Versöhnung

Pfarrerin Birgit Enders

 

Sie ist nicht immer einfach. Sie braucht oft viel Zeit. Manchmal findet sie gar nicht statt.

 

Die Bibel weiß, dass Versöhnung Jahrzehnte brauchen kann. So bei Jakob und Esau. Jakob hatte seinen Bruder um den Segen betrogen. Deswegen wollte Esau ihn umbringen und Jakob musste vor ihm fliehen. Erst Jahrzehnte später versöhnen sich die beiden Brüder. Versöhnung wird hier als innerer Prozess geschildert.

 

Menschen brauchen oft sehr lange, um einander verzeihen zu können, besonders wenn die Wunden tief sind. Im Vaterunser beten wir: „und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

 

Vergeben können im menschlichen Zusammenleben ist wichtig. Vergeben können ist Befreiung. Vergeben können ist Gnade. Aber vergeben können wir nicht auf Kommando, denn wir sind nur Menschen. Vergeben können braucht seine Zeit. Der Schmerz, den Menschen einander bisweilen zufügen, muss oft erst aufgearbeitet werden in therapeutischen Gesprächen, im Gebet, in Tagebuchaufzeichnungen, wie auch immer. Solche Aufarbeitungen können langwierig sein. Sie können gelingen. Sie können zur Versöhnung führen. Solche Aufarbeitungen kosten innere Kraft. Sie brauchen Zeit und Geduld.

 

Ein Sprichwort sagt: Zeit heilt Wunden. Das tut sie oft. Aber nicht alle Schicksalsschläge können alle Menschen immer verkraften. Manche Wunden nehmen Menschen auch mit ins Grab. Dennoch lebt es sich leichter, wenn wir mit uns selbst, unserem Schicksal, unseren Mitmenschen versöhnt sind. Wir selbst haben in unserem Leben Fehler gemacht, die Gott uns vergibt. Und andere Menschen haben in ihrem Leben Fehler gemacht, die Gott ihnen vergibt.

Wir alle leben von der Vergebung. Vergebung ermöglicht Versöhnung. Vergebung ermöglicht einen Neuanfang. Vergebung ermöglicht gutes Zusammenleben in den Familien, in der Stadt, weltweit.

 

Pfarrerin Birgit Enders, Geislingen