Landwirtschaft und Ökologie

Der Arbeitskreis Landwirtschaft im Kirchenbezirk Geislingen mit Prälatin Wulz, Dekanin Hühn, Bezirkssynodenvorsitzender Bühler, Bezirksbauernpfarrer Braunmüller, Geschäftsführer des Bauernwerkes Dr. Clemens Dirscherl und Prälaturreferentin des Bauernwerkes, Renate Wittlinger

Von Georg Braunmüller, Bezirksbauernpfarrer
 
Der evangelische Kirchenbezirk Geislingen und der Bezirksarbeitskreis Geislingen des Evangelischen Bauernwerks befassten sich in der Bezirkssynode mit der Situation der Landwirtschaft. Die Anwesenheit von Prälatin Gabriele Wulz und dem Leiter des Landwirtschaftsamtes Göppingen, Hans Schuster, verdeutlichten die Wichtigkeit dieses Schwerpunktthemas.
 
 
Mit Betriebsbesichtigungen begann die Synode ihre Tagung. Besichtigt wurde der Milchviehhof Hans-Jörg Pressmar in Oberböhringen, die Schäferei Herb in Hausen und der Mühlenladen, ebenfalls in Hausen.
 
In seiner Andacht zu Beginn der Synodalsitzung ging Bezirksbauernpfarrer Georg Braunmüller auf das Gleichnis von den Anvertrauten Pfunden (Matthäus 25) ein. Renate Wittlinger stellte sich als Prälaturreferentin des evangelischen Bauernwerks in Württemberg vor.
 
Dr. Clemens Dirscherl, EKD Beauftragter für  agrarsoziale Fragen zu Landwirtschaft, Ernährung und ländlicher Raum und Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg widmete sich in seinem Vortrag zu „Landwirtschaft als Lebenswirtschaft - Beiträge aus kirchlicher Sicht“.
 
Lebensunterhalt ist Lebensinhalt
 
Dr. Dirscherl machte deutlich, dass nur noch 1, 8% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft arbeiten und diese nur 2 % des Bruttosozialproduktes erwirtschaften. Die Agrar- und Industriegesellschaft sei ein „Zusammenprall von Kulturen“. „Landwirtschaft ist Lebenswirtschaft“, so Dr. Dirscherl, „auch weil sie Landschaft pflegt und hegt“. Theologisch drückte er es mit den Worten von Albert Schweizer aus: „Ich bin Leben mitten von Leben, das Leben will.“ Er erinnerte auch an die biblischen Zusage: So lange die Erde steht, sollen nicht Aufhören Saat und Ernte…“ (1. Mose 9, 22).
Für die Landwirtschaft sei die Natur nicht verklärt, das wurde am Beispiel des Schlachtens von Tieren deutlich gemacht. Viele Menschen erführen aber eine „Entfremdung“ der Tiere und der Natur, weil sie keinen oder kaum Bezug zu ihr hätten. Dadurch würde die Arbeit der Landwirte oft nicht gewürdigt. Die Landwirte sehen sich in der Verantwortung für die Schöpfung und abhängig vom Schöpfer. Ihr Lebensunterhalt sei auch ihr Lebensinhalt.
Die Landwirtschaft und die Menschheit stünden vor der Aufgabe, wie die immer größer werdende Weltbevölkerung ernährt werden könne. Sicher sei die Prognose, dass die Zahl der Menschen von derzeit 6,9 Milliarden auf ca. 9 Milliarden ansteigen werde.
Die Ernährung müsse verändert werden, denn die Erde sei zu klein, um alle Menschen so zu ernähren, wie wir im wirtschaftlich gut situierten Europa es tun mit soviel Eiweiß und Fleisch. Immer mehr Anbaufläche werde auch genützt für Biogasanlagen und für den Anbau von Biosprit. Dr. Dirscherl nannte die drei Hauptprobleme für die Nahrungsproduktion: die Begrenztheit der Anbauflächen, die Konkurrenz durch Energieerzeugung und die Verwendung von immer mehr Subsitute vom Acker durch die Chemische Industrie. Der Kauf von Land durch Nationalstaaten und weltmarktführende Firmen sei heutzutage bereits voll im Gange. Das Ackerland sei zum begrenzten Gut und Spekulationsobjekt geworden.
 
Was tun?
 
Der Referent sprach sich für ein Umdenken in der Agrarethik aus, sowohl bei den Landwirten, als auch in der Gesellschaft. Die Lebensmittel müssten wieder mehr geschätzt werden und auch mehr wert sein. So könne sich jeder selbst fragen: Wo kaufe ich ein? Was und wieviel kaufe ich ein? Was sind mir Lebensmittel wert? Die Verbraucher sollten ihre Möglichkeit nutzen. Hier sei sehr wohl eine Macht vorhanden. Die großen Lebensmittelketten reagierten auf das Kaufverhalten der Kunden. Nicht umsonst würden Bioprodukte heutzutage in Supermärkten angeboten und nicht nur wie früher in besonderen Läden.
 
Regionale Produkte
 
Anschließend wurden regionale Produkte vorgestellt: Tobias Hösch stellte den Obstanbau- und verkauf in Schlat vor. Imker Hans Zehrer erläuterte die Bedeutung der Bienen und des Honigs und Petra Herb gab Auskunft über die Selbstvermarktung ihrer Schäferei in Hausen.