Wer nachdenkt, dankt!

© Evangelischer Kirchenbezirk Geislingen

Pfarrer Jörg Beißwenger


Am Sonntag feiern wir in den Kirchen wieder Erntedank. Dazu sind die Kirchen und die Altäre kunstvoll mit allen Früchten, die bei uns so wachsen geschmückt. Besonders in den ländlichen Regionen fiel bei uns die Ernte gut aus. Im Sommer wuchs das Getreide ordentlich und die vielen Bäume, die sich unter der Last ihrer Früchte biegen, rufen jedem von uns zu: „Es war ein gutes Jahr!“ Grund zu danken und diesen Dank an den richtigen Adressaten zu bringen, Gott. Er bringt nach christlichem Verständnis das Leben hervor und lässt Saaten wachsen und gedeihen, zu Nutz und zum Genuss für den Menschen.

 

Der Mensch allein kann zwar hart arbeiten und vieles in der Landwirtschaft vorbereiten, aber dass dann doch etwas dabei rauskommt, das hat er nicht in der Hand. Letztes Jahr zum Beispiel hing an den Bäumen fast kein einziger Apfel und das Gemüse war nicht so üppig wie dieses Jahr. Dieses Jahr hatten viele Landwirte im Norden dagegen hohe Einbußen wegen der Trockenheit und auch bei uns sieht man noch vertrockneten Mais stehen. Wer über die Bedingungen menschlichen Daseins nachdenkt, dankt dem Schöpfer und Erhalter allen Lebens, er dankt Gott an Erntedank. Das Leben ist ein Geschenk und dieses Jahr ein schönes und überaus farbenfrohes und gut duftendes Fest.


Wer dankt, denkt nach!


Es ist nicht selbstverständlich, dass die Äcker und Felder Segen bringen. Im Herbst vor genau 200 Jahren wurde das Landwirtschaftliche Hauptfest zum ersten mal in Stuttgart Bad Cannstatt gefeiert, heute das Cannstatter Volksfest. Nach 2 Jahren mit kolossaler Missernte wegen eines Vulkanausbruchs in Indonesien konnten sich die Menschen 1818 erstmals wieder sattessen, weil eine gute Ernte eingefahren wurde.

König Wilhelm nahm dies zum Anlass, ein Fest zu veranstalten und gleichzeitig auch vorzusorgen, in dem er einen Schwerpunkt auf die landwirtschaftliche Forschung und landwirtschaftliche Innovationen legte, damit solch eine Hungerzeit wenigstens nach menschlichem Ermessen vermieden werden konnte.

Heute wirft jeder Bürger im Schnitt 80 kg Nahrungsmittel jährlich in den Müll. Bei einer 4 Köpfigen Familie macht das pro Werktag über ein Kilo Essensabfall aus. Das denke ich, kann nur statisch so sein. Bei uns zuhause landen grob geschätzt keine 10 kg Nahrungsmittel jährlich im Müll. Aber vieles wird erst gar nicht geerntet, vieles verdirbt schon in den Lieferketten, wird von den Läden als unverkäuflich entsorgt, vieles landet auch nach Betriebsschluss im Abfall, vieles wird auch in Krankenhäusern, Altenheimen, Hotels usw. weggeworfen, obwohl es noch einwandfrei wäre.

Als ich zur Schule ging, kam jede Woche ein Bauer zum gegenüberliegenden Restaurant und holte die Essensabfälle für seine Schweine ab. Das darf man nach dem BSE Skandal vor einigen Jahren nicht mehr. Aber es ist nicht gut, wenn so viel von dem, was Gott hat wachsen lassen auf dem Müll landet.

In theologischer Sprache ist diese Verschwendung „Sünde“. Wer dankt, denkt nach und will an diesem Punkt die Entwicklung stoppen oder gar umkehren.

Noch ein Tipp zum Schluss: Statt einen Kürbis auszuhöhlen und langsam vor der Haustüre verfaulen zu lassen, machen Sie doch eine gute Suppe und gehen Sie am 31. Oktober, dem Reformationsfest in die Kirche.

Wer dankt, denkt nach und das macht Sinn an Erntedank aber auch am Reformationsfest in die Kirche zu gehen und Gott zu danken. Weniger Sinn macht es Halloween zu feiern, finde ich. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein frohes Erntedankfest am Sonntag!


Ihr Pfarrer Jörg Beißwenger, Eybach.