Kirchenbezirks-Zeitung Geislingen 2019



"Europa - christliches Abendland?"  ist das Thema der Ausgabe der Kirchenbezirks-Zeitung 2019.

Damit beschäftigen sich viele Autorinnen und Autorinnen in dieser Geislinger Kirchenbezirks-Zeitung.


Wie in den vergangenen Jahren wird die Kirchenbezirks-Zeitung in alle evangelischen Haushalte im Kirchenbezirk verteilt. Wer weitere Exemplare möchte, kann diese in den Kirchen, bei den Pfarrämtern bzw. im Dekanatamt in Geislingen erhalten.

 

Die neue Ausgabe:

 

Evangelische Kirchenbezirks-Zeitung Geislingen 2019

 

© Evang. Kirchenbezirk Geislingen

 

Dekan Martin Elsässer schreibt in seinem Vorwort zur Kirchenbezirks-Zeitung:

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Was ist Europa?

 

Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer sagte im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Seit ich einigermaßen erwachsen bin, kann ich mit Nationalstaaten wenig anfangen. Ich sehe Europa sehr gern zusammenwachsen. Ich denke, dass das die einzige Möglichkeit ist, dass es gut ausgehen kann.“ Ist Europa so gesehen ein „einzigartiges Friedensprojekt“ (Landesbischof July vor der Württembergischen Evangelischen Landessynode im März 2019) nach den Trümmern und Toten der Weltkriege oder aber eine überbordende, alles verkomplizierende Bürokratie?

Ist Europa ein heute selbstverständlicher Horizont fürs Studieren, Lernen und Arbeiten der jungen Generation oder ein politischer Koloss, dessen Akteure sich in entscheidenden Fragen kaum einigen können? Ist es der Ursprung wichtiger Werte der Menschheit oder der Kontinent mit den schlimmsten Verirrungen von Völkermord und Antisemitismus? Ist es ein Ort für Menschlichkeit und Toleranz oder will es sich durch harte Außengrenzen abschotten?

Europa können wir uns von vielen Seiten und Erfahrungen her nähern, es bestimmt nicht nur unsere Geschichte, es bildet den Rahmen für unser gegenwärtiges politisches und kulturelles Leben, trotz Brexit und Unterschieden Ost-West.
Das christliche Abendland jedenfalls war Europa in seiner Geschichte selten, denn auch das Judentum hat die europäischen Gesellschaften entscheidend mitgeprägt und sich hier in der Diaspora in eigenen Formen entwickelt, allerdings oft bedroht und verfolgt.
Auch der Islam hat wichtige religiöse und kulturelle Spuren gelegt, im Mittelalter etwa in Spanien, und seit einigen Jahrzehnten durch Migrantinnen und Migranten in so gut wie allen europäischen Gesellschaften. Was Europa in der Kunst und Kultur ausmachte, lebte und lebt immer auch vom Austausch, von Wegen in die Fremde, von den Erfahrungen in anderen Ländern.

Durch Partnerschaften von Städten und Gemeinden haben sich in den letzten Jahrzehnten europäische Verbindungen entwickelt; besonders zwischen Franzosen und Deutschen sind eine langsam, aber stetig wachsende Aussöhnung und ein freundschaftliches Verhältnis entstanden. Dabei waren engagierte Christen über ihre Gemeinden, aber auch die bürgerliche Öffentlichkeit als Brückenbauerinnen und Brückenbauer aktiv. Es sind oft die persönlichen Kontakte und Erfahrungen, die Europa ausmachen. Sie geben europäischer Politik eine Basis und Europa ein neues Gesicht. Es sind Kinder und Jugendliche, die mit einem „europäischen Blick“ aufwachsen.


Auch in unserem Kirchenbezirk leben Menschen mit europäischer Biographie und familiären oder beruflichen Verbindungen in andere Länder unseres Kontinents. Sie bilden die internationale Ausrichtung des Christentums ab, die es von Anfang an nach Europa brachte. In der Ökumene haben es die protestantischen Kirchen mit der katholischen Kirche und ihrem Zentrum in Rom, mit verschiedenen orthodoxen Kirchen vor allem in Ost- und Südosteuropa sowie den Anglikanern in Großbritannien zu tun.

Die evangelischen Kirchen in Europa treffen sich immer wieder über die GEKE (Gemeinschaft
Evangelischer Kirchen in Europa) zu einer Vollversammlung, die letzte fand 2018 in Basel statt. Die aktuelle Geschäftsführerin der GEKE ist eine württembergische Pfarrerskollegin mit Dienstsitz in Wien. Nicht nur das ist ein Zeichen, dass wir auch als Landeskirche mitten drin sind in der europäischen Verständigung, mit allen Mühen und aller Geduld, die das erfordert. Die Fragen nach Gerechtigkeit, fairen Arbeitsbedingungen, Klimaschutz, Migration, den Rechten und Freiheiten von Frauen in Religion und Kirche, der Macht des stark gewordenen Populismus bleiben auf der Tagesordnung.
Der Frieden scheint uns im europäischen Zusammenleben selbstverständlich geworden. Ihn immer wieder neu mit Vertrauen und mit Verträgen zu bauen, bleibt ein Auftrag für uns Christen. Jürgen Klopp, der deutsche (schwäbische) Trainer des FC Liverpool wurde jüngst von der Landesregierung als „Gesicht Europas“ ausgezeichnet, als „nicht nur leidenschaft-licher Trainer, sondern auch leidenschaftlicher Europäer“. Das sollte man uns auch nachsagen.

 

Beim Entdecken und Lesen des vielfältigen europäischen Panoramas an Themen, Menschen und Bildern in dieser Kirchenbezirkszeitung wünsche ich Ihnen viel Freude und anregenden Stoff zum Nachdenken und Diskutieren! Wieder gilt mein Dank allen, die diese Ausgabe 2019 mit erarbeitet haben, als Autorinnen und Autoren, in der Redaktion, im Erstellen, Ausliefern und Verteilen.


Dekan Martin Elsässer

Das Redaktionsteam

© Evang. Kirchenbezirk Geislingen

v.l.n.r. Günther Alius, Wolfgang Krimmer, Margarete Kaiser-Autenrieth, Anita Gröh, Klaus Hoof, Helga Striebel, Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer