Worte des Jahres

Pfarrer Wolfgang Krimmer

Erinnern Sie sich an das "Wort des Jahres 2020", das die "Gesellschaft für deutsche Sprache" gekürt hat? Corona-Pandemie! Naheliegend. Hat doch das Corona-Virus das Jahr 2020 überschattet.

 

Jahr für Jahr werden zehn Worte eines Jahres veröffentlicht, sozusagen die Top-Ten der Sprachwissenschaftler. In 2020 stammen acht der zehn Begriffe aus dem Umfeld der Corona-Pandemie, so auch "Bleiben Sie gesund!" Das ist übrigens mein Lieblings-Begriff auf der sprachlichen Hit-Liste. Die einzigen zwei Nicht-Corona-Begriffe sind "Black Lives Matter" und "Gender-Sternchen".

 

Als Pfarrer arbeite ich zwangsläufig mit Sprache, weil sie unser Denken und unsere Gesellschaft widerspiegelt, weil Sprache unseren Glauben beschreiben kann. Ich erlebe unsere Wirklichkeit so, dass wir mehr und mehr von Medien beeinflusst werden: Früher hatte der Wetterbericht schlicht "Schneefall" angekündigt. Nun heißt es: "Wintereinbruch mit drohendem Verkehrschaos". (Dass viel Niederschlag bitter nötig ist, wird in diesem Zusammenhang kaum einmal benannt.) Weil Normalität kaum auf Interesse stößt, müssen Schlagzeilen und Sensationen kreiert werden.

 

Ich erlebe an mir selbst, wie es mir schwerfällt, mich von medialen Strömungen nicht einreißen zu lassen, zumindest einigermaßen selbständig und eigenständig im Denken und im Lebensgefühl zu bleiben.

So habe ich ausgehend von der "Corona-Begriffs-Lastigkeit 2020" meine eigenen Top-Ten-Worte des Jahres 2020 formuliert, (m)eine Art Jahresrückblick. Und das habe ich mir auch für 2021 vorgenommen: Dem Gottvertrauen Raum geben. Worten der Hoffnung Raum geben. Worten der Bibel und Worten von Liedern Raum geben.

Natürlich hoffe und wünsche ich mir  für uns alle, dass "Corona" aus dem Sprachgebrauch wieder schnell verschwindet, dass wir zu einem guten neuen Alltag zurückfinden. Dass andere Worte und wichtige Themen wieder an Raum gewinnen.

 

Ich grüße Sie mit der Jahreslosung aus 2020 (denn das war für mich auch eins meiner Worte meines Jahres): "Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!"

 

Wolfgang Krimmer, Pfarrer in der Christuskirchengemeinde im Täle, Degggingen-Bad Ditzenbach