Vesperkirche in Geislingen


Der Prophet Jeremia schrieb vor 2500 Jahren an die Juden, die in Babylon als Gefangene leben mussten: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn. Denn wenn es ihr wohl geht, dann geht es auch euch wohl.“ Die Mitglieder der jüdischen Oberschicht sollten durch Gebet und Handeln zum Wohl ihrer Unterdrücker beitragen.

 

Das ist zum Glück nicht unsere Situation. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer schrieb 1945, dass Kirche in einem Nachkriegsdeutschland nur als Kirche für andere wird existieren können, ihr Auftrag kann nicht auf die Pflege ihrer Mitglieder beschränkt sein. 

 

Für die Mitarbeitenden der Vesperkirche aus evangelischen, katholischen und neuapostolischen Gemeinden soll die Vesperkirche nicht nur die Liebe zum Mitmenschen durch die Tat bezeugen. Sie soll auch zum Wohl der Stadt Geislingen und ihrer nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen. Deshalb sind alle Mitmenschen, nicht nur Kirchenmitglieder, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation eingeladen. Eine gute wirtschaftliche Situation ist gerade keine Eingangsvoraussetzung für die Vesperkirche.

 

Die offene Einladung an alle soll Begegnung zwischen und Gemeinschaft mit Menschen aus unterschiedlichen Milieus und Einkommensgruppen ermöglichen und damit zum Wir-Gefühl in Geislingen beitragen.

 

Die Vesperkirche finanziert sich ausschließlich aus Spenden von Privatpersonen und Firmen. Die Mitarbeitenden wirken bis auf die Putzfrau ehrenamtlich mit. Sie orientieren sich damit auch am Grundgesetz. Sie achten die Würde der Gäste, und sie setzen sich für das Gemeinwohl ein, denn Eigentum verpflichtet gerade dazu. So ist die Vesperkirche zu einem wichtigen Projekt der Geislinger Zivilgesellschaft geworden, an dem sich gern von Schulklassen bis zum  Landrat Gruppen und VIPs beteiligen.

 

Man sieht sich in der Vesperkirche!

Pfarrer i.R. Dr. Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer