Pfarrer Frank Esche verabschiedet

© Evangelische Kirchengemeinde Geislingen

Pfarrer Frank Esche

 

Von Claudia Burst, Geislinger Zeitung

 

Evangelische Kirchengemeinde Geislingen-Altenstadt und andere Wegbegleiter verabschiedeten gestern Pfarrer Frank Esche in der Martinskirche.


Der Geislinger Seelsorger Frank Esche nimmt in Erbach noch einmal eine neue Herausforderung an und wird dort geschäftsführender Pfarrer (wir berichteten). Gestern wurde er deshalb in der Martinskirche im Rahmen eines Gottesdienstes verabschiedet – fast 300 Gemeindemitglieder und andere Wegbegleiter nahmen diese Gelegenheit wahr, sich von Frank Esche persönlich zu verabschieden.

 

In die neun Jahre Tätigkeit, die der Pfarrer in Altenstadt verbrachte, fielen zahlreiche Umbrüche in der Kirchengemeinde, wie etwa die Fusion der Martins- mit der Markuskirchengemeinde, der Verkauf des Jugendheims inklusive des Einbaus eines neuen Gemeindesaals in die Martinskirche, der Wechsel der Pfarrstellen sowie entsprechende weitere Auswirkungen des letzten Pfarrplans.
„Bei solchen Umbrüchen tun sich immer auch neue Wege auf, gemeinsam mit anderen Kirchengemeinden etwas zu gestalten. Das hast du als Bereicherung empfunden und bist diese Wege gegangen“, sagte Anita Gröh als Vertreterin der Landessynode bei ihrer Abschiedsrede. Als Beispiel nannte sie den Religionsunterricht für Erwachsene mit Bad Überkingen oder die Kinderbibelwoche gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Geislingen.

 


Dekan Martin Elsässer bedankte sich bei Frank Esche für sein Mitwirken im gesamten Distrikt, in der Gesamtkirchengemeinde und in seiner Gemeinde. Mit seiner „besonnenen Art“ habe er Schwerpunkte gesetzt und Spuren hinterlassen. Dazu gehörte seine seelsorgerliche Arbeit und vor allem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Sowie das „Sitzen in der Stille“, mit dem er dem wichtigen „Hören auf Gott“ eine Form gegeben habe. Der Dekan ließ aber auch durchblicken, dass es bei der „hart umstrittenen Immobilienfrage“ Vorwürfe gegeben hat, „die Sie getroffen haben!“

Dem ab jetzt vorübergehend einzigen Pfarrer in Altenstadt, Dr.Tobias Kaiser, wünschte Martin Elsässer Kraft für die bevorstehende Vakaturvertretung.

 

Die Verabschiedung wurde verschönert und lebendig gestaltet mit viel Musik: 36 Kinder des Lindenschul-Chors waren gekommen, um „Herrn Esche“ eine Freude zu bereiten. Es sangen die Kantorei der Martinskirche und das Markus-Chörle. Und sogar einer der Grußredner ließ es sich nicht nehmen, das „Ade“ in Worte zu fassen: Bernhard Lehle als Vertreter von Oberbürgermeister Frank Dehmer und im Namen des Gemeinderates. Er lieh sich Hannes Waders Lied „Heute hier, morgen dort“ und fügte diesem noch eine eigene Strophe für den scheidenden Pfarrer an.

 

Der Schulleiter der Lindenschule, Christoph Straub, bedankte sich für „die vielen Dinge, die Sie mit angestoßen und Wege, die wir dadurch gemeinsam gefunden haben.“

 

Isabella Rapp sprach im Namen des Kirchengemeinderats, als sie sagte: „Wir behalten Sie in guter – nein, in bester – Erinnerung.“ Von den Mitgliedern des Rates erhielt Frank Esche einen Rucksack voller Wegzehrung von der Dosenwurst bis zum Beffchen – überreicht mit fröhlich-schwäbischen Gedanken.

 

Mit diesem Rucksack auf dem Rücken bekomme – so sagte es Frank Esche selber am Ende – der Ausdruck „Der Abschied fällt schwer“ eine ganz neue Bedeutung. Er bedankte sich bei allen Wegbegleitern und musste nach Ende der Veranstaltungen noch lange Hände schütteln.

„Ich will noch was gestalten“

© Claudia Burst, GZ

Pfarrer Frank Esche

von Claudia Burst, Geislinger Zeitung

 

Pfarrer Frank Esche verlässt Mitte Juli nach knapp neun Jahren die evangelische Kirchengemeinde Geislingen-Altenstadt. Seine neue Pfarrstelle ist in Erbach bei Ulm


Pfarrer Frank Esche ist 56. „Wenn ich jetzt wechsle, kann ich an der neuen Pfarrstelle noch aktiv etwas gestalten und bin nicht nur eine Übergangslösung“, erklärt der Seelsorger, warum er nach knapp neun Jahren an der Evangelischen Kirchengemeinde Geislingen-Altenstadt die Gelegenheit ergreift, eine neue Pfarrstelle in Erbach zu übernehmen. Dabei wird sich die neue von seiner bisherigen Geislinger Pfarrstelle in mehrerer Hinsicht unterscheiden.

 

Die evangelische Kirchengemeinde Erbach ist eine Diasporagemeinde, also evangelisch inmitten eines traditionell katholischen Umfelds. Dafür ist sie eine relativ junge Gemeinde, deren Gemeindemitgliederzahl wächst. Entsprechend gibt es dort weniger festgefügte Strukturen, als in einer traditionsreichen Gemeinde wie Altenstadt. „Das hat dann vermutlich den Nachteil, dass es schwieriger sein wird, Mitarbeiter zu finden, als es hier war“, schränkt Esche ein.

 

In Erbach wird er geschäftsführender Pfarrer, was er in seiner Vor-Geislingen-Stelle in Schwieberdingen ja ebenfalls bereits war.
„Mir hat es sehr gefallen, hier die zweite Pfarrstelle zu haben“, betont er. Zum einen wegen der freundschaftlichen Beziehungen zu seinen Altenstädter Ex-Kollegen Ulrike Ebisch und Martin Breitling. „Das waren eigentlich paradiesische Zustände. Und auch jetzt mit Tobias Kaiser klappt die Zusammenarbeit gut.“
Zum anderen deshalb, weil es durch die Dreierkombination Freiräume gab, die jeder der Theologen mit seinen Schwerpunkten ausfüllen konnte.

 

Das Herz von Frank Esche brannte für die Kinder- und Jugendarbeit, die er vor allem in enger Zusammenarbeit mit der Lindenschule praktizierte. Er brachte die Kirche in die Schule und erreichte auf diese – weithin innovative – Weise einen großen Teil der Kinder seiner Kirchengemeinde. „Kinder aus kirchenfernen Familien kommen nicht mehr zur Jungschar oder zu anderen Jugendgruppen in die Kirche“, erläutert er den Grund für diesen Weg. Der Grund liege zum einen darin, dass Kinder durch die Ganztagsschule stark eingebunden seien und durch Eltern, die nicht christlich-religiös geprägt seien, von solchen kirchlichen Angeboten nichts mehr erführen. „Wir sind mit unseren Gruppen eingebunden in die Nachmittagsbetreuung. Die Teilnahme ist freiwillig – und die Kinder sind mit Begeisterung dabei“, sagt er und lobt in diesem Zusammenhang seine Mitarbeiterin Jugendreferentin Romy Zerrenner, die für diesen Part hauptsächlich zuständig war. „Wir können den Kindern eine sinnvolle Lebensperspektive, Werte wie Nächstenliebe und christliche Hoffnung vermitteln. Das finde ich wichtig“, sagt Esche – auch wenn diese Art der Jugendarbeit keine Zunahme an Gottesdienstbesuchen oder an zählbaren Gemeindemitgliedern mit sich bringe. „Andererseits steigt die Teilnahme und das Interesse an den Kinderbibeltagen in der Stadtkirche oder an der Kinderkirche freitagnachmittags in der Martinskirche. Die Kinder kommen auch dann und bringen ihre Freunde mit.“


Als „geniale Ergänzung“ zu dieser Arbeit mit Kindern sieht er seinen eigenen Einsatz als Schulseelsorger. Durch seine Aufgabe als Religionslehrer an der Schule und die Zusammenarbeit mit Zerrenner, immer wieder auch dadurch, dass Schulleiter Christoph Straub ihn kontaktiert habe, habe er immer wieder das Gespräch mit auffälligen Schülern gesucht. „Nicht ein einziges Mal hat ein Schüler ein Gesprächsangebot abgelehnt“, betont er. „Es ist wichtig, das Kind oder den Jugendlichen als von Gott geliebtes Kind zu sehen und ihm entsprechend zu begegnen. Der Schüler spürt das – und solche Gespräche können Welten bewegen.“

 

Oft hat Frank Esche in seiner Arbeit als Schulseelsorger das erlebt und ist dankbar für die gute Zusammenarbeit mit Christoph Straub und auch das Vertrauen, das er im Lauf der Jahre von den Lehrern der Lindenschule erhalten hat.  

 

Diese Aufgabe wird Frank Esche an seiner neuen Stelle besonders fehlen. Er freut sich außerordentlich darüber, dass der Lindenschulchor bei seinem Abschied aktiv dabei sein will.