Alles ist eitel, du aber bleibst

© Evangelischer Kirchenbezirk Geislingen

Pfarrerin Michaela Köger

Seit einigen Wochen fallen die Blätter, und die Bäume werden zusehends kahler. Morgens überrascht uns Frühnebel. Die gesamte uns umgebende Stimmung bringt ins Grübeln.
Wie vergänglich ist doch die gesamte Schöpfung? Es ist ein steter Wandel, ein Entstehen und Vergehen.
Was ist letztlich der Mensch? Unterworfen seinen Grenzen, endlich, vergänglich… Das gesamte Leben, all sein Tun bleiben nichts als Stückwerk.
Was ist der Mensch? So unendlich verletzlich! Ein Freund erhält die unheilvolle Diagnose, dass der Tumor bösartig ist und die Medizin an ihr Ende kommen wird.

Da sind so viele Gedankenfetzen – auch in der Schule, wenn ich vor jungen Menschen stehe, von denen die meisten ihre Heimat verloren haben, weil Menschen sich einander in Kriegen Gewalt angetan haben und weiterhin antun. Warum bedrohten und bedrohen von Ideologie und Religion Verführte die Christen der Ninive-Ebene und die Jeziden im Sindschar Gebirge? Warum müssen oftmals schiitische Muslime in Afghanistan um ihr Leben fürchten?

 

Alles Leben ist vergänglich. Wir alle wissen darum. Aber warum vergällen wir es uns gegenseitig? Warum geben wir Hass und Gewalt Raum? Warum sind unsere Worte oftmals so lieblos und feindselig?
Der Friede unter uns Menschen ist stets bedroht und zerbrechlich.

 

Als Klassengemeinschaft, bestehend aus Schülerinnen und Schülern aus neun Nationen, machen wir uns auf den Weg, über das christlich geprägte Europa zu sprechen. Gemeinsam suchen wir nach Möglichkeiten, wie ein Miteinander in einer Gesellschaft mit Menschen unterschiedlichster Prägung gelingen kann. Wir entdecken, dass ein gesundes Gottvertrauen zu gegenseitigem Respekt führen kann und dass es Menschen für ein Verstehen des Glaubens und der Prägung des anderen öffnet.

Bilder aus Halle, die in den letzten Wochen durch die Medien gingen, erschrecken mich. Was ist der Mensch, dass er Mitmenschen so Furchtbares antut - auch auf bundesdeutschem Boden?

Alles Tun und Mühen für das Gute bleibt letztlich Stückwerk, aber es ist getragen von der Hoffnung.
Die Herbstmonate können melancholisch stimmen und lassen Gedanken aufkommen. Wir hängen ihnen nach wie in sonst keiner anderen Jahreszeit.
Doch über allem unserem Tun und Lassen steht Gottes Ratschluss. Alles Leben ist von Gott, gehalten vom ersten bis zum letzten Atemzug und auch darüber hinaus!



Alles ist eitel, du aber bleibst,
und wen du ins Buch des Lebens schreibst.
Du aber bleibst, du aber bleibst.
Alles ist eitel, du aber bleibst,
du aber bleibst, du aber bleibst,
und wen du ins Buch des Lebens schreibst.

Der Dichter und der Komponist dieses Kanons im Gesangbuch (EG 559) haben sich angesichts unseres Mühens und der zwischenmenschlichen Abgründe, angesichts aller Vergänglichkeit von der Bibel, vom Buch Prediger und von der Offenbarung, inspirieren lassen.
All unserem Scheitern, all unserer Vergänglichkeit steht Gottes Größe, seine Barmherzigkeit und Weisheit gegenüber. Wir können darauf bauen!

 

Michaela Köger, Pfarrerin in Süssen