Aidsseelsorge

Die Aidsseelsorge ist ein Angebot für Menschen mit HIV und Aids, ihre Angehörigen und Zugehörigen, seien sie nun Mitglied einer Kirche oder nicht.

 

In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gibt es Seelsorgerinnen und Seelsorger für Sie.


Wir sichern Ihnen Verschwiegenheit zu.
Wir bieten seelsorgerliche Gespräche und Begleitung an.
Wir beraten bei der Vorbereitung und der Feier von Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen zu dieser Thematik.
Wir kommen in Gruppen und Kreise.

 

Wir bieten einen geschützten Raum, in dem wir ohne Vorbehalte und ohne Schuldzuweisungen miteinander sprechen können

Pfarrer Volker Weiß

Der Aidsseelsorger für den Kirchenbezirk Geislingen ist

 


Pfarrer Volker Weiß

Klinikseelsorger an der Helfenstein-Klinik Geislingen

Oberböhringer Straße 5

73312 Geislingen (Steige)

Tel. (07331) 986 8803

Email: Volker.Weissdontospamme@gowaway.elkw.de 

 

 

Wir wenden uns

  • an Menschen, die sich über HIV und Aids informieren wollen
  • an Menschen, die von HIV/Aids betroffen sind und Hilfe suchen, wie
    man damit leben kann – als Infizierte, Angehörige, Freunde oder
    Freundinnen
  • an Betroffene, die seelsorgerliche Begleitung suchen oder eigene
    Fragen zu Religion und Glauben klären möchten
  • an Trauernde, die einen Menschen durch Aids verloren haben
  • an Betroffene, die eine Erwartung an die Kirche haben


Kontaktaufnahme ist außerdem möglich – auch anonym – über den landeskirchlichen Aidsseelsorger

 

Pfarrer Eckhard Ulrich
Markusplatz 1
70180 Stuttgart
Tel. 0711/60 38 55
Fax 0711/64 89 - 22 20 (bitte keine vertraulichen Mitteilungen)
aidsseelsorge_ulrichdontospamme@gowaway.yahoo.de

 

   


Aids hat viele Gesichter- Aidsseelsorge bei uns auch!

 

Dies wurde beim Rückblick anlässlich des 10 jährigen Bestehens der Aids-Seelsorge in der Evang. Landeskirche in Wuerttemberg deutlich. Dazu trafen sich ehemalige und gegenwärtige Aidsseelsorger und Aidsseelsorgerinnen aus etwa 50 Kirchenbezirken, Vertreter der Kirchenleitung und Förderer unserer Arbeit im Juli 2004 im Deutschen Institut für ärztliche Mission in Tübingen.


Am Anfang der kirchlichen Aidsseelsorge waren es nur wenige Pfarrerinnen und Pfarrer, die sich zusammen mit Kirchenrat Peter Mittler engagiert - und nicht immer unumstritten innerhalb der Kirche - mit dem Thema Hiv und Aids auseinander setzten und sich für Hiv- Infizierte und an Aids erkrankte Menschen und ihre Sorgen und Nöte einsetzten. Die Aidsseelsorge fing informell mit intensiven Einzelbegleitungen und Seelsorgegesprächen, jeweils vor Ort an. Sie waren häufig bestimmt von dem bedrohlichen Thema "Sterben und Tod" und der allzeit gegenwärtigen Frage "Wie lange werde ICH wohl noch leben?". Nach den ersten eindrücklichen und erschütternden Begegnungen mit Aids-Betroffenen und ihrer tödlichen Krankheit wurde schnell klar, dass die Kirche Position beziehen und eine entsprechende Struktur schaffen muss, um den vielfältigen Facetten, des noch immer weltweit brisanten Themas "Aids" zu begegnen. Die Gespräche kreisten fast immer um die Tatsache, dass die Krankheit zu der Zeit nicht bzw. nicht effektiv behandelbar war. Nach und nach kamen in den seelsorglichen Gesprächen die unterschiedlichen Themen in den Blick: Schuld und Schuldgefühle, Treue, Sexualität, Vielfalt der Lebensformen, Migration, Sucht, Homosexualität, Glaube und Aids und immer auch die Frage nach der Behandlungsmöglichkeit.


Die eigene Auseinandersetzung mit diesen Themen war und ist für mich persönlich und für mein theologisches Profil spannend und lohnend. Eigene Werte wurden und werden in den Gesprächen vielfach hinterfragt und oft auch kritisch angefragt. Schon Anfang der 90er Jahre wurde erstmals für mich auch im Gemeindekontext wahrnehmbar, dass von der Krankheit Aids eben auch der eigene Nachbar oder die engagierte Gemeindemitarbeiterin betroffen sein kann; Menschen also, die nicht nur aus Afrika kommen, auch nicht zu den klassischen Risiko- oder Randgruppen gehören, sondern die gut integriert in einer Kleinstadt oder in einem Dorf leben. Vor allem im ländlichen Bereich erlebten wir diese erste Zeit in der Aidsseelsorge als "die Zeit des Schweigens" – und an manchen Orten ist dies leider bis heute so geblieben. Zumindest im innerkirchlichen Raum war Aids vielfach tabu. So musste die Todesursache "Aids" oft auch von den Angehörigen verschwiegen werden und folglich gab es auch keine Aids-Toten und auch keine Bestattungen von Menschen, die an Aids verstorben waren. 


Für die praktische Aids-Arbeit vor Ort war es ein Motivationsschub und eine wirkliche Hilfe als sich die Evang. Landeskirche vor etwa 10 Jahren dafür entschied, offiziell die Aidsseelsorge einzurichten. Sie wählte bewusst ein dezentrales Modell: Geschulte Aidsseelsorger und Aidsseelsorgerinnen sind seither in einem Netzwerk über die ganze Landeskirche verteilt und stehen als Ansprechpartner für Aidskranke, ihren Angehörigen und Freunden in unmittelbarer Wohnortnähe zur Verfügung. Wer hingegen die Anonymität bevorzugt, findet im nächsten Kirchenbezirk ebenfalls einen kirchlichen Ansprechpartner, der ein offenes Ohr für die Lebens- und Glaubensfragen hat. Gegebenenfalls vermittelt dieser auch an eine Schwerpunktpraxis oder sonstige Beratungsstelle. Daneben gibt es eine Person in einem Ballungsraum (zur Zeit Stuttgart), die die einzelnen Aidsseelsorger und Aidsseelsorgerinnen bei ihrer Arbeit begleitet und für die Vernetzung mit anderen kirchlichen und nichtkirchlichen Einrichtungen sorgt. Angesichts knapper werdender Finanzmittel wird diese Vernetzung immer wichtiger.


Um den steigenden Anforderungen an die kirchliche Aidsselsorge eher entsprechen zu können, stimmte die Synode für fünf Jahre der Einrichtung einer Koordinationsstelle der Aidsseelsorge mit Sitz in Stuttgart zu. Diese Projektstelle war bis Januar 2004 mit Pfarrerin Martina Link besetzt. Seither teile ich mir diese Aufgabe mit meiner Kollegin Ruth Krönig.
Angesichts der rasanten Ausbreitung von Aids weltweit und den katastrophalen Auswirkungen auf die sozialen, wirtschaftlichen und familiären Strukturen, begegnet uns Aids immer wieder mit einem anderen Gesicht und stellt uns vor neue Herausforderungen. Entsprechend stand die diesjährige Fortbildungstagung der Aidsseelsorge unter dem Thema: "Seelsorge an Menschen aus fremden Kulturen". Ein junger afrikanischer Gast aus Togo berichtete eindrücklich vom Krankheits- und Heilungsverständnis im westlichen Afrika und von dessen Auswirkung auf den Umgang mit Hiv und Aids. 


Ein Höhepunkt meiner Arbeit als Aidsseelsorgerin stellte für mich in diesem Jahr die Teilnahme an der ersten Aids-Konsultation des Lutherischen Weltbundes in Osteuropa, Odessa, dar. Fast fünfzig Delegierte, vor allem aus osteuropäischen Ländern, aber auch aus Afrika, USA und aus Europa setzten sich fünf Tage lang intensiv mit den "verschiedenen Gesichtern", in denen Aids uns begegnet, auseinander. Erschreckend ist für mich nach vielen intensiven Gesprächen z. B. die Entdeckung, dass die Aidsprävention vielerorts in Osteuropa erst in den Kinderschuhen steckt und keineswegs Schritt halten kann mit dem Tempo in dem sich die Hiv- Infektion ausbreitet; erschreckend auch wie wenig Medikamente z. B. in der Ukraine zur Behandlung zur Verfügung stehen, weil das Geld fehlt. Der Zugang zu wirksamen Aidsmedikamenten darf einfach nicht vom Geldbeutel des Einzelnen abhängen. Jeder Mensch auf dieser Welt, der sterben muss, weil er sich die noch immer teuren Medikamente nicht leisten kann, ist ein Mensch zu viel!


Ernüchternd ist für mich die Tatsache, dass sich auch bei uns ein leichter Anstieg der Hiv-Neuinfektionen unter den Jugendlichen bemerkbar macht - und das trotz intensiver Präventionsarbeit in den vergangenen Jahren! Das bedeutet doch wohl, dass die bisherige Prävention ihr Ziel nur unzureichend erreicht hat. Als eine konkrete Konsequenz aus den Erfahrungen bei uns und auf der Aidskonsultation in Odessa sind wir nun dabei, nach effektiveren Möglichkeiten für die Aids-Prävention unter Jugendlichen Ausschau zu halten.


Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser selbst an diesem Thema dran sind, würden wir uns über Anregungen und Ideen dazu sehr freuen.


Eins ist wohl deutlich geworden! Aidseelsorge ist nötiger denn je! Nicht zuletzt damit, - wie kürzlich eine an Aids erkrankte junge Frau nach einem Beratungsgespräch sagte, – "dass die Kirche ein menschliches Gesicht zeigt und so auch für Menschen glaubwürdig wird, die dies kaum mehr zu hoffen gewagt haben."

 

Verfasserin: Pfarrerin Doris Bazlen

 


Weitere Informationen finden Sie unter:

www.aids-seelsorge.de