 1836/37, S. 179 u. Beil. 243.
65  StAG: SP 6.7.1849, S. 139; 14.8.1849, S. 143 ff.
66  StAG: SR 1849/50, Beil. 467, 468.  
67  StAG: SP 28.8.1849, S. 147 f.; 23.4.1850, S. 169; SR 1849/50, S. 247 u. Beil.
      468, 469; 1852/53, S. 241.  
68  StAG: SR 1849/50, Beil. 469.
69  StAG: SP 25.10.1850, S. 191 b.  
70  StAG: SP 6.9.1860, S. 174 f.; 19.7.1861, S. 187 f.
71  StAG: SR 1886/87, Beil. 252.
72  StAG: Desgl., Beil 253.
73  StAG: SP 29.10.1886, § 439; 30.12.1886, § 450; SR 1886/87, S. 227 ff. u. Beil.
      255.
74  Klemm, Die Stadtkirche zu ..., S. 19.
75  Gedenkblatt ... 1892, S. 19 ff. – GZ 17. 12. 1892.
76  Burkhardt, S. 145. – Kleemann, S. 126. – Gedenkblatt ... 1892, S. 19 ff. – GZ
      17.12.1892.
77  GZ 19.12.1892.
78  Völkl, S. 27 ff.
79  GZ 26.10.1934.
80  Klumpp, S. 41.
81  Burkhardt, S. 145 f. – GZ 26.10.1934.
82  Manecke/Mayr, S. 231.
83  GZ 30.10.1934.
84  Disposition und Kostenberechnung über Erneuerung der Orgel in der
      evangelischen Stadtkirche in Geislingen a/St. vom 3.11.1933, ausgefertigt von
      der Firma Weigle, Echterdingen (in freundlicher Weise zur Verfügung gestellt von
      KMD Gerhard Klumpp, Geislingen). – Gutachten von Prof. Herbert Liedecke,
      Stuttgart, ohne Datum (im Archiv der Stadtkirche Geislingen).
85  Festschrift „Stadtkirche Geislingen (Steige) Renovierung 1972 – 1976.
86  Klumpp, S. 41 ff.
87  Gutachten von Prof. Herbert Liedecke, Stuttgart, ohne Datum (im Archiv der
      Stadtkirche Geislingen) und Mitteilung von KMD Gerhard Klumpp, Geislingen, an
      den Verfasser vom 21.5.2012.
88  Mitteilung von KMD Gerhard Klumpp, Geislingen, an den Verfasser vom
      21.5.2012.
89  Desgl.

Karlheinz Bauer

Karlheinz Bauer

Stadtoberarchivrat i.R. und Leiter des Kulturamtes Geislingen

Bezirkskantor Thomas Rapp und Orgelpfleger KMD Gerhard Klumpp nehmen die sanierte Orgel ab

Bezirkskantor Thomas Rapp und Orgelpfleger KMD Gerhard Klumpp nehmen die sanierte Orgel ab