Beauftragter für Homosexualtität in der Prälatur Ulm

Pfarrer Manfred Metzger

Pfarrer Manfred Metzger, Aalen,  ist vom Landesbischof als Ansprechpartner für alle Fragen zu Homosexualität und Kirche berufen worden.

 

Als Seelsorger steht er unter dem Beichtgeheimnis. Er vermittelt Kontakte zu Gruppen von Lesben und Schwulen in der Kirche genauso wie zu Referentinnen und Referenten für kirchliche Veranstaltungen, Kirchengemeinderats-Wochenenden, Pfarrerfortbildungen etc.

 

Auch Adressen und Literaturhinweise sind bei ihm zu bekommen.
 
Kontakt-Adresse:
Pfarrer Manfred Metzger
Kopernikusstraße 9
73432 Aalen-Unterkochen
Fon: 07361 85 20
Fax: 07361 88 18 5
mail: Manfred.Metzger@elkw.de
ev.martinskirchedontospamme@gowaway.dont-want-spam.aadontospamme@gowaway.dont-want-spam.t-online.de

 

Weitere Infos unter:

http://www.elk-wue.de

Arbeitsfeld: Homosexualität

Fromm aber nicht hetero

Zwischenraum

Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut
(Gen. 1,31)

Sonntagnachmittag in Stuttgart. In einer Kirche treffen sich Männer und Frauen verschiedenen Alters zum Hauskreis. Es werden Kirchenlieder und neueres Liedgut gesungen, es wird gebetet, einer Andacht wird zugehört, Gespräche werden geführt und der Nachmittagszeit gebührend Kaffee und Kuchen verzehrt. Evangelikales Idyll in der modernen Schwabenmetropole – bisher nichts Ungewöhnliches.
Doch die Christen, die hier über Konfessionsgrenzen hinweg gemeinsam Hauskreis im feiern, stellen einige überkommene Weltbilder in Frage: Sie sind « fromm aber nicht hetero », wie sie es selbst bezeichnen, in anderen Worten: evangelikal/ pietistisch geprägt und homosexuell.

Eigentlich geht das nicht

Man kann nicht fromm und schwul sein. Man kann sich nicht als Kind Gottes ausgeben und gleichzeitig gegen seine Gebote (vgl. Lev. 18,22), und noch schlimmer gegen die Schöpfungsordnung verstoßen. Das war meine Überzeugung als junger Christ.
In diesem Dilemma befand ich mich mit Anfang 20. Bisher behütet aufgewachsen in einem kleinen württembergischen Dörfchen im Schwarzwald, christliches, intaktes Elternhaus und fest im Pietismus durch Kinderstunde, Jungschar, «d`Schtond» etc. verankert. Homosexualität gab es in dieser Wirklichkeit nicht, wenn dann nur im Fernsehen à la Dirk Bach und Konsorten.
In diese heile Welt brach dann aber die Erfahrung, dass ich mich von einem Freund in einer Weise angezogen empfand, wie ich es bisher noch nicht kannte. Später stellte sich dann die Erkenntnis ein, dass ich homosexuelle Empfindungen ihm gegenüber hegte.

 

Überzeugt von der Unvereinbarkeit meines Glaubens und der Homosexualität, vertraute ich darauf, dass Gott «diesen Kelch» an mir vorübergehen lassen würde. Nur eine Phase, eine Prüfung des Glaubens. Ein paar Monate später, eine Veränderung konnte ich noch nicht wahrnehmen, versuchte ich es mit intensiven Gebeten, Gelübden, weihte meinen Hauskreisleiter ein und bat ihn um Gebetsunterstützung. Gott solle mir die Partnerin zeigen, die er für mich vorgesehen hat, dann wäre alles erledigt und in Ordnung. Ich lernte dann auch eine überaus attraktive Christin kennen; ich hoffte auf das Wunder. Es kam aber mein Damaskus. Noch bevor die Beziehung richtig beginnen konnte, musste ich an einem schönen gemeinsamen Abend feststellen, dass die homosexuellen Regungen in mir stärker waren als die Zuneigung zu dieser Frau. Danach versuchte ich noch zwei Jahre lang, Änderung – manche Mitchristen nennen es auch Heilung – zu erlangen. Jedoch ohne Erfolg. Am Ende dieser Phase stand ich vor der Wahl: Glaube oder Neigung. An Gott verzweifeln oder auf ein Leben in Partnerschaft verzichten. Jede Entscheidung käme einer grausamen seelischen Amputation gleich.

 

Eigentlich geht das doch

Gut lutherisch ereignete sich die Wende in meiner Krise ausgehend von einer Vorlesung zum Römerbrief. Es ging um das neue Gesetz Christi vom Kreuz und was dieses gerade in der Auseinandersetzung mit dem alten Gesetz bedeutet. Jesu Antwort auf die Frage der Pharisäer kann diesen Gedanken konkreter werden lassen: « Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. » (Mk 2,27). Jesus zeigt hier auf, dass das oberste ethische Kriterium die Liebe sein soll und nicht die Buchstabentreue zum Gesetz.
Dieser Erinnerungsruf an die Gnade Gottes half mir, mich selber als schwulen Christen zu akzeptieren. Ja, Gott hat mich so gemacht, wie ich bin, und er liebt mich so, wie ich bin. Nichts kann mich aus meiner Gotteskindschaft vertreiben, auch keine homosexuellen Gefühle. Ganz wichtig ist mir in dieser Zeit ein Vers aus dem ersten Schöpfungsbericht geworden, mit dem die Schöpfung nach ihrer Entstehung qualifiziert wird: «Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut» (Gen. 1,31). Dieses göttliche «sehr gut» lernte ich nun auch über meinem Leben zu formulieren. Wenn Gott die Vereinbarkeit von Glaube und Homosexualität in meinem Leben gut heißt, warum wage ich ihn dann zu kritisieren?!

Was sagt die Bibel dazu?

Doch wie geht man als guter Christ mit den einschlägigen Bibelstellen um, die den geschlechtlichen Akt zwischen zwei Männern oder Frauen verbieten oder als Verwirrung betrachten?

 

Die Homosexualität, wie wir sie heute kennen, gab es weder zu Zeiten des Alten noch Neuen Testamentes. Der Bibel Antworten zu diesem Thema abzuringen ist ähnlich schwierig, wie eindeutige biblische Positionen zu anderen Themen wie atomarer Energie, Patchworkfamilien oder dem islamisch-christlichen Dialog zu finden.

 

Zur Zeit von Paulus war es hauptsächlich im griechischen Kulturraum verbreitet, dass ein verheirateter, gut situierter Mann einen Lustknaben haben konnte. Oft nahm der ältere Mann die Rolle des Mäzen oder Mentors ein. In diesem Zusammenhang kann man auch verstehen, wenn Paulus im 1. Kapitel des Römerbriefs davon spricht, dass die Männer oder Frauen ihren « natürlichen mit dem widernatürlichen Verkehr vertauscht haben» (V. 26f). Paulus sieht hier Männer vor sich, die ihre sexuelle Orientierung wechseln können. Dass man seine Orientierung aber nicht so einfach wechseln kann, musste nicht nur ich erfahren. Auch sieht Paulus diese Verwirrung in einer absichtlichen und wider besseren Wissens durchgeführten Ablehnung Gottes begründet. Die «Heiden» haben sich von Gott abgewendet und bekommen nun das, was sie verdienen. Paulus konnte sich nicht vorstellen, dass es auch Gläubige geben wird, die schon als Gläubige homosexuell empfinden.

 

 

Stéphane Schmid (links) mit Partner

Orientierung in den Herausforderungen der heutigen Zeit sollte uns eher die «Mitte der Schrift» geben, nämlich das Doppelgebot der Liebe. Die Liebe zu den Menschen soll unser Handeln und Denken bestimmen und nicht die Ablehnung.
Ich würde mich über eine Kirche freuen, die den Mut hat, ihre Position gegenüber Homosexuellen auch im kirchlichen Dienst zu überdenken, und so gegen die stille Abwanderung schwuler und lesbischer Gemeindeglieder vorgeht. Ich würde mich freuen, wenn der gemeinsame Glaube in unserer Kirche höher geachtet würde als die sexuelle Orientierung und somit auch homosexuelle Männer und Frauen bei ihrem Seelsorger und in ihren Gemeinden offene Türen anstatt Ablehnung oder Angst vorfinden könnten. Ich würde mich freuen, wenn nicht Hass und Abgrenzung die Diskussionen prägen würden, sondern die Einheit im Glauben durch gelebte Liebe bezeugt würde.



Stéphane Schmid   
Sigmaringen       

Der eingangs erwähnte Hauskreis trifft sich einmal im Monat an einem Sonntagnachmittag in Stuttgart. Er gehört zur ökumenischen Initiative «Zwischenraum e.V.» und besteht seit 2004 im Großraum Stuttgart. Weitere Informationen und Kontakt zu Zwischenraum: www.zwischenraum.net