Die neue Kirchenbezirks-Zeitung Geislingen

Die neue Kirchenbezirks-Zeitung Geislingen ist da


"Zeitgeist"  ist das Thema der neuen Ausgabe 2018.

Damit beschäftigen sich viele Autorinnen und Autorinnen in dieser Geislinger Kirchenbezirks-Zeitung.


Wie in den vergangenen Jahren wird die Kirchenbezirks-Zeitung in alle evangelischen Haushalte im Kirchenbezirk verteilt. Wer weitere Exemplare möchte, kann diese in den Kirchen, bei den Pfarrämtern bzw. im Dekanatamt in Geislingen erhalten.

 

Die neue Ausgabe:

 

Kirchenbezirks-Zeitung Geislingen 2018

© Evangelischer Kirchenbezirk Geislingen

 

Dekan Martin Elsässer schreibt in seinem Vorwort zur Kirchenbezirks-Zeitung:

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer war nicht schon vom Zeitgeist erfasst oder wenigstens berührt ? Für manche hat der Begriff „Zeitgeist“ eher eine negative Note, im Sinne von unkritischer Anpassung an „moderne“ Werte und Haltungen, die man eigentlich ablehnt. Der Zeitgeist verdirbt bewährte Einstellungen und Verhaltensweisen und bringt Menschen dazu, ihr eigenes Denken und Wollen zugunsten einer Orientierung an anderen aufzugeben. Für andere dagegen ist der Zeitgeist verantwortlich für Fortschritt und neue  Aufbrüche in der Gesellschaft. Er bringt frischen Wind in das Zusammenleben und überwindet festgefahrene Ansichten und für unbeweglich gehaltene Positionen.

 

Es bleibt die Frage: Wer oder was macht den Zeitgeist, wer bestimmt ihn, wer redet von ihm wozu? In Zeiten der Diktatur und Alleinherrschaft einer Partei oder Ideologie wird der Zeitgeist in der Regel bestimmt und in der gesamten Gesellschaft verbreitet, in einer Demokratie mischen sich Einflüsse aus Wirtschaft und Politik, Gesellschaft und Medien, Kultur und Wissenschaft zu dem, was dann Philosophen oder Soziologen als Zeitgeist analysieren, oder was eine aufmerksame Zeitgenossin oder ein wacher Zeitgenosse eben als Zeitgeist bezeichnen würde.

 

Zeitgeist ist eine historische Größe, an der wir unterschiedliche Epochen zu erkennen meinen, unterschiedliche Zeiten vergleichen, das kommt auch in verschiedenen Beiträgen dieses Heftes zum Ausdruck. Wie etwa in der Umfrage mit Menschen verschiedener Generationen und ihrem Blick auf frühere Zeiten und unsere Gegenwart. Dabei ist deutlich, dass der Zeitgeist nicht die Gegenwart abwertet gegenüber vergangenen Zeiten, dass aber der Blick für unterschiedliche Lebens-bedingungen und -herausforderungen klarer wird. Der Begriff bleibt allerdings immer von seiner Deutung, seiner Interpretation abhängig, es gibt keinen Zeitgeist an sich, der sich für alle gleich darstellt.

 

Für Christen war der Zeitgeist eine zwar immer interessante, aber nie bestimmende Größe. Das heißt nicht, dass nicht einzelne Christen sich dem Zeitgeist hingegeben hätten oder hingeben. Die Versuchung mit der vorherrschenden öffentlichen Meinung gemeinsam zu sein oder anders gesagt modern zu sein, liegt in uns allen. Und gerade die Religion, der zu fast allen Zeiten eine veraltete, rückwärtsgewandte Einstellung zum Leben nachgesagt wird, versuchte oft besonders nachdrücklich zu beweisen, wie modern und nahe am Zeitgeist sie sich bewegt und versteht. Manche Gläubige machen den Kirchen den Vorwurf, sich dem Zeitgeist zu unterwerfen und eigene wichtige Positionen dafür aufzugeben. Eine Kirche Jesu Christi wird aber immer nahe an den Menschen sein müssen und sein wollen und deshalb aufmerksam wahrnehmen, „was gerade an der Zeit ist“.

 

Dass die Wurzel ihres Glaubens und Handelns nicht im Zeitgeist liegt, sondern in Jesus Christus und seiner Botschaft des Evangeliums, das hat sie in jeder Zeit neu zu sagen und zu leben. Damit die Menschen es verstehen und auch erleben, muss es aber immer wieder neu und zeitgemäß gesagt und vermittelt sein. Dafür bitten wir um den Heiligen Geist, die Geistkraft Gottes, die aber wirkt und weht, wo und wann sie will. Das bringt Entwicklung und Veränderung auch in den Kirchen mit sich. Über vieles, was heute in unserer Evangelischen Kirche gelebt und praktiziert wird, sind wir froh und dankbar, auch weil es den ursprünglichen Anliegen der biblischen Schriften und der Reformatoren entspricht, so wie wir das heute verstehen. Wir können dabei an 50 Jahre Frauen-Ordination in diesem Jahr denken. Unser Glaube bleibt ein kritisches Gegenüber zum sogenannten „Zeitgeist“, wo dieser die Selbstdarstellung des Menschen und den absoluten Wettbewerb an Schönheit und Leistung zum Maßstab der Zeit machen will. Christen sind nicht abhängig vom Zeitgeist und brauchen von ihm keine endgültige Orientierung. Der Zeitgeist bleibt ein Thema, für alle, die sich Gedanken machen über das, was ihr Leben früher und heute bestimmt, wonach sie sich ausrichten und was ihnen erstrebenswert ist.

 

Freuen Sie sich an der geistvollen Arbeit der Autorinnen und Autoren und der Redaktion dieser Ausgabe der Kirchenbezirkszeitung. Lesen Sie die anregenden und informativen Artikel aus der „Jetzt-Zeit“ unseres Kirchenbezirks. Mit herzlichem Dank wieder an alle, die zur Entstehung, Gestaltung und Verteilung dieses Heftes beigetragen haben, grüße ich Sie herzlich


Ihr
Dekan Martin Elsässer




 

Das Redaktionsteam

© Evangelischer Kirchenbezirk Geislingen

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