Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden

© Evangelische Kirchengemeinde Geislingen


Uralt ist die Osterbotschaft. Können wir sie noch schmecken, erahnen, begreifen in ihrem Protest gegen den Tod, ihrem Jubel für das Leben?


Historisch bleibt Ostern unfassbar. Unfassbar, dass die kleine Jesusbewegung sich nach Karfreitag nicht einfach auflöste. So war es doch schon so oft gewesen. Eine Gruppe in Israel sagt: Hier ist er, der Messias. Die Römer, nachsichtig mit der Religiosität des kleinen Volkes am Jordan, aber gnadenlos, wenn es um ihren Machterhalt geht, schauen eine Weile zu. Bis zu viele Hosianna schreien, dann fürchten sie Unruhen. Also wird er hingerichtet, der Messias. Fertig. Kein Hahn wird nach ihm krähen. So war es immer gewesen. So hatte es funktioniert.

 

Und nun dies. Erscheinungen, immer wieder. Die für mich schönste Geschichte: Maria und der Auferstandene im Garten. Früh am morgen sind die Frauen zum Grab gegangen, aus Angst vor den Römern. Erst erkennt sie Ihn nicht. Dann nennt Er sie beim Namen. Rabbuni, mein Lehrer, kann sie nur noch stammeln. So nannte sie Ihn als er noch lebte.

 

Nein, der Auferstandene ist nicht einfach zurückgekehrt in sein bisheriges Leben. Es gibt kein „weiter so“ nach dem Tod. Und doch ging es weiter, nach dem Kreuz. Und zwar nicht wie immer. Die Römer hatten gedacht, sie würden fertig mit Ihm, wenn sie Ihn aufs Kreuz legen. Aber entgegen ihren Erfahrungen und Erwartungen wurden sie es nicht. Es funktionierte nicht wie immer. Er kam wieder. Seine Freundinnen und Freunde kamen wieder zusammen. Und noch heute ist jeder Kirchturm auf der Welt ein Zeichen dafür, dass es nicht funktioniert hat. Dass man die Liebe nicht mit einem Mord aus der Welt schafft.

 

Sie kamen zusammen und lebten ein Leben gegen den Tod. Gegen die Resignation. Ein Leben gegen die zerstörerischen Kräfte, die seit jeher groß sind. Die nach der Welt immer wieder greifen. Aber auch nach den einzelnen Menschen. Die hineinreichen in Herzen. Die hinunterziehen und Kräfte absaugen. Den Schlaf rauben. Und Freude.

 

Ostern ist ein Lachen über den Tod, der uns immer wieder angrinst. Auch mitten im Leben. Dorothee Sölle, große Theologin und fromme Mystikerin, schreibt in einem Gedicht:


Sterben muß ich
aber das ist auch alles
was ich für den tod tu

Lachen werde ich gegen ihn
geschichten erzählen
wie man ihn überlistet hat
und wie die frauen ihn
aus dem land trieben

Singen werd ich
und ihm land abgewinnen
mit jedem ton…


Dietrich Crüsemann ist Pfarrer an der Stadtkirche in Geislingen