Die Pauluskirche in Geislingen

Schon im Jahre 1914 war die evangelische Gemeinde im Seebach so groß, dass man den Bau eines gottesdienstlichen Versammlungsortes andachte.

Ein Bauplatz wurde gekauft und ein Architektenwettbewerb ausgelobt. Es wurden Entwürfe eingereicht mit Kirche, Pfarrhaus und Nebengebäuden, die fast an eine barocke Klosteranlage erinnern. Erster Weltkrieg und Inflation kamen dazwischen.

 

1925 wurde ein Hilfsbund für den Bau eines Gemeindehauses gegründet und noch im selben Jahr mit dem Bau begonnen. Es entstand ein Haus mit einem Gottesdienstraum, einem Kindergarten, Pfarrer- und Mesnerwohnung. Nach dessen Einweihung am 1. August 1926 konnte im Seebach innerhalb der Geislinger Gesamtkirchengemeinde eine selbständige Kirchengemeinde mit eigenem Kirchengemeinderat gebildet werden, die sich den Völkerapostel Paulus zum Namenspatron wählte.

 
(Quelle: Archiv der Paulusgemeinde)

Der Wunsch nach einer richtigen Kirche konnte erst nach dem 2. Weltkrieg in Erfüllung gehen.

 

Jahrelang wurden Beiträge zum Kirchbauverein in Höhe von 2,50 oder 5,00 DM gesammelt, es wurden Anleihescheine ausgegeben. Ganz neue Pläne entstanden, man überlegte, ob die Kirche längs oder quer zum Hang stehen solle. Endlich in einer Gemeindeversammlung am 5. Oktober 1954 wurde die endgültige Entscheidung zum Bau der Kirche getroffen.

Schon am 4. November 1956 konnte die Pauluskirche eingeweiht werden, obwohl sie dank des Seebachtuffs auf Eisenbetonpfählen hatte gegründet werden müssen, die bis zu 12 Meter in die Erde gerammt worden waren.

 

Die Pauluskirche misst 35,70 m in der Länge und 18,25 m in der Breite. Das Schiff ist 8,50 m, der Turm 24 m hoch. Die Kirche bot damals bis zu 800 Gottesdienstbesuchern einen Sitzplatz.

Der Architekt Professor Hannes Mayer aus Stuttgart beschrieb die Kirche bei der Einweihung als einen schlichten, einfachen und wahren, mit beschränketen Mitteln errichteten Bau.

(Quelle: Archiv der Paulusgemeinde)

Professor Hans-Gottfried von Stockhausen schuf für die Chorwand eine Darstellung des Lebensbaums in Mosaiktechnik.

 

Die Wirkung wird erreicht durch das Zusammenspiel von grob behauenen und glatt geschliffnen Steinen verschiedener Größe und Buntglas. Die Steine wurden aus aller Welt zusammengetragen, womit die Vielfalt des Lebens dargestellt werden soll. Das Mosaik bildet die Form eines riesigen Kelches. Im Kelchgrund ruht die Wurzel des Lebensbaumes,  dargestellt durch Christus als das Korn, aus dem der Baum des Lebens erwächst – Symbol des Siegs über den Tod. Christus also als das Weizenkorn, das in die Erde fällt und durch sein Sterben neues Leben schenkt.


In der Mitte schließt das Geäst des Baumes eine Taube als Zeichen des Heiligen Geistes ein und als Mahnmal an die Heilige Taufe der Christen. Die obere Mitte krönt ein Kreis mit dem Oster- und Opferlamm, das alles Leben überstrahlt, Christus als Opfer und Sieger zugleich.

 

(Quelle: Geislinger Zeitung )

Viele evangelische Kirchen tragen den Namen des Apostels Paulus.

 

Die Erkenntnis, dass nicht gute Werke, sondern allein der Glaube an Gottes Gnade den Menschen erlöst, fand Martin Luther während der intensiven Beschäftigung mit den Briefen des Apostels Paulus an die Galater und die Römer.

„Ich schäme mich des Evangeliums Jesu Christi nicht. Denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben,... . Denn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte wird seines Glaubens leben.“
Römer 1,16.17


(Quelle: Die Pauluskirche in Heidenheim, Heidenheim,1990)

Im Vergleich mit einem historistischen Bauwerk der Jahrhundertwende oder mit der auch Anfang der 50er Jahre entstandenen Wallfahrtskirche von Ronchamps (Le Corbusier), die auf damals avantgardististche Weise versucht, die Gestaltung organhaft aus dem Wesen der Aufgabe zu erfassen, erscheint die Pauluskirche manchem Besucher, mancher Besucherin vielleicht zu schlicht.


Andererseits kann man, wenn man möchte, Bezüge entdecken, die an den Typus der frühchristlichen Basilika der griechischen Form erinnern: Der ausgerichtete, quaderförmige Bau mit Mittelschiff und Seitenschiff, wobei innen ein erhöhtes Mittelschiff immerhin angedeutet ist.

 

Dem Eingang gegenüber eine Apsis-Nische mit geradem Abschluss, vor der Fassade ein überdachter Vorplatz (Narthex).

 

Der Turm erinnert an den seitlich stehenden Campanile… Dann erkennt man doch eine Idee, die dahinter stecken könnte.

 

Saul vor Damaskus

1987

Hans Gottfried v. Stockhausen

 

 

Inschrift:

 

Saul, Saul, warum verfolgst du mich?
(Apg 9, 4)

 

Gehe hin, denn dieser ist mir ein Ausgewählter, dass er meinen Namen trage vor den Heiden und vor den Königen und vor den Kindern Israels. Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muss um meines Namens willen.
Ap(g) 9, 15-16

„Das Damaskus Erlebnis“,
der tiefe Einbruch und Umbruch, die Wandlung von der Verblendung der eifernden Blindheit zum eigentlichen Sehen und Erkennen. Die leiblich erfahrene Erleuchtung –  …

 

 

Die Missionsreise des Paulus

oder

Der Ruf nach Europa

1987

Hans Gottfried v. Stockhausen

 

Komm herüber und hilf uns!
(Apg 16, 9)

 

 

Darum gehet und lehret alle Völker + taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten, was ich euch befohlen habe + siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

 

(Mt 28, 19.20)

Der Apostel Paulus

 

Seine Heimat war Tarsus in der heutigen Türkei, er stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie und besaß das römische Bürgerrecht. In Jerusalem studierte Schaul bei dem Pharisäer Gamaliel die Tora.

 

Sprichwörtlich ist seine Bekehrung vom erbitterten Verfolger der Jesus-Anhänger zu einem der glühendsten Nachfolger Christi, nachdem er auf dem Weg nach Damaskus eine göttliche Erscheinung hatte: ... und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst (Apg 9).

Paulus widmete sein Leben fortan der Verkündigung des Evangeliums und gründete zahlreiche heidenchristliche Gemeinden. Gegenüber der Jerusalemer Urgemeinde vertrat er unerschütterlich ihre Freiheit von den jüdischen Gesetzesvorschriften.

 

Die Briefe, die er auf seinen Missionsreisen schrieb, geben nicht nur Einblick in sein theologisches Denken, sie zeigen auch eine starke, vielschichtige und leidenschaftliche Persönlichkeit.

 

Taufbehang, 1993
Entwurf  Ada Isensee
 
Der Wandbehang hinter dem Taufbecken weist in verdichteter Symbolik auf die Taufe hin:


Licht- und Strahleneffekte und das göttliche Auge betonen die Gegenwart Gottes. Die Taufe ist auch als Erleuchtung zu verstehen, als Empfangen des Lichtes Christi: „Ich bin das Licht der Welt“.

Der Regenbogen steht für den Neuen Bund, den Gott nach der Sintflut mit Noah geschlossen hat – sein Versprechen, die Erde nicht mehr zu verfluchen um der Menschen willen.

Die  Taufe als das „Herabsteigen“ des Heiligen Geistes wird symbolisiert durch die Flügel der Taube, die als Symbol für den Heiligen Geist verwendet wird.
Inhaltlich und formal wird so ein Bezug zum Lebensbaummosaik im Altarraum hergestellt.

 

Ada Isensee

lebt als freischaffende Künstlerin in Buoch.
Schwerpunkte ihrer Arbeit sind architekturgebundene Glasgestaltung, Glasbilder als Einzelscheiben, Zeichnungen, Radierungen.

 

Die Glocken

Ein „Kleineres Vier-Geläute“


Betglocke in f:
  „Herr lehre uns beten“

 

Kreuzglocke in as.
  „Verleih uns Frieden
  gnädiglich“

 

Zeichenglocke in b:
  „Dienet dem Herrn
  mit Freuden“

 

Taufglocke in des:
  „Ich habe dich bei deinem
   Namen gerufen, du bist mein“

 

 

Hans Gottfried v. Stockhausen wurde am 12. Mai 1920 in Trendelburg geboren.

 

Von 1947-52 studierte er bei Professor Yelin in Stuttgart Glasmalerei und Mosaik. Als Künstler widmete sich v. Stockhausen zunächst der architekturgebundenen Glasmalerei und wurde über Jahre hinweg mit bedeutenden Aufträgen, vor allem aus dem kirchlichen Bereich, betraut. 1970 übernahm er den Lehrstuhl für Glasmalerei und Mosaik der Stuttgarter Akademie der bildenden Künste.

V. Stockhausen hat ungeachtet zeitgeistiger Strömungen immer darauf bestanden, inhaltlichen Aussagen nicht aus dem Weg zu gehen. Das Bild im kirchlichen Raum bleibt für ihn auch ein Mittel der Verkündigung. Dies geschieht am eindeutigsten über die figürliche Darstellung.

Im Laufe der Jahre lässt v. Stockhausen die Stilisierung der 50er Jahre und ihre expressive Übersteigerung hinter sich zugunsten lebensvoller realistischer Figuren. Seine Bilder möchten für ihn wichtige Inhalte in eine heute verständliche Sprache umsetzen.

(Quellen: www.glasbild.com / Peter Schmitt, Hans Gottfried von Stockhausen, Das Glasbild in der Architektur, Hirmer, 2002)

 

„In dem Dialog mit Bild und Wort möchte ich Menschen anregen, über das Bild die Bedeutung des Wortes zu vertiefen und auch das Wort wieder Bild werden zu lassen, den bildhaften tieferen Sinn des Wortes auszudrücken.“
Hans Gottfried v. Stockhausen

Der Sämann

1989

Hans Gottfried v. Stockhausen

 

 

"Es wird gesät verweslich und es wird auferstehen unverweslich (1. Kor. 15), dies könneman im Samenkorn, das zum Baum wird, am besten nachempfinden. So wird aufgezeigt, dass es etwas über die Vergängichkeit Hinausführendes gibt."

 

"Das kleine Glasbild an der Kanzel "Auf Hoffnung säen" nimmt diesen Gedanken, der an der Altarwand in Form des Lebensbaummotivs dargestellt wird, in anderer Form wieder auf."

 

Hans Gottfried v. Stockhausen