Die Margarethenkirche in Weiler o.H.

Margarethenkirche Weiler o. H.

Die Margarethenkirche in Weiler ob Helfenstein

 

Von Ewald Bauer, Geislingen-Weiler

 

Der Liber marcarum der  Diözese Konstanz von 1360- 1370 gibt die ersten schriftlichen Hinweise auf eine Kirche in Weiler. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um einen Vorgängerbau am gleichen Standort.

 

 

Die Kirche ist ausdrücklich mit Vorgängerbauten unter Denkmalschutz gestellt. Das Landesdenkmalamt  vermutet  archäologische Funde und Befunde im Bereich der Kirche, die bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurückführen. Als Entstehungszeit für den bestehenden Bau wird das 16. Jahrhundert angenommen.

 

 

Der abseitige Standort der Kirche am früheren südlichen Ortsrand wird damit erklärt, dass früher unterhalb der Kirche die Fortsetzung der Weiler Steige als mittelalterliche Hauptstraße verlief.

 

 

Heute zeigt sich die Kirche als ein in Ost-West-Richtung ausgerichteter rechteckiger Bau. Sie ist  schlicht,  einschiffig, ohne  Gewölbe und  ohne Chor. Die westliche Schmalseite  hat einen 2-geschossigen Anbau aus dem Jahre 1996, der die Sakristei und im Obergeschoß das  Margarethenstüble enthält. Ein Dachreiter über der Westseite bildet den rechteckigen Turm, der den Glockenstuhl und auf der Nord- und Südseite die beiden Zifferblätter der Turmuhr trägt.

 

 

Der helle Innenraum hat auf der Westseite eine Empore und auf der  Ostseite den um 2 Stufen erhöhten Altarraum, der Altar, Taufstein, Kanzel und Orgel aufnimmt. Hinter dem Altar befindet sich in der Ostwand ein spätgotisches Sprossenfenster, das 1965 als Glasfenster mit Ostermotiven gestaltet wurde. Ein rundes Glasfenster in der Südwand zeigt das Bild der Kirchenpatronin.

Eine wesentliche Innenrenovierung, mit neuer Holzdecke, neuem Gestühl, Versetzung der Orgel in einen neuen Anbau an der Nordwand, Einfügen der Glasbilder und Bau einer Sakristei an der Westseite wurde 1964/65 durchgeführt. Diese Sakristei wurde 1996 durch den größeren Anbau ersetzt.

Die erste Orgel von 1824 wurde 1874 durch eine neue Orgel ersetzt. Das Werk war in einem, in gotischem Stil gebauten, Gehäuse untergebracht, das an der Ostwand der Kirche auf einem erhöhten Podest stand. 1983 wurden die 7 Registern des Orgelwerks erneuert und 1988 um das 2. Manual und 6 Register erweitert. Der alte Prospekt von 1874 steht heute noch vor der modernisierten Orgel.

 

 

Über die Größe und das Aussehen der Margarethenkirche vor dem 18. Jahrhundert ist uns weder ein Bild noch eine Beschreibung überliefert. Um 1880 entdeckte man in der Ostwand die Spuren eines vermauerten Bogens und folgerte daraus, dass sich ein Chor an das vorhandene Gebäuderechteck angeschlossen hatte.

 

 

 In den Ulmer Protokollen wird ab 1609 immer wieder über die Baufälligkeit der Weiler Kirche berichtet. 1809 mußte der Turm bis auf das Kirchendach abgetragen werden. Er wurde, so wie er  heute noch steht, 1818 wieder aufgebaut.

 

 

3 Glocken bilden das Geläute unserer Kirche. Die älteste, die Kreuzglocke, wurde 1794 von Thomas Frauenlob in Ulm gegossen. Die Taufglocke von 1950 und die Betglocke von 1962 stammen aus der Glockengießerei Kurtz in Stuttgart.

Eine zum Lutherfest 1883 gegossene Glocke wurde 1917 zu „kriegswichtigem Metall“ eingeschmolzen. An ihrer Stelle wurde 1919/20 eine „Kriegsersatzglocke“ beschafft, die dann aber im 2. Weltkrieg wieder abgeliefert und eingeschmolzen werden mußte.  In der schwierigen Nachkriegszeit  konnte am 21.12.1950 die neue Taufglocke endlich als zweite Glocke geweiht werden. Die Betglocke ist eine Stiftung des Ehrenbürgers von Weiler Prof. Dr. Arthur Burkhardt.

Im April 2007 wurde der Glockenstuhl aus Stahl durch einen hölzernen Glockenstuhl ersetzt und die bisherige gekröpfte Aufhängung der Glocken in eine normale Aufhängung geändert.

Innenraum der Margarethenkirche